Thätigkeit seinen Dank ausspricht, geht er zur Tagesordnung über." Hr. Kriege erklärt hierauf im Namen des Zentralausschusses, daß derselbe sein Mandat niederlege. — In der Vormittagssitzung vom 28. Oktober erstattet zuerst die Prioritätskommission Bericht über die eingegangenen Anträge. Von den Anträgen, die sie für dringlich erklärt, wird nur der des Hrn. Born in Berlin: der Kongreß möge den Zentralausschuß auffordern, sich mehr mit der Arbeiterfrage zu beschäftigen, in die Debatte gezogen. Man beschließt jedoch, es jedem Vereine zu überlassen, sich nach Kräften an der Lösung der Arbeiterfrage zu betheiligen. Hierauf erstattet die Organisationskommission ihren Bericht; sie hat sich besonders mit der Frage beschäftigt: ob wieder ein Zentralausschuß gewählt werden solle, und sich mit 5 gegen 4 Stimmen dafür erklärt. Die Versammlung entscheidet sich mit großer Majorität dafür. Zur Erleichterung und Vereinfachung der Geschäfte werden dieselben in vier Kategorien getheilt und für dieselben folgende Kommissionen zu wählen beschlossen: 1) Kommission für die Prinzip- (Verfassungs-) Frage; 2) Kommission für die Frage des Verhältnisses zum deutschen Parlament (deutsche Frage); 3) Kommission für die Frage der äußern Politik; 4) Kommission für die soziale Frage. Jebe der Kommissionen soll aus 12 Mitgliedern bestehen, ihre Wahl wird auf den Nachmittag verschoben. (Berl. Z.)
Posen, 26. Okt. (D. Z.) So eben schlägt man folgendes Plakat an die Ecken: „Der Beschluß der Berliner Landes- Versammlung vom 23. d. M. droht den heiligsten Rechten der pvscner deutschen Bevölkerung mit der größten Gefahr. — Indem es an der unerschütterlichen Ueberzeugung festhält, daß die durch den Beschluß der Frankfurter Nationalversammlung vom 27. Juli geschehene Einverleibung des deutschen Theiles der Provinz durch keine Festsetzung irgend eines anderen gesetzgebenden Körpers beschränkt oder aufgehoben werden kann, legt das unterzeichnete Konnte gegen jenen Beschluß der Berliner Landesversammlung hiermit aufs Feierlichste Verwahrung ein. Behufs weiterer Besprechung über die nothwendigen Schritte, fordern wir unsere deutschen Mitbürger zum Besuch der heute Nachmittag 3 Uhr anberaumten Volksversammlung hiermit auf. Posen, den 26. Okt. Das deutsche Zentral-Komite (Unterschriften).
Die Aufregung war fürchterlich, überall hörte man empörte Aeußerungen. Nachmittags versammelte man sich trotz des Belagerungszustandes zu mehreren Tausenden im Hofraum des Odeums, woselbst das deutsche Zentral-Komite den Entwurf zu einem äußerst energischen Protest gegen den Beschluß der Berliner Versammlung vorlegte. Dieser Protest wurde einstimmig genehmigt. Deputirte aus den Kreisen unterzeichneten im Namen ihrer Kommittenten. Auf dem Lande bewaffnet man sich deutscher Seils.
Prag, 23. Okt. (Pr. Z.) Heute sind von Ollmütz Briefe angekommen, denen zufolge nach dem Beschlusse des Kaisers die wiener Universität a u f z w e i I a h r e geschlossen werden soll.
Wien, 26. Okt. Vier Vorstädte Wiens, nämlich Lichtenihal, Landstraße, Jägerzeil und Erdberg, brennen; am 26. Oktober wüthete das Kanonenfeuer von beiden Seiten den pnzen Tag; die Truppen sind im Besitze des Bahnhofes der Erdbahn/ aber noch von keiner Vorstadt. In der Jägerzeil sieht eine mächtige Barrikade mit 8 Kanonen und von eben jo viel Bürgerkompagnien bedient. Unaufhörlich wüthet das Seuer gegen den Feind, doch fängt man an, mit dem Pulver sparsam umzugehen. Lebensmittel sind noch auf acht Tage vorhanden; die Wasserleitung ist zwar in den Händen des Feindes, aber von ihm noch nicht zerstört. Die Todten werden in dem Glacis begraben, da die Kirchhöfe von Feinden desctzt sind. In einer Straße hat zwischen den dreifarbigen und zweifarbigen Bändern ein Kampf stattgefunden, in welchem letztere überwunden wurden, nachdem von ihnen die Straße in Brand gesteckt worden. Dieses Beispiel steht indessen vereinzelt da, sonst herrscht überall die größte Eintracht. Ein Hauptmann der Nationalgarde ist gehängt worden, weil er einen Ausfall, den man gegen Nußdorf machen wollte, verrathen hatte. An Geld fehlt es nicht. Die Bank ist noch «nangegriffen. 70,000 und dann 9000 Fl., die für das Militär bestimmt waren, sind der Garde in die Hände gefallen. Iellachich und Auersperg stehen südlich und Windisch-Grätz nördlich. Die polnische Legion hat im Prater bedeutende Verluste (60—70 Todte) erlitten.
