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ohne welches man recht gebildet, mit Andern froh seyn und sein Leben genießen kann, ich meine die Staats- oder Vi­sitenstuben, der Landmann nennt sie Obenhinaufstube, wie man sie in allen Häusern, die etwas vorstellen wollen, antrifft, die bloß dazu da sind, um vielleicht ein-, zweimal im Jahr seine ganze Herrlichkeit zu zeigen. Schreiber dieses hat auch eine solche Obenhinaufstube, die er vielleicht nur dreimal des Jahres betritt; denn seine Freunde, mit denen er sich am wohl- sten fühlt, empfängt er in der Wohnstube. Aber was kostet sie nun, wenn man keine Dienstwohnung hat? in Städten 4050 fl. jährliche Miethe, die Einrichtung an Möbeln, Ka- napees, gepolsterten Stühlen, Komoden, leeren Schränken, großen Spiegeln rc. 600800 fl., also wieder 3040 fl. jährl.; an den Wänden hängen für 4050 fl. Kupferstiche, ohne daß man Kenner und Liebhaber davon ist, und die, wenn der Vater stirbt, der Familie keine 24 kr. einbringen. Auch ein kost­bares Klavier oder Flügel darf nicht fehlen, wenn er auch noch so selten gespielt wird, und nun erst der Unsinn auf Ta- bulettchen und Kommoden von Roccoco: Kistchen und Büchs- chen, porzellanenen Männlein und Fräulein, Chinesen und Seiltänzern und sonstiges Gethier aus der Arche Noa, als wenn Kinder Jahrmarkt hielten, das man sich freilich schen­ken läßt, aber doch auch bei Verheirathungen seiner Freunde erwiedern muß, und wozu? denn was kann man mit diesen Sachen anfangen? Freilich richtet diese Stube wol die Frau ein und erhält sie als Aussteuer; aber wäre es nicht besser, die Aeltern hätten diese 8001000 fl. ihr als Nothpfennig mitgegeben? Und nun erst die Noth der armen Frau, wenn wilde Buben an die gebrechlichen Sächelchen gerathen und nun die Stube sauber zu erhalten! Wahrlich, Schreiber dieses ist durchaus kein Feind der Reinlichkeit, aber dieses Geputz, daß die Magd oft weiter nichts thun kann? dafür oft eine eigene gehalten werden muß, läßt sich das bei nur beschränkten Verhältnissen billigen? Ist es für Fremde angenehm, wenn sie sich überall gleich von Besen und Aufputztüchern verfolgt sehen? Und was sagt erst die Gesundheit dazu?

Wie manches sonst achtbare Weib darbt sich und muß sich und den Ihrigen von der kleinen Besoldung des Mannes ab­darben, um nur in der Visitenstube Alles komform zu haben, denn dazu gehört auch ein Schellenzug, wo keine Schelle ist, gestickte Schemel und verbrämte Rehefelle, die im Jahr kaum ein zarter Fuß berührt, des Uebrigen von Mas und Porzelan nicht zu gedenken, das kaum einmal gebraucht wird? doch den Zins von 610 fl. wegnimmt, die man besser ge­brauchen konnte. Und wenn nun vollends eine Gesellschaft gegeben werden soll und muß, in der man sich vielleicht recht langweilt, diese verschiedenen Torten und Sachen vom Zuckerbäcker, als wenn man nicht mit seinen Freunden beim einfachen Abendessen, Braten und einem Glase Wein, vergnügt seyn könnte! Nimmt man für diese Dinge nur jährlich 100 fl.

Aufwand an für jede Familie, welches gering ist, was ließe - sich damit schon ausrichten? statt daß man sich ein Passiv- - kapital von 2000 fl. aufladet! Oder nun gar die Ausar­tung , wenn man bei solchen Festen zur Ausschmückung des, Hauses aus Treibhäusern für 2050 fl. Gewächse kommen $ läßt, ist das nicht nach Verhältniß lächerlicher, als wenn sich ein Fürst, um in allen Zonen zu schwelgen, Treibhäuser für Millionen bauen läßt?! Und dann gar schon die Kinder- ? gesellschaften und Bälle! (Schluß folgt.)

Miszellen.

Frankfurt. Es gibt doch noch manchmal etwas Neues unter der I Sonne! So 'z. B. ist eben hier der gewiß neue Fall vorgekommen, daß ein k Abgeordneter sich als solcher mit seinem Steckbriefe zu legitimiren ge-1 sucht hat. Der Minister Schmerling erklärte neulich auf der Tribüne, rück-» sichtlich der Wahl von Offenburg, daß dieselbe allerdings vorgenommen, aber | auf einen Hrn. Werner von dort gefallen sey, welcher wegen Theilnahme am Struve'schen Aufstände mit Steckbriefen verfolgt werde. Nun kommt! dieser Hr. Werner hierher, beweis't seine Identität mit dem Steckbriefe, und | seine Wahl damit und mit der Schmerling'schen Erklärung, und fordert nun Einlassung in die Versammlung, und den Schutz, der den gewählten Abge- [ ordneten gesetzlich zusteht. So wird vielfach erzählt.

Die zahllosen Kundmachungen, welche in Wien in der jüngsten Zeit | erschienen sind, haben uns erst recht gezeigt, daß eine ganz eigenthümliche | k. k. vsterreichisch-schwarz-gelbe Sprache eristirt. So wurde z. B. durch den | Telegraphen die Nachricht von der Besetzung Wiens mit den Worten ge- j meldet:Wien ist belegt." In einer anderen Proklamation von zwanzig i Zeilen kommen folgende nachahmenswerte Ausdrücke und Wendungen vor: I Die Versehung der Hauptstadt", sämmtlicheLandparteien und Markt-I Viktualienhändler",Richterzettel",jene Marktparteien, welche nach ihrer s bisherigen G epfflo genh e i t die Marktplätze zu besuchen beabsichtigen",! der Heumarkt wird unter den gesetzlichen Modalitäten und unter jenen l Vorsichten eröffnet, welche in Absicht auf die Visitirung der Marktparteiem vorgezeichnet wurden." In einem Prager Aktenstücke sind folgende liebens- D würdige Ausdrücke zu finden:mit dem zurückgehaltenen, daß",die neuer- s liche Audienz-Stunde", eineEinbekleidungsrede". Daß das beliebte Wort s selbe" überall eine Hauptrolle spielt, versteht sich von selbst. Wir empfeh- | len kommenden Generationen von Sprachforschern namentlich dieWiener | Zeitung" zum angelegentlichsten Studium.

Karlsruhe. Gleich nach dem Theaterbrand hatte der Großherzog | beschlossen, den unglücklichen Opferiz des Brandes ein Denkmal auf dem hie- £ sigen Friedhof setzen zu lassen. Dieses Denkmal, ein Engel von weißem Marmor auf einem Fußgestell, wurde von unserem vaterländischen Künstler, s Hrn. Reich, trefflich ausgeführt, auf dem Friedhof aufgestellt, und am 1. Nov. durch die Geistlichen dreier Konfessionen (evang., kath. und Israel.) | durch den Oberbürgermeister mit Deputation des Gemeinderaths, und den ernannten Kommissär, Hrn. Mânzrath Kachel, bei Anwohnuug der Bethei- - ligtcn feierlich eingeweiht. Die Seiten des Fußgestells enthalten die Name» des hohen Stifters und der verunglückten (64) Opferden Todten zum Ge­dächtniß, den Lebenden zum Trost!" Dieser Friedhofengel ist werth, auch von durchreisenden Fremden besehen zu werden.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.