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losen Presse, die an den Straßenecken klebten, stimmten die Begebenheiten überein: das Aufpflanzen rother Fahnen, die Aufforderung an die Menge, kurze Beile und Messer mitzu­bringen zu den Belagerungen des Sitzungslokals der Abgeord­neten. Die Minister fand Bassermann in einer Ruhe, vor­der er erstaunte, allein außer Stande, Verhandlungen über die Zentralgewalt mit ihm aufzunehmen, denn jeder Augen­blick verlangte Thaten von ihnen. An Reaktion denke keiner jener Staatsbeamteten, die Reaktion würde überhaupt un­möglich seyn in Preußen. Auch die Mitglieder der Ber­liner Versammlung waren nicht im Stande, den Ministern Thatsächliches nachzusagen, was ihnen zur Last falle und ihr Privatcharakter sey über alle Zweifel erhaben. Von seiner Unterredung mit dem Könige theilt Bassermann mit, er habe den Monarchen deutscher gesinnt gefunden, als er gehofft. Der König war aber entschlossen, den Szenen, die in Berlin vorgekommen, ein Ende zu machen, Deutschland und seine Gesittung zu retten, gefaßt auch auf das Aeußerste. B. habe dem Könige nicht verhehlt, welche Befürchtungen man hinsichtlich der Reaktion hege, allein die Antwort habe ihm bewiesen, daß diese Befürchtungen grundlos seyen. Nach Wrangel's Einzug nahm die Stadt ein verändertes Antlitz an. Die Bevölkerung auf den Straßen war eine andere, der Ver­kehr darin belebter und die Bürger seyen im Gefühle der Sicherheit nur sehr zufrieden mit der Umwandlung gewesen (Gelächter). Der Redner fährt fort, daß er vergebliche Ver­mittlungsvorschläge an Hrn. v. Unruh gerichtet, daß er Zeuge einer fehlgeschlagenen Unterhandlung mit Hrn. Grabow gewe­sen. Die Friedensbedingungen, welche die preuß. Versamm­lung stelle, seyen diese: Verbannung aller Prinzen aus den Grenzen der Monarchie; Verhaftung und Hochverrathsprozeß gegen Wrangel und die Minister; unbedingte Unterwerfung der Krone unter die Versammlung, bis die Verfassung fertig sey. Endlich Entfernung aller Truppen aus Berlin. Was dann für ein Regiment beginnen würde, da­rüber ist der Redner nicht im Unklaren, obschon er nicht anzu­geben vermag, wie lange dann die Republik in Preußen dauern würde. Eine wohlthätige Fortsetzung der Berathungen der Nationalversammlung in Berlin aber und eine Vermittelung sey unmöglich geworden. Die Ueberzeugung vielmehr habe sich ihm aufgedrungen, daß ein Zustand eingetreten sey, der entweder zur Annahme der obengenannten Bedingungen führen müsse oder wo ein jedes Nachgeben und Vertagen ohne Eut- zweck sey. Von der Berliner Nationalversammlung hoffe er nichts für die wahre Freiheit, nichts für deutsche Einheit, wie ihm der Beschluß in Bezug auf Posen und alle dort gehörten Aeußerungen beweisen. Er könne daher auch nicht in das Verlangen einstimmen, jener Versammlung ein Anerkenutniß auszusprechen.. Den Beschluß vom 14. Okt. in Berlin aus­zuführen, habe er sich für unfähig gehalten, und deßhalb dem Reichsverweser seine Entlassung aus dem Amte angeboten. Nur die Ueberzeugung wolle er noch als ein Resultat seiner Reise darlegen, daß die rascheste Vollendung des Verfassungs­werks von Nöthen oder es werde zu spät seyn. (Beifall, auch von der Gallerie, Widerspruch und Zischen von andern Seiten, endlich überwiegender Applaus.)

Venedey. Alles kommt darauf an, zu wissen, wer Herrn Bassermann die Bedingungen der Entfernung aller Prinzen aus der Monarchie u. f. w. gestellt hat. Auf den Namen müssen wir zunächst bestehen, oder es läßt sich kein Urtheil fassen.

Bassermann. Dem Ausschüsse bin ich alle Namen zu nennen erbötig. Ob auch hier von der Rednerbühne, darüber kann ich mich im Augenblicke nicht entscheiden. Zunächst kann ich nur die Versicherung ertheilen, daß ich dem Ausschüsse keine Auskunft verweigern werde. (Schluß folgt.)

Wien, 14. Nov. (A. Z.) Fürst Windisch-Grätz ist gestern nach Ungarn abgereist. Laut veröffentlichter Angabe sind bis jetzt 1600 Personen zur Haft gebracht worden, wovon 1000 wieder entlassen worden sind. Es wird versprochen, die noch rückständigen Untersuchungen zu beschleunigen. Eine Kund­machung setzt den letzten Termin zur Waffenablieferung auf 24 Stunden fest, nach deren Verlauf Hausdurchsuchungen statt­finden sollen. Es werden noch 40,000 Gewehre als rückstän­dig angegeben. Heute verläßt das Regiment Kaiser-Infanterie die Hauptstadt und schlägt den Weg nach Ungarn ein. Die .Nagyaren haben die Straßen dergestalt unfahrbar gemacht, daß hieraus die Unmöglichkeit, die Operationen in dieser Jahres- jeit zu beginnen, ffervorgehen dürfte. Es soll daher vorerst

Verantwortlicher Redakteur: W. H? Riehl. - Druck und Verlac

auf eine Zermrung des ganzen Landes und auf Abschneiden jeder Kommunikation abgesehen seyn.

