wobei ebenfalls viele Soldaten überfallen und verwundet wurden.
Hierauf erschienen einige Deputationen, welche die @nt< fernung des Militärs verlangten und für die Ruhe garantir- ten. Der General verlangte sofort die Wegräumung der Barrikaden. So standen die Sachen bis zum 2. Nov. Morgens 7 Uhr. Endlich schien es, als wollte man die Bedingungen des kommandirenden Generals annehmen, als durch die Handlungsweise der reitenden Nationalgarde eine neue Reibung hervorgerufen wurde, in Folge deren viele Personen verwundet wurden, worauf man die Barrikaden wieder vollständig herstellte und durch das Anschlägen an die Glocken die Bevölkerung der Stadt zu einem Kampfe aufrief. Einige Schüsse aus den Fenstern, in Folge deren 2 Artilleristen gelobtet wurden, gaben das Zeichen zum Angriff von Seiten des Militärs.
Das bewaffnete Volk konzentrirte sich während des Kampfes in der Universität und pflanzte auf einer Barrikade eine rothe Fahne auf. Nach Verlauf einiger Stunden waren die Barrikaden durch die Artillerie zerstört. Leider geriehen dabei der Stadttheil um die Universität und besonders die Universität selbst, sowie das prachtvolle Rathhaus mit vielen andern Häusern durch die Raketen in Brand.
Gegen Mittag erschien tine Deputation des Sicherheits- komites bei dem kommandirenden General, welche die Unterwerfung der Stadt unter folgenden Bedingungen zusicherte : i) die Auflösung und Entwaffnung der akademischen Legion; 2) die Reorganisation der Nationalgarde unter dem Einflüsse des kaiserl. Generals; 3) das Verbot des Tragens des polnischen Adlers; 4) die Ausweisung aller Fremden. Wenn diese Bedingungen nicht in möglichst kurzer Zeit vollzogen würden, so sollte, wie der kommandirende General erklärte, die Stadt in Belagerungszustand versetzt werden." Bei dem Abgänge des Kuriers, der diese Nachricht nach Krakau brachte, war die Ruhe hergestellt.
Nach der Jutrzenka dagegen soll das Militär aus der Stadt gedrängt und dieselbe hierauf bombadirt worden seyn. Das Rathhaus und die Akademie seyen bis auf den Grund, die Krakauer Straße ebenfalls abgebrannt.
* Wiesbaden, 11. Novbr. Die Geweweversammlung des „Vereins für Freiheit, Gesetz und Orpnung," welche gestern Abend im Alleesale zusammengetreten war, gab der projektirten Vereinigung der hessischen und nassauischen ^konstitutionellen Vereine in der Weise, wie sie am vergangenen Sonntage in Kastell besprochen worden und wie wir es bereits in diesen Blättern kurz berichteten, ihre einmüthige Zustimmung, Die Vorbereitungen zu einer beiverseitigeN Zusammenkunft, welche morgen über acht Tage in Wiesbaden stattfinden soll, sind demgemäß sofort eingeleitet worden. Das Programm der hessischen Vereine, welches verlesen wurde, zeigte sich in allen Hauptstücken völlig übereinstimmend mit dem unsrigen.
In der gestrigen Sitzung unsers Vereins wurde neben Anderem auch eine soziale Frage in Betracht gezogen. Die Versammlung beschloß nämlich, zur Linderung der Armuth in hiesiger Stadt vom 1. Dezember bis zum 1. März wöchentlich eine hinreichende Anzahl Brode backen zu lassen, um dieselben an die unbemittelten Einwohner gegen eine Karte zu geringem Preise abzugeben. Die nöthigen Geldmittel wird der Verein sowohl unter sich aufbringen, als auch durch Sammlung bei andern wohlhabenden Mitbürgern und den im Winter hier weilenden Fremden herbeizuschaffen suchen.
Ich de'cke, in solcher Weise zeigt man besser als durch Phrasen, daß man es gut meint mit dem armen Volke, und verfährt jedenfalls praktischer, als wenn man die unbemittelten Arbeiter zur systematischen Tagedieberei verleitet und ihnen für müßiges politisches Kannegießern silberne Knöpfe auf den Rock verheißt.
Frankfurt. (Nationalversammlung vom 10. November. — Schluß.) Merck verspottet die neidische Eifersucht, die Hr. Eisenstuck der Stadt Hamburg in Bezug auf Harburg beigemessen, mit mehr Stolz als geschmackvollem Witze. Von Wichtigkeit sind hingegen die mit Thatsachen und Zahlen belegten Mittheilungen des Redners, aus denen hervorgeht, wie, die deutiche Marine die zweite Handelsmarine in Europa in immer noch steigendem Fortschritte geworden, ohne irgend welche Zentralisation der Verwaltung ihrer Seeanstalten und ohne Begünstigung der einheimischen Rhederei vor der frem- cen. Dagegen sey die französische Handelsflotte, trotz des j Blum gefragt, der Reisende aber hat darauf selbst gesehen, daß
Genusses aller Vortheile einer einheitlichen und bevorzugenden Gesetzgebung, immer tiefer gesunken. Mit diesen und einer Reihe statistischer Angaben tritt er zugleich den schutzzöllneri- schen Gelüsten entgegen, die sich in dem Verlangen nach einem Differentialzölle offenbaren, während alle deutschen Seehandelsplätze, mit Ausnahme Bremens, nichts weiter zu ihrem Gedeihen und nichts für nothwendiger dazu erachten, als die volle Freiheit.
