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Von diesen Gesinnungen der Duldsamkeit ausgehend, kann ich die verschiedensten Meinungen, die man jetzt in den Ver­sammlungen zur Begründung einer freien Verfassung der evan­gelischen Kirche im deutschen Vaterlande hört, mit der größten Ruhe vernehmen, selbst wenn sie auch den meinigen schnur­stracks entgegenlaufen. Daß sich auch in den Synoden eine rechte und llnkeZSeite bildet, finde ich auch sehr natürlich. Aber die Konsequenz von einer Art von Menschen ist mir sehr aufgefallen, nämlich derjenigen, welche zur politischen Partei der äußersten Linken gehören, der Leute, welche die Revolutio­nen permanent machen möchten und dafür halten, daß die Flu­ren des Vaterlandes am herrlichsten würden, wenn sie mit Blut gedüngt würden. Daß dergleichen Leute auch ihr Scherf­lein zur Verherrlichung der Kirche beitragen wollen, ist doch wahrhaft lächerlich, da die äußerste Linke gegen alle Religion protestiren muß, wie Diejengen auch wirklich thun, die offen genug sind, es zu sagen. Will die äußerste Linke wahrhaft konsequent seyn-, so muß sie es machen wie der Franzose Proudhon, und Gott geradezu für Unsinn erklären, oder wie Ruge und Vogt,die genialen Atheisten." Der Letztere sagt geradezu, er begreife nicht, wie man in der Paulskirche von Gott, der nicht eristire, von Religion, deren Bedürfniß in Deutschland heute Niemand fühle, und endlich von einer Kirche, die als Hemmschuh und Feindin öffentlicher Freiheit und Glück­seligkeit deutschen Volkes auszurotten sey, lange Reden dekla- miren und sich gegenseitig im Streit erhitzen möge.

Der Umstand bringt aber die äußerste Linke nicht wenig in Verlegenheit, daß das in Kittel gekleidete Volk,der edelste Theil der deutschen Nation",die unterste, unverdorbenste Schichte der Gesellschaft", um deren Gunst sie buhlt, so viel auf Religion hält und sich dieses theuerste Kleinod nicht will rauben lassen. Darum sind sie denn genöthigt, in Angelegen- heiten der Religion sich einige Gewalt anzuthun, aber^sie ma­chen in diesem Falle die Kirche ihrer Politik dienstbar und wühlen in ihr ganz auf dieselbe Weise, als sie im Staate wühlen. Am übelsten sind aber die Geistlichen dieser Richtung daran, welche um des lieben Brodes willen im Dienste der Kirche bleiben müssen, obgleich die Kirche ihnen ein Hohn und Spott ist. Vielleicht machen sie es aber wie Dowiat, der sich das Prädikatdeutsch-katholischer Pfarrer" verbittet und sich folgendermaßen äußert:Ich habe die religiöse Bewegung stets nur als Mittel zur sozial-politischen Agitation betrachtet. Jetzt ist die Maske und solglich die ganze religiöse Bewegung unnöthig; ich habe nicht das Geringste mehr mit derselben zu thun." ________________

Cirr englisches Urtheil über die Deutschen.

Der Standard, bekanntlich das Organ des eingefleischten Toryismus, enthält einen leitenden Artikel, den wir, ohne uns an unseren Lesern zu versündigen, ihnen nicht vorenthalten

dürfen. Da wir das Blatt selbst nicht zu Gesicht bekommen, entlehnen wir die wörtliche Uebersetzung des saubern Ausfalls der Allgemeinen Zeitung:

Die deutsche Rebellion ist eine Rebellion ron Schulfüchfen (pedants). Die Professoren der verschiedenen Universitäten haben aus ihren Schülern Rebellen gemacht, die Schüler welche, ungleich den Studenten unserer Hochschulen, im Allge­meinen den mittleren oder unteren Gesellschaftsklaffen ange­hören haben ihrerseits die politischen Gesinnungen ihrer Familien, Verwandten unv Freunde verderbt, und der rohe Volkshaufe hatte auf solche Weise Niemand als schlechte Rath­geber und schlechte Beispiele zur Leitung. Daher die Anarchie, die wir über den größeren Theil des deutschen Reichs ausge­breitet sehen ein Zustand, dessen Heilung um so hoffnungs­loser ist, als seine Ursachen in der dünkelvollen Einbildung (conceit) eines Volkes liegen, welches sich von Matur unter allen Völkern am meisten zu solcher Einbildung hinneigt. Wer be­gegnete jemals einem Deutschen von irgend einem Range, der nicht bis zur Abgeschmacktheit eingebildet war (who ever met a German of any rank who was not conceited to an ab­surd degree)? An der Aufmunterung dieses natürlichen Han­ges der Deutschen zum Dünkel ist das englische Volk nicht ganz schuldlos. Wir sind alt genug, um uns einer Zeit zu erinnern, wo der Krieg das englische Volk vorzugsweise be­schäftigte, und eben so erinnern wir uns, wie damals das britische Heer bei deutschen Meistern in die Schule geschickt wurde. Unsere ganze Taktik war deutsch; alle unsere soldati­schen Ererzitien waren deutsch; bis zur Uniform herab wurde das britische Militär nach deutschem Muster gebildet. Diese Thorheit trug bald ihre Früchte. Die Deutschen, unser Vor­bild, wurden von den liederlichen, abgerissenen, schlecht dis- ziplinirten Heeren Frankreichs mit Leichtigkeit geschlagen. Wir, ihre knechtischen Nachäffer, wurden in Holland und anderwärts von demselben Feinde besiegt; und erst als der Herzog von Wellington die alt-englische Fechtart wieder herstellte, ward Englands alter militärischer Ruhm wieder hergcstellt, und Deutschland hauptsächlich durch englische Waffen von den Wir­kungen seines eigenen pedantischen Militärsystems gerettet; denn auf der iberischen Halbinsel wurde der eigentliche Kampf für Europa's Befreiung gekämpft. Die Kriegserfahrung löschte den Einfluß der deutschen Milttärpedanten so ziemlich aus; aber mit dem Beginn der Friedenszeit ward eine andere Gat­tung Pedanten aus dem Lande der Pedanten in die Welt losgelassen und von England, wie gewöhnlich, mit unbedingter Huldigung ausgenommen. Die napoleonische Herrschaft hatte die Literatur, namentlich die spekulative Literatur, aus Frank­reich vertrieben; der Kaiser war ein viel zu schlauer Mann, als daß er die ganze Sippschaft derIdeologen," wie er sie nannte, nicht mit Haß und Verachtung hätte betrachten sollen; einer derselben, sagte er einmal, sey für ein Jahrhundert genug. Literatur und Spekulation, also aus Frankreich verjagt, flüch-