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vereinigt seyn dürfe, und daß, wenn ein deutsches Land mit einem nicht-deutschen Lande dasselbe Staatenoberhaupt hat, das Verhältniß zwischen beiden Ländern nach den Grundsätzen der reinen Personalunion zu ordnen sey."

Aber wir würden nimmermehr so gestimmt haben, hätten wir befürchten müssen, durch unsere Abstimmung den Rechten der österreichischen Völker zu nahe zu treten. Der Italiener, der Kroate, der Ungar, der Pole, sie Alle können ja unter dem Hause Habsburg-Lothringen vereint, je nach ihrer Eigen­thümlichkeit, ihre eigene Konstitution haben. Wir handelten also im Sinne und Interesse nicht nur der Deutschen, sondern auch der Gesammtbevölkerung der österreichischen Staaten, wenn wir darein einwilligten, daß auch die deutschen Länder Oesterreichs eine eigene ganz besondere Verfassung erhalten, damit sie einerseits nicht genöthigt sind, sich von dem großen deutschen Vaterlande zu trennen, damit sie aber auch anderer­seits mit ihren nichtdeutschen Brüdern in Oesterreich in jener innigen Verbindung bleiben können, welche ihr wechselseitiges Interesse und das gemeinsame österreichische Regentenhaus noth­wendig machen.

Zwar leben in jenen Ländern, welche von Alters her zu dem deutschen Reiche gehören, gemeinschaftlich mit den deutschen auch nichtdeutsche Brüder, deren Wohl und Wehe, deren Volks­thümlichkeit und Freiheit uns eben so sehr am Herzen liegen, wie die der Deutschen selbst. Aber die deutsche Reichsver- fammhmg hat auch schon vor Monaten den Grundsatz unab­änderlich ausgesprochen,daß den nichtdeutschen Stämmen in deutschen Ländern ihre Stammeseigenthümlichkeiten, ihre Sprache und ihre Freiheit vollkommen, ebenso wie den Deutschen selbst gewährleistet und verbürgt sind." Ohnehin streben unsere nichtdeutschen Brüder in Böhmen und Mähren schon in ihren Industrie - und Handelsbeziehungen eben so wie die übrigen deutschen Provinzen Oesterreichs eine innige Vereinigung mit dem gesummten Deutschland zu erzielen und wir glauben da­her auch in ihrem allseitigen Interesse gehandelt zu haben, wenn wir uns bezüglich der deutschen Länder Oesterreichs für den deutschen Bundesstaat erklärten.

Deutschland und Oesterreich werden demnach hinfort Hand in Hand gehen. Das Vertrauen, welches Deutschland zu Oesterreich hat, bekundete sich auf eine für jeden Oesterreicher erhebende Weise durch die Wahl des Erzherzogs Johann zum deutschen Reichsverweser. Dieses Vertrauen müssen die österreichischen Staaten erwiedern und die gemeinsame Macht Deutschlands und Oesterreichs wird weltgebietend erstehen aus den'Stürmen, welche in diesem Jahre Europa erschüttern.

Frankfurt a. M., den 30. Oktober 1848.

Folgen die Unterschriften.

Wie es heißt, wird noch eine dritte Adresse von der Par­tei der sogenannten Schwarzgelben erlassen werden, damit das österreichische Volk von der Gesinnung dieser Abgeordneten ebenfalls in Kenntniß gesetzt werde.

Berlin. Der d e m o kr a t i sch e K o n g r c ß fuhr am Nach­mittage des 27. Oktober in seiner Berathung fort. Nachdem zuerst Hr. Kriege den Vorwurf, als habe er in seinem Bericht am Vormittage die Bourgeoisie dem Proletariat gegenüber zu sehr hervorgehoben, von sich abzulehnen gesucht, wird in der Berichterstattung der Kreisausschüsse fortgefahren. Westpreußen und Westphalen werden als ein für die demokratische Republik sehr fruchtbarer Boden geschildert, eben so werden die Rhein- lande, Ober- und Niederhessen, Kassel, Rheinbayern für völlig republikanisirt erklärt. Weniger freudig that man Hannovers und Braunschweigs Erwähnung. Hr. Rechenberg berichtete über die Studentenpropaganda, Hr. Corvin über Baden und die Deutschen im Elsaß , und hebt namentlich hervor, daß in Baden auch das reaktionärste Militär in kurzer Zeit für die Demokratie gewonnen werde. Ein Antrag des Hrn. Streckfuß: Der Kongreß möge sofort eine Kommission aus neun Mit­gliedern ernennen, die über die Organisation der deutschen Demokraten zu berathen und schleunigst einen Organisations­plan vorzulegen habe," wird angenommen. Auch wird be­schlossen, den Organisationsplan zu lithographiren. Nachdem die Kreisausschußberichte beendigt waren, stellt Hr. London die Frage an den Zentralausschuß, was derselbe für das Pro­letariat gethan habe, um es der demokratischen Entwickelung befreundet zu machen, worauf die Hrn. Kriege und Heramer antworten. Hr. Held stellt jedoch den Antrag, der Kongreß möge erklären, daß der Zentralausschuß seine Schuldigkeit nicht gethan habe; dagegen beantragt Hr. Ottensoffer eine entgegen­gesetzte Erklärung. Es wird hierüber die motivirte Tagesord­nung genehmigt und zwar in folgender Form angenommen: /Indem der Kongreß dem Zentralausschusse für seine bisherige

können, kann und wird eben so wenig in Abrede gestellt wer­den, als behauptet werden kann, daß der 25fache Ablosungs- betrag nicht zu hoch ist.

