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Blum und Fröbel als Arrestanten und unter Militärbedeckung in einem Wagen forttransportirt worden sind.

Altenburg, 7. Nov. (D. A. Z.) In diesen Tagen ist der Hofadvokat Wiedemann gesanglich eingezogen worden; ebenso ein Schreiber des Advokaten Erbe und ein Schreiber der Ka- tasterkommission. Es scheint überhaupt, als wenn die sog. Volksführer alle nach und nach zur Hast gebracht werben würden. Die hannover'sche Einquartierungslast ist eine überaus drückende. Die Herzogin liegt so krank darnie­der, daß sie von den Aerzten bereits aufgegeben ist.

Erfurt, 3. Nov. Ich beeile mich, Ihnen die Nachricht mitzutheilen, daß die,hiesige (preußische) Gränzfestung von kgl. sächsischen Truppen besetzt worden ist, während die unsri- gen nach Altenburg beordert worden sind. Fürwahr, unsere Regierung konnte ihren aufrichtigen Anschluß an das gemein­same deutsche Vaterland nicht kräftiger bekunden als durch jene Verfügung, die darum auch in allen Kreisen den freudig­sten Eindruck hervorgebracht hat.

Aus Berlin vom 6. Nov. berichtet die Deutsche Reform: Aus allen Landestheilen gehen bereits Petitionen an den Kö­nig ein, welche die Verlegung der Nationalversammlung durch die Ereignisse vom 3l.Okt. für geboten erklären und als eine bringende Pflicht der Krone gegen das Land bezeichnen.

Die Stimmung, in der sich die Mehrzahl unserer Abge­ordneten in Folge der Verlegung der Kammer befindet, ist die der völligen Rathlosigkeit. Nur die äußerste Linke scheint sich zu einem festen Entschlusse vereinigt zu haben. _ So viel wir aus Aeußerungen einzelner Mitglieder der verschiedensten Fraktionen bis jetzt zu entnehmen Gelegenheit hatten, würde nur eine sehr geringe Minorität sich in eine Verlegung fügen. In der Bürgerwehr hat das Gerücht eine bedeutende Bewe­gung hervorgerufen. Die Offiziere sind zu einer Berathung zusammengetreten; es ist jedoch der Beschluß gefaßt worden, sich bis zu einer eventuellen Beschlußnahme der Nationalver­sammlung jeder Kundgebung zu enthalten.

Berlin, 7. Nov. Eine große Anzahl Flüchtlinge ist aus Wien hier bereits eingetroffen und noch größere Zuzüge werden täglich erwartet. Welches Verhältniß die Behörden ihnen gegenüber einnehmen werden, ist noch nicht bekannt; vorläufig haben sie dieselben ignorirt. In einigen Klubbö ist es bereits zur Sprache gebracht worden, diese Flüchtlinge so­wohl gegen etwanige Auslieferungsrequisitionen als auch gegen materielle Noth zu schützen.

Berlin, 8, Nov. (Sitzung der Nationalversammlung.) Das Ministerium hat schriftlich anzeigen lassen, daß es außer Stande sey, da es die Krone in der Versammlung zu vertreten nicht mehr das Recht habe, der Berathung über ein Gesetz bei­zuwohnen. Abg. Scheidt trägt deshalb auf Vertagung der Sitzung an. Ebenso Daniels. Andere Anträge wollen die Mor­gensitzung in die Abendsitzung verwandeln und beabsichtigen die Berathung des Gesetzes zum Schutze der Mitglieder der Ver­sammlung vor allen anderen schleunigen Anträgen vorzunehmen. Abg. Dunker macht noch darauf aufmerksam, daß in der Stadl ein Gerücht gehe, es solle heute Abend ein neuer Krawall her­beigeführt werden, und daß es unpolitisch seyn würde, durch eine Abendsitzung dazu Veranlassung zu geben. Die Frage, ob man ohne Vertretung der Krone hier Gesetze berathen könne wird mit den alten Gründen für und gegen weitläufig erörtert. Arntz will beweisen, daß es mit dem konstitutionellen Leben verträglich sey, auch ohne Anwesenheit der Minister zu bera­then. v. Kirchman stützt sich darauf, daß die Versammlung gestern den Beschluß, heute zu tagen, gefaßt habe, ohne daß die Anwesenheit der Minister zur Bedingung gemacht worden sey. Milde wiederlegt einige geschichtliche Angaben, welche Arntzt vorgebracht hat. Bei dem Anträge von Daniels, die Sitzung bis morgen zu vertagen, weil die heutige Berathung zwecklos seyn würde, entsteht eine heftige Debatte darüber, ob das dem Anträge angehängte Motiv mit zur Abstim­mung gebracht werden solle oder nicht. Die Linke erhebt, als v. Daniels gegen Parrisius Bemerkung, es sey nicht Sache der Versammlung, schlechte Anträge zu bessern, das Wort neh­men will, einen furchtbaren Lärm, wie er in diesem Maße noch niemals vorher gehört worden. Parrisius soll sogar das Wort Unsinn gebraucht haben; er will aber Unding gesprochen haben, o. Daniels erwiedert, er habe allerdings von Parrisius nur Unsinn gehört, wenn es aber Unding' gewesen sey, habe er auch nichts dagegen; in dem Meere von Wohllauten habe er den Konsonanten überhört. Es wird auf Theilung des An­trages angetragen, dem Widersprochen und durch Beschluß die Theilung angenommen. Es erfolgt namentliche Abstimmung über den Antrag ohne das Motiv; es stimmen 172 mit Ja,

186 mit Nein, und ist sonach der Antrag gefallen; mit ihm das Dunker'sche Amendement. Es wird demnach zur Tages­ordnung übergegangen.

