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wen mit den Grundsätzen der nassauischen Vereine überein­stimmt). Hüben und drüben wird man nun sofort die nöthi­gen Schritte einleiten, so daß bis spätestens in vierzehn Tagen ein Kongreß von Abgeordneten der hessischen und nassauischen ; Vereine in Wiesbaden stattfinden kann, zur faktischen Vollzie- = hung dieser Verbrüderung, aus welcher sich dann ein mittel- I rheinischer Zentralverein gestalten würde.

Wir Nassauer hatten bei dieser Zusammenkunft Gelegen­heit, wahrzunehmen, wie viel kräftiger sich die konstitutionellen ! Vereine Hessens bereits entwickelt haben, im Gegensatz zu un- I serer eigenen, bis jetzt leider allzugeringen Thätigkeit. Um so Größeres erwarten wir daher von dem projektirten Anschluß. Es ist wahrlich hohe Zeil, daß die konstitutionelle Partei sich zusammenraffe, die siegreiche Stellung, welche ihr die Wendung der Zeitgeschichte gegeben, rührig ausbeute und über Verdäch­tigungen und philiströse Rücksichten einmal gründlich hinaus­sehen lerne. Wir müssen in allmählichem Fortschritte die Ver­brüderung aller konstitutioneller Vereine Deutschlands an­streben , dann erst erringen wir die politische Macht, die uns gebührt. So auch nur kann eine organische Einheit Deutschlands von unten herauf angcstrebt werden. Wir werden und müssen zum Ziele kommen, oder wir wären in der That nicht werth der großen Aufforderungen, die uns die Ge­schichte Deutschlands jetzt täglich zuruft! /

Frankfurt. Nationalversammlung vom 3. Nov. (Forts.) Reichsminister v. Beckerath: Es müßte mit dem Ministerium übel stehen, wenn es nöthig hätte, sich gegen die Behauptung Eisenmanns zu vertheidigen, daß es mit Wohlgefallen auf die Mißhandlung der gefangenen Wiener Studenten geblickt. Es gibt aber eine Partei, welche, wenn die Thüren der Pauls­kirche gesprengt werden und wenn in Volksversammlungen zu Barrikaden aus Leichen gerathen wird und daß man den De- ßutirten in der Heimath vor die Wohnung, hier vor den Leib rücke die darin nur sehr harmlose Demonstrationen erblickt. Die Ansicht dieser Partei wird auch die Lage der Dinge in Wien in einem äußerst günstigen Lichte betrachten, sie wird keine Notiz nehmen von den Plünderungen und Mordthaten, welche vorgekommen sind, von ihr also können wir keine unbefangene Darstellung und am allerwenigsten die Motive zum Handeln des Ministeriums erwarten. Hr. Löwe von Kalbe hat, indem er sich darüber beklagt, daß wir bisher uns nur in dem Gebiete der Phrasen bewegt hätten, diejenige Rich­tung angeben wollen, in der man zu Thaten gelangt. Es sei mir erlaubt, besonders zwei Momente hervorzuheben. Hr. Löwe meint, es seien die Reichskommissäre zu beauftragen, zu ver­langen, daß b:e Befehle des Reichstags in Wien auch von der Exekutivgewalt befolgt würden. Er verlangt das im In­teresse der Freiheit und darin bin ich vollkommen mit ihm ein­verstanden, daß die Freiheit und das Interesse der Freiheit überall in Deutschland und auch in Wien gewahrt werden müsse. Es fragt sich aber nur, ob es auf dem von Hrn. Löwe vorgeschlagenen Wege geschehen könne. Die Form der Frei­heit, die jetzt in Oestreich ausgebildet werden soll, ist die kon­stitutionelle, darüber sind Volk und Regierung einverstanden. Gegen diese Form streitet eS aber durchaus, daß eine gesetz­gebende Versammlung, wie der Reichstag in Wien, zugleich die vollziehende Gewalt sei. Die gesetzgebende und vollziehende Gewalt zu vermischen, das geschieht nicht im Interesse der Freiheit. (Viele Stimmen auf der Rechten:Sehr richtig.") Das Zweite, was Herr Löwe beantragt, ist: daß die Reichs­kommissäre angewiesen werben sollen, sofort zu verlangen, daß die nichtdeutschen Truppen von dem deutsch-östreichischen Bo­den entfernt werden. In der Konsequenz dieses Antrages würde es aber gelegen haben, zu beantragen, daß auch die nicht­deutschen Mitglieder des Wiener Reichstages sofort ausgeschlossen werden sollten (Zustimmung auf der Rechten). Das ist ja eben das eigenthümlich Schwierige in den östreichischen Ver­hältnissen, daß daS deutsche Element nicht rein, nicht abgesondert dasteht, daß es vermöge einer langen historischen Entwicklung verschmolzen ist mit anderen Nationalitäten. Das ist ja eben die Aufgabe, mit der wir jetzt bei Bildung unserer Verfassung uns beschäftigten, daß wir in ein reineres Verhältniß zu dem Kutschen Elemente in Oestreich gelangen. Dem menschlichen Willen stellt nicht nur die Natur, sondern auch die Geschichte Hindernisse entgegen, die wir anerkennen müssen, wenn wir nicht thörigt handeln wollen. Die Macht wird zu unmäch- ligem Trotze, sobald sie diese Hindernisse verkennt, anstatt ruhig und bewußt die Mittel und Wege in Erwägung zu ziehen, aus welchen dieselben vernunftgemäß und allmâhlig^ besiegt werden können. Es hat mich mehreres, was in den Vorträgen der früheren Redner vorkam, wenn sie von warmer Begeiste­rung für die Freiheit .und der deutschen Nationalität erfüllt,

