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maßregeln; es erfüllt mich mit Schmerz, gegen die Hauptstadt der Monarchie feindlich auftreten zu müssen; doch ich frage nochmals die rechtlich gesinnten Bewohner derselben: ist Ver­mittlung in der mir angetragenen Form unter solchen Voraus­setzungen möglich? Hauptquartier Hetzendorf, den 25. Oktbr. 1848. (gez.) Fürst zu Windisch-Grâtz.

In Bezug auf den Zustand der Hauptstadt am 24. Okt. bemerkt dasJournal des Oesterreichischen Lloyd":Die Lage Wiens in Bezug auf die Verpflegung gestaltet sich immer schwieriger. Milch gehört bereits zu den gesuchtesten Artikeln. Es hält schwer, ein schlechtes Glas Milch gegen theuere Be­zahlung zu erhaschen, und nur Protektion vermag sie zu ver­schaffen. Wir glaubten, die Zeit der Protektion sey vorüber, nun herrscht sie bei den Milchständen. Nicht lange, und es dürfte mit dem Fleische nicht anders ergehen. Mit Mehl und Brod ist es noch leidlich. Die Schmalz- und Eierpreise haben schon bedeutend aufgeschlagen. Die ängstliche Sorge um Per­son und Eigenthum steigert sich von Tag zu Tag, und man sieht Bewohner mit Kindern und mit ihrer besten Habe angst­voll von Ort zu Ort irren, um solche in Sicherheit zu brin­gen. In den Vorstädten, welche mit ihrem Wasserbedarf aus die städtische Wasserleitung angewiesen sind, macht sich die Be­sorgniß einer Wassernoth geltend, da durch die gestrigen Kon­flikte zwischen der mobilen Garde und dem kaiserlichen Mili­tär nächst der Nußdorferlinie die Wasserleitungsmaschine in Nußdorf Beschädigungen erlitten haben soll. Wie man erzählt, hätte sich eine Abtheilung der mobilen Garde in das dortige Wasserleitungsgebäude geworfen und von da aus mit dem Militär Schüsse gewechselt. Was hieran Wahres sey, werden wohl die osfijiellen Berichte des Nationalgarde-Oberkommandos melden. Die von Tag zu Tag eintretenden Ereignisse machen das Bedürfniß einer friedlichen Lösung des jetzigen unerträgli­chen Zustandes immer wünschenswerther und dringlicher."

In dem lithographirten Tagesbericht des Berliner Cor- respondenzbureaus vom 29. Oktober heißt es:Bei Herrn Arago (dem Gesandten der französischen Republik) soll soeben die, Nachricht eingetrossen sein, daß Fürst Windisch-Grätz in Wien eingerückt sey." So wenig unwahrscheinlich diese Nachricht auch sein mag, so muß doch deren Bestätigung abgewartet werden.

Der wichtigste Gegenstand, der in der Abendsitzung des konstiturr enden Reichstags vom 25. Oktbr. zur Sprache kant, war die Debatte über das Manifest des Kaisers cl. ck. Ollmütz, 22. Okt., welches den Reichstag bis zum 15. Novbr. vertagt, und von da ab nach Kremsier verlegt. Nachdem Schuselka im Namen des permanenten Ausschusses die Bedeutung und die Konstitutionswidrigkeit einer solchen Vertagung und Versetzung des Reichstags ause'nandergesetzt, nachdem er darauf hinge­wiesen hatte, daß die RealisirUng einer solchen von übelwol­lenden Räthen dem Kaiser vorgeschlagenen Maßregel nicht nur Wien, sondern die ganze Monarchie zu Grunde richten, das politische, soziale und geistige Leben der Völker stören müßte: trug er den Antrag des permanenten Ausschusses vor, der da­hin geht, eine Adresse an den Kaiser zu richten, in welcher derselbe eines Bessern belehrt und zur Zurücknahme des be­zeichneten Erlasses veranlaßt werden soll. Der von Umlauft verfaßte Entwurf dieser Adresse diente der Berathung des per­manenten Ausschusses zur Grundlage und wurde dem Hause in der vom Ausschusse beantragten Form durch den Abgeord­neten Umlauft unter wiederholten Beifallsbezeigungen verlesen. Borrosch unterstützt den Antrag, indem er darauf hinweist, daß der Reichstag als konstituirender, autonomer Körper sich we­der vertagen, noch verlegen lassen kann und darf. Er deutet auf die Konsequenz einer solchen Vertagung oder Verlegung hin, demgemäß der Reichstag im Schlepptau der Hofpartei von einem Ort zum andern zu wandern genöthigt werden könnte. Zum Schlüsse fordert er, der Reichstag möge nun durch die That den Dank beweisen, den Wien verdient durch die Erringung der Freiheit für die Völker Oesterreichs. Nach­dem noch andere Redner über diesen Gegenstand gesprochen haben, wird der Antrag des Ausschusses zur Abstimmung ge­bracht, und die Adresse in der vorgeschlagenen Fassung mit wenigen Abänderungen in Anwesenheit von 192 Mitgliedern angenommen. Zum Schlüsse der Sitzung werden die Abgeord­neten Pillersdorf, Potocky, Fischer und Prato mit der Ueber- bringung der Adresse beauftragt. Auf Potocky's Antrag wird dieselbe auch dem Fürsten Windisch-Grätz mitgetheilt, mit der Aufforderung zur Einstellung der Feindseligkeiten bis zur Rück­kehr der Deputation.

