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verirrt hatte, in dem Augenblicke in die linke Wange gebissen worden, als er ihn hinter dem Zaune, wohin der Fuchs sich zu verstecken trachtete, hervorzuscheuchen versuchte. Obgleich das noch an jenem Tage erlegte Thier keine wuthverdächtigen Erscheinungen darbot, wurde die Wunde des Knaben dcsohn- geachtet als eine wuthgiftige von dem Arzte behandelt und den Eltern die Weisung gegeben, dieselbe vor dem 60 70. Tage nicht zuheilen zu lassen. Die sorglosen Eltern dagegen, durch Vorurtheile verführt und durch das ruhige Verhalten des Knaben getäuscht, ließen trotz aller Ermahnungen in der vierten Woche die Wunde vernarben. Am 2. Nov. dagegen waren sie, aufgeschreckt durch das sonderbare Benehmen ihres Kindes, namentlich durch dessen tobende Unruhe und wildes Angstgeheul genöthigt, wieder ärztliche Hülfe zu suchen. Der herbeigeeilte Arzt traf, nach seiner Aussage, den Knaben im Zustande der höchsten Wasserscheue, wo der Knabe nicht nur durch den Anblick von Wasser, Milch, Arzneigläsern, son­dern sogar bei Darreichung der verordneten Pulper mit einer blanken Messerklinge, sowie bei Annäherung einer weißen Porzellantasse in die heftigsten, unter namenloser Angst toben­den Krämpfe versetzt wurde. In Brodkrume gelang es, noch einige Pulver hinunterzuwürgen. Zuletzt konnte er gar nicht nicht mehr schlingen und starb, durch die Krämpfe bis zum Tode abgemattet, schon nach 24 Stunden. Ein einziges Mal soll er, nach dem Berichte des aufgestellten Wärters, nach seiner eigenen Weste gebissen haben. Leider ist zu bedauern, daß die sich höchst unglücklich fühlenden Eltern, trotz aller Bitten des behandelnden Arztes, sich nicht haben entschließen können, die Sektion des an dieser noch immer rätselhaften Krankheit Gestorbenen machen zu lassen.

Frankfurt, 6. Nov. (Aus der 109. Sitzung der konstss tuirenden deutschen Reichsversammlung.) Bauern schmidt stellt den Antrag, daß jedes, die österreichische Angelegenheiten anlangende Aktenstück seinem ganzen Inhalte nach auf die Tafel des Hauses niedergelegt werde. Der Antrag wird nicht für dring­lich erkannt und an den Ausschuß für die österreichische Frage verwiesen. In Folge des Beschlusses vom 3. Nov. beantragt der Abg. Heinr. Simon von Breslau: die Nationalversamm­lung möge die Aufstellung eines Reichsheeres beschließen, um in Oesterreich die Autorität der deutschen Zentralgewalt, sowie die Autorität des Reichstags zu Wien nötigenfalls durch die Gewalt der Waffen herzustellen. Die Begründung der Dringlich­keit dieses Antrags wird abgelehnt. Von der linken Seite des Hauses hört man den wiederholten Ruf:Pfui!" Der Präsi­dent läßt den Ordnungsruf ergehen. Schaffrath vom Platze: Ich bin es gewesen! P r ä s i d e n t: Herr Schaffrath, dann rufe ich Sie zur Ordnung.Auch ich! auch ich!" rufen einige Stimmen, und abermals ist die Aeußerungpfui, pfui!" zu hören. Präsident: Die Nationalversammlung wird darüber zu entscheiden haben, wie es mit dem Ordnungsrufe zu halten ist, wenn ihre Beschlüsse von einer ganzen Partei des Hauses verhöhnt werden. H. Simon von Breslau verlangt, daß nunmehr über seinen Antrag selbst abgestimmt werde. Ueber diese Frage erhebt sich eine längere, mitunter sehr stürmische Debatte. Die Versammlung entscheidet sich mit 237 gegen 189 Stimmen dagegen, daß über die Dringlichkeit des Simon- schen Antrags abgestimmt werde, nachdem dem Antragsteller zur Begründung der Dringlichkeit das Wort verweigert worden ist. Eisenmann hatte hierbei namentliche Abstimmung durch Stimmzettel beantragt. Einen ähnlichen Antrag auf Absen­dung von Reichstruppen nach Oesterreich, stellt der Abgeord­nete Simon von Trier, auf dessen Dringlichkeitsbegründung er Verzicht leistet, dagegen über den Antrag selbst namentliche Abstimmung verlangt. Graf Schwerin macht wiederholt einen Shitrag auf Tagesordnung geltend. Ziegert nimmt Simon's Antrag auf und verlangt über dessen Dringlichkeit namentliche Abstimmung. Nach 8. 35 der Geschäftsordnung läßt der Präsident über den Antrag des Grafen Schwerin auf Uebergang zur Tagesordnung abstimmen. Da das Resultat der Abstimmung zweifelhaft ist, so muß die Gegenprobe ge­macht werden. Die Linke bleibt vor wie nach sitzen. Um zu einem Abstimmungsergebnisse zu gelangen, läßt der Präsident durch Stimmzettel abstimmen, worauf die Tagesordnung mit 269 gegen 122 Stimmen angenommen wird. Wigard und Genossen protestiren gegen diesen Beschluß als einer Verletzung der Geschäftsordnung und geben diesen Protest zu Protokoll.

