Einzelbild herunterladen
 
  

zur Willkür ungebahnt, so möchte man sich her Märzkämpfer erinnern, welche sich in Berlin erhoben haben, der Männer, welche in Wien für die Sache der Freiheit gefallen, ihrem Andenken und Denen, welche für die wahre Freiheit erglühten, ein Hoch!" Lauter Zuruf antwortete dieser Rede. Vorher waren ihm die Fahnen, welche im Zuge vorangetragen, über­reicht worden. Der Abg. Dr. d'Ester sprach noch zu den Ver­sammelten auf der Straße. Die Haltung des Volks war während der ganzen Zeit durchaus ruhig.

Wien. Die Passage in den Vorstädten ist heute (4. Nov.) wieder frei gegeben worden. In die innere Stadt und aus dersel­ben kann man nur mittels Passierschein gelangen. Die Nach­richten, welche über die Verheerungen, denen Wien ausgesetzt gewesen, auswärts verbreitet worden, sind zum Theil zwar sehr übertrieben, allein dennoch sind die Gräuel der Verwü­stung, welche ein Zustand / wie der vom 6. Oktbr. bis heute nothwendig im Gefolge haben mußte, immerhin der Art, daß sich Wien kaum wieder erkennen läßt. Neberhaupt läßt sich über die Wiener Revolution vom 6. Oktober noch nicht klar urtheilen. Ich selbst habe sie als einen nothwendigen Zusam­menstoß unversöhnlicher Gegensätze im Interesse des Deutsch­thums betrachtet und ihren Ausbruch deßhalb freudig begrüßt. Nach dem jedoch, was hie und da von glaubwürdigen Män­nern gesprochen wird, bin ich in meiner Ansicht wankend ge­worden. Diese Männer betrachten dir Wiener Revolution nämlich als eine rein magyarische Schilderhebung, welche den vorhandenen Gährungsprozeß benutzt und mit ungarischem Geld und Einfluß gefördert haben soll. Die Zahl der Vev hafteten soll sehr beträchtlich sevn. Auch den Abgeorneten Pro­fessor Füster soll man vermissen; ob es wahr ist, weiß ich nicht. Das steht'aber fest, daß Wien zufolge der letzten Ereignisse auf lange Zeit kaum den Schatten seines früheren Glanzes behalten wird. Wie ich von Deputaten vernehme, laufen von allen Seiten Adressen an Seine Majestät ein, den Reichstag nicht nach Kremsir zu verlegen. Es wird darauf hinauskom­men, was früher im Reichstage bemerkt worden: die Eifer­sucht der Provinzen wird geweckt und eineCzechisirung" (Bor­rasch) des Reichstages befürchtet.

Wien, 4. Nov. (B. N.) Der Terrorismus unter Ro- bespierre und Marat war nur ein Schattenspiel gegen den in der letzten Zeit auf die Spitze getriebenen der Aula und des Proletariats, welche den Reichstag, der dem Kaiser und dem Volke täglich verkündete, daß Ruhe und Ordnung in Wien herrsche, in das Schlepptau genommen hatten. Die gräßliche Polizei eines Sedlnitzki und Fouche war gegen das System der demokratischen Klubbs eine milde, und hätten Aula und das Proletariat gesiegt, so war^ie Proskriptionsliste aller sogenann­ten Schwarzgelben bereits fertig. Gestern erschien die Wiener Zeitung zum ersten Male wieder und zwar in einem halben Bogen, der nur amtliche Nachrichten, nämlich eine kurze Ueber­sicht 'der Eroberung der Stadt durch Windisch-Grätz und die bereits bekannten Proklamationen enthielt. Heute hat das Blatt bereits wieder eine Beilage. In dem amtlichen Theile befindet sich eine Verfügung, welche folgendermaßen beginnt:

Wir Ferdinand I., konstitutioneller Kaiser von Oester­reich, König von Ungarn und Böhmen rc., fanktioniren den folgenden, von Unserem verantwortlichen Ministerium Uns vorgelegten Reichstagsbeschluß und verordnen wie folgt" rc.

Der Inhalt der Verordnung ist die Forterhebung der be­stehenden Steuern für das erste Halbjahr und für die unzer­trennlichen Steuern, z. B. bei Verpachtungen rc., auch für das zweite Halbjahr 1849. Ferner wird mitgetheit, daß in der Neichstagssitzung vom 30. Oktober ein kaiserliches Handschreiben aus Ollmütz vorn 28. Oktober vorgelesen wurde, in welchem folgende Stelle vorkommt:Die zeittveilige Verlegung des Reichstags nach Kremsier habe ich in der besten Absicht für die ununterbrochene Thätigkeit des Reichstags beschlossen und ich wünsche, daß die Rückkehr vollkommener Ordnung in meiner Hauptstadt Wien bald gestatte, daß derselbe wie­der in ihrer Mitte seine Berathungen fortsetzen könne." Dann folgen eine Bekanntmachung des Justizministers, daß die Wechsel, welche vom 6. Oktober bis 5. November fällig waren, auch noch am 6. November rechtskräftig präsen« tirt werden können; eine Bekanntmachung des Gemeinderaths wegen der Passagiere aus und nach Wien: eine Mittheilung über tie Einrichtung eines Hospitals für Militärverwundete in Mödling und zwei Kundmachungen von Windisch-Grätz über den Belagerungszustand und über die Beleuchtung, der Stadt. Tie Besatzung von Wien soll auf 30,000 Mann gebracht werden. Das Hauptquartier des Fürsten Windisch-

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riebl. ' Druck und Verlag

Grätz ist in Schönbrunn, das ides BanuS Jellachich in dem Pallaste des Erzherzogs Maximilian v. Este.

