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träge abhängig zu machen, endlich jedenfalls vor Aufhebung der Spielbanken den Betheiligten volle Entschädigung aus der Reichskasse zu gewähren."

K Frankfurt, 30. Oktober. In der nächsten Woche er­wartet man, bei Gelegenheit der Diskussion des Eisenstuck'schen Antrags auf provisorische Schutzmaßregeln für die Manufaktur- waarenindustrie den ersten Zusammenstoß der handels­politischen Parteien. Im volkswirthschaftlichen Aus­schuß haben die Anhänger des Schutzzollsystems bei weitem das Uebergewicht. In Betreff der Parteivertheilung in der Natio­nalversammlung läßt sich noch durchaus kein Urtheil fällen. Die Anhänger eer Handelsfreiheit und des reinen Finanzzoll­systems sind in der Organisation ihrer Partei sehr thätig ge­wesen, doch auf keiner Seite weiß man irgendwie auch nur annähernde Zahlen anzugeben.

Die Stände des Großherzogthums Hessen, welche am 7. August vertagt wurden, sind zum 20. d. k. wieder zusammen­berufen, und zwar wegen verfassungsmäßiger Nothwendigkeit, da die Finanzperiode des Großherzogthums mit dem 31. Dez. schließt. Bei einem Theile der zusammentretenden Abgeordneten ist die Idee entstanden, in diesem Landtage Vorschläge zur Vorbereitung einer konstituirenden Versammlung zu machen. Es soll ein zweiter Gedanke damit Hand in Hand gehn, näm­lich der einer Annäherung der beiden Hessen und Nassau's zur einheitlichen legislatorischen Organisation.

Frankfurt, 31. Oktober. Die Wiener Post vom 26. ist gestern und die vom 27. d. heute nicht hier eingetroffen, was jedenfalls darauf schließen läßt, daß die Lage Wiens und die Ereignisse daselbst einen sehr ernsten Charakter angenommen haben.

0 Heidelberg, 30. Okt. Unsere Universität wird binnen Kurzem um eine ihrer bedeutendsten Berühmtheiten ärmer wer­den. Der durch seine ausgezeichneten Schriften in der theo­logischen Welt wohlbekannten Kirchenrath Dr. Rothe, Direk­tor des hiesigen theologischen Seminars, hat nämlich einen Ruf als Professor der Theologie nach Bonn erhalten und an­genommen. Zugleich ist er zum Konsistorialrath mit einem Gehalt von 1900 Thalern ernannt worden.

Rothe ist ein als Mensch und Bürger durchaus makellos dastehender Mann, bei seinen Schülern außerordentlich beliebt durch seine ausgezeichneten Vorträge, die die Herzen aller Hö­rer zwingen, welches ja nach Göthe die einzig, wahre Tugend eines Theologen seyn soll. Wie man hört, sollen Intriguen ihm^ineHtclluna verleidet haben, welches nichts weniger als unwahrscheinlich ist, zumal da er schon vor einem Jahre nur mit Mühe von seinen Zuhörern zurückgehalten wurde, einem Rufe nach Breslau zu folgen.

Gegenwärtig liegt hier das 1. Bataillon des 2. nassaui­schen Regiments in Quartier. Die Soldaten stehen mit den Einwohnern auf dem besten Fuße; ihr Betragen ist im Allge­meinen recht leidlich, nur hört man bisweilen' Klagen vonden Bürgern über ihr langes Ausbleiben des Abends. Unter den Truppen selbst herrscht eine ziemlich starke Unzufriedenheit über il>r angebliches nutzloses Hierseyn. Der Geist der Widersetz­lichkeit und des Widerstrebens gegen die Anordnungen der Zentralgewalt scheint mir auch noch lange nicht aus ihnen fahren zu wollen.

Berlin, 26. Okt. (D. A. Z.) Wenn es auch nur ein irriges Gerücht war, daß die Regierung gegen den hier ver­sammelten demokratischen Zentralkongreß einschreiten würde, haben wir doch allen Grund, anzunehmen, daß die Re­gierung ein Eingreifen des Kongresses in die Befugnisse der gesetzlichen Gewalten Deutschlands, namentlich die Konstitui- rung einer Art revolutionären Vorparlaments, mit aller Kraft zurückweisen würde. Es sollen darüber Unterhandlungen mit Frankfurt gepflogen worden seyn, und wie uns versichert wird, hätte Preußen den Auftrag erhalten, im Interesse der Ruhe und der gesetzlichen Entwickelung des Vaterlandes solchem Be­ginnen sofort entgegenzutreten. Der Zentralkongreß hat nach einer gestrigen Vorversammlung heute seine eigentlichen Bera­thungen, und zwar in einer geheimen Sitzung, begonnen. Es sollen auch öffentliche Sitzungen gehalten werden, zu denen bereits Einlaßkarten an Zeitungsredaktionen und Privatperso- uen ohne Unterschied des politischen Bekenntnisses ausgegeben W. Bis jetzt sind gegen 200 Abgeordnete angelangt. Von ^biesen kamen gestern Abend ungefähr 60 mit dem Zuge der Magdeburger Eisenbahn, zum großen Theile Rheinländer und Westfalen.

Zukunft zu verspielen."

