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I Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 198» Mittwoch den I Novembev L8L8.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt Erscheint täglich. Der vierteljährige Prânumerationspreis ist in Wiesbaden S fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Grvßherzogthums'und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Zur österreichisch-deutschen Frage.

Oer Demokraten-Konvent zu Berli».

Deutschland. Wiesbaden (Der Verein für Freiheit, Gesetz u. Ord­nung. Petition wegen des Spiels). Frankfurt (Die handelspoli­tischen Parteien im Parlament. Hessen und Nassau). Heidelberg (Professor Rothe. Die nassauischen Truppen). Berlin (Der Demo- kraten-Kongreß). Wien (Die Proklamation des Fürsten Windisch- Grätz und Urtheile darüber. Proklamation der Reichskommissäre. Er­neuerung des Kampfes).

Zur deutsch-österreichischen Frage. *

§ Frankfurt, 30. Okt. Die österreichischen Abgeordneten, welche für die Beschränkung aus Personalunion gestimmt ha­ben, haben zur Rechtfertigung ihres Schrittes eine Proklama­tion an.das österreichische Volk aufgesetzt, und dieselbe gestern schon abgeschickt. Da sie unzweifelhaft ein wichtiges Aktenstück in der Geschichte der Gegenwart bilden wird, geben wir sie unverkürzt wieder. Sie lautet:

Oesterreicher!

Brudergruß von den deutschgesinnten Männern Eurer Wahl zu Frankfurt. Ihr habt uns nach Frankfurt gesandt, um mit den andern Männern aus Deutschlands Gauen zu schaffen das Werk neuer Größe und Freiheit von Deutschland! Ihr habt uns gesandt, daß wir zusammen fügen auf ewige Zeiten die Stämme von Deutschland, die die Fürsten getrennt, in einen Bund der Völker.. Ihr habt uns gesandt, die Freiheit zu gründen, die die Fürsten versagt, die dem Volke gebührt.

Wir haben gefühlt und erkannt, was das deutsche Volk bedarf, wir haben ihm Rechnung getragen, frei von allem äu­ßeren Einfluß, wir haben erkannt und gefühlt, daß wir Alle jusammengehören zum großen deutschen Volke, das berufen ist, iu seyn eins der mächtigsten der Erde.

Darum haben wir jetzt in Frankfurt erklärt, daß alle deutschen Lande Oesterreichs, dessen Prinzen Johann das deutsche Reich jüngst zum Reichsverweser sich erwählt, wie chebevor zum deutschen Reiche gehören; wir haben erklärt, daß die Freiheit deutscher Männer im Herzen von Deutschland auch werden müsse die gleiche Freiheit an den Gränzen von Deutschland, wie sie das Volk allein sich gegeben, wie sie sich tot auf den Willen und die Kraft von fünf und vierzig Millionen.

Wir haben darum erklärt, daß deutsches Wesen und deut­le Freiheit auf deutschem Boden unabhängig bleiben muß dvn fremdem Übergewichte, daß nur jenes Recht und Gesetz deutschen Oesterreich seyn darf, was seine Männer als fol# erkennen und erklären, und wir sagen, so wie der Deut­sche keine andere Nation beherrschen will, so muß er auch frei

»on aller Uebermacht anderer Nationen, und . wie der Deutsche Niemandes Freiheit bedroht, so müssen auch sie, alle- ummt, Einer für Alle und Alle für Einen einstehen mit star­ker Hand zum Schutze ihrer gemeinsamen Freiheit.

Darum haben wir erklärt, daß die deutschen Lande

Oesterreich fortan vereinigt mit den nicht- eutschen unter unserem Kaiser, doch ihr eigenes ^cht und Gesetz, ihre eigene Verfassung und Verwaltung ha­

ben sollen, ein gleiches den nichtdeutschen Ländern wünschend und gönnend.

Wir haben es erklärt, in der tiefen Ueberzeugung, daß hierdurch allein der Weg gebahnt wird, auf dem alle Stämme Oesterreichs ohne Eifersucht brüderlich neben einander gehen können, unter dem Schutze desselben konstitutionellen Kaisers und Königs, daß hierdurch allein das lose gewordene Band um die Stämme in Oesterreich sich wieder fest schlingt in der Hand des Monarchen, daß hierdurch zur That werde die Gleichberechtigung aller Stämme vom Kaiser und den Reichstagen zu Wien und Frankfurt ebenso in Deutschland, wie im übrigen Oesterreich erkannt und unwiderruflich erklärt.

Wir haben es erklärt, in der tiefen Ueberzeugung, daß darin allein der wahre Schutz gegeben sey gegen den Kampf des Bürgers mit dem Bürger, daß darin allein wahre Bürg­schaft liege für die Wiederkehr der Ordnung, für den Frieden, für den Fortschritt und den Wohlstand in unserem schönen Oesterreich, daß darin allein liege der bleibende Schirm für die Freiheit des Einzelnen, für die Freiheit des Stammes ge­gen Verkümmerung oder Bedrohung durch alte Willkührherr- schaft oder Stammesunterjochung!

Wir thun Euch dies offen kund, Ihr Männer, daß Ihr wahrhaft wißt, was wir gewollt und immer wollen die Freiheit deS Mannes, die Freiheit aller Stämme, die Größe, die Macht des Vaterlandes.

Folgen die Unterschriften.

* Der Demokrateu-Konvent zu Berlin.

f1 Die Verhandlungen des Berliner Demokraten-Konvents, der das deutsche Parlament stürzen will, beginnen sehr interessant zu werden, und wir glauben der konstitutionellen Sache keinen besseren Dienst erweisen zu können, als indem wir diese Ver­handlungen recht ausführlich mittheilen.

Man muß nämlich den Konventsmitgliedern das Zeugniß geben, daß sie sehr offenherzig reden und uns ihre Pläne mit großer Naivität enthüllen. Es läßt sich z. B. der Beweis, baß die ultrademokratischen Tendenzen trotz allem Geschrei beim Volke keinen Anklang gefunden haben, nicht schlagender führen als durch den einfachen Abdruck der unten folgenden Verhand­lungen. Namentlich ist es lehrreich, daraus zu entnehmen, daß die Demokratie schlechterdings kein Geld zusammenbrin­gen kann.- Dies erklärt sich leicht. Erst suchte man die Leute dadurch zu ködern, daß man ihnen die bekannten silbernen Knöpfe verhieß, und nun kommt man und verlangt, daß sie s e l b e r die silbernen Knöpfe geben sollen! So wird ein System, welches dem Eigennutz einen Lockvogel hinhing, durch diesen Eigennutz selbst wieder zu Schanden. Das ist der Humor der Weltgeschichte!

Hören wir also die Erzählung von der zweiten Sitzung des Berliner Konvents.

Hr. Kriege erstattete nunmehr, nachdem die Konstituirung bewirkt war, Nameffs des hiesigen Zentralausschusses der De­mokraten Deutschlands Bericht über dessen bisherige Wirksam­keit. Wir entnehmen dem sehr ausführlichen Vortrage Folgen­des: Der Ausschuß habe sich an die bekannte Frankfurter Er­klärung an das deutsche Volk gehalten, wonach er eine demo­kratische, soziale Republik erstrebe. Er habe sich hier­bei auf ein ideales Proletariat stützen wollen, sich aber