Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^N 197» Dienstag den L1 Oktober L8â8.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden T fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Ä fl. 30 ft., in ven übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Berwaltungsgebietes S fl. 40 fr.Jnsera te werden die dreispaltige Pelitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Ole bisherige Thätigkeit der provisorischen Zcntralgewalt. Oie Lage der Donaufürstenthürmer.

Deutschland. Vom Füße des Westerwalds (Die kirchliche Einigung des protestantischen Deutschlands). Hadamar (Fischraub bei Mengers­kirchen). Dillenburg (Zur deutschen Flotte). Mainz (Der de­mokratische Kongreß in Berlin. Dr. Zitz und Bamberger). Stutt­gart (Die inneren politischen Verhältnisse Würtembergs). Kronach (Die Festung in Vertheidignngszustand gesetzt). Berlin Die Minister- krisis. Auflauf. Wrangel. Blum. Die Furcht von Gewaltstreichen der Reaktion). Wien (R. Blum's Entdeckungen. Protestatio» des Ge­meinderaths von Windisch-Grätz. Hoffnung auf Vermittelung. Friedliche Nachrichten).

Die bisherige Thätigkeit der provisorischen Zentralgewalt.

(Schluß.)

Das Justizministerium, dem Manche anfänglich gar keine Thätigkeit vorbehalten glaubten, hat deren reichlich ge- funden. Die vier Nummern des Reichsgesetzblattes geben da­von Zeugniß. Von ihm geschahen die Vorlagen an die Natio­nalversammlung wegen Verkündigung und Rechtsgültigkeit der Reichsgesetze und wegen des Schutzes der Nationalversamm­lung. Dieses Letztere wird die Vertreter des deutschen Volkes vor der Wiederkehr verbrecherischer Angriffe schützen und ihnen somit möglich machen, die Berathung der deutschen Verfassung zu vollenden. Eine allgemeine Handelsgesetzgebung ist vor­bereitet, sowie ein Gesetzentwurf, bezweckend die praktische Durchführung des bei der ersten Berathung der Grundrechte angenommenen Grundsatzes, daß alle von deutschen Gerichten erlassenen Urtheile in allen Einzelstaaten vollstreckbar seyn sollen. Auch die endliche Einführung der schon längst in Leipzig berathenen Wechselordnung würde, ohne den Wider­spruch des Ausschusses für Gesetzgebung, den die Nationalver­sammlung niedergesetzt, gefördert worden seyn. Unerwähnt wollen wir endlich nicht lassen, daß der Bundestag am 29. Juni eine Anzahl Beschwerden von Privaten hinterließ, welche vom Justizministerium allmählich erledigt worden.

Die schwierigsten Aufgaben lagen indessen dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten vor. Die Vertretung Deutschlands nach Außen war bisher nur mittelbar, haupt­sächlich durch preußische und österreichische Diplomatie ge­schehen. Deutschland als solches hatte nirgends in Europa einen Gesandten. Im Frühling dieses Jahres geschah es zum ersten Male, daß der Bundestag von der ihm durch die Bun­desakte eingeräumten Befugniß Gebrauch machte und Hrn. Banks nach London sandte. Hier war also eine bisher nirgends gekannte neue, eine prov. Gewalt in den völkerrechtlichen Ver­sehr einzuführen. Dies ist geschehen und die deutschen Ge­sandten sind in London, Paris, Brüssel, Haag, Kopenhagen, Stockholm, Bern, Turin empfangen, die entsprechenden Ver- ireter dieser Länder dagegen in Frankfurt beglaubigt. Die slvch ausstehenden Missionen sind vorbereitet; zunächst werden Gesandte nach Nordamerika und Konstantinopel abgehen, sowie ein Generalkonsul in die Donaufürstenthümer. Unter den Wännern der alten Diplomatie finden sich, der politischen Rich- lung wegen, welche sie zu vertreten hatten, nicht sehr viele, men Dienste der neuen Zeit frommen können, und doch kommt

