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Thor-Bastey, des Kärnthner-, Burg- und Schottenthores bald folgten und noch lange nicht verstummten, als schon die Burg besetzt war. Die letzte Kugel flog durch die Barrikade der Jä­gerzeile, welche das Militär aufgeworfen hatte, und nun sahen wir truppenweise die W affen zerschlagen oder auf Haufen werfen; wer sich noch widersetzte, ließ sich doch endlich dazu überreden. Die Nationalgarde hatte alle Wachen besetzt. ES ist heute noch keine Zeit, schon die bunten, komischen oder tief tragischen Gruppen zu beschreiben, welche die mobilen Korps bildeten. Frauen selbst hatten sich bewaffnet, und das lose Band der Weiblichkeit war unter den meisten derselben nicht mehr zu finden.

Obgleich Herren der Stadt durch die drei letzten Tage, kamen meines Wissens, keine Eingriffe in das Eigenthum keinerlei schwerere Unordnungen vor und dies muß laut anerkannt werden, denn von keinem Proletariat der Welt würde man solches wie hier unter denselben Umständen sagen können! Die Uebergabe dürfte wahrscheinlich einige Stun­den früher ohne Kampf stattgefunden haben, wäre nicht ein Plakat mit Forderungen des Fürsten Windisch-Grätz erschienen, wozu sich Niemand entschließen wollte, namentlich die Auf- steckung einer großen kaiserlich österreichischen Fahne auf dem Stephansthurme, was auch unterblieb, sowie die meisten der andern Bedingungen. Ob dies nun heute vom Militär be­werkstelligt wird, steht noch dahin.

Der Gemeinderath hat dem General Bem , der von einer Granate am Arme verwundet wurde, nachdem ihm am Tage vorher daS Pferd unter dem Leibe erschossen, ward, die Mittel , geboten, sich retten zu können, ebenso den übergetretenen Sol­daten. Auch die Steyrer, Salzburger und Kärnthner sind auf eben diese Art, jedes mit geheimer Unterstützung fortge­zogen. (12 Uhr.) Ich komme soeben von einer neuen Tour, die ich gemacht, um die im Kugelregen und theils bei Nacht gestern Abend vorgenommene zu verifiziren.

Ich fand noch, daß das sogenannte russische Kirchenhaus am Kârthner Thore dem Einstürze nahe ist, da es unzählige schwere Kanonenkugeln erhielt und zwar von der Position, welche die Artillerie der Armee vor dem Schwarzenberg-Gar­ten genommen hatte. Ueber hundert Geschütze sollen von dort an gegen die Höhe der Lanngrube zur Casa piccola aufgestellt gewesen seyn, und kein Punkt hat wohl mehr gelitten, als die kaiserliche Burg selbst, wo die Mauer des großen Rittersaales und die Fensterseite der kaiserlichen Wohnung mit schweren Kugelspuren überdeckt sind, von denen noch einzelne in der Mauer stecken. Eine Kugel schlug im großen Rittersaale durch die Fensterbrüstung, mitten durch eine Säule, in eine zweite, wo sie eine neue Richtung nahm, mit den Stücken, welche da­von flogen, ein kleines Monument des Erzherzogs Karl zu Pferde verletzend, tief in die Hauptmauer der Hintern Seite, so daß man sie mit dem ganzen Arme nicht zu erreichen ver­

mag. In die Kammer des Kaisers schlug ein ILPfünder und in das Kavalierzimmer vor demselben, eine durch das Fenster, nahm einen großen rothseidenen Vorhang mit, und fiel, da sie sich in demselben verwickelt hatte, vor dem berühmten Bilde Friedrich II. zur Erde.

Granaten zersprangen in dem inneren Gemache und zer­schlugen Spiegel re. Kartätschen und Flintenkugeln stecken zum Theil abgeplattet in den Wänden fest. Um 10 Uhr Morgens rückten die größeren Kolonnen des Militärs aus den einzelnen Vorstädten in die Stadt. Gewehre, Säbel, Kano­nen und was der Dinge mehr sind, liegen überall auf den Basteien, welche nun auch, sowie die Thore vom Militär be­setzt sind. Noch versieht die Nationalgarde, obgleich eine Abtheilung des Regiments Hrabowsky sich auch darin aufge­stellt hat, den Dienst in der Burg. (Schluß folgt.)

Miszellen.

(Berliner Straßenliteratur). Folgenden Blumenstrauß von Titeln der in Berlin fcilgebotenen Flugblätter stockpreußischer Gesinnung theilt dieKöln. Sfg" mit:Michelken in de Provinzen, wirste denn jar nich klug? Ein sehre offenes Wort von Aujust Buddelmeyer, Dajesschrift- steller mit» jroßen Bart."Die Freiheit is in't Wasser jefallen, ik hab ihr hören/ plumpen und wär ik nich hinzugesprungen, so wäre sie verdrun- xen."Is Preußen det Volk? Is Scharlottenburg det Volk? Sind Konstabler det Volk? Is Berlin det Volk? Sind die Studenten det Volk? Oder aber is Deutschland det Volk?"Der Jeist des 3. Aujust." (Ent­hält einen Holzschnitt, welcher Friedrich Wihelm III. im bürgerlichen Rocke, aber mit der Militärmütze darstellte. Darunter stehen, diesmal aus Respekt für den verstorbenen König, ausnahmsweise im richtigen Hochdeutsch die Worte: Ich grüße dich, mein braves Volk, aus meinem stillen Grabe; bau rüstig fort, was ich mit dir bereits begonnen habe.)Nu jrade een Hurrah für den Prinzen von Preußen!"Wer will huldijen ? ik nich, wer noch?" (Hierauf drei Soldaten mit großen Flinten und wüthenden Gesichtern.) Ik will wissen, wovor de olle Fritze gelebt hat! Antwort! Warum hat der olle Fritze Schlesien erobert? (Gegen den Reichsverweser.)Der alte Fritz an seine lieben Berliner." (Von deutscher Gesinnung.)Die Theekessels in Frankfurt sind an den janzen Skandal schuld!" (Hieraus eine Reihe von Theekesseln mit menschlichen Gesichtern.)Konstablers Freuden und Leden. Jeschildert in einem Briefe an seine Jelübte."Gespräche zwischen dem deutschen Reichs-Adler und dem preußischen Adler. Belauscht und zu Pro­tokoll gegeben von einem Konstabler."Reaktion verzieh dir! du bist schief gewickelt!" (Mit einem Holzschnitte, der drei schief gewickelte Wickel­kinder darstellt, in welchem mau einen Geistlichen, einen Offizier und einen Bureaubeamten erkennt.)O Schulze aus Wanzleben, warum hast du uns des jethan?" (Hierauf drei Offiziere mit verzweifelten Gesichtern.)Still­gestanden, reaktionäre Offiziere ! zum Abmarschiren richt Euch! kehrt! marsch!" (Mit einem ähnlichen Bilde.) Gespräch zwischen Herrn Held, dem wackern Kämpen für Freiheit und Recht, und Herrn von Katte, dem Präsidenten des Preußen-Vereins, wie solches Statt gefunden hat, auf Veranlassung der Demokraten-Jntrigue des berühmten Fräuleins Oho von Haha"Aller­liebster Herr General Druf! Man wirf Widder Kardätschen! Petition von die bekannten lieben Berliner." (Mit dem Bilde von drei Berlinern, die zwischen zwei Kanonenläufen stehen.)

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Sch ellenb erg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.