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folgt habe, als sey er als Verräther des Volkes, als Spion ergriffen und so ein Opfer der von ihm hervorgerusenenVolks- Wuth gefallen. Di-ese Insinuationen, die auf die Täuschung des Volkes und um Fanatismus zu erregen, berechnet sind, sind von Frankfurt ausgegangen. Auch hier hört man in manchen Kreisen die verschiedensten Urtheile über Lichnowsky's Charakter und viele seiner Gegner bezeichnen ihn als einen Mann, der kein Herz für die Leiden des Volkes gehabt und lediglich seine egoistischen und aristokratischen Zwecke verfolgt habe. Unter solchen Umständen hält es der Unterzeichnete für eine Gewissenspflicht, Zeugniß zu geben über einige That­sachen aus der jüngsten Vergangenheit, die wohl geeignet seyn dürften, einige Züge zu einem treuen Charakterbilde des Er­mordeten zu liefern.

Es ist bekannt, wie in den ersten Monaten des laufen­den Jahres der Hungertyphus in Oberschlesien, namentlich in den Kreisen Pleß, Rybnik und Ratibor die Bevölkerung dezi- mirte. Entsetzlich war der Jammer und das Elend, und Nie­mand vermag sich einen klaren Begriff von der Größe dessel­ben zu machen, der nicht Augenzeuge gewesen ist. Achtzehn barmherzige Brüder, sämmtlich junge Männer, die eben erst in das Kloster zu Breslau eingetreten waren, um ihr Probe­jahr zu bestehen, waren freiwillig mit ihrem Vorsteher, Dr Kuenzer, am 9. Februar in die ersteren beiden Kreisen ge­gangen, um ihre Kräfte, und wenn es Gott geftele, auch ihr Leben für ihre hungernden und sterbenden Brüder zu- opfern. Durch die einsamen Dörfer, die durch das aufthauende Eis fast unzugänglich geworden waren, wanderten diese Wackeren von Hütte zu Hütte, pflegten die Kranken, besorgten die Fort­schaffung der Todten, die Fst mit den Kranken noch zusammen auf einem Lager gefunden wurden, und waren auf die Ret­tung der Kinder bedacht, von denen viele bereits ein Opfer des Hungers und Elends geworden waren. Damals erließ ich in öffentlichen Blättern einen Aufruf an alle Menschen­freunde, mir Lebensmittel, Kleidungsstücke und Geld zuzusen­den, um die barmherzigen Brüder in Stand zu setzen, den Hungernden, Nackten und Kranken zu helfen, einen Aufruf, der reichlich gesegnet worden.

Fürst v. Lichnowsky war damals zufällig nicht in Ober­schlesien. Auf seinen Besitzungen, die auf der fruchtbaren linken Oderseite liegen, herrschte noch keine besondere Noth und war die Krankheit noch nicht ausgebrochen. Kaum hatte der­selbe jedoch jenen Aufruf in den Zeitungen' gelesen, als er sofort nach Ratibor reiste. Es war am 15. Februar, als er in mein Zimmer trat und mir sagte, er sey eiligst hierherge­kommen, um dem hungernden und sterbenden Volke seine! Kräfte zu widmen. Kaum hatte er dies ausgesprochen, als ; ein Bote aus den am rechten Oderufer gelegenen Dörfern zu 1

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag

mir eintrat und mir einen Brief des dasigen Pfarrers jüber- brachte, in welchem letzterer unter Schilderung des entsetzlich­sten Nothstandes des Volkes meine Hülfe in Anspruch nahm. Die Bevölkerung, so lautete der Brief, muß theilweise dem Hunger erliegen, wenn nicht bald Hülfe kommt."

In derselben Stunde noch ließ F. Lichnowsky einige Wa­gen mit Brod und andern Lebensmitteln, im Werthe von eini­gen Hundert Thalern, beladen, und augenblicklich an die Stätte der Noth und des Elendes bringen. Mehr als lOOO Hungernde sind noch in demselben Tage gespeist worden. So­fort schrieb er in den kräftigsten Ausdrücken an den Oberprâ- sidentcn der Provinz und beschwor ihn, augenblicklich Geld und Hülfe zu senden. Zu gleicher Zeit ward von ihm ein Bote auf der Eisenbahn nach Wien gesendet, um dort die Hülfe einiger dem Fürsten v. Lichnowsky befreundeter Häuser in Anspruch zu nehmen, und in wenigen Tagen war das Komite, das er in Ratibor gebildet, im Besitze von mehr als 2000 Rthlr., mit welchen sofort die nöthigen Waisenasyle zur Rettung der unglücklichen Kinder, die ihre Eltern verloren, eingerichtet und Lebensmittel sür die Hungernden gekauft wurden. (Schluß folgt.)

Miszellen.

Das Landauer WitzblattPunch" bringt in seiner neuesten Nummer eine köstliche Karrikatur auf den feierlichen Einzug Louis Napoleons in Paris. Die sehr gut ausgeführte Zeichnung bringt folgende Darstellung: Voraus ein Ofstzier mit dem kaiserlichen Adler unter dem Arme; ein Haufen Volks, welche die neue Marseillaise brüllen; die große Armee, Tambour- Major an der Spitze; Bürger von Paris, welche fingen:Für das Vater­land zu sterben;" die sehr bewegliche Garde; eine im Triumphe daher ge­tragene Göttin der Freiheit, die Pfeife im Munde; 2 Polizeidiener, welche einen kleinen Hut und ein Paar Stiefel tragen; ein Dutzend Gänse, welche schreien:Es lebe der Kaiser;" 2 Sozialisten,, welche sich gegenseitig die Nase putzen, und endlich: Louis Napoleon, welcher an einer Heerde Esel das Kreuz der Ehrenlegion austheilt!

( Einer der fleißigsten und bekanntesten Entomologen war der 1846 zu Paris verstorbene Graf Dejean. Seine trefflichen Werke über In­sektenkunde find keinem Kenner unbekannt. Er war zugleich General der französischen Armee und hat den Feldzug Napoleons nach Aegypten mitge­macht. Dabei ereignete sich folgendes Kuriosum. Eine Schlacht sollte eben beginnen. Da erblickt unser Graf vom Pferde aus einen prächtigen, ihm noch unbekannten Käfer Er steigt ab, fängt den Käfer, steckt ihn auf den Hut, setzt sich auf und kommandirt zum Angriff.

Berichtigung.

In den gestrigen Beiblättern lies S. 3 Z 26 Doggerbank st. Doppel- ! bank; S. 4 Z. 21 ließ st. liesse, Z. 27 große st. rothe.

der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.