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Hunderts fällt zwar die große innere Entwickelung Deutsch­lands, die Blüthe seiner Poesie in Schwaben, das Aufstreben der Kunst am Rhein, die Begründung der bürgerlichen Frei­heit im Hansabund; indessen tritt schon gleich nach dem Sturze der Hohenstaufen unverkennbar ein sich immer mehr beschleu­nigendes Rückweichen der deutschen Macht gegen das vordrin­gende Italien und namentlich gegen das früher sehr schwache Frankreich hervor, Verluste, welche vor der Hand wohl quantitativ, nicht aber qualitativ durch die großen Eroberun­gen an der baltischen Küste gedeckt wurden.

Unter Karl IV., um 1350, bestand das Reich noch aus seinen alten Besitzungen in Deutschland. Hinzu erobert wur­den Schlesien und Pommern, ferner Preußen, Lievland, Esth­land und Kurland, letztere sowohl durch die eisernen Fäuste der deutschen Ritterorden, als durch die Kolonisation aus ganz Norddeutschland. In Italien büßte das Reich den Kirchenstaat an den Papst, Sardinien an Spanien und die beiden Repu­bliken Genua und Venedig ein. Gegen Frankreich bestand der Verlust in der Grafschaft Burgund und der Dauphine. Ein Theil der Schweiz erklärte sich unabhängig. Dennoch hatte das Reich noch damals einen Länderkompler von 16,000 Qua­dratmeilen, wozu das Ordensgebiet an der Ostsee als deutsche Kolonie mit mehr als 3000 Quadratmeilen trat.

Rach dem Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts ist von einem Erwerbe durch das Reich nichts mehr zu lesen, und bis zur Herrschaft Karl's V. waren namentlich in Folge der er­bärmlichen Regierungen Wenzels, Ruprechts und Friedrichs III. die Verluste für das Reich wirklich ungeheuer. In Italien ging unter Mar I. die Lombardei an Venedig, in Frankreich der letzte Rest des arelatischen Reiches, die schöne Provence, verloren. Die Reste der Schweiz vereinigten sich zu einem Staate, und an der Ostsee würden die Ordens-Gebiete nach der unglücklichen Schlacht von Tannenberg, 1410, theils von I den Polen erobert, theils konstituirten sich dieselben, da von Deutschland keine Hülfe zu erwarten war, als eigene Herzog- thümer. Im Jahre 1550 zählte das Reich kaum noch 14,500 Quadratmeilen.

Noch schmählicher für die Ehre des deutschen Namens waren die Einbußen des Reiches seit der Mitte des sechszehn- len bis zu der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts, da nun in Folge der spanischen Politik Karls V. und des unseligen Religionskrieges nicht nur, wie bisher, fremden Nationalitäten ! angehörige, sondern kerndeutsche Länder verloren gingen. Hol­land erklärte sich an Spanien verrathen, für unabhängig, Bel­gien mit dem Reste der italienischen Besitzungen blieb Spanien, Lothringen und Elsaß wurde von den Franzosen, Pommern und das Herzogthum Bremen von den Schweden genommen. 2000 Quadratmeilen deutschen Bodens kamen an die Fremden. Am Schluffe des Münster'schen Friedens blieben nur noch 11,500 Quadratmeilen übrig.

Dieses kleinste Areal behielt das Reich bis zum Anfang

des achtzehnten Jahrhunderts. Damals fiel durch das Aus­sterben der spanischen Habsburger Belgien wieder ans Reich, und von Schweden wurde Bremen und Pommern, letzteres durch das Schwert des großen Kurfürsten, wieder erworben. 1789 zählte das Reich 12,500 Quadratmeilen. Die franzö­sische Revolution riß das ganze linke Rheinufer los, Napoleon warf das morsche Reich 1806 ganz über den Haufen, 1810 bildete sich der Rheinbund, der ganze deutsche Norden bis Lübeck wurde mit Frankreich vereinigt, Holstein von Dänemark an sich gerissen, so daß 1812 von deutsch gebliebenen Ländern kaum noch 8000 Quadratmeilen vorhanden waren.

Nach den Befreiungskriegen konstituirte sich 1815 der deutsche Bund mit nur 11,500 Quadratmeilen. Eine kurz­sichtige Politik vergaß, das reiche Belgien wieder mit Deutsch­land zu verbinden und Elsaß und Deutsch-Lothringen zurück zu fordern.

Erst dem bedeutungsvollen Jähre 1848 blieb es vorbe­halten, seit beinahe einem halben Jahrtausende dem Reiche entfremdete Länder demselben wieder zuzuführen und damit den Anfang zu einer ehrenvolleren Stellung des großen deutschen Volkes gegenüber dem Auslande zu machen. Preußen und-der deutsche Theil von Posen mit 1500 Quadratmeilen ist bereits ausgenommen, und der Eintritt von Deutsch-Schleswig, viel­leicht auch von Istrien steht mit etwa 300 Quakratmeilen zu er­warten. Ist dieses geschehen, dann umfaßt das deutsche Reich 13,300 Quadratmeilen mit 46 Millionen Einwohnern, wor­unter 40 Millionen dem deutschen, 6 Millionen dem slavischen Volksstamme angehören. Außerhalb Deutschlands sind vow den deutschen Ländern bisher noch geblieben: Holland, Flämisch- Belgien, Deutsch-Lothringen, Elsaß und die deutsche Schweiz, zusammen 1500 Quadratmeilen mit 7 Millionen Einwohnern, ein Rückerwerb, der der Geschichte und der Vorsehung vor­behalten bleibt. L. E.

Wiener E i n d r ü ek e.

(F o r t s e tz u n g).

Wenn der Muth und die Hoffnung eines Volkes durch Proklamationen angefeuert werden können, so ist in dieser Hin­sicht in Wien das Möglichste geschehen. Freilich mußte in denselben gar Manches anders dargestellt werden, als es sich in der Wirklichkeit verhielt, so daß denn unter Vielem beim braven Banus von seiner Truppenzahl 20,000 im Reichstage eine runde Null gestrichen worden ist. Was die Wiener am meisten kränkte, das war, daß der gute Kaiser, daß der ehr­liche Ferdinand geflohen war. Und doch liebten sie ihn alle und hätten ihm gewiß nichts zu Leide gethan, höchstens bett Ludwig und die Sophie ein Bißchen gehängt. Des Kaisers- Abreise von Schönbrunn war eine vollständige, bestürzte Flucht^ fast mit der Eile der Todesangst wurden die Effekten auf die Wagen geworfen, ugd ein Augenzeuge erzählt- mir, d-rgute