Beib èü tter
zur Nassauischen Allgemeinen Leitung
für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.
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Dienstag den 31. Oktober
1848.
k A Cin Geheimnis.
(Fortsetzung und Schluß.)
Das kleine Haus der Rosen hatte ein ganz anderes Aus- - «hm bekommen. Ueberall herrschte Geräusch und,Lärm. Das : shal von Marmoutier war in ein ungeheures Lager verwan- 1 est, und die Marquise von Montaran hatte den Opfern der Schlacht, Freund und Feind, ihre Hülfe und ihre bescheidene : Wohnung angeboten.
' Jene Frauen, oder vielmehr jene Engel/ denen man über- ' iK begegnet, wo man leidet, überall, wo cs Unglück zu liniern gibt, jene heiligen Engel Gottes, treue Pflegerinnen an jedem Schmerzenslager, jene guten Nonnen, deren thätiges
! Nitleib den Himmel anfleht, weniger mit ihren Lippen als I nü ihren Werken, waren in diese von Krieg und Mord ver- mstete Ebene aus ihrem Kloster bei Saverne geeilt, und seihten den Verwundeten ihre zärtlichste Sorgfalt und Hülfe.
Mehrere von ihnen waren von der Oberin zur Dienst- eistung in dem Hause der Rosen bestimmt, das zum Lazareth imgewandelt war, dessen kleiner Raum jedoch nur eine sehr geringe Anzahl Verwundeter aufzunehmen gestattete.
Ein ziemlich großer Saal nahm sie alle auf, außer einem höher» Offiziere, den man in das Zimmer des Erdgeschosses gelegt hatte, die übrige Wohnung war von ihren gewöhnlichen Gästen eingenommen.
Die Marquise v. Montaran hatte allein den traurigen Zug empfangen, der den verwundeten Unglücklichen in ihr Haus brachte.
Blanche, deren leidender Zustand noch durch alle diese Schrecken verdoppelt war, verließ ihr Zimmer nicht; und der Ritter war auf das Schlachtfeld zu seinen Landsleuten geeilt, um ihnen seine Dienste anzubieten, und allen zu helfen, denen »och zu helfen war.
Die Nacht war gekommen; ruhig, rein, sternenhell warf je ihren Trauermantel auf den großen von den Kanonen an- gerichteten Leichenhügel.
Man hörte in der Ebene nur noch den Ruf der Schild- Fachen und die Klagen der Sterbenden.
Die Marquise, neben dem Bette ihrer Tochter sitzend, sprach ihr von dem armen jungen Manne, den sie ausgenommen hatte, und der vielleicht in der Morgenröthe seines Lebens sterben mußte.
Er war schwer verwundet, und das brennende Fieber, das er empfand, erlaubte dem Arzte nicht, sich über seinen Zustand auszusprechen.
„Ist er Franzose?" fragte Blanche.
„Nein, erwiederte die Marquise, es ist einer der Anführer der russischen Armee."
Bei diesem Worte ergriff die junge Frau die Hand ihrer Mutter.
„Ach, pflege ihn gut! sagte sie, pflege ihn und denke an ihn, oder vielmehr an mich!"
Die Marquise versprach es ihr, und entfernte sich. Blanche schlief nicht. Seitdem sie einen Landsmann Odoarts in ihrer Nähe wußte, wallte ihr Blut in den Adern, ihre Nerven waren fieberhaft aufgeregt, ihr Herz schlug krampfhaft, und durch bie Heftigkeit dieser Aufregungen erschöpft, fiel sie endlich in einen leisen Schlaf.
Plötzlich ward ihr Schlummer durch einen ungewöhnlichen Umstand unterbrochen. Sie hatte geglaubt, ihr Name werde wiederholt von einer Stimme gerufen, deren Klang tief ihrer Seele eingeprägt war.
Sich von einem Traume getäuscht glaubend, schloß sie die Augen, um sich dem Schlummer wieder zu überlassen und von Neuem die geliebte Stimme zu vernehmen.
Aber dies Mal konnte sie sich überzeugen, daß sie sich- nicht täuschte.
Eö war ihr Name, den man aussprach ... es war seine Stimme, die ihn rief! . . . ,
Zitternd, mit zurückgehaltenem Athem auf das geringste Geräusch lauschend, vernahm sie, daß die Worte aus einem Nebenzimmer zu ihr gelangten.
Neben dem Zimmer, das sie inne hatte, befand sich dasjenige, worin der Verwundete lag.
Bei diesem Gedanken ergriff eine Art Delirium ihr ganzes Wesen... sie stürzte sich auS ihrem Bette, umhüllte sich kaum