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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 208 > Sonntag den 12* November L8â8.

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Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 8 fl., für den Umfang des Herzogthums Passau, des GroHerzogtbumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Hamburg und der freien Sradt Frankfurt 58 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 58 fL 40 ft. Inserate werden die dreispaltige Pelitzeile über deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus- wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

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Uebersicht.

Die Wiener Ereignisse und die Linke.

Die Vorgänge in Lemberg.

Deutschland. Wiesbaden (Der Verein für Freiheit, Gesetz und Ord­nung. Armenunterstützung). Frankfurt (Reichstag). Leipzig (Die Verhaftung Robert Blums). Altenburg (Verhaftungen. Die Einquatirung. Die Herzogin). Berlin (Petitionen an den König um Verlegung des Landtages. Flüchtlinge aus Wien. Verhandlungen des Landtags). Aus Niederschlesien (Drohender Wiederausbruch des Bürgerkrieges in Posen). Wien (Das Ministerium. Verhaf­tungen, Vermischtes).

Frankreich. Paris (Nationalversammlung).

Die Wiener Ereignisse und die Linke.

Die A. A. Z., schreibt: Wichtig ist, daß Robert Blum und Julius Fröbel in der Nacht vom 3. auf den 4. aus ihrem Hotel zur Stadt London abgeholt und ins Hauptquartier nach Schönbrunn gebracht worden sind. Sie hatten, wie man uns berichtete, das sogenannte Elitenkorps befehligt und an den Barrikaden mitgefochten. Ist dieß so, so konnte Wsp- disch-Grätz sie gewiß verhaften lassen, und Briefe von Offizie­ren versichern auch, man würde ihnen den Prozeß machen.

Oesterreichische Blätter, die sonst den Aufstand mild an­sehen, fallen über jene Sendlinge der Linken das strengste Ur­theil. Diese Linke häuft jetzt ihre Vorwürfe gegen Welcker und Mosle. Wir wollen auf keine Weise vertheidigen, daß diese, ohne Wien gesehen zu haben, sich in Ollmütz vergruben; sie hofften dort bei dem alten Wessenberg wohl mehr wirken zu können, als bei Windisch-Grätz, der sie soldatisch schroff empfangen, oder bei dem Wiener Reichstag, der sie verspottet hat, während die radikale Presse Wiens in Prosa und Versen davon sprach, Schmerling und Gagern, derFrechheitspräsi­dent" (Ausdruck desRadikalen," des Hauptorgans der äu­ßersten Partei in Wien), und alle ihre Genossen verdienten kaum etwas Besseres als Latour.

Aber was soll man dazu sagen, daß in der deutschen Nationalversammlung zu Frankfurt 130 Unterschriften sich fan­den, die dem Ausstande, den jener Mord befleckte, ihr Glückauf zuriefen, und eine eigne Deputation schickten, welche in der Aula den Wiener Reichstag als Verräther denunzirte, das Aufstecken der rothen Fahne forderte, und unter ihr mit an die Barrikaden sich stellte!

Hat irgend etwas die Mission der Reichskommissarien ge­brochen und gelähmt, so war es jene Adresse und jene Depu- ation, von welcher die Nationalversammlung alsogleich offen ich hätte lossagen sollen, wenn sie nicht ihre wahren Abge- andlen aufs Unklugste bloßstellen wollte. Wenn daher jetzt die Linke in Frankfurt lärmend ihre Anklagen erhebt, so fallen diese Anklagen zerschmetternd auf sie selbst zurück. Man hat in Oesterreichs schmerzlichstem Tobesringen das Loos über seine Zukunft werfen wollen: man sehe zu, was man gethan.

