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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

JV». 2O2 Sonntag den s. November L8L8.

Die Naff. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden S fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Grvßherzogthums und Kurfurstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Ä fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Berwaltungsgebietes B fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg-scheu Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Noch eine auswärtige Stimme über die nassauische Kammer. Der Demokraten - Konvent.

Deutschland. Wiesbaden (Die Erzesse in Kirberg und Montabauer).

Frankfurt (Reichstag. Beschluß in Betreff Wiens. H. v. Gagern).

Detmold (Die Mediatissrungsfrage). Dessau (Die Stände und der Herzog). Berlin (Die Verhaftung der drei Demokraten).

Wien (Die Kapitulation der Stadt).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

* Noch eine auswärtige Stimme über die nassauische Kammer.

Es muß unsern Lesern wohl daran gelegen seyn, zu ver­nehmen, was hinter dem Berge, wo doch auch Leute wohnen, über unsere nassauischen Zustande geurtheilt wird. Wo wir daher in geachteten Organen der Presse ein solches Urtheil fin- onl, werden wir es gelegentlich mittheilen. Leider scheint die­ses Geschäft kein erfreuliches zu werden. Aber es thut Noth, dem ungeheuren Dünkel, der sich seit den Märztagen bei un­sern Volksführern festgesetzt hat, ein bischen den Spiegel vor­zuhalten. Wenn diese Leute, die in der großen Mehrzahl vor­der Revolution eine höchst gründliche Verachtung vor allen politischen Studien besaßen, nun plötzlich sich für die unfehl­baren Orakel der Staatsweisheit halten, dann kann es nicht schaden, wenn man ihnen darthut, daß cs noch immer Männèr gibt, die es wagen, ihre Staatsweisheit unverholen für Staatsunsinn zu erklären.

Die nachfolgenden Bruchstücke entlehnen wir einem Artikel der Oberpostamtszeitung, der, wenn auch kein offizieller, doch aus den Kreisen des Reichsministeriums hervorgegangen zu seyn scheint, so daß wir ihm schon um deßwillen eine gewisse Bedeutung beilegen müssen.

Da in demselben über die bekannten Pensionsverkür­zungen gesprochen wird, so will ich mich vorweg dagegen derwahren, als ob ich ein Freund hoher oder gar übertriebener Pensionen sey. Man wird mir dies um so eher glauben, da ich ein völlig pensions un berechtigtes Individuum bin. Ich bin ein großer Freund einer tüchtigen Verringerung der übertriebenen und einer gerechten Regelung der mäßigen Pensionen. Aber eine solche Verringerung läßt sich einzig und allein in der Weise Herstellen, daß man beschließt, von nun an keine unmäßigen Pensionen mehr zu gestatten. Zu Recht bestehende Verträge mit Einem Diktator-Worte umzustoßen, das ist eines gewissenhaften Mannes unter keinen Umständen würdig. Die Volksvertreter erkennen die vom Herzoge vor­dem abgeschlossenen Verträge nicht an, obgleich sie die Ueber- weisung jenes Vermögens, auf welchem die Verträge haften, zum Staatsvermögen bereitwillig anerkennen. Wie nun, wenn der Herzog gleiches Spiel spielen und auch seinerseits den Ver­trag vom 4. März in Betreff der Domänen nicht anerkennen wollte? Es wäre auf dieser Seite kein größeres Unrecht als auf jener.

Außerdem ist aber auch der Kammerbeschluß sogar lächer- iich , indem er alle höhere Pensionen kurzweg auf 500 fl. re- duzirtl Dieses gemüthliche Wegrasiren aller Ansprüche des

Verdienstes, des Dienstalters, der auf die Vorbereitung zum Amt verwandten Kapitalien rc. rc. erinnert stark an Proudhon's Gleichheit vor dem Vermögen." Wenn die Volks­kammer auch gar keine Aristokratie anerkennen will und soll, so muß sie doch bei Einer eine Ausnahme machen bei der Aristokrati e des Verdienstes!

Der besprochene Kammerbeschluß ist endlich aber auch un­politisch, insofern er nämlich nicht ausgeführt werden kann, nicht ausgeführt werden wird. Ein gesetzgebender Körper aber, der da beschließt, was er nicht ausführen kann, kompro- mittirt sich jedenfalls in hohem Grave. Oder glaubt man etwa, in letzter Instanz würde die Reichsgewalt eine solche Annulirung zu Recht bestehender Verträge dulden? Schafft eine neue Revolution, die jeden Rechtszustand über den Haufen wirft, dann läßt sich der Beschluß vielleicht vollziehen; sonst möchte ich stark daran zweifeln.

Hören wir nun den Eingangs erwähnten Artikel der Ober­postamtszeitung ; er lautet folgendermaßen:

Will man die kleinen Staaten keinen größeren Staaten- kompleren einverleiben, so sorge man wenigstens dafür, daß mit der gölten Beschleunigung ein ob erstes Reichsgericht zum Schutze der durch die frühere Bundesverfassung bedingten Privatrechte be­stellt werde, weil sonst in diesen Staaten eine solche Will­kür geübt werden würde, wie sie nur jemals in einem Schweizerkantone ausgeübt worden ist.

Bereits sind in Nassau hiervon Beweise geliefert wor­den,^ die das Schlimmste befürchten lassen. Die früheren Pennonözusicherungen des- Herzags werden in keiner Weise mehr geachtet und die Pensionen ohne Rücksicht auf geleistete Dienste, Stand und Alter dergestalt reduzirt, daß die ersten Staatsbeamten dem bittersten Mangel (?) preisgegeben wer­den. Scheint es doch, als wolle man absichtlich das Prole­tariat aus de.n höheren Ständen rekrutiren. Wird hier keine Schranke gezogen, so wird man sich über die widernatürlich­sten Allianzen in Deutschland nicht wundern dürfen. Die Anhänger des alten Zustandes der Dinge werden zu Verbün­deten der Republikaner und Kommunisten gestempelt, weil sie nur dadurch die Aussicht gewinnen können, sich eine neue Existenz zu begründen. Haben wir doch schon wahrhaft hin­reißende Aeußerungen Hochgestellter vernommen, die dahin lauten, daß, wenn man ihnen Alles geraubt haben werde, sie es machen werden, wie man gegen sie verfahren; sie wür­den suchen, Andern zu nehmen, was diese ihnen entzogen!"

Der Demokraten - Konvent

Bei den Berathungen des demokratischen^Kongres­se s kam man in der Nachmittagssitzung am 28. Okt. an die einzelnen Fragen über das Statut und die Organisation der demokratischen Partei. Man entschied sich zuerst, einen Zen­tralausschuß von drei Mitgliedern, die zwei Thlr. Diäten er­halten, und sechs Stellvertreter zu wählen; Aufgabe desselben ist: die republikanische Partei Deutschlands zu einigen und zu stärken. Der Zentralausschuß hat seinen Sitz in Berlin, kann ihn aber nach Belieben verlegen. Der Zentralauöschuß. ist verpflichtet, den Kongreß halbjährlich, aber berechtigt, ihn, so oft er es für nöthig hält, zu berufen. Auch Nichtmitglie-