Nach Berichten aus Wien in einem Münchener Blatt hätten die Wiener bis zum 31. Oktober im Kampf an Todten und Schwerverwundeten 1300 Personen, an Gefangenen 100 verloren; die Soldaten ungefähr die Hälfte, darunter allein am Gloggnitzer Bahnhof 400.

Frankreich.

Paris, 6. Novbr. DerMoniteur" brachte gestern meh­rere Briefe von Volksrepräsentanten, die entweder gegen die Konstitution gestimmt, oder sich des Votums enthalten haben. Sie gehören theils zur äußersten Rechten, welcher die Konsti­tution zu demokratisch, theils zur äußersten Linken, der sie nicht demokratisch genug ist. Am ausführlichsten motivirt Proudhon sein negatives Votum.Ich habe gegen die Konstitution ge­stimmt," sagte er,nicht etwa, weil sie gewisse Dinge enthält, die ich verwerfe, oder weil sie andere nicht enthält, die ich hineingesetzt haben möchte. Ich habe gegen die Konstitution gestimmt, weil sie eine Konstitution ist. Das Wesentliche einer politischen Konstitution ist die Theilung der souveränen Gewalt in eine legislative und eine exekutive, ohne welche Theilung es keine Konstitution gibt, sondern lediglich eine souveräne Au­torität, die Gesetze macht und dieselben durch ihre Ausschüsse oder Minister ausführen läßt. So und nicht anders muß eine republik. Regierung, meiner Meinung nach, beschaffen und organi- sirt seyn. Eine Konstitution ist folglich in einer Republik ganz .überflüssig. Ich bin überzeugt, daß die Konstitution, deren erste Folge die Schöpfung der Präsidentschaft ist, die so gefährliche und strafbare Prärogativen, Leidenschaften und Hoffnungen erweckt, weit mehr eine Gefahr , als eine Bürgschaft für die Freiheit und Demokratie ist." Von allen Seiten bereitet man sich zur großen Wahlschlacht vor. Die Kommission, welcher der Gesetzvorschlag Marschals überwiesen worden, ist der Ansicht, daß die vorgeschlagene Vertagung der Nationalversammlung am 14. d. M. beginnen und bis zum 8. Dez. dauern soll, wäh­rend welcher Zeit die Repräsentanten nach ihren Departemen- ten reisen könnten, um die Präsidentenwahl zu leiten, und nur eine Kommission von 15 Mitgliedern in Paris bleiben würde, um im Namen der Versammlung zu fungiren.' Mn 15. Nov. will die legitimistische Partei in Paris einen Kongreß halten, zu welchem jedes Departement zwei Delegirte senden wird. Dieser Kongreß wird den Kandidaten bestimmen, der von der Partei unterstützt werden soll, worauf die Delegirten in ihre Depar- temente zurückkehren. Die Reunion Poitiers hat dèn bezeich­nenden Beschluß gefaßt, keinen Kandidaten für die Präsidenten­wahl zu bestimmen, sondern es ihren einzelnen Mitgliedern zu überlassen, welchem Kandidaten sie den Vorzug geben wollen. Es ist eine ausgemachte Sache, daß diese Reunion im Ganzens sowie der legitimistische Theil derselben im Besonderen für Louis Napoleons Wahl emsig wirken, und daß sie nur diese Agitation so lange wie möglich geheim halten wollen, um zu keinen Erklärungen und Rechtfertigungen gezwungen zu seyn. Die Wahl dieses Präten­denten wird immer wahrscheinlicher, und die aufrichtigen Repu-! blikaner fangen an, sich ernstlich darüber zu beunruhigen. Man hat bemerkt, daß, als am Schluffe der Konstitutionsdebatte nach dem letzten definitiven Votum sämmtliche Repräsentanten sich erhoben und die Republik oder die Konstitution hoch leben lie­ßen, Ludwig Napoleon sich zwar ebenfalls erhob, aber stumm blieb. Dupont de l'Eure hat einen offiziellen Schritt gethan, um den erwähnten Prinzen zu veranlassen, einer Kandidatur zu entsagen, welche den Bürgerkrieg entzünden werde; dieser Schritt soll ohne Erfolg geblieben seyn. Die Ultrarepublikanèr dagegen freuen sich, wenn Ludwig Napoleon Präsident wird, da er unmöglich länger als bis zum Frühjahre oder Sommer sich halten könne, und es besser sey, einen Prätendenten sich in den Augen des Volkes kompromittiren zu lassen, als einen De­mokraten, der doch ebenso wenig, wie jeder Andere auf dem Präsidentenstuhl, im kommenden Winter und Frühjahr den An­sprüchen und Bedürfnissen des Volkes genügen würde.

Die Kommission, welche zuvAnordnung des Konstitutions­festes eingesetzt worden ist, hat Arago zum Präsidenten und Birio zum Sekretär ernannt, und beschlossen, daß das Fest künftigen Sonntag den 12. d. M. gegeben werden soll. Auf dem Concordienplatze wird das Fest mit einer religiösen Feier­lichkeit eröffnet. Den armen Familien, nicht nur in Paris, sondern in ganz Frankreich, sollen bei dieser Gelegenheit reich­liche Unterstützungen zufließen. Auch hat die Kommission zahl­reiche Begnadigungen beantragt. Sie beschloß ferner, daß die Nationalversammlung ein großes Banket zu geben habe, dessen Kosten die Mitglieder der Versammlung tragen würden.

w^-^-------; ------, ^n-r- - ._ .XU»» ^

der £ Schellenderg'schen Hof-Buchhandlnna in Wiesbaden.