Die Oberpostamts-Zeitung schreibt: Die Wiener Posten am 28. und 29. Oktober sind bis zur Stunde (9 Uhr früh) Koch im Rückstand. Wir befinden uns ohne alle direkte Nach
richten aus der österreichischen Hauptstadt feit dem 27. Oktbr 3p Ermangelung derselben geben wir nachstehend zwei Kor^ respondenzen aus Wien, welche der „Allg. Ztg." zugegangen sind. Die Bestätigung der gestern gegebenen Nachricht von der Kapitulation Wiens ist abzuwarten.
Wien, 26. Oktober. Ich weiß nicht, ob dieser Brief in ihre Hände gelangt, will aber doch nicht unterlassen, einige Zeilen an Sie zu richten. In diesem Augenblick (Mittag) ertönt ein heftiger Kanonendonner. Schon den ganzen Vormittag hörte man Krachen der Geschütze. Der Kampf soll in der Leopoldstadt heftig seyn. In die Stadt ist bis jekt nur eine Bombe gefallen, ohne jedoch zu schaden. In den Straßen im Innern der Stadt ist es ruhig. Vor den Häusern stehen Gruppen, der kommenden Dinge harrend. Die Läden, bis auf die der Viktualienhändler, die Apotheken und die Kaffeehäuser, sind geschlossen. Der Reichstag und der Gemeinderath halten eben ihre Sitzungen. Die Gemüther sind natürlich aufgeregt, aber versöhnlich gestimmt, und noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß es zu einer Ausgleichung komme. Die Zeitungsredaktionen feiern, denn sämmtliche Setzer und Drucker stehen unter den Waffen. Gott schütze uns!
Wien, 27. Okt. Noch immer kann ich Ihnen nichts Ent- lcheidendes mittheilen. Gestern dauerte von Nachmittag bis Abends die Kanonade an der Taborlinie fort, ohne daß es zu einem Resultat gekommen wäre. Mehrere Gebäude in der Nähe derselben geriethen in Brand, und der Himmel war am Abend furchtbar geröthet. Aus der Leopoldstavt flüchtet Alles in die Stadt, die fortwährend sehr ruhig ist. Windisch-Grätz hat drei Personen (General Bem, Pulßky und Schütte) bezeichnet, die er ausgeliefert haben will. Nach Pillersdorff's und Brestel's Aeußerungen hat er weit friedlichere Absichten, als seine strenge Proklamation erwarten läßt. Ich glaube es selbst; er wird die braven Wiener, die sich der großen Mehrzahl nach so überaus hochherzig, loyal und edel zeigen, nicht verderben wollen. Gestern sind Pillersdorff, Potozki, Fischhof und Prato nach Ollmütz abgegangen, um dem Hof eine getreue Darstellung der Sachlage in Wien zu machen. Heute Nachmittags werden sie — und wie Sie denken können, mit Sehnsucht — zurückerwartet. Heute hört man nur äußerst selten einen Kanonenschuß.
Aus Frankfurt wird geschrieben: Es erleidet kaum noch einen Zweifel, daß der entscheidende L-chlag gegen Wien am 28. Okt. geschehen und daß sich die Stadt in diesem Augenblicke im vollen Besitze des Fürsten Windisch-Grätz befindet. Gleichlautend der nach Berlin gelangten telegraphischen Depesche von der Kapitulation Wiens, die in der ersten Beilage unserer heutigen Nummer mitgetheilt worden, soll auch der „Leipziger Zeitung" zufolge eine telegraphische Nachricht nach Dresden gelangt seyn. Die größte Wahrscheinlichkeit für die Uebergabe der Stadt am 29. Okt. ergibt sich Überdieß aus nachfolgenden Berichten in Berliner Blättern, denen zufolge bereits am 28. früh ein allgemeiner Angriff der Belagerer erfolgt ist und das Bombardement der Hauptstadt begonnen hatte.
Die „Deutsche Reform" theilt in einem heute Morgen erschienen Extrablatt als nicht zu verbürgen folgenden Inhalt eines Briefes aus Breslau mit: „Breslau, den 29. Oktober, ck Uhr Nachmittags. Durch das Fahrpersonal der Wiener Bahn ist Abschrift folgender gestern nach Ollmütz telegraphirten Depesche angelangt: General Wias an den Minister von Wessenberg in Ollmütz. Gestern (den 28. Okt.) 11 Uhr hat Feldmarschall Windisch-Grätz »on; allen Seiten angegriffen. Das Bataillon Schönhals, welches am Eingänge der Jägerzeil die erste mit 12 Kanonen besetzte Barrikade erstürmt hatte, ist aufgerieben worden. Die Barrikade wurde später von den Jägern und Grenadieren genommen. Das Militär ist bis an das Karlstheater vorgedrungen. Die Vorstädte Louiscnstraße und Franz-Allee stehen in Flammen. Die Anführer der Studenten flüchten."
Diesem fügt der „Preuß. Staatsanzeiger", der sich schon gestern als so gut unterrichtet erwies und wahrscheinlich nach offiziellen Quellen berichtet, an: Aus anderweitigen zuverlässigen Nachrichten steht übrigens so viel fest, daß die Beschießung und der Angriff der Stadt am 28. Morgens bald nach 10 Uhr begonnen hatte. Ueber die derselben vorhergegangenen letzten Ereignisse gehen uns aus der Umgegend Wiens noch solgende Nachrichten zu: Der Fürst Windisch-Grätz hatte die Bedenkzeit zweimal verlängert; die letzte Frist war am 27. Abends abgelaufen. An diesem Tage hatte fast vollständige Waffenruhe stattgefunden. Man sah zwei Feuersbrünste in der Stadt oder der unmittelbaren Nähe derselben. Der Fürst