Frankreich.

Paris, 16. Nov. Cabet, dessen Wohnung die Bürger­wehr am 15. Mai stürmte und in welcher sie Waffen und Munition fand, stand gestern vor dem Zuchtgericht und ist zu einem Monat Gefängniß oder 100 Franken Geldstrafen ver- urtheilt worden.

Arbeiter-Assoziationen. Mit diesem Gegenstände beschäf­tigte sich gestern die Nationalversammlung volle drei Stunden. Man entsinnt sich, daß die Nationalversammlung in der Juni- ; angst eine lithographirte Proklamation hinter die Barrikaden schleudern ließ, worin sie den Arbeitern zurief:Brüder! Ver- ; irrte Brüder! leget doch Euere Waffen nieder! Höret die Stimme Eurer Vertreter, Ihr sollet Euch ja assoziren können:c. Kurz, es soll all' Euren Leiden nach Kräften abgeholfen wer­den; nur leget die Waffen nieder, damit das Blutbad auf- ; höre u. s. w. Diese Proklamation trug in der That viel zum Siege der Bürgerwehr bei; mehrere der bedeutendsten Barri­kaden stellten das Feuer ein und das Stadthaus ward nicht genommen. Die Schlacht einmal vorüber, erkältete der Eifer ein wenig. Man begnügte sich, am 5. Juli drei Millionen Franken zu votiren, welche zur Unterstützung von Arbeiter- Assoziationen unter einander oder mit ihren Meistern verwandt werden sollen. Mehr als 440 Assoziationen haben sich bereits an den Minister gewandt, um die nöthigen Betriebskapitalien zu erreichen. Es ist aber eine Kommission niedergesetzt wor­den, welche alle biefe Einträge genau prüft. Die Nationalver­sammlung hat nun gestern beschlossen, daß den Arbeiter-Asso­ziationen zu 3 pCt. Zinsen vorgeschossen werden sollen. Sollte das erforderliche Betriebskapital die Summe von 25,000 Frs. übersteigen , dann müssen 5 pCt. gezahlt werden. Uebrigens muß das Kapital nach und nach zurückgezahlt werden. In­dessen wird aus Zins und Rückzahlungssumme ein General- Assoziationsfond gebildet, der künftigen anderen Versuchen zu Gute kommen soll.

Die Pariser Arbeiter assoziren sich wirklich in allen Ecken und schaffen beinahe Wunder, trotz der Dürftigkeit obiger Betriebsfonds. 1500 Bäckergesellen backen das schönste Brod seit acht Tagen; alle Meister gerathen in Verzweiflung und dreißig andere Arbeitervereine drohen anderen Erwerbszweigen mit demselben Eristènzbruch. Entweder müssen sich die Mei-- | ster mit ihren ehemaligen Gesellen assoziren oder sie gehen unter. Die Union der Schneidergesellen in der Rue St. Denis 29 gibt sogar Papiergeld aus, gegen daS man sich An­züge auswechseln kann.

Der Minister des Innern hat auf das Gerücht hin, daß sich in Metz, Straßburg und andern Gränzorten neue deutsche Freischaaren zu bilden im Begriffe ständen (was übrigens eine reine Erdichtung wäre) um neue Einfälle in die deutschen Gränzländer zu beabsichtigen, ein Rundschreiben an sämmtliche Ost-Departementspräfekten erlassen, worin er die strengste Vorsicht bei fernerer Verleihung von Pässen sowohl für Deutsche als Franzosen, welche nach Deutschland Pässe verlangen, zu beobachten befiehlt.

Eine Post aus Neapel vom 2. Nov. meldet, daß Admiral Baudin mit 2 Kriegsfregatten gegen Tunis gesegelt ist, um den dortigen Bey, welcher Miene macht, die französ. Republik nicht anzuerkennen, zur Rechenschaft zu ziehen.

In Narbonne riß die Polizei ein Plakat ab, das auf Wiedereinführung der Guillotine für die Reaktionäre und deS Galgens für die Unterstützer der Tyrannen bildlich anträgt.

Die Schaufenster der Pariser Bilderläden werden förm­lich belagert. Eine reiche Auswahl von zum Theil sehr geist­reichen Zerrbildern gegen Bonaparte, Lamartine, Cavaignac, Ledru-Rollin und Raspail, die 5 Kandidaten für die Heirath der jungen Republik, ziehen stündlich immer mehr Neugierige heran. Die Polizei darf das nicht hindern.

Gestern versammelten sich 3 bis 4 Tausend Zimmerleute, Maurer und sonstige Proletarier, um sich zu besprechen, welche Maßregel sie zu ergreifen hätten, um die Staatsbauten auf eigene Rechnung auszuführen, die auf dem Marsfelde für die Truppen beginnen. Es wurde ein Ausschuß zu Vivier, Staatsbautenminister, geschickt, der ihm jedoch erklärte, daß jene Bauten unter das Bereich des Kriegsministers gehörten, weßhalb sie sich an den General Lamoriciere heute wen­den sollen.

Nicht die geringste Störung ist vorgefallen!

der L. Echellenb erg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.