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sich hier nicht einschüchtern, man hat den Republikanern dw Rührigkeit abgelernt und ist ihnen namentlich m der Stadt Koburg durch Aufnahme des Prinzips der demokratischen Mo­narchie ru die Statuten des Bürgerveremö sehr «uschieden und erfolgreich entgegen getreten. Durch diesen Schritt ist man in die Lage versetzt worden, die Anhänger der republika­nischen Wortführer sich etwas näher betrachten zu können: die größere Mehrheit besteht aus Handwerkerge;ellen, mit spär­lichen Ausnahmen haben alle hiesigen Mpriblikaner v.e zu gewinnen, aber nichts zu verlieren, die ..leisten haben keine Begriff von dem, was Republik bedeutet.

Berlin, 31. Oktober. Der Landtag hat heute mit 208 gegen 150 Stimmen folgenden Zusatz zu 8. 3 der W-U. an­genommen:Der Adel ist abgeschafft Der Gebrauch adeliger Titel und Prädikate in öffentlichen Urkunden ist unter­sagt.« Ferner mit 196 gegen 140:Orden dürfen nicht mehr ertheilt werden." Endlich einstimmig:Titel, die nicht blos das Amt bezeichnen, können nicht mehn ertheilt werden."

Die Nachrichten aus Berlin sind bedenklich. Die Landes­versammlung hat am 31. Okt. den Adel mit 200 Stimmen gegen 153 für abgeschafft erklärt, und den Gebrauch adeliger Titel und Prädikate in öffentlichen Urfunben mit 208 Stim­men gegen 115 untersagt. Desgleichen alle Orden und Titel. Diese Beschlüsse werden die üble Stimmung in Potsdam ver­mehren. Unmittelbar bedrohlich sind die beklagenswerthen Un­ruhen, zu welchen die Ereignisse in Wien den Vorwand gelie­hen haben. Die Bürgerwehr hat sich dabei unfähig bewiesen, die Ruhe nnd Sicherheit der Berathun­gen der Landesversammlung zu beschützen. Die neuesten Nachrichten enthält folgender Brief:

Berlin, 1. Nov. (D. Z.) Morgens 5 Uhr. Wir haben gestern Abend wieder eine bedauernswerthe und ohne Zweifel höchst folgenreiche Störung der öffentlichen Ruhe gehabt. Schon gestern Mittag zogen, auf Veranlassung des demokrati­schen Kongresses, zahlreiche Haufen mit rothen Fahnen nach dem GenSd'armenmarkt , unmittelbar vor die Nationalver­sammlung; Konditor Karbe und Andere hielten von derSchau- spielhauStreppe Reden, worin zur Befreiung der drei Verhaf­teten, Silberstein, Sennin und Bracklow, zur Verweigerung der Steuern, zu einer energischen Hülfebringung nach Wien u. dgl. aufgefordert wurde. Gegen 3 Uhr verlief sich indeß die Menge ganz ruhig. Um 5 Uhr sammelte sie sich wieder um das Schauspielhaus herum, da um diese Zeit eine Abend­sitzung der Nationalversammlung (die erste) gehalten ward. Es wurde darin von Mitgliedern der Linken der Antrag ge­stellt, den freiheitsbedrängten Wienern zu Hülfe zu kommen. Der Antrag war nicht klar, so daß Duncker einerseits und Rodbertus, Berg w. andererseits Amendements einreichten, wonach die Zentralgewalt dringend und energisch aufgefor­dert werden sollte, die Sache der Freiheiheit in Oesterreich zu schützen.

Bei der Diskussion stellte sich indeß heraus, daß die radi­kale Partei eine unmittelbare Unterstützung von Berlin aus verlangte, ohne jedoch wiederum anzugeben, auf welche Weise, ob durch diplomatische Vermittlung oder durch Sendung eines Heeres diese Hilfe gebracht werden solle. Zu der erstern hat die radikale Partei wenig Zutrauen, und am wenigsten in der vorliegenden Sache; den andern Wunsch, so unsinnig er ist, ließ man in den Reden mehr oder minder deutlich durchschim­mern. Wir können das Resultat der Debatten nicht angeben, da ein Freund, welcher denselben gestern Abend beiwohnte, vor 1 Uhr Nachts das Schuwielhaus nicht verlassen konnte; wie wir aus verschiedenen Reben vernahmen, so wäre das Amen­dement Duncker's oder Rodbertus angenommen worden. Da­mit war aber die unten fortwährend versammelte Menge nicht zufrieden, angeblich nicht zufrieden, denn es stellt sich immer mehr heraus, daß auch die Wiener Sache nur ein Vorwand war, um hier einen Streich zu führen. Sie rückte und rührte sich nicht vom Platze; durch Plünderung eines Wachsladens in der Brückenstraße hatte man sich große Wachskerzen zu ver-

schaffen gewußt, die nun als Fackeln dienten, so daß die Char­lottenstraße hell beleuchtet war. Die Plünderung eines zweiten Wachsladens in der Brüderstraße, die durch Buben ausgeführt werden sollte, war mißlungen.

