Einzelbild herunterladen
 
  

Beilage zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

â. 200»

nHKimeBi^^^

Freitag den 3. November

1848»

Uebersicht.

Die deutsche Flotte.

Deutschland. Frankfurt (Präsidentenwahl. Rundschreiben Weffèn- berg'S). Berlin (Der demokratische Kongreß. Verhandlung im Landtage wegen Wien).

Frankreich. Paris (Tagesnachrichten).

Die deutsche Flotte.

Nichts liefert wohl einen traurigeren Beweis von der po­litischen Kurzsichtigkeit in Deutschland bei Regierungen und Völkern, als unsere Flottenangelegenheit.

Preußen schmeichelte sich mit dem Gedanken, eine Groß­macht zu seyn, während es in der That hülflos war gegen den schwächsten Feind, der nicht gerade an sein Gebiet grenzte, und die Erbauung der Amazone, welche man freudig begrüßte als den Beginn eines Schutzes für die Handelsflotte von 245,580 Tonnen, erwies sich als eine Spielerei. Oesterreich versäumte, aus den ungeheuren Vorräthen von Venedig seine Flotte während der langen Friedenözeit im Verhältniß zu seiner Handelsmarine von 220,000 Tonnen zu vermehren und ließ sich nicht einmal durch die deutlichsten Beweise von der Unzu-' verlâssigkeit seiner italienischen Seetruppen (Verschwörung der Bandiera) zu einer Umgestaltung derselben bewegen.

Die öffentliche Meinung aber behandelte mit wenigen Ausnahmen die Vorschläge zur Bildung einer Kriegsflotte als leere Träume und trotz der großen Worte der Jahre 1840 und 1841 war das Nationalgefühl noch so schwach, daß man das große Deutschland für unfähig hielt, zu leisten, was das verschul­dete Holland und Dänemark, was das schlecht verwaltete Neapel, was das kleine Belgien mit einer Handelsflotte geringer als die der einzigen Stadt Stettin, ja was das von Parteien zcrrtffenr^ Griechenland möglich gemacht hatten. Der dänische Krieg und der Verlust von Venedig mit seinem Arsenal haben nebst Schimpf und Schande, auch von pekuniärer Seite, die Noth­wendigkeit einer Flotte uns geboten und der siebenmonatliche Waffenstillstand mit Dänemark hat nebst dem Vortheil, uns Zeit zu gewähren, auch das Gute, daß das Damoklesschwert des Seekrieges noch dräuend über unsern Häuptern hängt, so daß der Eifer nicht erschlaffen kann.

Bis Anfang September 1848 sind folgende deutsche Kriegs­schiffe ausgerüstet worden: I. Segelschiffe: 1) Die Fregatte Deutschland mit 34 Kanonen. 2) Die Korvette Amazone mit 12 Kanonen. 3) Die Korvette Franklin mit 12 Kanonen. 4) Der Schooner Elbe mit 8 Kanonen und 4 großen Dreh­bassen , also zusammen 4 Segelschiffe mit 70 Geschützen. II. Dampfboote: 1) Hamburg mit 160 Pferdekraft mit einem Sechsundfünfzigpfündner und 4 Zweiunddreißigpfündnern. 2) Lübeck und 3) Bremen, mit gleicher Bewaffnung und Pferde­kraft. 4) Königin Elisabeth und 5) Kiel mit je 4 Geschützen. 6) Eider mit 8 Geschützen, jedes von 5060 Pferdekraft. Dampfboote besitzen wir also 6 mit 31 Geschützen. HL An Kanonenbooten, Jollen und Schaluppen besassen wir vor zwei Monaten 10, jedes mit 2 Geschützen, nämlich 1 in Hamburg, 1 in Bremen, 2 in Kiel, 2 in Stettin, 2 in Stralsund, 2 in Berlin, jetzt aber ist leicht das Doppelte ausgerüstei, da in Holstein und Preußen der Bau fortwährend eifrig betrieben wird. Es mögen also in diesem Augenblick (außer der öster­reichischen Flotte). auf der Nord- und. Ostsee 30 bewaffnete deutsche Schiffe mit 140 Kanonen schwimmen.

Deutschland.

