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Ferdinand" sey bei einer Kutsche gestanden, auf welche seine gefiederten Lieblinge-in ihren Bauern gepackt wurden, und dicke, dicke Thränentropfen s.eyen fortwährend über seine bleichen Wangen gerollt. Das drohende Manifest, das der Kaiser zu- rückgelaffen , mehrte noch die Spannung gegen ihn und ver­stärkte den Uebermuth des sieghaften Volkes. Aber das Letztere ist in Wien wie eine Wetterfahne im Avril; das Handbillet des Kaisers an den Minister Hornbostl, worin er denselben zu sich einlud, um seine Befehle zu kontrasigniren, schien plötzlich Alles wieder gut gemacht zu haben. Als Hornbostl es im Reichstage vorgelesen hatte, fiel man sich einander um den Hals, jubelte und triumphirte, nach allen Wachtposten brach - ten Boten die freudige Kunde von was? Je nun, man wollte darin, daß der KaiserMein lieber Hornbostl " ge- schrieben hatte, ein Zugestândniß, einen ersten Schritt zur Ver­söhnung und Rückkehr sehen. Von diesem Ereigniß an gewann der Wiener sein altes Naturell nieder. Merkwürdige, sorglose Nation, Kindern gleich, die auf Gräbern und an Abgründen so unbefangen spielen und scherzen, wie in der sicherem Ain- menstube.

Sonntags am 8., da spazirte, was noch in Wien war, heiter wie immer und in Festkleidern durch die Straßen; zwar kein drängendes Gewühl, wie sonst, aber doch bunte Lebhaft tigkeit, freundlicher Verkehr. Wie hübsch und elegant alle di e Damen, die so vorsichtig verwegen die reizenden Füßchen auf die erste Stufe der Barrikaden heben; wie aristokratisch fashio- nable die duftenden jungen Herren, die mit den goldknöpfigen Rohrstöckchen dahin, dorthin zeigen; wie das alles wieder schäkert und spaßt und so ganz den glänzenden Anstrich alter Zeiten hat, als sey jener Laternenpfahl ein Mythus! Aber die Zeichen der Zeit treten allenthalben leserlich hervor; in den Straßen, wo der Kampf wüthete, gibt es keine unzerbro­chenen Fensterscheiben mehr, die Erschütterung der Luft durch das Feuern hat den Glasern in die Hände gearbeitet, und am Stock im Eisen, am Graben, auf den Tuchlauben, am Hof wandelt man im eigentlichen Sinne des Wortes auf einer Schichte von Glasstaub und Splittern. Dazu die Kartätschen­spuren an den Läden, den Häusern, die oft so hoch oben zu sehen sind, daß man annehmen muß, die Pioniere hätten mit Fleiß hoch geschossen; ferner die verhangenen Fenster der bes­seren Etagen, denn schon Tausende der wohlhabendsten Fami­lien sind geflüchtet, nach Baden, Klosterneuburg, wer weiß, wohin! und endlich die Barrikaden. Diese sind das Wap­pen der Neuzeit, der Stolz der Städte, das liebste Spidlwerk der Demokraten, und wie durch Zauber entsteht ihr flüchtiger Bau heut zu Tage bei jedem Nachtwächter-Spektakel. Ohne Barrikaden keine Revolution; daher wurden sie auch in Wien nur da und dann aufgebaut, wo und als sie nicht mehr nö­thig waren. Es ist die Schuld der Stadtverwaltung: warum

hat diese Wiens Straßen mit so sorgfältig behauenen Basatt- würfeln pflastern lassen, von welchen nur der erste schwierig auszuheben ist, die andern aber alle sich gleichsam von selbst zu improvisirten Festungen zusammenfügen? An jeder Barri­kade Wiens saß ein Arbeiter und forderte mit einem Teller in der Hand Almosen für seine Genossen; es war dies gleichsam ein Passagezoll dafür, daß man das Vergnügen hatte, mit eini­gem Risiko für Hals und gerade Glieder diese Straßenschcide- wände zu überklimmen. An einer Barrikade in der Nähe des rothen Thurmthors war ein Plakat angeheftet mit der Auf­schrift: Man bittet um milde Gaben für den verarmten Adel Oesterreichs! (Forts, folgt.)

Miszellen.

rft Wi.ndischgrätz, endlich zum Generalissimus der öster­reichischen Armce'n ernannt, ist überaus reich und stammt in der Frauenlinie I von Wallenst ein ab. Er ist im höchsten Grade ritterlich und tapfer Seine Hingebung an die kaiserliche Familie ist ohne Gränzen, obgleich er, um von ihr die Rehabilitation des Andenkens und Wiedererstattung der Güter Wallensteins zu erlangen, einen Prozeß mit ihr führte. An der Spitze des Kürassier-Regiments Konstantin zeichnete er sich mehrmals 1814 aus und verdiente sich sogar den Maria-Theresia-Orden dafür, daß er eines Tages 3 Stunden lang vierfach überlegenen Kräften Widerstand geleistet. Der Großfürst Konstantin, dessen Heftigkeit man kennt, wurde beinahe zu Wien vor der Fronte des Regiments vyn ihm getödtet, weil der Großfürst sich eine freche Gebende erlaubt hatte. Windischgrätz ist 62 Jahr alt.

M- u. M.-Z.)

Ein in Leipzig erscheinendes Karrikaturen-Blatt hat das Frankfurter I Theater mit Rednern aus der Paulskirche besetzt. Heinrich v. Gagern ' ist Direktor und Dramaturg. Er ist auf diesem Posten als Impresario älter geworden, als wir ihn in den Aktionen des Staatslebens kennen. Gleich hinter ihm steht mit Helm und Schwert als erster Held und Lieb­haber der Herr V. Bodd ien. M ori z Har tm a n n mit der Bezeichnung: Keine Helden, aber zweite Liebhaber", folgt ihm mit der Zither im Arme; der sichere Lorbeerkranz guckt ihm aus der Sammtrock-Tasche. General v. Radowitz ist für edle Väter und heroische Greise engagirt. Naturburschen gibt Vogt von Gießen, mit geballter Linken, die Knallpcitschc in der Rechten: In das Fach der Intriganten theilen sich brüderlich einträchtig Blum und v. Jtzstein, jener in der Bettelmönchs-Kutte mit Hängesack, dieser in der Tracht der Söhne Loyola's mit weißem Bâffchen auf der schwarzen Robe. Ruge steht im Fache dergelehrten Hanswürste", trotz all seinem Radikalismus mit papierner Nachtmütze und gewundenem Zopfe auf dem Katheder und dveirt hartnäckig steif: Da tritt der Philosoph herein und beweist Euch: so müßt's sein! Ein Schrecken der Paulskirche, ein Redner von bekanntlichfortlaufender" Wirkung, steigt Nanwerck im Todtenhemde aus einer offenen Gruft der Bretterwelt vor uns auf; Ge­spenster-Erscheinungen, Stimmen aus dem Grabe sind ihm von dem The­ater-Direktor anvertraut. Für Hausknechtsrollen ist Schlöffel wie ge­macht. Der rcichtoupirte, Haarstraubende Moriz Mo hl ist Theater-Fri­seur, und Soiron, in der Gestalt des Wohlhäbigen und sein Kellerrecht gut wahrnehmenden KüperS, hat die Besorgung des Buffets übernommen.

(Eur.)

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandluna in Wiesbaden.