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was entferntere Fensternische. Es wurden eben die Briefe einer geistreichen Frau an ihren besten Freund gelesen. Wo entginge man auch dieser Briefträger-Staupe unseres Jahrhunderts! Abgerissene Floskeln, zierliche Wendungen nach Frivolitäten, ein künstlicher Enthusiasmus für den Freund, der jedesmal das Echo einer rückwirkenden Entzückung über die Freundin hervorzurufen hatte und den Freund denn auch in der That in einen Wust von Vergötterung zerzaselte, aus welchem dennoch wieder hie und da ein Schimmer von wah­rem natürlichen Gefühl durchdrang, der seine Briefe wenigstens weit erträglicher als die gedrechselte Schreiberei der Dame machte. (Fortst folgt.)

Graf Brandenburg.

DerRational Zeitung entnehmen wir nachfolgende Bio- grahie und Charakteristik des zum Preuß. Ministerpräsidenten auserkorenen Grafen Brandenburg:

Graf Brandenburg ist geboren im Jahre 1789. Sein Vater war König Friedrich Wilhelm II., seine Mutter die Gräfin Döhnhoff. Der König, schwankend und den Genuß eben so in dem Wechsel der Personen als der Systeme suchend, brach dieses Verhältniß ab, nachdem ihm noch eine Tochter geboren war. Es ist das die Gräfin Julie, welche zuerst zur Gemahlin des älteren Fürsten Lichnowsky bestimmt, später mit dem Prinzen .von Pleß, dem nachherigen Herzog von Köthen, vermählt, in derangirten Vermögensverhältnissen nebst ihrem Gemahl durch Adam Müller für die katholische Kirche in Pa­ris gewonnen ward ein eigenthümliches Schicksal das auch anderen natürlichen Kindern des Königs zu Theil gewor­den, wie denn namentlich der Geheimerath von Jngenheim, der Sohn des Königs und des Fräulein von Voß, in den dreißi­ger Jahren in Rom zum Kotholizismus übergegangen ist. Graf Brandenburg wurde frühzeitig Soldat. Man glaubte damals noch, daß dem Soldaten eine wissenschaftliche und gründliche Bildung wenig nützen könne. Dies und die beweg­ten Zeiten, in welche seine Jugend fällt, mögen dazu beige­tragen haben, daß seine Erziehung vernachlässigt, daß seine ohnehin nicht eminenten geistigen Kräfte nicht genügend aus­gebildet wurden. Vom Lieutenant bei den Gardes du Corps zum Rittmeister avancirt, wurde er später, zugleich mit dem Hrn. v. Schack, dem nachherigen General und Adjutant des Königs, Adjutant des Generals Nork bei dem ersten Armee­korps. Hier wurde er besonders zum Rekognosziren verwen­det, ein Dienst, zu dem er, wie durch Muth, Entschlossenheit, Kaltblütigkeit und Umsicht, so durch sein überaus scharfes Auge besonders befähigt schien. Die Beschäftigung im Kriege ist nicht geeignet, um die Lücken einer vernachlässigten Erzie­hung auszufüllen. Die Waffenübung, das Kommandowort,

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag

des Dienstes immer gleichgestellte Uhr, sie lassen den Geist unerquickt. Durch seine Lebensart und durch die Manieren des Hofmannes suchte jedoch der Graf zu ersetzen, was ihm an Kenntnissen abging; durch Ehrlichkeit des Charakters be^ mühte er sich, vergessen zu machen, daß sein Blick nur zu be­schränkt sey. Bald nach dem Kriege zum Kommandeur der Gardes du Korps ernannt, verheirathete er sich mit einem Fräulein v. Maffenbach, der Tochter eines alten Tragonerge- nerals aus dem Jahre 1806. Aufgezogen als eine Art Me- nin mit der Prinzessin Charlotte, der jetzigen Kaiserin von Rußland, ist sie durch alle Verhältnisse hindurch mit dieser in inniger Verbindung verblieben, wie sie denn auch jetzt noch mit der kaiserlichen Freundin einen lebhaften Briefwechsel un­terhalten soll.

Miszellen.

Es wird in unserer Zeit manches Grade krumm gemacht, das aller­krummste in der Welt ist aber der Lauf des Rio Bravo in Amerika, den ein amerikanisches Blatt wie folgt beschreibt: Man denke sich vier der krumm­sten Dinge in der Welt, dann stelle man sich vier andere vor, die noch ein­mal so arg krumm sind, dann denke man sich einen großen Fluß, der dreimal so krumm ist als alle jene krummen Dinge zusammengenommen, und man wird eine schwache Vorstellung von dem krummen Lauf jenes allsrgekrümm- tssten Flusses haben. Geflößt kann auf ihm nicht werden, weil er so krumm I ist, daß das Holz nicht zu schwimmen vermag; die Fische halten sich alle in: den Drehungen an den Krümmungen auf, weil sie den Weg aus denselben heraus nicht finden; Vögel, die hinüberzufliegen versuchen, kommen oftmals! an dieselbe Stelle zurück, von welcher sie abflogen, weil sie durch die ver­schiedenen Krümmungen getäuscht werden, ja man kann sich irren, wenn mani hiuübersehcn will, und manche Anwohner sagen, der Fluß sei so ineinander! verschlungen, daß er überhaupt nur ein Ufer habe.

Bettina von Arnim beabstchtet nächstens ihre Ansichten von der gegenwärtigen Lage der politischen und sozialen Verhältnisse in einer ÄK-k schüre zu veröffentlichen. Die geniale Frau lebt jetzt in völliger Zurückge-s zogenheit und durch die Wendung der öffentlichen Dinge selbst von einem großen Theil ihrer nächsten Angehörigen geschieden. Der französische Gess sandte, Herr Arago,gehört zu dem wenigen Besuchern des Gesellschaftskreises! der Frau von Arnim. Auch der oft wohlthätige Einfluß, welcher dieser Daine früher an dem Hof freundlich und bereitwilligst zugestanden wurde,! ist seit dem März allmälig so weit paralysirt, daß selbst die sonst noch immerl ängstlich beachteten Rücksichten der Kourtoisie ihr gegenüber keine Beachtung« mehr finden.

Alexander von Humboldt lebt in Potsdam in tiefen Studien, mil dem dritten Baude seinesKosmos" und einer neuen Auflage seinerAmi sichten der Natur" beschäftigt.

Theater zu Wiesbaden.

Dienstag den 14. Novbr. Zum Erstenmale: Die Valentine Schauspiel in 5 Akten von Gustav Freh tag.

der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.