WaS die stattfinden sollende Erhöhung des Zinsfußes von 4 aus 5 pEt. betrifft, so wird sich, da s/4 der Ablösungs­kapitalien bereits dargeschossen sind, wohl auch noch ein Mit­tel ausfindig machen lassen, daß solche wegen des noch refti- renden nicht statt zu finden braucht.

Wir vertrauen unserer Ständeversammlung, daß sie bei nochmaliger Berathung dieses Gegenstandes diese Sache so reguliren wird, daß alle Betheiligten zufrieden gestellt werden.

K Frankfurt, 1. Novbr. Die konstituirende Versammlung für Frankfurt, welche fast ausschließlich aus den von dem Deutschen Verein und Montagskränzchen vorgeschlagcncn Mit­gliedern besteht, wird nächsten Montag ihre Sitzungen eröffnen, um das Verfassungswerk zn beginnen.

K Frankfurt, 1. Novbr. In unserem Bericht vom 30. v. M. theilten wir eine Ansprache an das Volk in Oesterreich mit, die nur von einem Theil der Abgeordneten jenes Landes ausgegangen ist; heute zirkulirt eine gleiche Adresse von einem andern Theile der Deputirten Oesterreichs, welche folgender­maßen lautet:

Ansprache an das Volk in Oesterreich!

Mehr als fünf Monate berathen die Vertreter des deut­schen Volkes in der alten Reichsstadt Frankfurt am Main. Vor wenigen Tagen gingen sie an die Vollbringung ihrer Hauptaufgabe, an die Schöpfung einer neuen deutschen Reichsverfassung, durch welche an die Stelle des aufge­lösten deutschen Fürstenbundes die innige Vereinigung aller deutschen Bruderstämme treten und so endlich die untrennbare Einheit und festgegründete Freiheit des ganzen deutschen Volkes zu verjüngtem, herrlichen Leben erblühen wird.

Wir, die Abgeordneten aus deutschen Ländern Oesterreichs, die seit mehr als einem Jahrtausend zu dem großen deutschen Vaterlande gehörten, die mit ihm unter denselben Fürsten leb­ten; wir, die Vertreter deutscher Stämme, welche durch Sitte, Gewohnheit, Sprache, Bildung und durch die Geschichte sich als ein Theil des großen deutschen Volkes wissen und fühlen; wir konnten jetzt, wo es sich um die Frage handelte, ob die deutschen Länder und die deutschen Stämme Oesterreichs fortan zu dem nun erstehenden deutschen Vaterlands gehören sollen, um die Antwort nicht verlegen seyn:Wir sind Deutsche!" mußten wir uns sagen, wir müssen einen Theil des großen deutschen Vaterlandes bilden. Wir sind nicht weniger deutsch, als die Bayern, die Preußen, die Schwaben; wir konnten uns nicht von dem neu zu gründenden deutschen Reiche ausschließen, ohne das Werk der Freiheit und Einheit des ganzen deutschen Volkes, zu dessen Gründung wir durch das Vertrauen des Volks berufen sind , zu vereiteln und unmöglich zu machen. Und so stimmten wir denn dafür, daß die sieben Millionen Deutsche in Oesterreich und daß diejenigen Länder Oesterreichs, welche schon von den ältesten Zeiten her zu Deutschland ge­hörten, auch in alle Zukunft ebenso zu Deutschland gehören sollen, wie die übrigen deutschen Stämme und Länder.

Aber wir mußten um so mehr in dieser Weise stimmen, als uns so eben aus unserer Heimath die Kunde ward, daß unsere deutschen Brüder und die deutsche Freiheit unseres österreichischen Vaterlandes durch eine bevorstehende Soldaten- hcrrschaft arg bedrängt werden. Wir mußten daher dafür be­sorgt seyn, daß durch den innigsten Anschluß unseres österrei­chisch-deutschen Vaterlandes an das gestimmte deutsche Reich unsere deutsche Volksthümlichkeit und unsere Freiheit eben so gewahrt und gesichert bleibe, wie bei dem übrigen deutschen Volke.

Wir wollen nicht über andere Völker herrschen; aber wir wollen auch nicht, daß der deutsche Oesterrcicher von andern Völkern beherrscht werde. Wir wollen, daß der Slave, der Ungar, der Italiener und der Deutsche in Oesterreich gleich frei seyen unter dem Schutze ihres Regentenhauses. So wie wir daher dafür gestimmt haben, daß die deutschen Stämme und Länder in Oesterreich hinfort für sich ein untrennbarer Theil des ganzen deutschen Volkes und Landes seyn sollen, so mögen auch die Slaven, die Ungarn, die Italiener, welche un­ter dem gemeinschaftlichen österreichischen Szepter leben, von uns Deutschen unabhängig und frei seyn, und nur der Kaiser soll über uns Allen als der Wächter und Beschützer unserer Frei­heit thronen. So haben wir gestimmt und so glauben wir auch zur Herstellung der Ruhe und Ordnung in unserem Vater- lande ein gewichtiges Wort gesprochen zu haben, indem wir unsere Einwilligung dazu gaben,daß kein Theil des deutschen Reiches mit mcht-deutschen Ländern zu einem deutschen Staate i