Kosacken und ging allein auf die Tschetschenzen zu, deren Feuer sogleich aushorte, da sie ihn lebendig zu fangen beabsichtigten, um ein Lösegeld zu erhalten. Kaum war er in der Gewalt der Feinde, als er in der Ferne die Hülfe erscheinen sah, die man ihm sandte; aber cs war zu spät: die Räuber entfernten sich schnell.
Sein Dentschick*) war mit dem Maulthicre zurückgeblieben, das die Equipage des Majors trug. In einer Berg- scylucht verborgen, erwartete er den Ausgang des Treffens, als die Kosacken ihm begegneten und ihm den Unfall seines Herrn mittheilten. Der brave Diener entschloß sich sogleich, sein Loos zu theilen, und schlug die Richtung nach der Gegend ein, in welche sich die Tschetschenzen zurückgezogen hatten, indem er sein Maulthier mit sich führte und sich nach den Spuren ihrer Pferdehufe richtete. Als er sie bei der Dunkelheit zu verlieren anfing, traf er einen feindlichen Nachzügler, der ihn nach dem Lager der Tschetschenzen führte.
Man kann sich eine Vorstellung von dem Gefühle machen, das der Gefangene empfand, als er seinen Dentschick in der Absicht kommen sah, freiwillig sein übles Loos zu theilen. Die Tschetschenzen theilten sich sogleich in die Beute, die man ihnen zuführte; dem Major ließen sie nichts als eine Guitarre, die sich in seinem Gepäcke befand und die man ihm zum Spott zurückgab. Iwan (das war der Name des Dentschick) bemächtigte sich derselben und weigerte sich, sie wegzuwerfen, wie ihm sein Herr rieth. „Warum sollen wir uns entmuthigen lassen? sagte er zu ihm; d e r G o t t d er R u sse n ist groß**); es liegt im Interesse der Räuber, Sie zu bewahren; sie werden Ihnen kein Leid anthun."
Nach einem Halt von einigen Stunden setzte sich die Horde wieder in Marsch, als einer ihrer Späher sie benachrichtigte, daß die Russen anrückten und daß wahrscheinlich die Besatzungen der andern Forts sich zu ihrer Verfolgung vereinigen würden. Die Anführer hielten Rath : es handelte sich darum, ihren Rückzug zu verbergen, nicht allein um ihren Gefangenen zu bewahren, auch um den Feind von ihren Dörfern abzuhalten und so seine Repressalien zu verhüten. Die Horde vertheilte sich auf verschiedenen Wegen. Zehn Leute zu Fuß wurden ausgewählt, die Gefangenen zu geleiten, während ungefähr hundert Reiter zusammen blieben und einer entgegengesetzten Richtung von der, welche man mit Kaökambo cinschlug, folgten. Man zog ihm seine Reiterstiefeln aus, die leicht eine erkennbare Spur auf dem Boden hätten zurücklassen können, und nöthigte ihn, sowie Iwan, einen Theil des Morgens mit nackten Füßen zu marschiren. (Forts. f.)
*) Dienender Soldat.
**) Gewöhnliches Sprichwort der russischen Soldaten im Augenblick der Gefahr.
Aus der Rede Bassermanns über dieILage von Berlin.
„Die Zustände in Berlin kennen Sie, meine Herren, Sie wissen, wie weit es dort mit der Freiheit der Bcrathung gekommen war; Sie haben gehört von den Todesbebrohungen der Deputirten, von Vernagelung des Sitzungssaales, es sind dies Thatsachen, die offen vorliegen. Wohin diese Zustände die Berliner Versammlung geführt, zu welchem Widerspruch sie dieselbe mit dieser deutschen Nationalversammlung, z. B. bei Gelegenheit des Philipps'schen Amendements gebracht, ist Ihnen ebenfalls bekannt. Sollte im Sinne der deutschen Einheit, die wir zu begründen berufen sind, eine Harmonie zwischen der Berliner und Frankfurter Nationalversammlung herbeigeführt werden, so war es unumgänglich nothwendig, deß die Freiheit der Berathung dort gesichert, und der beispiellost Zustand, welcher in der Hauptstadt herrschte, beendet wurde. Auf der andern Seite war vom Reichsministerium mit der preußischen Regierung das Wichtigste zu verhandeln in Bezug auf das Verhältniß der Zentralgewalt zu den Einzelregierungen. Um nach diesen beiden Seiten hin zu wirken, sandten mich meine Kollegen im Ministerium nach Berlin. Was in Bezug auf die Freiheit der Berathung zu thun sey, das sollte ich dort mit dem preußischen Gouvernement in Verhandlung nehmen.
Doch als ich noch in Dessau war, hörte ich am Stationsplatze schon als dunkles Gerücht die von der preußischen Re-, gierung getroffenen Maßnahmen, und in Luckenwalde, zwei Stationen vor Berlin, erfuhr ich auf das Unzweideutigste, daß das Ministerium Brandenburg sich gebildet habe,.daß die Verlegung der Nationalversammlung nach dem Städtchen Brandenburg ausgesprochen und die Vertagung derselben bis zum 27. d. M. angeordnet sey. Mit welchen Erwartungen ich nach Berlin einfuhr, können Sie sich denken, meine Herren, ich fand indeß die Stadt vollkommen ruhig.
Spät kam ich an, durchwanderte aber noch die Straßen und muß gestehen, daß mich die Bevölkerung, welche ich auf denselben, namentlich in der Nähe des Sitzungslokales der Stände erblickte, erschreckte; ich sah hier Gestalten die Straßen bevölkern, die ich nicht schildern will. Am andern Morgen besuchte ich die Sitzung des Theiles der Nationalversammlung, welcher auch nach der Vertagung seine Berathungen fortsetzte. Es wurde mir klar bei dem Anblick der Versammlung, welche gegenüber dem ausgesprochenen Willen'der Regierung und trotzdem forttagte, daß hier die größten Gefahren des Zwiespaltes drohen mußten, wenn nicht alsbald der ganzen Sachlage eine andere Wendung gegeben werde.
Ich setzte mich in's Benehmen mit Mitgliedern der Nationalversammlung aus sehr verschiedenen Fraktionen, hörte die Aeußerungen vieler Bürger der Stadt, war den ganzen Tag von Besuchern umlagert und selbst ein Abgesandter demokrati-