Gumbrecht aus Hannover trifft in seiner Ansicht mit der Meinung Merck's überein, indem er mit Lebhaftigkeit und auch vom juristisch-staatsmännischen Standpunkte den Vorschlägen des Verfassungsausschusses beitritt, wie dies auch von der Minorität des volkswirthschaftlichen Ausschusses selbst geschehen sey. Grumbrecht weist mit Recht darauf hin, daß gerade diese Minderheit die sachkundigsten Autoritäten des behandelten Gegenstandes (Gevekoht, Dröge, Veit, Francke, Czörnig, Merck, Sprengel, Stahl) enthalte. Noch sprechen Nizze aus Stralsund (für die Vorschläge des Verfassungsaus- schusses und gegen die übertreibende von Eisenstuck vertretene Mehrheit des volkswirthschaftlichen Ausschusses), Schultze (Ober-Zollinspektor aus Liebau in Schlesien), v. Vincke (für das Oberaufsichtsrecht der Reichsgewalt, wonebcn den Einzelstaaten die besondere Verwaltung der Schifffahrtsanstalten unbeschränkt verbleibe, und somit auch Denen die Last der Erhaltung, welche davon den unmittelbaren Nutzen hinnehmen). Der letzte Redner schließt mit dem Hinweise auf die großartige Staatskorruption, die Frankreich aus seiner Zentralisation geschöpft und will, daß nicht blos gehandelt werde für das Volk, sondern auch so viel als möglich „durch" das Volk. Nachdem die Debatte geschlossen worden, erhält Moritz Mo hl (als Berichterstatter der Mehrheit des volkswirthschaftl. Ausschusses) das Wort. Er findet einen bedeutenden Unterschied zwischen den heutigen Ansichten des Hauses und jenen im Mai, wo Niemand z. B. an einem gemeinschaftlichen Zoll- und Postsysteme für Deutschland einen Zweifel gehegt habe. Seine Polemik gilt dann zunächst dem Einflüsse, den der Handelsminister Duckwitz geltend zu machen suche, worauf er die verschiedenen Einwendungen gegen die Mehrheitsvorschläge zu beseitigen sucht. So setzt er den Zahlenangaben Merck's andere Zahlenangaben entgegen und spricht Hamburg nicht allein den Sinn für deutsches Interesse ab, sondern gibt auch dem Hafen von Harburg durchaus den Vorzug vor dem Hamburger. Desto mehr imponiren M. Mohl die französischen Häfen, namentlich der Kriegshafen von Cherburg. Er sucht auch darzuthun, daß die Verwaltung der See- und Flußarft stellten durch das Reich die Beamtetenkategorien nicht vermeh ren, sondern vereinfachen werde, und nachdem er noch auf einige ungünstige Bestimmungen der auswärtigen Gesetzgebung in Bezug auf die deutsche Schifffahrt hingewiesen, schließt er mit einer feierlichen Berufung auf die deutsche Einheit und unter dem Applause der linken Hälfte des Hauses.
Waitz, als Berichterstatter des Verf.-Ausschusseö: Die glücklichsten Momente unseres Vaterlandes liegen darin, daß wir niemals zentralisirt haben. Nur den Nachtheilen dieses Mangels an Zentralisation haben wir vorzubeugen. Aber gerade auf die Schifffahrtsanstalten würde eine strenge Zentralisation am wenigsten anwendbar/ja schädlich seyn.'
Ueber das Resultat der Abstimmung haben wir bereits berichtet.
Frankfurt, 9. Nov. (D. Z.) Aus guter Quelle kann ich ,Ihnen die Ihren Lesern vielleicht interessante Nachricht mittheilen, daß sich in diesem Augenblicke ein Entwurf Hanse- mann's über die Form der künftigen Reichsgewalt unter der Presse befindet, welcher zwar an der neulich von Vincke angriffsweise berührten „Dreieinheit" festhält, aber eine Menge äußerst praktischer; echt staatsmännischer Winke enthält.
Frankfurt, 10. Nov. Heute Morgen langte mit dem ersten Taunus-Eisenbahnzuge eine bedeutende Anzahl von, der Theilnahme am September-Aufstande angeklagten UntersuchungsGefangenen unter starker militärischer Eskorte von Mainz hier an, um in die zu ihrer Aufnahme im alten Gefängnißgebäude hergerichteten Arrestlokale untergebracht zu werdend
Leipzig, 8. Novbr. (D. A. Z.) Ein heute aus Wien hier angekommener Reisender bringt die gewisse Nachricht von Robert Blum's Verhaftung und die nähern Details derselben. Am 4. Nov. früh zwischen 5 und 6 Uhr hat eine Schaar von 40—50 Soldaten die Stadt London, wo Blum gewohnt, umstellt und das ganze Haus durchsucht. Das Militär ist dabei auch in des Reisenden, dicht neben Blum's und Fröbel's Logis gelegenes Zimmer eingedrungen und hat nach