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Von der Weser, 3. Novbr. Unser Strom war sonst ver­rufen wegen seiner schlechten gewundenen Einfahrt. Man hat jetzt durch eine neue Sondirung eine Hequeme tiefe Einfahrt entdeckt, worin die amerikanische Fregatte St. Lawrence bis Bremerhaven gelangt. Der Kommandant derselben, Kapitän Paulding, versichert, daß die Vereinigten Staaten nur zwei Strome mit einer besseren Einfahrt besitzen, als die Weser. Wichtig und erfreulich für die deutsche Flotte.

Schleswig. Daß die Dänen im klarsten Widerspruche mit den Bedingungen des Waffenstillstandes die Verwaltung von Alsen und Arröe an die gemeinsame Regierung abzugeben sich weigern, zeigen auch Thatsachen immer mehr. Die Dänen halten sogar noch diesseits des alsencr Sundes ein Militär- Detachement von 30 Mann stationirt, welches den Auftrag hat, blos bekannten Landleuten aus der Umgegend ohne Wei­teres, allen sonstigen Personen aber erst nachdem die Legitima­tions-Papiere zur Prüfung nach Sonderburg geschickt sind, den Uebergang nach Alsen zu gestatten. Von diesem Detachement ist auch der Regierungs - Kommissär für das Herzogthum Schleswig, Hr. Bargum, zurückgewiesen worden. (H. B.-H.)

Die Allg. Ztg. schreibt: Im Laufe des gestrigen Tages gingen uns noch viele Briefe von Wien zu. Diese schildern die Stimmung dort düster und gedrückt. Wie man auch die dortigen Ereignisse beurtheilen mag, die Bevölkerung Wiens hat einen Muth und eine Todesverachtung bewährt, welche goldene Früchte für die Zukunft des Vaterlandes tra­gen werden, wenn sie Bürgen sind für ein neu erstehendes deutsches Bürgerthum. Die Stellung, welche sie eingenommen hatte, war unhaltbar, aber die Regierung wird, trotz ihres Sieges, sich wohl hüten müssen, die Stadt fortan für unwür­dig zu erklären, den konstituirenden Reichstag und den sich vorbereitenden Kongreß der Völkerstämme der Monarchie in ihrer Mitte zu sehen.

Die Wiener Zeitung, die nur bis zum 28. Oktober reicht, enthält noch die energische Protestation, die der Reichs­tag gegen die Verlegung nach Kremster und überhaupt gegen die in Widerspruch mit der kaiserlichen Zusage befohlene Ver- ragung einreichte. Ebenso bringt sie die würdigen Erklärun­gen, mit denen der permanente Ausschuß durch den Mund Schuselka's die soldatischen Bedingungen des Fürsten Windisch- Grätz von sich wies. Am 30. Okl. fanden sich in der Ver-, sammlung noch immer 178 Mitglieder ein, aber es war dieß leider nicht mehr die beschlußfähige Zahl. Der Finanzminister Kraus war von Ollmütz gekommen und hatte vom Kaiser die mündliche Antwort gebracht, er hoffe die Ruhe in der Resi­denz bald so hergestellt zu sehen, um daselbst den Reichs­tag auch fernerhin tagen lassen zu können. Der Reichstag konnte dies weder als eine offizielle, noch als eine entscheidende Entschließung betrachten, und belchloß eine neue Adresse nach Ollmütz, mit neuen Verwahrungen gegen die Verlegung, mit neuen Projestationcn gegen das Verfahren von Windisch-Grätz. Der Reichstag wollte seine Sitzungen fortsetzen; der Drang und der Sturm des um die Stadt wüthenden Kampfes aber scheint unübersteigliche Hindernisse geboten zu haben, und am 31. wurden die Sitzungen ge­schlossen. Die Prager Deputation, die mittlerweile beim Kai­ser um Gehör nachsuchte, erhielt dasselbe erst am zweiten Tage ihres Ansuchens, und auch da noch mußte sie lange auf der Treppe und in der Vorhalle harren, bis der Kaiser erschien und folgende Erklärung ablas:Der zur Leitung der militärischen Maßregeln gegen Wien beauftragte Kommandirende hat nichts versäumt, um die Anwendung trauriger Zwangsmittel zu vermei­den. Erst nach wiederholtem Zögern wurde zu dem Aeußersten geschritten, und ich hoffe, daß der ausnahmsweise Zustand in welchen Wien getreten, vorübergehen und die Besorgnisse, welche von der Prager Bevölkerung ausgehen, bald völlig be­seitigt werden. Ich fühle mich nicht in der Lage jetzt schon darüber einen bestimmten Ausspruch zu thun."