Aus Nied erschlossen, 6. Nov. Nach Allem, was man von Posen her über die Wühlereien des polnischen Adels und der katholischen Geistlichkeit hört, die ihr Wesen wieder öffentlich in Volksversammlungen zu treiben anfangen, droht der Bürgerkrieg zwischen Polen und Deutschen auf's neue aus- zubrechen. Wir haben den Erstern wieder Amnestie bewilligt. Wir werden aber von neuem das Wort Vergniaud's in der ersten französischen Revolution bestätigt sehen:Wir gehen von Verbrechen zur Amnestie, und von der Amnestie zu Verbrecken über!" Diesmal dürfte indeß der Kampf ein leider viel blu­tigerer werden, denn unsere Landwehr ist es nachgerade müde, der polnischen Insurrektion wegen alljährlich mehrmals unter die Waffen gerufen zu werden, und spricht sich sehr unwillig aus.

Wien, 4. Novbr. Das Ministerium ist rekonstituirt. Wessenberg als Premier ohne Portefeuille, Bach als für das Innere, Kraus für die Finanzen geblieben, Buchner Krieg, Maier Ackerbau und Industrie, Helfert Unterricht, Fürst Schwarzenberg Auswärtiges, Breda Justiz, Bruck Handel, neu eingetreten. Die öffentlichen Arbeiten sind noch nicht besetzt. Kraus wird sich über die Beibehaltung, wie ihm anheimgestellt worden, noch zu bestimmen haben. Das neue Kabinett hat delikate Bedingungen gestellt. Das Hofspezialkabinet muß auf­hören, eine Reihe von Personen die Umgebung des Kaisers verlassen, der Einfluß des.Erzherzogs Franz Karl ist sckarf formulirt worden. Wessenberg hat man jedenfalls nur behal­ten, um nicht der Schwäche beschuldigt zu werden. Maier, Helfert sind tüchtige parlamentarische Kapazitäten, Schwarzen­berg wird muthmaßlich wenigstens die Hälfte des Talents, das ihm zur Seite steht, bewähren. (Breöl. Z.)

Wien, 5. Nov. DerWiener Zeitung" ist heute die ein­zige Quelle unserer Nachrichten; sie enthält sich indessen aller selbstständigen Mittheilungen über die unseligen Ereignisse, so daß man sich genöthigt sieht, aus den zahlreich erlassenen Pro­klamationen auf den etwaigen Zustand der Stabt zu schließen. Ich will Ihnen die wesentlichen Erlasse mittheilen.

Generalmajor Cordon, als Vorstand der Zentralkommis­sion der k. k. Stadtkommandantur, erklärt in der am 3. Nov. publizirten Proklamation,daß die Zentralkommission, deren Vorstand er sey, am 2. Nov. ihre Funktionen eröffnet habe und für Aufrechthaltung der Ruhe, Ordnung und Sicherheit Sorge tragen werde."

Cordon fordert von den Bewohnern der Hauptstadt strengen Gehorsam der Gesetze, Achtung und Folgsamkeit den öffentlichen Behörden und den von ihnen ergehenden Verfügun­gen und endlich Schutz dem öffentlichen und Privateigenthum." Durch die Unterstützung der Gutgesinnten hofft er,die tief erschütterte Ordnung bald wieder gründlich herzustellen und der Hauptstadt zu jenem gemüthlichen Aussehen zu verhelfen, welches ihren Zustand zum beneidenswert then in der Monarchie und im Auslande gemacht hat."

Wien, 6. Nov. (A. Z.) Graf Franz Sradion hat gestern Wien verlassen, und sich nach Ollmütz begeben. Seine Reise nach Wien scheint hauptsächlich den Zweck gehabt zu haben, sich mit dem Fürsten Windisch-Grätz über künftige Maßregeln zu verständigen. Es ist kein Zweifel, daß er dem Fürsten Mäßigung anempfohlen. Nie war dieselbe nothwendiger als heute, um die durch die Härte des Belagerungszustandes er­bitterten Gemüther zu besänftigen. Stadion wird als der künftige Ministerpräsident bezeichnet mit dem Portefuille des Innern. Colloredo soll an Weffenbergs Stelle die aus­wärtigen Angelegenheiten, Fürst Felix Schwarzenberg das Portefeuille des Kriegs übernehmen. Auch Bruck und Mayer werden als künftige Minister mit Bestimmtheit bezeichnet. Wir halten diese Kombination für sehr wahrscheinlich und glauben ihr jetzt nach eingetretener Ruhe längere Dauer versprechen zu können, als dem letzten Ministerium. Ein großer Theil des Heeres ist bereits gegen die Ungarn im Marsch. Heute sahen wir Kroaten und italienische Grenadiere die östliche Richtung einschlagen. Schwerlich dürften die Ungarn dem anziehenden Sturme widerstehen. Die Stärke der bei Wien versammelten Armee betrug vor dem Angriff 98,000 Mann mit 285 Kanonen. In Betreff der Journale ist insofern einige Milderung eingetreten, als den zwei konservativen Blättern, derPresse" und demLloyd", erlaubt ist, von morgen an ohne Zensur zu erscheinen. Mesienhauser hat sich freiwillig gestellt.

Daß Blum und Fröbel in der vorgestrigen Nacht ver­haftet wurden, wissen Sie bereits. Zwanzig Grenadiere hat­ten den Gasthof zur Stadt London, wo beide Abgeordnete