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Sache vor, und die ganze Versammlung erkannte deren Wich­tigkeit an, und hat sie ihren Vorschlägen, die dem Staatsmini- sterium vorgelegt wurden, angefügt.

Freilich erwarten wir von dieser Anstalt nicht Alles, um unsere sozialen Zustände und Uebelstände zu,verbessern und zu heben, aber wir hoffen viel, sehr viel Gutes von ihr.

Wer für diese Idee begeistert werden will, der lese die letzte Erzählung in derSpinnstube" für das Jahr 1849; Das rauhe Haus" und ich glaube sicher, er wird der Sache seine ganze Theilnahme und Mitwirkung schenken. Und das ist auch Recht und billig.

Denn Jeder denke nur, er stehe an der Stelle dieser armen verlassenen Kinder. Jeder frage sich: .Habe ich mich an den Platz gestellt, wo ich stehe? Habe ich mir die Eltern gegeben, die ich habe? ac. und er wird bei allem Egoismus dann doch eingestehen, daß er eben so gut an der Stelle jener Armen seyn könne und daß er daher auch Alles zu ihrer Rettung zu thun verpflichtet sey.

Unser Staatsleben hat jetzt eine Richtung genommen, daß zu erwarten steht, der Saat werde sich der Gründung einer in Rede stehenden Anstalt unterziehen. (Früher wurden diese Anstalten freilich nur durch Vereine in's Leben gerufen.) Ohne­hin haben wir Marienstadt, das sich zu diesem Zweck sehr vortheilhaft verwenden ließ. Vielleicht könnte man noch andere industrielle Zwecke damit verbinden.

Sollte ich mich in meiner Vermuthung irren, so bitte ich alle Menschenfreunde, die noch ein Herz für die leidende Mensch­heit, für diese armen Kinder haben, durch Gaben und Spen­den soviel zusammen zu bringen, daß privatim eine solche Anstalt in's Leben treten kann. Das wäre ein Feld für den Der ein für Freiheit, Gesetz und Ordnung!

Hier gilt's, ein Uebel im Keime zu ersticken; hierdurch würde er zeigen, daß er Freund der Armen wäre. Ueber den Plan zu dieser Anstalt setze er sich in Relation mit Herrn R. Schenck, der sich sicher freuen wird, wenn seine Lieblings­idee endlich realisirt wird. Auch der Unterzeichnete will gern Alles thun, was er zu diesem Unternehmen thun kann. Man glaube nicht, daß unsere Zeit nicht geeignet sey für die Aus­führung dieser Idee. Ich glaube das Gegentheil. In unse­rer Zeit sieht man zu deutlich, wo es fehlt, und daß man, wenn man nicht auf diese Art hilft, später selbst Schaden da­bei nehmen kann.

Ein kürzlich unter uns Verstorbener, doch ich darf ihn ja nennen, Hr. General Kruse, hat sein ganzes Vermögen einer solchen Anstalt testirt, falls seine einzige Tochter ohne Leibeserben stirbt. Es lebt noch ein Mann in unserer Mitte, der Aehnliches vorgehabt hat. Was er thun wird, wird die, Zukunft lehren.

Können wir auch nicht Alle so Vieles geben; Etwas, ein Scherflein können wir doch beisteuern, und viele Tropfen bil-

, Verantwortlicher Redakteur W. H. Riehl. Druck und Verlag

den endlich ein Meer. Das Waisenhaus in Halle wurde mit 7 fl. angefangen, und wenn wir nur einmal einen Anfang haben, wird Gott den Fortgang auch führen zum glorreichen Ziele. Thielmann.

Miszellen.

Das TllrinerRisorgimento" sagt über die Verluste der piemonte- sischen Armee im letzten Kriege mit Oesterreich; von dem über 90,000 Mani starken Heere seien über 3000 gefallen und mehr als 7000 zu Krüppeln geschossen worden. Die Kosten des Krieges betrugen mehr als 60 Milli­onen Lire, und jetzt verlangt der Staat von den Unterthanen noch lOO Millionen zu dessen Fortsetzung.

Im Jahre 1528 belagerte Soliman II. Wien einundzwanzig Tagk lang mit 250,000 Mann. Wien hatte damals nur eine einfache Mauer zu: Befestigung, nur fünf Regimenter Besatzung und eine sehr kleine Einwohner­zahl. Die Geschütze wurden aber gut benutzt, die Minen durch Gegenmi­nen zerstört und die Schwerter der deutschen Kämpfer sollen wie Blitze in die Angreifenden gefahren sein. Es war auch damals Oktober und der Sultan mußte am 14. abziehen, nachdem seine besten Truppen die Gräbe» gefüllt hatten. Der Kaiser selbst nannte damals Wien die tapferste Stadt des Reiches, und hatte guten Grund, sich ihrer Treue zu freuen; ohne de» Sieg der Wiener wäre es um seine Krone geschehen gewesen, denn er hatte viele falsche Freunde, die im Glücke viel nnterthäniger waren als die Stadt Wien, sein Unglück aber heimlich herbeiwünschten, um von ihm abzufalle». Im Jahre 1682 kam ein anderes Türkenheer, größer noch als das erste, unter Karah Mustapha ; die Wiener kämpften , aber sie ergaben sich nicht. Die festen Mauern wurden in die Luft gesprengt, wo heute Barrikaden standen, lag der Schutt haushoch, Tag und Nacht wurden die Schanzen be­wacht, wo ein Bürger siel, trat ein anderer an seine Stelle, Bürger und Soldaten arbeiteten an den Schanzen traulich mit einander. Das Brod wurde selten, der Kampf war so ununterbrochen, daß der Schlaf verboten werde» mußte. Nach zwei Monaten unbeschreiblicher Anstrengungen kamen die deutschen Landsleute, die Baiern und Sachsen, die Schwaben und Franke« von der andern Seite zum Entsatz, unter den Feinden selbst war Uneinig­keit und die Türken wurden in wilde Flucht gejagt.

Während der Belagerung Wien's zeichneten sich namentlich auch die Weiber aus. Zwei Kompagnien Amazonen mit rothen Mützen und der Büchse im Arm durchstreiften die Stadt, angeführt von Madame Peri», geborenen Freiin von Pergnalati, aus einer alten Wiener Familie. Dieselbe war Präsidentin des demokratischen Frauenvereins. Schmutzige Weiber mit Stöcken bewaffnet trieben aus den Häusern jene Männer, welche nicht mitkämpfen wollten. Als das Bombardement ernstlicher wurde, gab die Flucht der tausende von Weibern, Greisen, Kindern ein halb komisches, halb jammervolles Bild. Ein Zuschauer vom Stephansthurm erzählt in der allgemeinen Zeitung, jeder habe mitgenommen, was ihm das theuerste war. Unter andern Fliehenden wackelte über die Ferdinaudsbrücke, über welche auch der türkische Gesandte mit drei vollgepfropften Wagen fuhr, eine alte Dame mit einer Katze in den Armen und neben ihr der Gemahl mit einem Papagei.

Theater zu Wiesbaden.

Dienstag den 21. Nov. Zampa oder: die Marmorbraut, roman­tische Oper in 3 Akten, Musik von Herold.

..... , ,, ,...1 -----' der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandluna in Wiesbaden.