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Einem Anträge von Eisen stuck u. A. gemäß, verfährt das Haus zu schnell in der Erledigung des Verfassungs-Ent­wurfs. Es wird daher von ihn verlangt, daß auch bei abge­schnittener Diskussion den Gegenantragstellern ein kurzes Wort zur Begründung erlaubt werden möge. An den Ausschuß für Geschäftsordnung.

8. 12.Der Neichsgewalt steht _ die gejammte Macht Deutschlands zur Verfügung". Dazu ein Minderheitserachten: Den Umfang der Reichsgewalt über die gesammte Macht Deutschlands bestimmt der Abschnitt von der Reichswehr."

Die schwierige Vorfrage darüber, ob neben dem Entwürfe des Versaffungsausschuffes bei diesem und den nächstfolgenden Paragraphen zugleich der Bericht des Wehrausschusses mit in die Berathung gezogen werden solle, entscheidet sich nach einer weitläufigen Debatte zwischen Mittermaier (Berichterstatter für den Verfassungsausschuß), Vogt von Gießen, v. Staven­hagen, Wigard, Graf Schwerin, Hollandt und Rüber, nach dem Vorschläge Rüder's, welchem Mittermaier beitritt, dahin, daß sämmtliche auf die Geschäftsbehandlung von Art. III. be­zügliche heute gemachten Anträge an den Verfassungsausschuß übergeben werden. Dieser Ausschuß soll darnach bis morgen Bericht erstatten und eine entsprechende Geschäftsbehandlung vorschlagen.

Nach einigen Erörterungen über die Auswahl der übrigen Gegenstände der morgenden Tagesordnung wird darauf und un­gewöhnlich früh (Nachmittags Ihr Uhr) die Sitzung geschlossen.

Nach einer Mittheilung aus Frankfurt in derLeipziger Zeitung" hat der Fürst von Neuwied, vom vereinigten preußi­schen Landtage her rühmlich bekannt, seine Regierung an Preu­ßen abgetreten.

Karlsruhe, 30. Okt. In der heutigen Sitzung der zwei­ten Kammer begründete B aum seine Motion, Berufung einer konstituirenben Versammlung für Baden nach einem neuen Wahlmodus betreffend, welch letzteren er in der Weise festge­setzt wissen will, daß zu der aus Einer Kammer von 90 bis 100 Mitgliedern bestehenden Volksvertretung entweder je 14,000 Einwohner einen Deputirten, ober jeber der 14 Par­lamentsbezirke deren sechs, außerdem die 14 größeren Ge- werbstävte je einen abzuordnen haben. Die Wahlen sollen direkt seyn, wählbar jeder 30jährige und wahlfähig jeder 2ljährige Staatsbürger. Diese Motion wurde an Die Abthei­lungen verwiesen. Junghanns rügt bei dieser Gelegenheit die Beibehaltung des Prädikatsvon Gottes Gnaden", wo­gegen Bekk bemerkt, es sey nur eine Frivolität der Neuzeit, welche vie Abschaffung desvon Gottes Gnaden" verlange; die Regierung aber wolle diesemverbrecherischen" Geiste keinen Vorschub leisten. Diesem entgegnete Brentano daß Nu Wien, wie er sich selbst nenne, ein konstitu- Noneller Kaiser regiere, und in Berlin habe die Reichsver­sammlung den Herrn von Gottes Gnaden abdekretirt, in Wür- temberg der Minister ganz loyal erklärt, daß Die Regierung mit der Majorität des Volkes geht und durch die Wortevon Gottes Gnaden" nicht mehr an Das alte Regiment erinnern wolle. Dies sey kein Geist der Frivolität; es sey vielmehr Frivolität, wenn sich Einer gleichsam der besonderen Gnade Gottes , gegenüber dem ganzen Volke, theilhaftig glaubt.

Berlin, 1. Novbr., 2 Uhr Nachmittags. (Telegraphische Depesche.) Gestern fanden auf dem Gensbarmenmarkte wäh­rend Der Sitzung Unruhen statt. Die Bürgerwehr hat die Ordnung hergestellt, und nur eine erhebliche Verwundung ist vorgekommen. - Eichmann.

Frankfurt, 2. Nov., Abends 6 Uhr. So eben geht uns folgende, per Estafette von Prag hierher gelangte Nachricht zu. Telegraphische Depesche:Der Gouverneur von Mähren an i den Vizepräsidenten Baron Mecsery in Prag: Ollmütz, 30. Okt. 1848, 3 Uhr Nachmittags: Wien hat sich unbedingt ergeben. Das Milittâr rückt eben ruhig ein, Prag, 30. Oktober 1848."

Baden, bei Wien, 27. Okt. (A. Z.) Aus dem Haupt- , quartiere theile ich Ihnen folgende Nachrichten mit. Am 25. - Abends suchten die Wiener den Truppenübergang bei Nußdorf : abermals zu hindern. Die Ortschaften Fünf- und Sechshaus zwischen der Mariahilferlinie und Schönbrunn, wurden vom Militär genommen nach heftigem Kampfe, wobei ein großes Wirthshaus vor der Linie abbrannte. Die Flamme war weit­hin sichtbar, röthete eine große Wolkenpartie und verbreitete das Gerücht, Wien stehe in Flammen. Gleichzeitig sollen die Garden unter sich handgemein geworden seyn, man hörte leb- . Haftes Gewehrfeuer in der Vorstadt Mariahilf, und auch dort ! (Neubau) gerieth ein HauS in Brand. Die ungarische Gränze ist vollkommen ruhig. Der Banus bezog mit seinen Truppen