Wien, 3. Nov. (A. Z.) Noch immer ist die Kommuni­kation mit der nächsten Umgegend so gut wie gesperrt; noch immer wissen wir nicht einmal, was in den Vorstädten vor­geht, in die man nur mit genauer Noth durch einen Erlaub­nißschein gelangen kann. Nur Frauen dürfen unbehelligt das Rothenthurm- und das Kärlhnerthor passiren. In der Stadt hat sich die Lage seit vorgestern nur wenig geändert; doch scheint das Vertrauen allmählig zurückzukehren, da heute schon viele Kaufläden wieder geöffnet sind. Seit zwölf Tagen haben wir noch keine auswärtigen Zeitungen gelesen. Sie sind zwar

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag

angekommen, werden aber nicht ausgegeben (!). Auch sämmt­liche rückständige Briefposten scheinen hier ausgehäuft zu liegen, aber noch sind mir, der ich sehr viele Briefe zu empfangen pflege, nur einige Briefe aus Ungarn, Böhmen, Preußen und dem Norden von älterem Datum zu Gesicht gekommen. Wir wissen also nicht, was außer uns vorgeht oder vorgegangen ist. Wahrlich ein qualvoller Zustand für Jeden, der draußen Verwandte oder Freunde besitzt, und sich außer Stande sieht, nur ein Lebenszeichen von ihnen zu erhalten!

Zeitungen scheinen seit dem 28. Okt. gar keine erschienen zu seyn. Und doch sagte Fürst Windisch-Grätz in seiner jüng­sten Proklamation: die Presse solle nur vorläufig beschränkt seyn. Heißt dies stumm seyn, oder haben sich die Journale geweigert unter militärischer Zensur zu erscheinen? Wir könn­ten letzteres nur billigen, aber die ganze deutsche Presse wird die Forderung stellen, daß man die Organe der größten Stadt Deutschlands nicht länger in einem Zustand lasse, wo zu schwei- ' gen ihnen die Ehre geböte.

Wien. Ueber die angebliche Plünderung der Stadt er­fährt man mit Zuverlässigkeit, daß in mehreren Häusern, aus welchen auf die Soldaten geschossen wurde, die Plünderung bei der Erstürmung derselben nicht hat verhindert werden kön­nen; einzelne Soldaten aber, welche in andere Häuser einge, drungen, um zu plündern, sind, der im voraus verkündigten Androhung gemäß, mit dem Tode bestraft worden.

Botzen, 2. Nov. (A. Z.) Ein Courier aus Ollmütz, welcher heute Morgens hier durcheilte, bringt dem Feldmarschall Grafen Radetzky die kaiserliche Genehmigung des, wie es heißt, auf drei Monate verlängerten Waffenstillstandes. Also ein neues Hinausziehen des Uebels, an dessen Folgen wir allmäh­lich dahinsiechen. Wie ominös erschien es, daß diese Waffen- stillstandsverlängerung an demselben Tage bekannt wurde, wo wir in Ihrem Blatte vom 31 Oktober lasen: der sardinische Ministerpräsident habe Oesterreich in der versammelten Kammer in öffentlicher Anrede einen tollen Hund genannt, den man seiner eigenen Wuth überlassen müsse. Regierung und Völ­ker Oesterreichs! Aus dem Munde eures Feindes lernet eure Rettung; hört auf einander zu zerfleischen! Möchte es noch möglich seyn, daß von Wien Friede und Vertrauen ausgingen und die Provinzen einigte!

Großbrita nnè eit. . :

London, 1. Nov. In einem leitenden Artikel ^8ver die Verhandlungen des deutschen N e i ch s p a r l am e n t s über die zukünftige Verfassung Deutschlands bezeichnet cs die Times als ein Glück für Deutschland, daß bei der gegenwärtigen Ohnmacht der Aristokratie das Vorhandensein einzelner Bun­desstaaten ein Oberhaus möglich mache, welches dem demokra­tischen Ungestüm einer durch allgemeines Stimmrecht erwähl­ten Versammlung als Gegengewicht dienen könne. Hrn. Bun- sen's Plan , einen Theil der exekutiven Gewalt in die Hand eines Reichsraths zu legen, findet sie sehr ansprechend, obgleich sie an dessen Annahme in der Versammlung zweifelt.

Für die Verunglückten in Caub ist ferner bei uns ein­gegangen: Von Frau G. ein Pack Kleidungsstücke.

Die Expedition der Nass. Allg. Ztg.

Bekanntmachungen.

489] Freitag den 10. November, Abends 8 Uhr, im Alleesaal

Generalvers a m rn l u n g des Vereins fürFreiheit, Gesetz und Ordnung" zum Behuf einer Vorberathung über den Kongreß konstitutioneller Vereine aus Hessen und Nassau, welcher demnächst in Wies­baden stattfinden soll.

In der L. Schelleuberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden ist vorrâthig:

Stenographischer Bericht des Prozesses gegen den Dichter Ferdinand Freiligrath, angeklagt der Aufreizung zu Hoch- verrätherischen Unternehmungen durch das Gedicht:

Wie Todten an die Lebenden,

verhandelt vor dem Assisenhofe zu Düsseldorf am 3. Okt. 1848 Nebst einer zum erstenmal ausführlich bearbeiteten Biographie des Dichters. Preis 18 kr.

ver L. Schellend erg'schen Hof-Vuchhandlung in Wiesbaden.