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im Dienste. In der Stadt waltet die, größte Theilnahme, aber auch die größte Ruhe, fast Todtenstille. Ein Plakat der wenigen ausgetretenen Mitglieder der Rechten, die ihren Schritt vertheidigen, aber nicht den Muth haben, sich zu nennen, wird mit stiller Verachtung gelesen.

Die Kölner Zeitung schreibt angesichts dieser Ereignisse, deren Folgen unberechenbar sind:

Wir richten den Blick, nach Wegen der Rettung aus- spâhend, in die Zukunft!

DieDeutsche Reform" hofft, wie scheint, Rettung von einem einfachen Nachgeben der Krone und einem Ministerwechsel. Aber sie läßt uns nicht erkennen, ob sie auch welche unermeßliche Gefahren in ihrem Rathe liegen, ob sie auch Mittel, ob sie Männer weiß, die nach einem solchen Nachgeben den auf abschüssiger Ebene dem Abgrunde zueilenden Thron noch zu halten vermögen! Nachdem der Konflikt nun einmal so weit hat kommen sollen, wie das die oben ange­führten Thatsachen beweisen, würde, fürchten wir, der ein­fache Sieg der einen Seite, welche Seite es auch fev, diese wenigstens für den Augenblick absolut machen und das unabhängige Recht der anderen vernichten! Der Standpunkt der Vereinbarung wäre im Wesentlichen da­hin, und der des OctroyirenS von oben oder von unten wäre mit allen seinen Gefahren gekommen!

Die einzige Rettung des Rechtsbodens der Vereinbarung, wenn eine solche noch möglich ist, würde in der Anerkennung eines höheren Schiedsrichters liegen. Das Neichs- kammergericht für zweifelhafte Fragen des' StaatSrechtes, für die Entscheidung des Rechtsstreites zwischen Fürsten und Stän­den lebt nicht mehr; aber ist nicht in der Reichsgewalt der Anfang einer ncueh, so hcilvollen Instanz wiedergeboren?

Berlin, 11. Nov. Telegraphische Depesche des Ministers des Innern an den Regierungspräsidenten:

Die Truppen sind am 10., Nachmittags 2 Uhr, eingerückt.

Die Stadt ist ruhig. v. Manteuffel.

Die neueste Nachricht bringt die Köln. Ztg: In Berlin beharrten auch am 10. Novbr. Mini st er i um und Natio­nalversammlung auf ihren E n t s ch e i d u n g e n. Letz­tere hat eine Berufung an das Volk ohne Debatte beschlossen. Die Truppen sind eingerückt, haben das SitzungSlokal umzin­gelt, und lassen wohl aus-, Niemanden aber eintreten. Die Vertreter des Volkes haben dasselbe gestern Abends verlassen, nachdem sie seit Donnerstag Abend in Permanenz gewesen waren, und beabsichtigten,- heute Vormittags wieder Sitzung zu halten. Die Bürgcrwehr behauptet wie die Nationalver­sammlung die würdige Haltung des passiven Widerstandes. Die Ruhe der Stadt ist nicht gestört.

D e u t f ch l a n d.

Köln, 8. Novbr. (D. Z.) Die Beiträge zum Dombau sind in der letzten Zeit so spärlich geflossen, daß der hiesige Dombauverein einen Nothruf zur Unterstützung hat ergehen lassen. Der König, des Dombaues Protektor, hat inzwischen aus seiner Privatkasse 12,000 Thaler für den Dom angewie­sen (für welchen der Staat jährlich 50,000 Thaler hergibt). Möchte die Theilnahme an jenem herrlichsten aller Nationalwerke auch in diesen bedrängten Zeiten nicht ermatten!

Kassel, 9. Novbr. (O.-P.-A.-Z.) Gestern wurde hier Allarm geschlagen; Militär und Bürgerwehr traten unter Waffen. Bei der Aushebung der Mannschaft zur reichsbeschluß­mäßigen Ergänzung des Kontingents hatten sich arge Szenen der Unordnung vor der zu dem Ende im Stadtbausaal sitzen­den Kommission ereignet, in deren Folge es zu Thätlichkeiten gegen einen öffentlichen Beamten gekommen ist. Starke De­tachements der Bürgergarde haben die Gegend des Stadtbaues und dessen Räume besetzt, die Menge entfernt und einige Per­sonen zur Haft gebracht. Weitere Ruhestörungen haben nicht stattgefunden.

Stuttgart, 8. Nov. Wir ersehen aus derUlm. Kronik," daß das Ministerium des Innern Folgendes an die Ober- ämter erlassen hat:Da die Presse, deren Mißbrauch zu gesetz­widrigen Zwecken schon länger zu beklagen ist, hierin fortfährt und insbesondere nicht aussetzt, die bestehende Rechtsordnung anzugreifen, so wird dem Oberamt wiederholt aufgegeben, die in seinem Bezirk erscheinenden Blätter und Schriften in An­sicht auf ihren Inhalt und dessen Verhältniß zu dem wieder

in Wirksamkeit gesetzten Gesetze über Preßfreiheit vom 30. Januar 1817 jederzeit so viel als möglich zu kontroliren, und jedes dadurch zur Kenntniß des Oberamts kommende Preß­vergehen nach Maßgabe des Art. 4 der f. Verordnung vom 25. Juli d. I., betreffend ein mündliches und öffentliches Anklageverfahren in Preßprozeßsachen, dem betreffenden Staats­anwalt ungesäumt mitzutheilen."