Das von den Reichskommissären an das Reichstagspräsi- dium gerichtete Schreiben lautet vollständig: An ein hohes Präsidium der Reichsversammlung zu Wien. Ein hohes Präsi­dium wird unsere durch Estaffette abgegangene Zuschrift und Sendung vom 19. d. Mts. aus Passau erhalten haben. Nach, dem wir seither in Linz und auf der Reise hieher durch Mit­theilungen der Behörden und notabler Einwohner die Sage der Dinge zu Olmütz usb Wien näher erfahren, haben wir den Entschluß gefaßt, von hieraus zunächst direkt zu Sr. M. dem Kaiser nach Olmütz uns zu begeben. Wir hoffen von dort recht bald als Boten deS Friedens und der Versöhnung , . , ... ......... ... .... ....... ..... nach Wien zu kommen. Unser dringendes Ersuchen, unsere

l>on vom 20. b. Mts. verkündeten Belagerungszustandes und j Aufforderung im Namen des Reichsverwesers an alle Parteien,

Wien. Proklamation des Fürsten Windisch Hrâtz: Im Verfolge des von mir in meiner ersten Proklama-

Standrechtes für die Stadt Wien, die Vorstädte und nächste Umgebung habe ich befunden, als fernere Bedingungen zu stellen: 1) Die Stadt Wien, die Vorstädte und die nächsten Umgebungen haben 48 Stunden nach Erhalt dieser Proklama­tion ihre Unterwerfung auszusprechen und legions- oder kom­pagnieweise die Waffen an einem zu bestimmenden Orte an eine Kommission abzuliefern, sowie alle nicht in der National­garde eingereihten Individuen zu entwaffnen, mit Bezeichnung der Waffen, welche Privateigenthum sind. 2) Alle bewaffneten Korps und die Studentenlegion werden aufgelöst die Aula gesperrt, die Vorsteher der akademischen Legion und 12 Stu­denten als Geiseln gestellt. 3) Mehrere von mir noch zu be­stimmende Individuen sind auszuliefern. 4) Auf die Dauer des Belagerungszustandes sind alle Zeitungsblätter zu suspen- diren, mit Ausnahme der Wiener Zeitung, welche sich blos auf offizielle Mittheilungen zu beschränken hat. 5) Alle Aus­länder in der Residenz sind mit legalen Nachweisungen der Ursache ihres Aufenthaltes namhaft zu machen, die paßlosen zur allsogleichen Ausweisung anzuzeigen. 6) Alle Klubbs bleiben während des Belagerungszustandes ausgehoben und geschlossen. 7) Ein jeder der sich a) obigen Maßregeln ent­weder durch eigene That oder durch aufwieglerische Versuche bei andern widersetzt; wer h) des Aufruhrs oder der Theil­nahme an demselben überwiesen oder c) mit Waffen in der Hand ergriffen wird, verfällt der standrechtlichen Behandlung. Die Erfüllung dieser Bedingungen hat 48 Stunden nach Ver­öffentlichung dieser Proklamation einzutreten, widrigenfalls ich mich gezwungen sehen werde, die allerenergischsten Maßregeln zu ergreifen, um die Stadt zur Unterwerfung zu zwingen. Hauptquartier Hetzendorf am 23. Okt. 1848. Fürst zu Win- dischgratz, Feldmarschall.

So erfahren wir denn endlich (sagt die Ostdeutsche Post), was Fürst Windisch-Grätz, besser was Hr. Wessenberg und was der Kaiser von der Stadt Wien verlangt! Es ist uner­hört! Selbst die Proklamation vom 16. ließ solche Bedingun­gen nicht erwarten. Wenn man nicht annehmen will, daß die Armee wie ein feilschender Kaufmann 100 Prozent fordert, um desto sicherer 2 Prozent zu erlangen, so muß man glauben, daß sie, von blinder Rachsucht getrieben, mit Gewalt einen Kampf auf Tob und Leben hervorrufen, daß sie Wien um jeden Preis vernichten will; denn unmöglich kann man draußen denken, daß ehrenhafte deutsche Bürger sich dazu hergeben werden, eine beliebige Anzahlnäher zu bezeichnender Individuen" aus- zuliefern. Wir haben mit Empörung die magyarische Zu- muthung, einen politischen Gefangenen auszuliefern, zurückge­wiesen, und jetzt will man uns zumuthen, Landsleute aus un­serer Mitte einer gereizten Soldateska preiszugeben. Es ist ein furchtbarer Hohn, der mit dem kaiserlichen Worte getrieben wird. Der Kaiser verspricht die Aufrechthaltungder Errun­genschaften" und das erste Wort seines alter ego hebt nicht nur alle Errungenschaften auf, sondern will uns in einen Zu­stand zurückwerfen, gegen den die Metternich'sche Zeit eine Pe­riode goldener Freiheit war. Nicht die Preßfreiheit will der Fürst aufheben, sondern die Presse ganz und gar. Und welchen Be­griff haben die soldatischen Politiker von der Wirksamkeit eines Reichstages.Ungestörte freie Berathung" ivid der Kaiser dem Reichstag sichern. Eine Berathung ohne die anregende Kritik der Presse! Eben so gut könnte man die Opposition aus dem Reichstag jagen, um die Diskussionungestörter und freier" zu machen. Ehe uns Kampf oder Niederlage die Feder aus der Hand reißt, können wir uns nicht enthalten, noch ein­mal den Machthabern zuzurufen: Die Ertreme, zu denen ein Theil des Volkes sich durch die Leidenschaft des Augenblicks hinreißen läßt, sind nicht so unverzeihlich und nicht so folgen­schwer als die Ertreme jener Macht, die über den Parteien und ihren Leidenschaften stehen, die nicht vom Augenblicke ab- hângen und sich hüten sollten, um eines momentaneren Tri­umphes willen, welcher immer noch zweifelhaft ist, die ganze