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Nachmittags 3 Uhr 40 Minuten in Ollmütz eintiefen , lauten dahin, daß Wien am 30. Oktbr. kapitulirte; diese Kapitulation wurde am 31. Oktober gebrochen, weil an diesem Tage um 9 Uhr früh die Ungarn bis Schwechat vordrangen. Sie wur­den alsbald bis Schwadorf zurückgeworfen, die Vorstadt Wie­den mit schwerem Geschütz beschossen und der Feldmarschall meldet, daß er die Stadt noch am 31. d. M. besetzen werde. Vom k. f. böhmischen Landespräsidium. Prag, am 31. Oktbr. 1848. Mecsery, k. k. Gubernialpräsivent."

Reisende, die am 30. Abends von Wien abfuhren, behaup­ten, Wien habe sich noch nicht ergeben. Weiße Fahnen waren wohl ausgesteckt gewesen, aber als man Rauchsäulen in der Richtung gegen Ungarn aufsteigen sah, wurden sie alsbald ab­genommen und der Kampf begann von neuem. Die Ungarn sollen von Jellachich total geschlagen seyn.

Florisdorf, 31. Oktober. (Schl. Ztg.) Die Kapitulation Wiens ist nicht erfolgt, vielmehr das Bombardement seit gestern fortgesetzt worden. Heute Abend 6 Uhr wurde es eingestellt. Eine telegraphische Depesche von heute Abend 6 Uhr lautet: Das Bombardement wurde 6 Uhr Abends eingestellt. Ein an mich gesendeter Munizipalgardist versichert, die Truppen seyen durch das Burgthor gedrungen und bereits bis an den Stephansplatz gelangt. Der Brand hat die Augustinerkirche und einen Theil der Burg ergriffen. Thurm und Dach der Augustinerkirche sind eingestürzt. Rennberg, General." Die Ungarn sind bis 1 Meile von Wien, bis Schwechat, vorgedrungen, jedoch zurückgeschlagen worden. Die Kroaten sollen in den Vorstädten Wiens nicht allein geplündert, sondern auch gemordet haben und dies eine große Erbitterung und ei­nen um so thätigern Widerstand herbeigeführt haben. Von den Vorstädten haben die Truppen, wie erzählt wird, bis jetzt genommen: die Leopoldstadt, Landstraße, Weißgerber, Erdberg, die Hälfte vom Neuweg, Roßau, Thury, Althan bis zur Weh­ringer Gasse.

Ratibor, 1. Nov. Beamte von Wien theilen uns mit, daß ein Theil der Burg, das Mineralienkabinet und die Bibliothek brennen. Die k. k. Truppen sind bis auf den Stephansplatz vorgedrungen, die Ungarn geschlagen und bis auf drei Meilen von Wien zurückgedrängt. Das Bombardement dauerte bis gestern Abend 6 Uhr, um welche Zeit es eingestellt wurde. Aller Wahrscheinlichkeit nach erfolgt heute die Uebergabe. Ein Saal, dessen Namen verschieden angegeben wird, ist mit etwa 700 Verwundeten verbrannt. Alle Gebäude der Vorstädte so­wie der Nordbahnhof sind zu Hospitälern behufs der Aufnahme der vielen Verwundeten hergerichtet. (Schl. Ztg.)

Prerau, Nachts vom 31. Oct. zum 1. Nov. (1 Uhr früh.) Einige Reisende erzählen eben, daß Windischgrätz mit seinen Truppen auf dem Stephansplatze stehe. Defsenunachtet habe sich Wien noch nicht ergeben und in einzelnen Theilen der Stadt und Vorstädte werde fortgekâmpft. Ein Adjutant des General Bem soll Verräther an der Sache der Wiener ge­wesen seyn und dem Fürsten Windischgrätz die schwächsten Punkte der Stadt verrathen haben, an welchen ein Angriff am leichtesten zu bewerkstelligen war. Einer dieser schwächsten Punkte soll an der Nußdorfer Linie gewesen und Windischgrätz dort zuerst eingebrungen seyn.

3 Uhr. Eine telegraphische Depesche, die eben hier durch nach Olmütz geht, besagt, daß gestern Abend 6 Uhr 30 Mi­nuten das Bombardement eingestellt ist. Die Universität ist zusammengeschossen und eingestürzt, die Burg steht in Flam­men und in vielen Theilen der inneren Stadt wüthen die Flammen, so daß Windischgrätz selbst in die noch im Besitze des Volkes stehenden Stadttheile und Lüschaparaten gesendet hat. (Schl. Z.)