Halle, 4. Nov. Vor einigen Wochen ging durch mehrere Zeitungen die Nachricht, daß der hiesige Prof. Heinrich Leo, jener bekannte Vorfechter der pietistisch-absolutistischen Rich­tung, bei Hofe in Potsdam gesehen worden sey; zumal wäh­rend des Ministeriums Pfuel-Eichmann-Bonin. Wir können dies Gerücht als durchaus wahrheitsgemäß bestätigen, wir können hinzusügen, daß auch jetzt wieder, wo die jüngste Mini- sterialkrisis neue Wahlen erheischt, Hr. Leo eben dahin geeilt ist, um mit seinem durch einseitige historische Forschungen ge­bildeten, dieNaturwüchsigkeit" der absoluten Staatsregierun­gen vertheidigenden Wissen das neue Ministerium gestalten zu helfen. Wahrlich, es ist an der Zeit, das Publikum davon zu unterrichten, welcher Rathgeber sich die Krone bedient, um das Wohl des Volkes zu fördern und auf welcher Männer Ein­gebungen die Maßregeln sich stützen, von denen die Krone in ihrem konstitutionellen Rechte Gebrauch macht.

F r a n k r e L d).

Paris, 9. Nov. Es ergießt sich über uns ein wahrer Platzregen von Manifesten. Heute ist das Manifest des Berges erschienen; für morgen wird das Manifest Ledru Rollin's zur Präsidentenwahl angesagt; am Sonntag wird Cavaignac sein Manifest publiziren und zwei Tage später wird der demokra­tische Kaiser sein Manifest erlassen.

Seit drei Tagen werden bedeutende Waffenmassen aus dem Arsenal am Äastillenplatz in die Festung von Vincennes geschafft.

Am Schluß der gestrigen Sitzung der Nationalversamm­lung verbreitete man folgendes unsinnige Gerücht:

Lamoriciere, Cavaignac und Proudhon hätten sich, hieß , verabredet, die Nationalversammlung mit Gewalt ausein- anderzusprengen. In der Verwirrung solle jedoch Proudhon (1° seyen Lamoriciere und Cavaignac übereingekommen) von den Leuten der Letzterenaus Mißverständniß" erdrosselt wer­den. Endlich wenn der Haufe im gräßlichsten Wüthen be­griffen sey, würden Lamoriciere und Cavaignac an der Spitze ihrer Truppen herbeisprengen und auf diese Weise als Retter der Nationalversammlung und des bedrohten Vaterlandes er­scheinen und die Früchte ernten. Wir können (sagt dasProudhon'- sche BlattLe Peuplc" von heute) versichern, daß wenn Herr Proudhon wirklich in eine solche Verschwörung verwickelt sey, er sicher nicht seiner eigenen Erdrosselung entgegenrennen würde.

Zwischen den Linientruppen und der Mobilgarde werden die Reibungen immer häufiger, so gern sie auch der Moniteur wegläugnen möchte. In der Courtille (Tanzsaal Favier) kam es gestern zu einer fürchterlichen Rauferei zwischen Mobilen und Linientruppen, wobei erstere den Kürzeren zogen. Im Flecken St. Ouen dagegen, von wo die Blätter ebenfalls eine Schlägerei zwischen Mobilgarde, Linien und Pompiers melden, zogen letztere den Kürzeren. Bei beiden Tanzschlachten gab es schwer Verwundete.

Die Regierung der franz. Republik hat dem schweiz. Vor­orte ihre Vermittelung in den Freiburger Händeln mit dem päpstlichen Stuhle angeboten. Laut Depeschen aus Bern vom 7. November hatte daselbst die Ernennung der neuen Bundesversammlung und.des Ständerathes am Tage vorher mit vielem Pomp (Illumination und Kanonendonner) statt- gefunden.

Cabet stand gestern vor dem hiesigen Zuchtgericht wegen der bei ihm am 15. Mai entdeckten Waffen. In Folge des Ausbleibens in eiferet Zeugen mußte das Urtheil verschoben werden. Aus dem Verhöre erfuhr man, daß Cabet bereits 60 Jahre alt ist. Er ist dennoch sehr rüstig.

Die Bonapartisten leiden sammt und sonders an fürchter­lichem Geldmangel. Um demselben abzuhelfen, wollen sie 80,000,000 Frs. vom Staatsschatz als Ersatz für den Schaden verlangen, den ihnen die Bourbonen nach 1815 zugefügt hät­ten. Als der alte Dupin dies in der Nationalversammlung hörte, soll er ausgerufen haben: Wahrhaftig, diese Leute glau­ben, daß Frankreich eine Kuh sey! Geht das so fort, so sehen wir bald die Chambords, Joinville's, Äumale's, Nemours und tutti quanti Beschlag auf unser Nationaleinkommen legen.

Verantwortlicher Nedakteur: W. H. Riebt. Druck und Verlag der 8. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandluna in Wiesbaden.