Ita Ü e it. ~ -

Von der italienischen Grenze, 24. Okt. (M. I.) Wäh­rend in Piemont und der Lombardei das Kriegsgeschrei lauter denn je sich vernehmen läßt, wird heute aus ziemlich verlässi­ger Quelle gemeldet, daß ein neuer mehrmonatlicher Waffen­stillstand durch Vermittlung Englands und Frankreichs zu Stande gekommen sey.

Mailand, 22. Okt. (A. Z.) Außer einem Tagesbefehl, durch welchen das Heer vor falschen Nachrichten gewarnt wird, hat der Feldmarschall soeben Sr. Maj. dem Kaiser eine Er, gebenheitsadresse im Namen der italienischen Armee übersendet. Sie lautet: Majestät! Mit Entrüstung hat die Armee in Jta« liess die Ereignisse von Wien vernommen! Tiefer Schmerz er­griff die wackeren Männer derselben; Soldaten der österreichi­schen Armee haben ihre Pflicht vergessen, ein tapferer General früherer Zeiten wurde vor den Augen der ihn beschützen sollen­den Wache feige gemordet, sein Leichnam geschändet! Länder und Völker haben die unerschütterliche Anhänglichkeit und Treue Eu­rer Majestät kundgegeben sie schaaren sich um ihren Kaiser, der wie sie Oesterreich unb' seine Freiheit liebt! Die Armee von Italien, begeistert im Hinblick auf jene Güter, hat siegreich die Angriffe eines frechen Feindes zurückgewiesen, und steht zu fer­nerem Kampfe bereit eine starke Schutzwehr an der Gränze des Reiches. Nicht Zwietracht, nicht Haß und Zerstreuung herrscht in ihren Reihen: Der Gedanke an Kaiser und Vaterland beseelt die Glieder dieser großen Familie, einem Zeichen nur, dem alten Aare Oesterreichs, dem Zeichen so vieler herrlicher Thaten, folgen sie im Kampfe, folgen sie zum Siege. Im edlen Wetteifer in Treue und Aufopferung für den gütigsten Monarchen, werden unsere Brüder dem Beispiele der Armee von Italien folgen ~ und Oesterreich und seine Freiheit wer­den glänzend aus diesem Kampfe hervorgehen. Geruhen Eure Majestät Diese Gesinnungen der Armee von Italien, welcheich, als deren Organ, alter Führer und ältester Genosse ausspre­chen mußte huldvollst den täglichen Beweisen von Treue und Ergebenheit der Völker aller Länder des Reiches an» zureihen: Radetzky, Feldmarschall.

M o r d a m e r i k a.

Neuyork, 6. Oktober. (O.-P.-A.-Z.) Wie ich scholl vor einigen Tagen meldete: Hecker ist hier. Er wurde in fest­licher Weise empfangen und hielt fast einen Triumphzug durch unsere Hauptstraßen bis zum Stadthause. Die hiesigen Deut­schen ließen ihn durch zwei oder drei Redner bewillkommnen und belohnten seine Antworten mit stürmischem Beifall. Hecker wird nicht lange hier verweilen, sondern sich bald nach St. Louis begehet!, üm Besitz zu nehmen 'von der in der Nähe dieser Stadt für ihn angekauften Farm.

477] Den zahlreichen Freunden meines Sohnes Gustav Dresel, nass. Konsul in Galveston (Teras), mache ich diè schmerzliche Anzeige, daß derselbe am 15. Sept. d. I. auf der Reise nach Neubraunfels, umgeben von herbeigeeilten treuen Freunden auf Movris Farm, 15 englische Meilen von Gonzales, in Folge eines hitzigen Gallenfiebers im 31. Lebensjahre ge­storben ist.

Geisenheim, den 3!. Oktober 1848.

J. D. Dresel, Vater.

478] Ein Klavier ist zu verkaufen Marktstraße Nro. 42 eine Stiege hoch.

4741 Efsigfabrik.

Untere Webergasse Nro. 40 habe ich eine Efsigfabrik angelegt, liefere sehr reinen und guten Essig, sowohl ordinären als auch Weinessig und bitte um recht zahlreichen Zuspruch-

Zugleich erlaube ich mir die Anzeige, daß ich gesonnen bin, mein frequentes und gut gelegenes Spezereigeschässs Taunusstraße Nro. 29, unter vortheilhaften Bedingungen zu verkaufen.

Wiesbaden, den 28. Oktober 1848.

Jacob Seyberth

Verantwortlicher Nedakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.