Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^N 209» Dienstag den 1L November L8L8.
Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden $ fl., für den Umfang des Herzogthums Stassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes S fl. 40 fr. —Inserate werden die dreispaltige Pelitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenbergsschen Hof-Buchhandlung, aufwärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Papiergeld und Kredit.
An die Redaktion.
Der Gemeinderath und die Gemeinderäthe.
Deutschland. Vom nördlichen Abhange des Taunus (Synode zu Idstein). — Kassel (Adresse der vaterländischen Vereine an den Reichstag). — Aus Kurhessen (Henkels Volksblatt über die Mediati- firungsfragc). — Koburg (Der Herzog über die Mediatisirungeu). — Berlin (Die weitere Entwickelung der Krisis). — Potsdam u. Er- fur t (Eindruck der Nachrichten ans Berlin).— Wien (Besetzung Preß- burgs durch die. kaiserlichen Truppen. Der Belagerungszustand. Fortwährende Truppeumärsche gegen Ungarn). — Ollmütz (Bauernaufleh- nungen in Schlesien).
Papiergeld und Kredit.
In einer Korrespondenz aus Paris in der „Augsburger Allgem. Zeitung" findet sich folgende Stelle, welche sich unsere nassauischen Finanzprojcktenmacher in und außerhalb der Kammer zu Herzen nehmen wogen. Sie lautet fast, als ob sie chanz speziell auf Nassau gemünzt wäre.
„Die Existenz des Staates beruht darauf, daß der Kredit wieder erwache. Dieser wartet auf nichts als auf einige Sicherheit, um sich wieder zu zeigen, und besonders darauf, daß keine unsinnigen Maßregeln genommen werden unter dem iVorwand ihm aufzuhelfen. Aber die Unwissenheit der »Abgeordneten in Finanz fachen ist so groß, daß kaum, nachdem der Plan von Papiergeld unter Form einer Laud- Hypothekenbank verworfen worden ist, schon wieder einer Ivor der Kammer liegt um 400 Millionen Papiergeld auszugeben, von denen 200 zu Errichtung von Discvntobanken verwendet werden sollen. Papiergeld zu schlagen um dem Kredit aufzuhelfen! Weiß denn so ein Mensch, : der sich berufen glaubt dem Kredit aufzuhelfen, nicht, daß die bloße Berathung eines solchen Plans alle Bankiers, die wünschen wieder ihr Diskontogeschäft anzufangen, auf der Stelle wieder zurückhält? Die Bank von Frankreich discontirt um 4 Prozent, also weit unter dem Werth des Geldes, und doch fällt ihr Portefeuille täglich, weil die Bankiers nicht wagen ■ eine dritte Unterschrift zu geben, so lange sie nicht die Ueberzeugung haben, daß Frankreich gegen die Unternehmungen der Plusmacher und Papiergeldersinder geschützt ist. Aber die thörichte Meinung, daß der Staat Kredit machen könne, ist leider hier so verbreitet, daß man das Ende dieser Reihe Vorschläge nicht absiehl.
An die Redaktion.
Aus dem Amte Montabaur. In der Nass. Allg. Ztg. war vor kurzem eine Klage gegen die Verkürzung der Besoldungen von Beamten, in der Frânkf. O.-P.-A.-Z. war kurz darnach sogar ein allgemeiner Wunsch ausgesprochen, daß dem Bedürfniß eines Reichsgerichts entsprochen werden möge, um gegen Reduktion bestehender Pensionen K läge führen zu können.
Dies veranlaßt einen alten Trierischen Bürger zu felgenden Bemerkungen, die zwar nur aus dem praktischen Leben, sticht aus Büchern und Aktenstößen genommen sind.
Das Interesse der Empfänger von Besoldungen und Pen- lwnen ist natürlich deren gegenwärtigen Stand zu wahren, das
Interesse der Geber fordert dagegen die Reduktion. Hierbei tritt die Bemerkung hervor, ob bei Aufstellung von einer Dienstpragmatik auch die Geber zu Rathe gezogen worden sind, ohne welche doch wohl eine solche einseitig festgestellt, auf gesetzliche Gültigkeit keinen Anspruch machen kann.
Konnte man in Zeiten, wo die Lebensmittel über den gewöhnlichen Preis gestiegen waren, einem großen Theil von Beamten, sogar deren Pferden, ohne die Geber zu fragen, Zulagen geben, warum sollte es denn nicht eben so recht sein, wenn die Geber in Zeiten, wo das Geben ohnehin so sehr erschwert, ja für viele fast unmöglich geworden, eine Reduktion der Ausgaben verlangen?
Stellt man neben obige Bemerkung den Vergleich deS Personals der Beamtenwelt der frühern mit der jetzigen Zeit, so ergibt sich, daß unter der frühern Regierung z. B. in Ehrenbreitenstein das Amt mit einem Beamten und einem Amtsschreiber, das Amt Selters mit einem Beamten und einem Schreiber, das Amt Herschbach desgleichen, das Amt Weilburg mit einem Beamten und einem Schreiber, und die beiden Aemter Walmerod und Montabaur vereinigt auch nur mit einem Beamten und einem Schreiber besetzt waren. Jetzt dagegen findet man an fünf Aemtern, aus diesen entstanden, die nicht größer geworden sind, sondern kleiner, an jedem derselben ein besoldetes Personal von 8. Früher 10 Besoldete, jetzt 40.
Trier hatte ein Oberforstamt, Nassau 8.
Ebenso machte Trier bei der Verwaltung der Zucht- und peinlichen Gerichte bedeutend weniger Personal aufwand als Nassau. _
Vergleicht man nun noch den Militärstand, so hatte Trier nur ein Regiment Infanterie und eine Kompagnie Artillerie, wogegen Nassau zwei und nun bald drei Regimenter Linienmilitär, eine Kompagnie Artillerie und eine halbe Kompagnie Pioniere hat, also auch hier eine mehr als doppelte Ausgabe für ein kleineres Land.
Hierzu kommen nun noch für die schon besoldeten Beamten, wenn solche auf einen halben Tag ihre Schreibstube verlassen und im Dienst die paar Stunden verwenden, noch außer der Besoldung eine Menge Transportkosten und Diäten, selbst bei manchen, die schon auf ihre Pferde eine nicht zu kleine Besoldung erhalten.
Diese kurze Andeutung dürfte den Patriotismus unserer Beamtenwelt nur aus Empfang gegründet ins klare Licht stellen; die Ständekammer dagegen aufmerksam machen, daß bebeu- tende Mängel in der Verwaltung sind, und daß sie ihrer Pflicht eingedenk seyn müssen und statt um Formen und Worte zu streiten, diese Mängel aufsuchen und dann zwischen dem Geber und Empfänder ein richtiges Verhältniß bestimmen, entweder durch Reduktion der Besoldungen oder der Zahl der Besoldeten, so wie durch Abstellung des bewaffneten Friedens (?) damit endlich der Bürger der erdrückenden Last enthoben und sich wie die Beamten auch wieder des Lebens freuen können.
Ein ehemals Trierischer Bürger.
%: Der Gemeinderath und die Gemeinderäthe.
Wiesbaden, 11. Nov. Man sagt gewöhnlich: Der Name thut nichts zur Sache, oder der Name macht's nicht aus ic.