Die Bürgerwehr, welche frühzeitig gerufen wurde, war nicht im Stande, die Menge vom Platze zu bringen; um 9 Uhr etwa hatte sie zwar die zum Schauspielhaufe führenden Ein­gänge frei gemacht; aber eine Stunde später war sie wieder zurückgedrängt; die Menge ließ Niemand ein noch aus, so daß

Verantwortlicher Red^teur: W. H. Riehl, Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandluna in Wiesbaden.

die Deputirten in ihrem Sitzungslokale versammelt bleiben mußten. Selbst der dreimaligen Aufforderung durch Trommel, 'chlag leistete die Menge nicht Folge. Wir haben es selbst gehört, wie sie der dritten Aufforderung durch lautes Hohn­achen antworteten. Und richtig: die Bürgerwehr schoß nicht und machte sich zum allgemeinsten Gespötte Man hielt ihr die Fackeln unter die Nase, erging sich in dem bittersten Scherz- und Hohnreden.

Noch um 11 Uhr tönten die Hörner durch die Straßen, um Zuzug für die Bürgerwehr zu erhalten; aber der 16. Okt. hatte Alle abgeschreckt; es kam fast Niemand mehr, und den­noch wurde kein Militär requirirt. Erst um 1 Uhr wurden die preußischen Vertreter ihrer Haft befreit, nachdem sich die Menge (es regnete in Absätzen) zerstreut hatte. Das ist die Freiheit der Berathungen, deren sich unsere Nationalversamm­lung erfreut. Die Menge war zum großen Theile

b ew affnet.

Nachschrift. Zu Anfang der gestrigen Abendsitzung theilte der Ministerpräsident mit: daß das von der National­versammlung berathene Jagdgesetz die königliche Sanktion er­halten habe und durch die Gesetzsammlung publizirt sey eine Mittheilung, die mit dem lautesten Beifall ausgenommen wurde.

Zweite Nach sch r i st. (63/4 Uhr Morgens.) Man sammelt sich schon wieder vor dem Schauspielhause. Heute solle Ernst gemacht werden. (D. Z.)

Wien, 26. Okt. In der heutigen Vormittagssitzung deS Gemèinderaths wurde der Beschluß gefaßt, eine Deputation an den Fürsten Windisch-Grätz abzusenden, um die Erläute­rungen der erlassenen Proklamation entgegenzunehmen. Die HH. Winter und Brodhuber wurden mit dieser Mission. be­auftragt. Am Abend erstatteten sie im Gemeinderath über den Erfolg ihrer Sendung Bericht. Der Fürst nahm sie freund­lich auf, und erklärte den Gemeinderath für die einzigeBe- Hörde, mit der er unterhandeln könne, da der Reichstag seiner Bestimmung zufolge die Exekutivgewalt nicht übernehmen dürfe, und auch nun aufgefordert ist, sich bis zum 1. Nov. zu verta­gen; er wünsche, daß diese Herren sich morgen zu ihm begeben, um einige Erläuterungen über die von ihm am 23. erlassene Proklamation entgegenzunehmen. Es wird die Anzeige gemacht, daß so eben ein Haus gm Tabor in Brand aufgehe. In der­selben Sitzung des Gemeinderaths wird vom Studentenkomitü berichtet, daß im kaiserlichen Münzamt besonders viel Silber geprägt werde. Es wird von einem Polizeigë- richt ein Bericht verlesen , daß ein Mobilgardist, einen fried­lichen Mann ohne die geringste Veranlassung erschießen wollte. Derselbe wurde gerichtlich Ungezogen, und habe geäußert, daß General Bem der Garde die Weisung gegeben habe, jeden Un­bewaffneten niederzumachen; er wurde dem Oberkommando zur kriegsrechtlichen Behandlung übermittelt. Es wurde beschlossen, vom General Bem Näheres einzuholen. Es wird eine Zu­schrift verlesen, daß die Sträflinge der Wiener Zwangsarbeits­anstalt sich geäußert haben, für das Vaterland kämpfen zu wollen, und deßhalb bitten, in die Mobilgarde ausgenommen zu werden, besonders jene, die noch lange in der Anstalt zu verbleiben haben. Wird mit Lachen ausgenommen und zur Tagesordnung übergegangen. Als Antwort wird ertheilt,,daß der Gemeinderath ohne Befragung des Oberkommando's nichts vornehmen könne. Es wird berichtet, daß General Bem bei einem Angriff auf die Gränzer gefallen sey; es stellt sich später heraus, daß der Bericht ein salscher war, da nur dessen Pferd verwundet wurde. Die Nachricht, daß die Permanenz des Reichstags eine Deputation an den Kaiser absende, welche ihm die Vorstellung machen solle, daß der Monarchie die größte Gefahr drohe, wenn der Reichstag von Wien nach Kremsier verlegt würbe, wurde im Gemeindcrath mit Jubel ausgenom­men; nicht wenig aber überraschte es, daß der Fürst Windisch- Grätz, nach den Aeußerungen der Herren Pillersdorff und Brestli, friedlichere Absichten gegen Wien haben solle, als man aus seiner Proklamation entnehmen könnte.

In der L. Schellenberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden ist vorrßthig:.

Stenographischer Bericht des Prozesses gegen Sen Dichter Ferdinand Freiligrath , angeklagt der Aufreizung zu hoch* verräterischen Unternehmungen durch das Gedicht:

Die Todten an die Lebenden, verhandelt vor dem Assisenhsfe zu Düsseldorf am 3. Okt. 1848. Nebst einer zum erstenmal ausführlich bearbeiteten Biographie des Dichters. Preis 18 kr.