Ueber Breslau geht demPreußischen Staatsanzeiger" folgende Nachricht über die neuesten Vorfälle bei Wien zu: Die Ungarn sind am 30. g eschlagen Word en. Sie hatten 24 Kanonen, 5 Bataillone reguläre Truppen und im Ganzen 18 20,000 Mann. Die ihnen entgegengesandte Armee soll 16 18,000 Mann, mit 60 Stück Geschütz und 42 Schwadronen Kavallerie betragen haben. Den Oberbefehl über die ganze Operationsarmee führte der Banus. Das Hauptgefecht scheint nur ein Artilleriegefecht gewesen zu seyn. Die kaiserliche Kavallerie, welche die Ungarn umgehen und ihnen den Rückzug abschneiden sollte, ist zu spät gekommen. Sie wurden am 31. Okt. durch den Fürsten Lichtenstein mit 4000 Mann verfolgt. Auch Infanterie soll gestern mit der Eisenbahn nach wienerisch Neustadt abgegangen seyn, um einen neuen Einfall der Ungarn abzuhalten, welche wahr-

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riebt. Druck und Verlag

scheinlich wieder über die Leytha zurück sind. Während die Schlacht mit den Ungarn geschlagen wurde, griffen die Wie­ner, welche größtenteils schon die Waffen niedergelegt hat­ten, wieder zu denselben, schickten die Geißeln, bte sie ver­sprochen hatten, nicht, lieferten die Kanonen nicht ab, sondern feuerten aus allen Kräften auf die kaiserlichen Truppen. In Folge dessen haben die Letzteren die Nacht hindurch die Vor­städte Mariahilf und Lerchenfeld beschossen, mehr als 100, wie man glaubte, kleine und nicht zündende Bomben hineingewor- 'fen, während vom Stephansthurme Signale über Signale ge­geben wurden, um die Ungarn wieder herbeizurufen. Bem soll inzwischen wieder bei den Kämpfern erschienen sein und sie durch heftige Reden angefeuert haben. Als man aber die Niederlage der Ungarn in der Stadt erfuhr, kam wieder eine Deputation des Gemeinderaths in der Nacht zum Feldmar­schall, um ihm die Unterwerfung der Stadt auf Gnade und Ungnade anzuzeigen. Die bewaffneten Corps haben sich in­dessen auch da nicht ergeben wollen, und um 12 Uhr Mit­tags hatte das Bombardement der Vorstädte wieder begonnen.

Berlin, 3. Novbr. DieSpen. Ztg." enthält folgende telegraphische Depesche: Der königl. Gesandte in Wien an den Minister der auswärtigen Angelegenhei­ten:Hietzing, den 1. Novbr. Die kaise rl. Truppen sind Herren der ganzen Stadt."

Aus Wien vom 20. Okt. bringt die Frankfurter Neichs- tagszeitung von einem Mitglieds der Deputation der Linken ein Schreiben, worin es unter Anderem heißt:Die Kommis­säre der Neichsgewalt sind angekommen, haben aber nicht den Muth, sich sehen zu lassen,, sollen ihre Woh­nung verläugnen oder verweigern deren Angabe. Die Thoren! Diese Leute sollen nun dem Reichsministerium berichten und haben keine Behörde, keine Autorität gespro­chen. Trampusch hat zweimal mit Welker in einer kleinen Kneipe gesprochen, wo sie sich ein Rendezvous gaben. Die Wohnung sagte er nicht. Wir wissen sie aber doch. O Reichs­polizeigewalt!"

Sind die Herren Mosle und Welcker wirklich in Wien gewesen, oder sind obige Angaben, die von einem Mitglied der deutschen Nationalversammlung kommen, Lügen? Es sind dar­über 1 durchaus offene Erklärungen nöthig. Uebrigens erhält man neuerdings einen guten Begriff von den politischen End­absichten und staatsmännischen Fähigkeiten dieser Mitglieder der Linken, wenn man liest, wie sie den Wiener Reichstag verhöhnen und einen Studentenausschuss zur Diktatur über Oesterreich empfehlen! Die Herren Welcker und Mosle sind um die Stellung nicht zu beneiden, die sie, machtlos wie sie waren, den beiden Parteien gegenüber bei den Wehen der Monarchie gekommen; was aber die Mitglieder der Linken bei ihrer Mission sich verdient, darüber wird die öffentliche Mei­nung von Deutschland ihr Urtheil sprechen. Sie haben offen­bar alles gethan, die dortige Verwirrung noch in's Bodenlose zu vermehren, die deutsche Nationalversammlung und ihre Ge­sandten, ja den Wiener Reichstag selbst herabzusetzen und Nie­mand Weihrauch darzubringen, als dem Proletariat, den Polen und den Studenten. Die Adresse, die sie überbracht haben, soll gegen 130 Unterschriften aus der Nationalversammlung gezählt haben. Wir können nicht glauben, daß alle diese 130 Mitglieder mit jenem Benehmen einverstanden sind. Auch dar­über dürfen wir wohl Erklärungen entgegensehen.

Ostindien.

So eben erhalten wir, nur vier Tage nach der vorigen ostindischen Post, Bombayer Zeitungen vom 3. Oktober mit wichtigen Nachrichten. Das ganze Pendschab mit sei­nen Grânzlanden Multan, Hazareh , Kaschmir, Nur­pur, Peschawer war im Aufstand gegen die brit- tische Macht; wenn anders der Ausdruck des uns vorliegen­den Bombay Telegraph and Kourier nicht übertrie­ben ist. (A. Z.)

In der L. Schellenberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden ist vorrâthig:

Stenographischer Bericht des Prozesses gegen den Dichter Ferdinand Freiligrath, angeklagt der Aufreizung zu hoch, verrätherischen Unternehmungen durch das Gedicht:

Die Todten an die Lebenden, verhandelt vor dem Assisenhofe zu Düsseldorf am 3. Okt. 184,8 Nebst einer zum erstenmal ausführlich bearbeiteten Biographie des Dichters. Preis 18 kr.

der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandluna in Wiesbaden.