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Kunstpflege soll keine Mumien vergolden, keine Puppen , als wären sie Menschen, kindisch auS- und anziehen, sondern sie soll der Spaten des Gärtners und nur mitunter noch, im Dienste des Schönen, dessen Rechen und Scheere seyn. Krank­heiten und Gefahren der Völker entfesseln die Natur. Die Natur wird plötzlich die Regel, wenn die Ausnahme von den Thronen schreitet. Und in der Natur ist die Hülfe, so schmerzhaft auch die Uebergänge seyn mögen. Der Einzelne leidet wohl, wenn das Ganze gewinnt, aber nach kurzer, nicht gehemmter, sondern frei sich auSringender Krisis kehrt Ordnung und Gewohnheit, Gesundheit und Schönheit in neuer Gestal­tung wieder mit glücklicheren Bürgschaften für die dauernde Zukunft.

Heinrich der Zweèundsiebenzigste.

DieDeutsche Zeitung" enthält folgendes merkwürdige fürstliche Inserat, welches nach den bekannten früheren jour­nalistischen Versuchen des durchlauchtigen Verfassers jedenfalls als ächt anzuerkennen ist.

Meinen zahlreichen auswärtigen Freunden und Bekannten die Anzeige, daß ich die Regierung niedergelegt habe. Aus meiner EntsagungSurkunde das Nähere; für Diejenigen, die mich kennen, ein deutlich Bild!

Ich füge hinzu:

Nicht das Auferstehen Teutschlands ich glaube nicht, daß ein Teutscher mehr demselben huldigt und jedes Opfer für Teutschlandr Größe zu bringen bereit sondern die Masse von Erbärmlichkeit, die in der Flachsenfingerei eines kleinen StaateS mit dem März auftauchte und an die Stelle wahrhaft glücklicher Zustände trat, hat mich vertrieben.

Im Anfang gänzliche Unkunde und Schwäche der Zivil­behörden, durch die die Wühlerei recht ordentlich groß gezogen ward, welche von zwei Städtchen ausgehend nach und nach natürlich weiter fraß und Alles ansteckte.

Mein im Kleinen ausgebildetes Wehrsystem, das das ganze Land mit Linie, Landwehr und Landsturmschützen umfaßte, unbenutzt. . .

Dazu der unmoralischste und irreligiöseste Undank und Hohn, nachdem man mich so viele Jahre und noch bei meinem 25jährigen Regierungsjubiläum im vorigen Jahre auf den Händen getragen und wohl nicht ganz unverdient!

Denn mein Wirken strebte in der Zeit, wo es gefährlich, freisinnig zu seyn, unverwandt und entschlossen Fortschritt und Bildung an.

Von einer Unzahl Schritte abgesehen, die theils seiner Zeit öffentlich, theils noch in Aktenstaub vergraben, blos Das: Ich habe im Jahre 1831, ohne Erfolg in unsrer starren Ge­meinschaft, eine freisinnige Verfassung verlangt; die Steuern waren die geringsten in Teutschland ; Beamtenwillkür von mir rücksichtslos verfolgt.

Ein Paar Beispiele jenes Undanks;

An einem schönen Märztage beendigte ich eine Konferenz mit meinem Oberforstmeister mit den Worten:Nun, Herr Oberforstmeister, wir haben heute das Waidwerk begraben!" (d. h. auf dem ruhigen und den Gesetzen der Natur folgenden Wege).

Statt dessen raubt man mir's mit Gewalt in 8 Tagen!

Ich berufe im April wiederholt die Beurlaubten der dem Bunde gehörigen Linie und die von mir geschaffene Landwehr ein, um gegen einen der vielen damaligen, kurz nach dem Schloßbrand von Waldenburg eintretenden Stürme Front in - chen zu können.

Die Gemeinden halten auf Befehl |ber Wühler die bis dahin unbescholtene Mannschaft mit Gewalt zurück!

Und das Alles nach meinem schweren Krankenlager, sund zum Schluß, möchte ich sagen, der Genesungsfeste!

Da ist mein Dableiben unmöglich, weil ich nichts halb seyn will, und überhaupt der Ueberzeugung, daß Teulschland eine Einheit seyn soll und die kleinen Herrscher eine Unmög­lichkeit.

Ich spreche den unwiderruflichen Entschluß, die Regierung niederzulegen, im April am rechten Orte aus. Dieser Ent­schluß wird um so eiserner, .als die bekannte infame Sturm­petition bei G... unser ältestes Schloß entwürdigt. Dort dieselbe Traurigkeit der Behörden; die Bürgerwehr, 1200 Mann stark, läßt mich im Stich!

Mögen Sie nun, meine zahlreichen Freunde und Bekannte im Auslande, fortwährend die ^Freundschaft und Theilnahme mir schenken, die ich oft erprobt, und welche mir Vorliegendes drktirt!

Guteborn, in der Lausitz, Regierungsbezirk Liegnitz, den 1. Oktober 1848.

Heinrich der 72. Fürst Reuß.

Ein Wort über den Fürsten Felix von Lichnowsky,

der am 18. September ermordet wurde, und seinen Charakter.

(Schluß.)

Bald traten indeß noch schlimmere Zustände ein. Bei dem anhaltenden Thauwetter war die ihrer Eisdecke sich ent­ledigende Oder angeschwollen und hatte sich theilweise über die niederen Ufer ergossen. Die Oderdörfer Plania, Niebot- schau, Burau u. s. w. waren hier und da überschwemmt wor­den und die Passage wegen des Wassers und unergründlichen Kothes sehr erschwert. Dieser Umstand und der panische Schrecken vor der Ansteckung ließ uns Niemanden finden, der in die Hütten jener Dörfer eingedrungen wäre, um die Hun­gernden zu speisen, die Kranken zu pflegen und die unglück­lichen Waisen aus den Pesthölen des Typhus zu holen. Die 10 barmherzigen Brüder konnten auf ihren Stationen im