sich dem Strome ihrer Gefühle Hingaben, erhoben, aber be­trübt, verletzt hat es mich, daß über das Verfahren unserer Reichskommissäre, zweier ehrenwerther Männer, von denen erst zwei flüchtige, im Drange der Umstände ertheilte Be­richte vorliegen, ein so rücksichtsloses Urtheil gefällt worden ist. Es ist in allen Parlamenten freier Völker unerhört, daß über das Verfahren von Gesandten, bevor sie ihre Mission geendigt haben, ein Urtheil ausgesprochen wird (Beifall auf der Rechten), und ich möchte sehr wünschen, nicht nur um der beiden Ehrenmänner willen, von denen der eine noch von späteren Geschlechtern mit Dank als einer der Vorkämpfer für die Freiheit genannt werden wird, ich möchte es auch wün­schen im Intereste dieser Versammlung, daß die nachfolgenden Redner sich in ihrem Urtheil bescheiden wollten, bis uns das Verfahren der Reichskommissäre, ihr Erfolg und vor allen Dingen die Schwierigkeit der Lage, in der sie zu wirken hat­ten, vollständig bekannt sind. Wenn Sie die Anträge des Aus­schusses annehmen, so liegt darin nach meiner Meinung nichts, wodurch sich die Lage der Verhältnisse noch mehr verwickeln wird; ich sehe darin nicht einen Tadel, sondern nur eine Be­stätigung der Richtung, in der das Ministerium die Sache be­handelt hat, ich sehe darin den Wunsch der Versammlung, mit dem Ministerium zusammen zu wirken in dieser Richtung, als der einzig möglichen, in der ein gedeihliches für das Vaterland wünschenswerthes Ziel errungen werden kann. Wenn Sie aber weitergehen, wenn Sie sich dem einen oder andern der bestimmte Anordnung ertheilenden Amendements zuwenden sollten, was ich nicht hoffe, so sage ich, daß dann die hohe Versammlung den Standpunkt weiser Mäßigung, der zugleich von wahrer Festigkeit zeugt, den sie bisher inne ge­halten hat, in diesem Fall^ nicht beobachten würde. (Beifall.) (Schluß folgt.)

Frankfurt, 4. Nov. (D. Z.) Man erwartet heute oder morgen die Zurückkunft der Reichskommissäre, der Herren Welcker und Mosle. Die schlimmen Nachrichten über den am 30. Okt. erneuten Kampf in Wien bestätigen sich von allen Seiten.

Spätere Berichte aus Berlin behaupten, der König habe die Ernennung des Grafen Brandenburg zurückgenommen.

Frankfurt. (Amtlich.) Um bei der ferneren Entwickelung der Ereignisse in Oesterreich die mit dem Beschlusse des ver­fassunggebenden deutschen Reichstags vom 3. d. M. überein­stimmenden Absichten der provisorischen Centralgewalt durch­zuführen, hat der Reichsverweser nach dem Vorschläge des Mi­nisterraths den Fürsten Karl v. Leiningen zum Neichskommiffär für das deutsch-österreichische Gebiete mit umfassenden Voll­machten ernannt. Derselbe wird sich ungesäumt dahin begeben und bis zur Herstellung eines befriedigenden Zustandes dort verweilen.

In Berlin hat gestern die Nationalversammlung in Ant­wort auf ihre Adresse eine vom Minister Eichmann gegen- gezeichnete königliche Botschaft entgegengenommen, in welcher die Zurücknahme des dem Grafen Brandenburg ertheilten Auf­trages abgelehnt wird. In der Versammlung wußte man indeß, daß inzwischen Graf Brandenburg selber um Ent­hebung gebeten habe, und erwartete, demnächst den Abgeord­neten Grabow mit der Bildung des neuen Kabinels beauftragt zu sehen. Die Stadt war durchaus ruhig.

Berlin, 3. Nov. (K. Z.) In der heutigen Nachmittags- Sitzung der Nationalversammlung wurde folgende königliche Botschaft verlesen:

Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden, König von Preußen rc., haben die am gestrigen Tage ^kns überreichte Adresse der zur Vereinbarung der preußischen Staatsverfassung berufenen Versammlung in reifliche Ueberlegung gezogen und eröffnen derselben hierauf Folgendes: Fest entschlossen, den von Uns, in Uebereinstimmung mit den Wünschen Unsers getreuen Volkes, angetretenen konstitutionellen Weg unverrückt zu ver­folgen, haben Wir den General-Lieutenant Grafen von Bran­denburg mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauf­tragt, weil Wir nach seinen, Uns bekannten Gesinnungen überzeugt sind, daß er der festen Begründung und gedeihlichen Entwicklung der konstitutionellen Freiheit mit Freudigkeit seine Kräfte widmen und sich bemühen werde, die ihm von Uns ge­stellte Aufgabe in entsprechender Weise zu erlösen. Wenn ihm dies gelingt, so wird das neue Ministerium, wie Wir hoffen, sich Ansprüche auf das Vertrauen des Landes zu erwerben wissen. Einem anderen Ministerium, als einem solchen, von welchem Wir dies erwarten können, werden Wir davon dürfen die Vertreter Unseres treuen Volkes sich überzeugt hal- ten niemals die Leitung der Regierung anverlrauen. Wir - können Uns daher weder durch die in der Adresse vom gestri-