Anfang zur Aussteuer. Oder wenn ihr durchaus nur sticken wollt, so stickt auch weiße Kragen und Kleider, die so schon standen, nâhet und hâckelt Decken, Röcke, Kamisöler. Soll es also wieder besser werden ihr lieben Kinder — ein Vater redet, der auch mehre Töchter hat — so müßt ihr statt täglich in's Theater zu gehen, schwere Läufe auf dem Klavier einzuüben, Physik und Literargeschichte zu treiben, wieder das Rad zur Hand nehmen, mehr flicken, stricken, das versteht'Salomo unter dem Weibe, das mit Wolle und Flachs umzugehen wisse und das ihrem Manne Liebes und kein Leides durch allerlei albernen Anschläge thun.
Nun noch eins ihr lieben Kinder, ich meine es gut und so müßt ihr mir einen Hofmeister zu gut halten; ich bin ja Vater und schreibe es auch für meine Töchter — cs gilt neuen Anzug — aber wohlgemalt! ich bin kein Feind von an* ständigem Putze und sehe selbst gern Weib und Kinder in wohlgewähltem Kleide nett und reinlich.— Aber, aber wasrechnet man nicht dazu, was doch wahrlich nicht dazu gehört und die Reize des Weibes vermehrt! — Vor allem die mancherlei Arten von Handschuhen — als wenn man seine Hände gar nicht dürfte sehen lassen; 'man ißt sogar in Handschuhen — und die Glacehandschuhe nun vollends, die nur einen Ball aushalten und wofür in einer großen Stadtfamilie, wo sich dergleichen oft wiederholt, leicht 15 — 20 fl. darauf gehen. Selbst Kinder plagt man damit schon. Sah ich doch einst meine eigne Schwägerin ganz aufgebracht, als, ihr kojähriger Sohn ohne Handschuhe ausgegangen war! Dann die Sonnenschirme, und wenn man Trauer hat, wieder andere, die oft bloß zum Scheine getragen werden, bei großen Hüten, eins sollte doch genug oder darnach eingerichtet seyn. — Schreiber dieses sah noch kürzlich in Frankfurt bei ganz trübem Himmel zwei Stunden lang zwei alte Matronen, an deren gelben, verhotzelten Gesichtern nichts mehr zu verderben' war, so gra- tiös mit ihren Sonnenschirmen einherschreiten, als wenn es mitten im Sommer gewesen, daß er sich des Lachens kaum enthalten konnte. Dahin gehört auch das leichte Fußwerk, Zeugschuh und Stiefelchen, bei den weichen Männlein, nun vollends ein Eckel! Im Hause oder bei festlichen Gelegenheiten mag es noch seyn, obgleich es für täglich doch' zu kostspielig und der Gesundheit nicht zuträglich ist. Aber auf dem Pflaster und über Feld, wo man jedes Steinchen fühlt, — welcher Verstand!
* Aber glaubt nicht, daß ich die Weiber bloß hecheln will, nein, auch die feinen Herrchen mit ihren vielen Bedürfnißpfeifen, Schnupftabaksdosen, Zigarren, Brillen, duftenden Tüchern, allerlei Röcken und Mänteln, deren Namen ich nicht kenne, deren Moden immer wechseln, sind mir eben so verhaßt; sie gehören auch nicht zu der guten alten Zeit. Auch verbrauchen wir viel zu viel für Wein, bringen mit Kannen
gießern, wobei wir uns noch weidlich zanken, zu viel Zeit hin, die wir ungleich besser anwenden könnten rc.
Und werden dem Landmanne in allen Volksbüchern wieder die haltbaren ledernen Hosen angepriesen, die — was allerdings viel für sich hat — weil sie auf Kinder forterben; so sollten auch wir in der Kleidung mehr Gediegenes und snicht so viel Wandelbares haben. Aber wie ich vorn sagte, daß wir Alle an der bösen Zeit unser Antheil haben, so blicke du Geschäftsmann nur ja nicht schadenfroh auf die Angestellten allein, die jene sollen herbeigeführt haben. Auch du hast deine! zwei Sophas, gepolsterte Stühle, wo bei deinem Vater höl, zerne standen, während das Geschäft nicht besser geht; besuchst Theater, willst im Wirthshause frühstücken, kaufst, statt daß dein Vater sich einen Garten anschaffte, der Frau Mäntel, Muffe, silberne Armringe, als wenn der Mensch nicht ohne^ Sklavenketten sein könnte :c. Selbst der Bauer hat seine kost-! spielige Oberhinaufstube, und da sind die jährlichen Kirch- ’ weihen, wenn die Mädchen ihren Burschen oft allein für 10— 14 fl. Bänder an die Hüte kaufen. Wahrlich nicht die Abgaben allein thun es, und machen die Zeiten schwer. Denn wie schon Franklin uns vorgerechnet hat, entrichtet jeder Mensch die schwersten Abgaben an sich selbst. Darum laßt uns besser oder nur vernünftiger werden, bald wird's besser seyn! Was murren die Menschen also? Ein Jeglicher murre wieder seine eigene Sünde. J er.
Miszellen.
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— Die Eisenbahnkrisis in England hat die drei größten Kom- Pagnien zu einem energischen Entschluße bewogen. Die Direktoren wollen den Aktionären eine Vereinigung aller unter ihrer Verwaltung stehende» Linien vorschlagen. Binnen kurzem werden die nöthigen Versammlung^ ausgeschrieben werden. Man hofft dadurch eine große Vereinfachung der Verwaltung, bedeutende Ersparnisse und in Folge dessen eine Erhöhung bei Kurses der Aktien zu erzielen, die seit zwei bis drei Jahren fortwährend gesunken sind. Vorausgesetzt, daß die Aktionäre diesen für sie sehr Vortheils haften Plan billigen, so bleibt immer noch die Genehmigung des SßarlamenÜ' nachzusuchen, die aber wahrscheinlich nur unter Bedingungen erfolgen würde. | Ehe ein so ungeheures Monopol gesetzliche Billigung erhielte, würde es den' Publikum eine Bürgschaft gegen mögliche MiSbräuche geben, und Wahrschess- l lieh von den Eisenbahnkompagnien wichtige Konzessionen, wie z. B. ei« bedeutende Ermäßigung der Fahrpreise verlangen. Die Times verlangt in - Falle, daß der Plan der Vereinigung der Compagnien vom Parlamente ge-! billigt wird, eine vom Staat angestellte Aufsichtsbehörde, welche eine Stint- ' me bei der Regelung der Fahrpläne und der Preise hat.
Theater zu Wiesbaden.
Donnersstag den 16. Nov. Die Zauberflöte. Große Oper in i Akten von Mozart. Sarastro Hr. Koch vom deutschen Theatern ’ Amsterdam.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Schellènberg'schen Hof-Buchhandluna in Wiesbaden.