Wiener Briefe bestätigen, daß die Besetzung der Stadt am 3 1. Okt. Abends und am 1. Nov. erfolgte. Die Beschädigungen in der Stadt scheinen viel geringer zu seyn, als man befürchtet hatte. Ganz unwahr erweisen sich die Berichte, wonach die Arbeiter und Pöbel zuletzt zu Plün­

derung und Brand gegriffen hätten. Ebenso wenig haben sich die Truppen in der Stadt irgendeine Gewaltthat erlaubt. Als sie einzogen, wurden sie von vielen Wienern bewillkommt, die ihnen entgegenriefen: Gott segne euch, Gott segne euch. Schon daraus geht hervor, daß die Bürger längst zur Ueber- gabe geneigt waren, aber die akademische Legion (die übrigens zu fünf Sechstheilen aus Nichtakademikern besteht) und die bewaffneten Arbeiter verlangten Fortsetzung des Kampfes bis zum Aeußersten. Robert Blum hatte bei den letztern aus­gehalten, scheint aber den Zwiespalt in ihre Reihen geworfen zu haben, indem er in der Aula ein Mißtrauensvotum gegen Messenhauser bewirkte, worauf Fenner v. Fenneberg von den Studenten zum Oberkommandanten erhoben wurde! Nicht zufrieden damit, erklärte Blum den Studenten: der perma­nente Reichstagsausschuß (dessen Berichterstatter der ehrliche, wenn auch zum Fanatismus neigende Schuselka war) sey eine Rotte schwarzgelberVerschwörer, und sie selbst, die Studenten, müßten die Zügel in die Hand nehmen. So berichtet uns ein Ohrenzeuge.

Wien, I. Novbr. (A. Z.) Gestern Abend 6 Uhr sind die Truppen durch das Burgthor in die Stadt eingerückt und haben die Wachen in der Burg und die sonstigen Posten be­setzt. Man athmet wieder freier, da die regellose Herrschaft der Mobilgarde und der Aula ein Ende genommen hat. Bis heute befinden sich noch auf der Burgwache Nationalgarden, und ich habe in der Stadt noch nicht die mindeste Klage über Uebergriffe von Seite des Militärs gehört. Man ist allgemein des Vertrauens, es werde die so oft bewährte Güte und Hu­manität des Monarchen auch diesmal Gnade walten lassen. Wien hat viel gelitten, indessen sind die Erwerbsquellen so groß, daß bald bessere Verhältnisse wieder eintreten werden. Ich kann Sie aufs bestimmteste versichern, daß in Wien die fast allgemeine Stimme sich dahin aussprichl: man danke Gott, daß der Terrorismus vorüber, und Ord­nung und Sicherheit wieder eingetreten ist.

Wien, 2. Novbr. Die Kommunikation ist noch immer gehemmt; in die Stadt darf Jeder kommen, hinaus wird Nie­mand ohne ausdrückliche Befugniß gelassen. Die Plätze sind mit starken Militärabtheilungen besetzt; die Kaufläden sind fast durchgehends geschlossen. Das Militär benimmt sich muster­haft, und so hoffe ich, daß das Vertrauen balv zurückkehren und der Verkehr allmählich den gewöhnlichen Gang nehmen werde. Es hieß gestern, daß das Naturaliencabinet ein Raub der Flammen geworden; dieß beruht auf einem Irrthum. Nur die Augustinerkirche ist in Brand gerathen; außerdem hat mei­nes Wissens kein Gebäude in der Stadt bedeutend gelitten.

Die Post aus Wien ist auch nach Berlin hin endlich wieder in den regelmäßigen Gang getreten, indeß sind mit derselben nur wenige Briefe vom 2. Nov. und Zeitungen nur bis zum 28. Okt. angelangt. Der Zustand Wiens wird als jammervoll geschildert. Der Fürst Windisch-Grätz hat befohlen, daß die Studemen-Legion für immer und die Nationalgarde aufgelöst wird, um neu organisirt zu werden. Alle Zeitungen sind suspendirt, ebenso alle Clubbs und Vereine. Mehr als zehn Menschen dürfen nicht zusammenstehen und alle Waffen sind ausgeliefert worden. Die Thüren des Reichstags sind auf Befehl des Fürsten Schwarzenberg geschlossen, die Tribü­nen von Soldaten besetzt worben und so hat sich denn der Reichstag in geheimer Sitzung auf 14 Tage suspendirt. Un­ter Wessenbergs Vorsitz soll ein neues Ministerium ernannt worden seyn. Eine Menge Personen find verhaftet worden, darunter vier junge Männer, welche auf den Fürst Windisch- Grätz schossen, ohne ihn zu treffen. Die Thore sind gesperrt, die Verbindung zwischen Stadt und Vorstädten ist noch nicht hergestellt. Die Ungarn sind abermals zurückgegangen und verschanzen sich nun in Presburg.

Man erfährt, daß die deutsch-österreichischen Truppen hier bleiben, und der nicht-deutsche Heerestheil zur Beobachtung und Verfolgung der Ungarn beordert ist. Schütte soll in Klo­ster Neuburg, Küster in Linz verhaftet seyn; auch der Adjudanr von Bem ; er selbst aber noch nicht."

Frankreich

O Paris, 4. Novbr. Dufaure, Minister des Innern, erläßt im Moniteur ein Rundschreiben an sämmtliche Präfek­ten, aus dem wir folgende Stelle entnehmen:

Herr Präfekt ! Ich mache Sie auf einen Feind aufmerk­sam, den Sie eifrigst bekämpfen müssen: nämlich die Theih- nahmlosigkeit der Wähler. Sie werden denjenigen, welche ein fataler Jndifferentismus von der Urne fern hält, zu ver­stehen geben, daß sie sich eines Vergehens schuldig machen, gegen sich selbst und ihr Vaterland.