Frankfurt, 2. Nov. Das Ergebniß der in der heutigen 107. Sitzung der deutschen Reichsversammlung stattgehabten Wahl des Präsidenten und der beiden Vizepräsidenten ist Fol­gendes : Zum Präsidenten wurde gewählt: Herr v. Gagern mit 310 unter 407 St. Ihm zunächst stehen Herr Simon aus Breslau mit 82, v. Trützschler mit 7, v. Hermann

aus München mit 3 St., und Zelt, Wedekind, M. Mohl, Riess er und Simson von Königsberg jeder mit 1 St. Die Wahl des ersten Stellvertreters des Vorsitzenden fiel auf E. Simson von Königsberg, mit 250 unter 408 Stimmen. Kirchgeßner aus Würzburg erhielt 143, Herr Simon von Breslau 9, Riesser 3, und Jahn, v. Vincke und Radowitz jeder 1 Stimme. Als zweiter Vizepräsident wurde gewählt: G. Riesser aus Hamburg mit 255 Stimmen. Außerdem fielen 149 Stimmen auf Hrn. Simon von Bres- au, 7 auf Kirchgeßner und v. Radowitz, und 1 Stimme auf v. Hermann, Biedermann und Schuler.

Frankfurt, 2. Novbr. Der k. k. österreichische Minister­präsident, Freiherr v. Wessenberg, hat an alle österreichischen Gesandten an den deutschen Höfen nachstehendes Rundschreiben erlassen:

Die letzten Wiener Ereignisse haben in Deutschland eine zum Theil irrige Auslegung gesunden. Zur richtigen Beur­theilung der Frage dürften folgende thatsächliche Umstände zu beherzigen seyn.

Die in diesem Augenblicke unter den Mauern Wiens stattfindenden militärischen Operationen haben nur einen Zweck.: die Bekämpfung der Anarchie und die Wie­derherstellung eines gesetzlichen Zustandes. Die gewährleisteten Freiheiten zurücknehmen, den unter dem Na­menReaktion" von der Umsturzpartei als Schreckbild auf­gestellten Popanz zu verwirklichen, oder gar für eine der österr. Nationalitäten über die anderen die Hegemonie zu er­obern, liegt außer der Absicht des Kaisers und seiner Regierung. Es ist kein Kampf der Nationalitäten, keine Umbildung der Monarchie in ein slavisches Oesterreich, wie die deutsche Presse glaubt, oder zu glauben vorgibt, sondern der Kampf der Ord­nung gegen die Anarchie, der gesetzlichen Gewalt, ohne die es keine Regierung gibt, gegen die Schreckensherrschaft, der Erhaltn na neaen den Umsturz. W i r müssen -a ^ta »;..< P--^ ävrrrungoer Begriffe, als eine Verkennung der Thatsachen bezeichnen, wenn man diesem Dampfe eine andere Deutung gibt.

Die Revolution hat ein deutsches Gewand angelegt. Die deutschen Farben sind die Wahrzeichen der Partei des Umsturzes geworden. Nicht der Freiheit, der Größe nnd dem Wohle Deutschlands, welche zu wahren der Kaiser von Oester­reich sich vorzugsweise für berufen hält, gilt es, mit Waffen­gewalt entgegen zu treten, sondern nur gegen die jene Farben und jene Sachen zu ihren verderblichen Zwecken mißbrauchende Partei sind die Bestrebungen der Regierung und der Armee Sr. Majestät gerichtet.

Ich ersuche Euer ic., diesen Gesichtspunkt fest zu halten und in Ihrem Wirkungskreise nach Möglichkeit geltend zu machen.

Se. Majestät der Kaiser und die Regierung sind ent­schlossen, diesen Kampf zu führen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln. Diese Mittel sind in den, denselben durch die Zirkulardepesche vom 21. d. M. mitgetheilten kaiserlichen Manifesten vom 16. und 19. d. M. näher bezeichnet worden. Der militärische Theil hat bereits seine Anwendung gefunden. Eine Armee von nahe bei 60,000 Mann , in Person geführt von dem Feldmarschall Fürsten v. Windisch-Grätz, der sein Hauptquartier dermalen in Hetzendorf genommen hat, hält die Hauptstadt hermetisch umschlossen und ich habe Grund zu hoffen, daß der nächste Zweck dieser Operationen binnen Kur­zem erreicht seyn wird.

Gleichzeitig hat sich Se. Maj. bewogen gefunden, ien Reichstag aus Wien zu entfernen und für den 15. November nach' Kremsier einzuberufen.

Ollmütz, den 26. Okt. 1848. rr

(gez.) Frh. v. Wessenberg."

Berlin, 30. Okt. (K. Z.) Die demokratischen Kongresse nehmen ein Ende mit Schrecken. Von dem Sonderparlament hört man seit den gestern gemeldeten Konflikten in seinem In- nern gar nichts mehr; die meisten Mitglieder desselben sind abgereist und die Zurückgebliebenen sprechen nicht gern von dieser Angelegenheit, die als eine gänzlich verunglückte, bezeich­net werden muß. Auch der demokratische Kongreß wird ohne Folgen bleiben, es sey denn, daß die gänzliche Haltlosigkeit der