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hatte aufschreien mögen, und stieg aus. Ich fuhr vollends nach Ber.

Als ich nach Verlauf von wenigen Tagen in Geschäften nach Aigle kam, um in der Apotheke Material zu meinem Handwerk einzukaufen, ich bin ein Chemiker und neben­bei gesagt ein alter etwas griesgrämiger Junggeselle stand der Apothekergehülfe Johannes in der Thüre und schwätzte mit meiner Pathe Jeannette, die ein allerliebstes Mädchen ist und der ich von Herzen zugethan bin.

Jeannette klagte, es sey zu Hause bei ihrem Pflegevater alles krank, bis auf sämmtliche Kinder und ihren Liebling, das kleinste herab. Sie holte aus diesem Grunde die Medizin.

Es ist traurig bei uns, lieber Herr, daß einem kein Bis­sen Brod mehr schmecken will. Wenn das Kleine mir auf dem Schooße liegt, so wie ein krankes Vögele, und die großen Augen mich so gläsern, fieberhaft anschauen, will mir ganz das Herz verzagen. Ei nun, wie Gott will! Sind wir doch nicht zum Lachen und Singen allein auf der Welt und möch­ten, wenn es nicht Kummer und Sorgen dazu gebe, wohl gar den Himmel vergessen.

Die Kleine steckte mit diesen Worten die erhaltenen Schach­teln und Gläser ein und ging von dannen.

Ich trat in die Apotheke und blieb mitten drinnen stehen.

Es wird mir in solchem Gewölbe allemal ganz eigen zu Muthe.

Da liegt nun so friedsam bei einander Arsenik und Lin- denblüthenthee, Süßholz und Blausäure, Laudanum und Fen­chel. Ein Chaos von Kräften und Gewalten, gebannten und ungebannten, die in Aufruhr zu bringen, es nur des mensch­lichen Willens bedarf. Ja wahrlich! wäre nicht der Franc und Centime zu berechnen, der an jedem Medikament gewon­nen werden muß, der Apotheker möchte leicht genug in Dok­tor Faust'ö verbotene Fußstapfen treten! Schelte man nur darum niemals auf den Franc und Centime, den Groschen und den Pfennig, kurz auf das Geld, das die Welt regiert!

Ich stand also mitten in dem Laden und spielte gedanken­los mit einem Bündel Fischblasen, die, an einen Faden ge­reiht, von der Decke herabhingen.

Da fühle ich einen Schlag auf meiner Schulter und der Fremde von gestern steht vor mir.

Das Haus seiner Gönnerin war von Gästen voll und man hatte den Doktor bei der Apothekerin eingemiethet. Es fielen mir die Komödianten aus Wilhelm Meister ein; es war jedoch hier etwas anders.

Jetzt, am Tage, ohne weiten Mantel sah ich mir meinen Mann erst recht an.

Es war eine stattliche Gestalt, groß, breite Brust, Kopf kühn getragen, etwas zurück, langes schlichtes Haar, ein Blick, der da besagte: seht, welchen freien deutschen Mann ihr vor euch habt!

Wir schütteln uns die Hände, ich suchte zuletzt aus, was ich im Laden brauchte, und der Fremde, der so lange gewar­tet hatte, begleitete mich auf den Heimweg.

Während dieses Ganges wurde mir allerlei über ihn klar. Der Doktor war in der großen Stadt B. von armen Eltern geboren, die gern gesehen hätten, er wäre bei ihrem Handwerk weiter hocken geblieben. Der Sohn, dessen Anlagen und Ga­ben sich frühzeitig meldeten, schaute aber bald nach anderen Dingen als nach des Vaters Schuhladen aus.

Die Lehrer und Vorsteher der Schule bemerkten und un­terstützten den mittellosen Knaben. Man ließ ihn studieren. Was denn?

Nun, Theologie, Jurisprudenz, dann Medizin und zuletzt auch Philosophie.

Hierin verschlang er, von der Hegel'schen Gottmenschheits­lehre bis zur Trunkenheit hingerissen, Tag und Nacht die Worte des Meisters.

Die Philosophie ist aber leider eine Wissenschaft, die ihre Jünger am allerlängsten um Brod darben läßt.

Seine Gönner und Beschützer hatten sich von unserm jun­gen Freunde nach und nach zurückgezogen. Sie waren über­zeugt, daß sein flüchtiger schwankender Charakter nie eine ernste Lebensrichtung verfolgen würde, und wollten ihre Wohl­thaten einem Würdigeren zuwenden. '

Nur die Baronin B., eben jene Gönnerin, bei der Dr. Alexander in Aigle zu Besuche war, verließ ihn nicht, und der Jünger Hegels wurde zum Privatdocenten ernannt, worüber er, um zu leben, faulen Buben, die auf der Schule nicht fort kamen, Privatstunden im Griechisch und Latein geben mußte.

Nicht lange nachher führten ihn literarische Arbeiten und Verbindungen in die Journalistik ein.

(Fortsetzung folgt.)

Wiener C i n d r ü ck e. (Schluß.)

Wenn unter deren Regime Abends die Wachen nicht voll­zählig waren, dann ließen sie Sturm läuten, Alarm schlagen, und wenn, was Waffen tragen konnte, erschreckt zu den Sam­melplätzen geeilt war, griff man die nöthigen Wachmannschaf­ten heraus und schickte die andern nach Hause. An die maß­lose Angst von tausend Weibern und Kindern, die das Heulen der Sturmglocke in die Keller der Häuser trieb, wo sie bebend in jedem Augenblicke das Platzen einer Bombe erwarteten, dachte Keiner der Herren, welche jenes naive Mittel erfunden hatten. Mit Alarmschlagen ist man überhaupt sehr verschwen­derisch gewesen. Ewig denke ich an die Nacht vom 10. auf den 11.; kaum eingeschlummert, erweckte mich plötzlich der Ruf:Die Kroaten! Zu den Waffen!" Und ehe ich noch recht wußte, wie mir geschehen, hatte ich eine Muskete in der Hand und stand auf der Burgbastei nsben einer Kanone, deren.