Das konstitutionelle Blatt aus Böhmen, das im Allge­meinen sehr scharfe Opposition gegen Ollmütz macht, bemerkt über jene frankfurter Mission:Was soll man gar zu jenen feinen Herren aus der Paulskirche s gen, welche die Stunde günstig wähnten in Wien das rothe Panier aufzupflanzen? Auch ein Abgeordneter aus Böhmen war darunter, und aus Kuriosität sollte man doch die dortigen 50,000 Wahlmänner

befragen, ob dieser Vertrauensmann wirklich in ihrem Geiste und Sinne, in ihrem Wohle und Interesse agirte? Robert Blümlein hielt Ovationen in der Aula, ließ sich inskribiren in die Legion, und trieb noch andere Possen zum Gaudio der Demokraten. Auch daraus konnte der Einsichtige erkennen, wohin das Streben all' dieser Leute ging. Nicht aber die Herbeiführung der deutschen Republik mochte bei all' diejem Zeug irritiren, sondern die Vernichtung, das Zerreißen Oester­reichs und die schrecklichen Folgen durch Jahrzehnte, was durch Lug und Trug, durch Tollsinn und Böswilligkeit bewerkstelligt werden sollte. Nichts war den Agitatoren zu schlecht, um ihr Ziel zu erreichen. Und an all diesen Ränken und Gestänken nahmen Reichstagsabgeordnete unmittelbaren und mittelbaren Antheil."

In einer anderen Korrespondenz des Augsburger Blattes heißt es bei dem Rückblick auf die jüngsten Vorgänge:Die Wühler und Demagogen konnten leicht auf Irrwege ein Volk führen, dem nie gestattet war selbstständig zu gehen. Möchten die Feuerbrände des 28. und 31. Okt. für die beiden unseligen Extreme warnende Leuchten und für Alle eine Lehre seyn, d,aß nur Mäßigkeit und eine besonnene Freiheit glückliche Völker machen und den Staaten Dauer gewährten! Solltet ihr, die ihr heute wieder das Heft der Macht in eure Hände genom­men, das alte System des verhaßtestens Geistesdrucks wjedxr- Herzuftellen versuchen wollen, so würdet ihr an demselben Unrecht erliegen, das heute die Sache einer maßlosen Revo­lution verdorben hat! ,

Wir waren mit solchen Gedanken in den Burghof getre­ten, und erblickten die Franzstatue noch unversehrt auf ihrem Gestell. Das Monument war durch den Wicderschein der nahen Feuersbrünste von einer schauerlichen Helle umstrahlt. Die dürren, harten, ehernen Züge des Kaisers, welche ich nie einen Oesterreicher mit jener Pietät und Liebe betrachten sah wie den Bayer die Maxstatue, hatten in der gespenstigen Beleuchtung einen unheimlichen, gequälten Ausdruck, es schien als leide auch er etwas von der Feuerpein, welche heute die Burg seiner Ahnen bedrohte und die er mit verschuldet hat. In Belsazar'scher Glutschrift brannte auf dem Piedestal jenes goldgleißende Motto der Lüge: ainorem meutn populis meist (Meine Liebe meinen Völkern)."

Die Vorgänge in Lemberg.

Lemberg, 2. Nov. Unsere Stadt ist gestern der Schau­platz trauriger Ereignisse geworden. Ein Streit, der zwischen Soldaten und Nationalgardisten entstanden, war die Veran­lassung einer großen Aufregung, welche den kommandirenden General zur Konsignirung des Militärs in den Kasernen be­wog. Die Natidnalgarve griff zu den Waffen, und Kompag­nien derselben stellten sich am Artilleriepark auf, der auf diese Weise bedroht war. Es wurde mit drei Kanonenschüßen das Zeichen zum Alarm gegeben, und auf vielen Punkten der Stadt entstanden Barrikaden. Der Platzkapitän Heinmerle wurde angehalten, entwaffnet und auf die Hauptwache der Nationalgarde geführt; auf die dicht hinter ihm hereilende Ordonanz wurde geschossen. Auf dem Ringe versammelte sich eine VolkSmasse, welche die Hauptwache vermaßen bedrohte, daß sie von einer Division Grenadiere beschützt werden mußte,