Prater. Alle Truppen rückten vor. Gefangene wurden rückwärts transportirt, nach Neustadt u. f. w. (Unter denen, die hier durchkamen, war auch jener Techniker Kohn, von dem ich Ihnen schrieb, der also nicht gehängt wurde.) Der Fürst bewilligte Verlängerung des Termins bis gestern um 10 Uhr Vormittags, eine Art Waffenstillstand. Um so überraschender war um 7 Uhr früh der Beginn einer Kanonade, welche bis Abends halb 8 Uhr ununterbrochen fortdauerte. Die Wiener machten mehrere Ausfälle, welche zwar sämmtlich zurückgeschla­gen wurden, aber sie entwickelten eine Todesverachtung die der besten Sache würdig gewesen wäre, und beiderseits fiel eine bedeutende Anzahl. Man schätzt den Verlust Der Wiener auf 600, des Militärs auf 300. Windisch-Grätz ließ keinen Schuß auf die Stadt abfeuern, das ganze fürchterliche Feuer beschränkte sich auf die Ausfälle und die Barrikaden. Die Wiener verschwendeten das Pulver, indem Die Kanonen auf den Linienwällen selbst auf einzelne Patrouillen abgefeuert wurden, natürlich ohne besonderen Schaden anzurichten. Das Militär seinerseits benützte jede Gelegenheit, die Wiener Ka­nonen zu demontiren. Bei den Ausfällen selbst wich das Mili­tär jedesmal scheinbar zurück, um die Wiener ins Freie zu locken, wo sie dann ins Kreuzfeuer genommen wurden. Die Wiener müssen ausgezeichnete Offiziere haben; man vermuthet, es fey eine große Anzahl Polen bei ihnen. Abends 6 Uhr entstand an 3 Orten ein bedeutender Brand. Man vermuthet, daß die hölzernen Hütten am Prater einerseits, auf der ent­gegengesetzten Seite in der Brigittenau das Kolloseum abge­brannt sey, ein großes hölzernes Gebäude für verschiedene Spektakel. Die Truppen sind fortwährend kampsbegierig, und sagten, diese Gefechte seyen nicht der Rede werth. Bei der günstigen Witterung ist der Krankenstand noch immer gering, aber die Verpflegung wird bereits schwierig.

Ueber- eines der gestrigen Gefechte bin ich im Stande, Ihnen den Bericht eines Augenzeugen mitzucheilen. Nördlich von Schönbrunn zieht Die Linzer Straße (Neichsstraße) zur Mariahilfer Linie. Von dieser steigt die Schmelz hinan, eine Anhöhe mit einem breiten Rücken, die Vorstädte Neubau Schot­tenfeld beherrschend, und sich nach Norden zu dem Ottakringer Bache abdachend, an welchem das berüchtigte Neu-Lerchenfeld liegt. Unweit Der Linie befindet sich der große Friedhof, mit Mauern umgeben, in dem unter andern Die Opfer der März­tage ruhen. Diesen Kirchhof hatten Die Garren besetzt, unter den Kanonen der Linienwälle. Auf der Schmelz stand das Militär, dessen anscheinende Schwäche die Garden zu einem Ausfall vermocht zu haben scheint. (Nack einer andern Er­zählung mußte das Militär den Kirchhof nehmen, um die Cer- nirung vollenden zu können). Die Garden hielten sich aber so tapfer, daß sie einen Sturm zurückschlugen, nachdem die Ar­tillerie die Mauer eingeworfen hatte. Nun rückten Grenadiere vor und nahmen den Kirchhof mit Sturm. Haufenweise sollen Die Todten in demselben liegen, zumeist Garben. Die Garden zogen nun in vollkommen geordneten Massen Schritt für Schritt sich gegen das Lerchenfeld zurück, durch das Geschütz von den Wällen so gedeckt, daß das Militär innehalten mußte. Auf der Höhe der Schmelz stand aber eine Positionsbatterie, welche Die jenseitige bald zum Schweigen brachte, und Militär nahm den Ort in die Flanke. Nach einem mörderischen Kampfe, wobei Haus für Haus genommen werden mußte, wurden die Garden auch hier geworfen. Das Gefecht auf der Schmelz dauerte volle zwei Stunden, ein Beweis für die Hartnäckigkeit des Kampfes.

Aehnliche Ausfälle wurden zur Währinger Linie hinaus gegen die Türkenschanze, vor der Nußdorfer Linie gegen die über die Donau nachrückenden Truppen, im Prater und vor der St. Marrer Linie gegen das Neugebäude gemacht, und gegen den dortigen Kirchhof, den die Kroaten befett haben. Dergestalt bildeten diese Ausfälle einen Bogen um die ganze Stadt nördlich herum; bloß die Linie des WienerbergS blieb unangefochten, wo Windisch-Grätz selbst steht. Aus der Bri­gittenau oder dem Prater wurden Granaten und Raketen in bedeutender Anzahl geworfen, doch keine Brandraketen. Bom­ben wurden durchaus keine geworfen, wfe überhaupt von kei­ner Seite ein Angriff durch das Heer erfolgte. In Folge der zurückgeschlagenen Ausfälle aber erfochten die Truppen bedeu­tende Vortheile. Der Banus soll die ganze Leopoldstadtinsel genommen haben, Mariahilf und Landstraße sollen zur Hälfe genommen seyn, wo die Garden nur unbedeutenden Wider­stand leisteten, so auch die Roßau. In letzterer Vorstadt wurde aber heftig gekämpft, weil dort vorzugsweise mobile Garde stand.

Brünn, 26. Okt. Sicheren Nachrichten zufolge hat Fürst Windisch-Grätz die Taborbrücke genommen, und Die Leopold-