Einzelbild herunterladen
 

' verfiel sie, noch ehe die Baronin abgereist war, in ein heftiges Nervenfieber, dessen Folge ihre gänzliche geistige Zerrüttung U war. Sie wurde bei einem Prediger hoch oben den Bergen untergebracht, dessen rüstige Frau sich der Pflege der armen Geisteskranken unterzog.

Fünf bis sechs Jahre waren herumgegangen und ich lebte wieder in meiner gewohnten Weise in Genf, verließ kaum je­mals meine vier weißgetünchten Zimmer hoch oben in der ***straße, mit weiter Aussicht über den See, nach dem ernsten Jura hin, meine mineralogischen Schätze, mein ausgedörrtes und ausgestopstes Thiergeräth, meine Kuriosa in Spiritus, meine Muscheln und Pflanzen um mich herum. Eine ächte Breughelwirthschaft, wie er sie zu seinen Höllen brauchen konnte. Jeannette war meine Haushälterin und hütete Keller und Küche auf das sorgfältigste, verstand mit den Eigenheiten eines alten Junggesellen auf das passendste umzugeben.

Ein ganzes Jahr lang hatte der gütige Himmel ihr jede Erinnerung, jeden Gebrauch ihrer Vernunft geraubt. Danach verfiel sie abermals in eine schwere Krankheit, und diese über­standen, kehrte ihre Geistesklarheit zu ihr zurück. Sie genas zwar sehr langsam, aber sie genas doch, und eine große Ma­gerkeit und Blässe abgerechnet, war ihre äußere Erscheinung nach wie vor die nämliche. Nur wer das Mädchen näher »betrachtete, fühlte, wie sie eigentlich eine Abgeschiedene oder besser eine schon für das andere Leben Gereifte sey. Eine ganz eigne Ruhe, ein unbegreiflicher Frieden theilte sich andern in ihrer Nähe mit. Soviel von meinem Liebling!

Eines kalten Novemberabends ging ich denn auch, um : mich nicht zu erkälten, wol verhüllt zu der gewohnten Zeit und »Stunde dem Kafe zu. Der Saal war beinahe leer und es i saßen nur an einem runden Tischchen drei Herren, die sehr laut französische und italienische Reden führten. Ich hörte aufmerksam hin und glaubte eine Stimme wiederzuerkennen. Ich hörte noch einmal, sah scharf hinüber, und, wenn mich ^micht alles täuschte, war es der längst verschollene Doktor Ale­xander. Ich ging nicht gleich auf ihn zu, nahm eine Zeitung und drückte mich in eine Sofaecke.

Doktor Alexander war viel- stärker geworden, außerordcnt- e lich beleibt, der Kopf noch immer mit dem gewissen Schwünge nach hinten geworfen, seine Rede überlaut, mit vielen Gesten »begleitet. Plötzlich gewahrt er mich, beugt den Kopf zum Nachbar, dem er etwas zuflüstert, kommt dann mit seinem lär­menden Wesen auf mich zu, drückt mir die Hand, freut sich über alles, mich wiederzufinden: Er sey erst seit gestern von Mailand angekommen, habe mich aber nicht in Genf vermu­thet, die Herren da seyen seine Reisegefährten, ein guter ita­lienischer Kollege und ein Kaufmann aus Lyon. In Mailand habe er vier Jahre ausgehalten; in Pisa und Nizza vorher auf die traurigste Weise zwei Jahre mit einem sterbenden jun­gen Russen zugebracht, dem ihn die Eltern als Reisebegleiter mitgegeben. Die Pflege dieses Kranken habe ihm ein recht

hübsches Jahrgehalt vermittelt, das freilich nicht immer hin- reichen wolle; und sobald dieser Fall eintrete, werde eben in Mailand Journalistik getrieben.

Eine wahre Kaiserstadt, dies Mailand; kaiserliche Menschen diese Lombarden! Von ihnen müsse die Wiedergeburt Italiens ausgehen.

Der Doktor stand schon im Begriff, sich in weitläufigen Auseinandersetzungen über italienische Wiedergeburt zu ergehen, als ihm plötzlich eine Frage auf die Lippen trat. Er hielt im Gespräch inne und sagte: Was ist aus Jeannette ge­worden?

Ich gestehe, ich konnte darauf nicht plötzlich antworten, und bemerkte nur, sie sey meine Haushälterin. Er sah mich betroffen an und wurde einsilbig und zerstreut.

Wo wohnen Sie, Professor?

Ich sagte es ihm und er ging bald darauf zur Thüre hinaus.

Als ich Abends nach Hause kam, trat mir Jeannette auf der engen Treppe wie gewöhnlich mit Licht entgegen. Ich fragte nicht, sie sagte aber: Doktor Alexander ist lange hier gewesen. Er sagte mir, er habe Sie im Kafe O. getroffen und sey von Ihnen hierhergewiesen worden.

So ist es, Jeannette! Damit war unser Gespräch zu Ende. (Schluß folgt.)

*O* Soll es besser, muß es anders werden.

(Schluß.)

So ist auch Schreiber dieses durchaus kein Feind der weiblichen feinen Arbeiten, sie gehören für das Weib, es muss mit Nadel und Wolle umzugehen wissen. Aber die völlig unnützen und überflüssigen Dinge, die auf solche Weise ge­schaffen werden Briefbeschwerer, Uhrpantoffeln, Schellen­züge , Fidibusbecher, gestickte Schemmel, Schinutzlappen auf Sophas und über dem ersten, wenn sie elegant sind, wieder andere ic. Was kostet das in einer Haushaltung, wo 4 bis 5 Töchter sind, und wo man öfter Gegengeschenke machen muß? Dafür gehen gewiß 10 20 fl. auf und wozu? Und leidet nicht auch darunter wieder die Gesundheit? O! wahr­lich ich beklage und bemitleide euch ihr guten Kinder, die ihr auch so abmühet und belobt werdet, wenn ihr Augen und Brust durch das gebückte Sitzen verdorben habt wie viel besser wäre es doch, wenn ihr dagegen mehr das Strickzeug oder gar das verachtete Rad zur Hand nehmet, denn Weiß­zeug kann man nicht entbehren, es wird, wenn auch nur 2 kr. täglich für den Haushalt gewonnen, an selbst gesponnenem Geräthe hat man um so mehr Freude, es wird mehr geschont und es ist da, wenn man seiner bedarf.Zudem ein Kapital für eine Tochter von jährlich 25 50 fl. bringt ein Vater bei einer bescheidenen Besoldung nicht fertig, aber ein Stück Leinen läßt sich erschwingen und das ist immer ein kleiner