nirgends mehr, als in diesem Geschäftszweige, trotz Allem, was man dagegen sagen mag, so Vieles auf Kenntniß der Personen und der allerwärts geltenden Formen an, die ein einzelner Staat für sich weder verletzen darf, noch ändern kann. Abgesehen also auch davon, daß das Ministerium des Auswärtigen ein diplomatisches Personal von dem Bundestag nicht überkam, war hier auch in jeder andern Beziehung Alles neu zu schaffen. Gerade aber wegen dieser Neuheit glaubt sonderbarer Weise die öffentliche Kritik um so schärfer seyn zu können. Aber schon jetzt hat sich die Meinung über den Werth des Waffenstillstandes von Malmoe wesentlich berichtigt. Hat doch seiner Zeit der Führer der äußersten Linken in der Natio­nalversammlung auf der Rednerbühne selbst erklärt, er könnte den Waffenstillstand vielleicht gutheißen, wenn nur Preußen ihn nicht abgeschlossen! Und hat doch der Schleswiger, Herr Franke, der erst kürzlich sein Vaterland bereist, vor einigen Tagen in der Nationalversammlung öffentlich bestätigt, daß neun Zehntheile der Bevölkerung von Schleswig-Holstein, worauf ja allein Alles ankommt, mit den Bestimmungen des Waffenstillstandes vollkommen zufrieden seyen! Die Bemüh­ungen des Ministeriums, für die Ausführung dieses Waffen­stillstandes Modifikationen eintreten zu lassen, waren bis jetzt von Erfolg begleitet, und zu den Friedensunterhandlungen sind die Einleitungen getroffen. Nicht minder als die schles- wig-holsteinische hat die Limburger Angelegenheit und die italienische Verwickelung die Thätigkeit des Ministeriums in Anspruch genommen, und diese letztere Frage wird nicht ent­schieden werden ohne Mitwirkung der deutschen Zentralgewalt, sobald überhaupt außer den kriegführenden Mächten noch an­dere Großstaaten Antheil daran nehmen. Eben so wenig aber sind die Verhandlungen mit der Schweiz jetzt schon zu beur­theilen. Wer dies dennoch thut, gleicht dem urtheilslosen, welcher gewohnt ist, demjenigen Recht zu geben, der gerade im Augenblicke das letzte Wort gehabt. Vielleicht wird sich in dieser Angelegenheit die neue Diplomatie dadurch von der alten unterscheiden, daß sie, statt länger zu reden, handelt.

Das Kri egs m inister iu m war bisher nicht minder be­schäftigt. Hatte es auch in seiner Anordnung für den bekann­ten 6. August dem Schwünge der Einheitsidee, da wo es eine Form galt, etwas zu viel vertraut, so haben doch die Hand­lungen der Einzelstaaten seine Thätigkeit auf das Kräftigste unterstützt. In Schleswig, in Frankfurt am 18. Sept., an der Schweizer Grenze und nunmehr in den ausgestellten fünf Lagern fanden sich die verschiedensten Truppen mit einer Rasch­heit ein, die vor Errichtung einer Zentralleitung undenkbar war. Im Auslande hat diese Kampfesbereitschaft ein heilsa­mes Erstaunen hervorgebracht, im Jnlande aber hat die Ver­träglichkeit und die wetteifernde Tapferkeit der verschiedenen Truppen in den Kämpfen gegen die Aufrührer am Oberrhein wie in Frankfurt die Ueberzeugung verschafft, daß trotz der verschiedenen Farben die deutsche Armee jetzt schon eine einheit­liche ist und an Tapferkeit keiner nachsteht. Die von der Na­tionalversammlung beschlossene Erhöhung der deutschen Heeres­kraft auf zwei Prozente der Bevölkerung ist auf Anordnung des Reichskriegsministeriums in den Einzelstaaten in Ausfüh­rung begriffen ; das Ministerium hat Sorge getragen, daß dies auf die für Menschen- wie für Geldkräfte möglichst schonende Weise geschehe. Mit einem Heer von 900,000 Mann ist Deutsch­land im Stande, jedem Feinde die Spitze zu bieten.

Dem Kriegsminister aber im Verein mit dem Reichs- m nister des Innern gebührt vor Allem das Verdienst der