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zu. Der Präsident Grabow rief Hrn. v. Berß zur Ordnung. Die Kammer mißbilligte den Ordnungsruf mit der Mehrheit zweier Stimmen. Präsident Grabow legt sein Amt nieder. Die bestürzte Versammlung gibt ihm ihr Vertrauen zu erkennen. Herr Grabow ist um vierwöchentlichen Urlaub eingekommen.

Betrübende Nachrichten aus Wien bis zum 24. Abends 8 Uhr, wo der Eisenbahnzug von dort abging, sind in Berlin eingegangen. Der General Fürst Windischgrätz hatte bereits am 23. seine Artillerie an der großen Eisenbahnbrücke bei Florisdorf auffahren lassen. Ihr gegenüber stand die der Wiener. Am 24. begann eine Kanonade an der Brücke von Florlsdorf und zwar in Intervallen bis 4Uhr Nachmittags, wo die Kanonade um ganz Wien herum eröffnet zu seyn schien, denn der Donner der Kanonen dauerte unablässig. Ge­gen 5 Uhr gingen die Wiener, welche gut gefeuert hatten (ein Schuß streckte z. B. 3 Kanoniere aus einmal nieder), von der ersten Brücke bei Florisdorf ab, und steckten bei dem Uebergang über die zweite, diese, eine große Holzbrücke, in Brand, so daß das Feuer den Himmel röthete. Auch noch auf andern Punkten sah man Feuersäulen. Man erzählte, daß die Wiener 2 Schiffbrücken , welche der Fürst Windisch­grätz über die Donau geschlagen hatte, genommen und behaup­tet hätten, ferner, daß die Bürger und Studenten einen Aus­fall gegen Jellachich gemacht hatten, aber mit großem Verluste zurückgetrieben worden wären. Um 8 Uhr hatten die Soldaten bei Florisdorf ein paar verwundete Bürger zu Gefangenen gemacht und 200 Gewehre nebst 3 Kanonen erbeutet. Geschos­sen wurde mit Zwölfpfündern. Die Nachrichten über die Un­garn sind widersprechend. Nach einigen Angaben sind sie wirk­lich zu Schiffe angelangt und haben den Kampf begonnen, nach anderen sind sie abermals zurückgegangen. In Preßburg selbst wußte man nichts Zuverlässiges, die Stadt aber war voller Truppen.

Aus Ollmütz hat man Nachrichten vom 23. Die Depu­tationen aus Wien waren abgewiesen worden. Der königl. preußische Generallieutenant v. Thiele, der k. bayerische Ge­nerallieutenant Zollern und der kaiserl. russische Botschafter Medem sind in Ollmütz eingetroffen. In Böhmen sollen sich die Deutschen für Wien erhoben haben. Alle auswärtigen Diplomaten haben Wien verlassen. Das Hauptquartier des Fürsten Windisch-Grätz war am 24. Okt., Nachmittags, in Schönbrunn. In dem Dorfe Hiezing, in welchem das Schloß liegt, befanden sich auch sämmtliche Diplomaten. Bei der Abfahrt der Reisenden aus FloriSdorf dauerte das Bombarde­ment fort, entschieden aber war noch nichts, auch eine Ueber­sicht der Resultate nicht zu gewinnen. In Uebereinstimmung mit diesen Nachrichten enthält derPreußische Staatsanzeiger" nach den Berichten eines Augenzeugen, Bahnhof FloriSdorf bei Wien, 24. Okt. 1848, Folgendes: Seit gestern Abend ist die völlige Einschließung der Stadt eingetreten; Fürst Win­disch-Grätz hat sein Hauptquartier gestern Mittag von Stam­mersdorf nach dem Schlosse Schönbrunn verlegt. Heute Nach­mittag ist die zweimal 24stündige Frist der Bedenkzeit ver­flossen, worauf eine gänzliche Zernirung des Platzes stattsinden wird. In diesem Augenblick vernimmt man nur selten unter­brochenen Kanonendonner; die bei den Donaubrücken auf­gestellten Geschütze der Stadt versuchten nämlich die dies­seitigen Truppen zurück zu drängen, die kaiserlichen Bat­terien erwiederten aber das Feuer mit solchem Nachdruck, daß bereits drei feindliche Geschütze unbrauchbar gemacht worden sind. Der erste Ausfall der Wiener fand bereits gestern Morgen an der Nußdorfer Linie statt, der zweite ebendaselbst Nachmittags 3 Uhr. Beide waren ohne erhebliche Resultate. Als Gerücht erfährt man, daß die Ungarn einen Angriff auf die Armee des Ban Jellachich gemacht haben sollen. So eben, halb 4 Uhr Nachmittags, sind die beiden Donau­brücken (die Eisenbahn- und Donaubrücke) geräumt worden. Es wehen weiße Fahnen darauf, und die Truppen sind bereits hinübergerückt. Die Brücken selbst werden in aller Eile her­gestellt. An der Nußdorfer Linie währt das Geschützfeuer fort, und ein außerhalb der Linie stehendes Gasthaus steht in vollen Flammen. Ein zweiter Feuerschein war in der Vorstadt Wieden, und die beiden kleinen, über das sogenannte Kaiserwasser, einen Arm der Donau, führenden Brücken wurden Nachmittags 6 Uhr in Brand gesteckt, um das weitere Vordringen der Truppen zu verhindern. So eben vernimmt man ein lebhaftes Gewehr­feuer in der nahe gelegenen Brigittenau.

Aus Wien sind laut einem Extrablatt derdeutschen Re-- form" die betrübendsten Nachrichten eingelaufen D er Rei ch s - tag ist unvollzählig zur Beschlußnahme. Diebe­

geisterten" Führer der demokratischen Partei, v. Tausenau, Schütte, Füster, Häffner haben bereits am 22. Wien verlassen, eben so Fröbel und Robert Blum. So sind die Wiener verlassen von ihren Führern, die mit ihnensiegen oder ster­ben wollten"; wahrscheinlich mußten die Herrn zum Berliner Demokratenkongresse. Nach Aussage eines Reisenden hat Win­disch-Grätz das Bombardement der Stadt bereits be­gonnen und die Stadt steht an zwei Stellen in Flammen.

Frankreich.

Paris, 26. Okt. Aus Turin meldete gestern Abend der Regierung ein Kourier, daß die dortige Kammer nach einer stürmischen Sitzung am 21. Okt. die Verlängerung des Waffenstillstandes mit Radetzky mit großer Mehrheit beschlossen hat.

Proudhon soll geäußert haben:UnserBerg hat nichts im Bauche, selbst nicht eine Maus." Diese Aeußerung soll viel böses Blut unter der ehrbaren Linken verursacht haben.

Tro uv6 Chauvel, der neue Finanzminister, ist politisch gar nicht bekannt, doch gilt er auf hiesigem Platze als ge­schickter Bankier.

In die hiesige Bürgerwehr ist eine sehr bedenkliche politische Reiselust^ nach England gefahren. Wie man so eben hört, scheute sich ein letzter Trupp sogar nicht, von London einen Ausflug nach Clarendon zu machen und dem Exkönig eine Beileids-Abresse zu überreichen.

Aus den Departements werden 13 neue Journale gemeldet. Louis Napoleon Bonaparte wird diesen 13 neuen Departementsjournalen die Kaution vorschießen, damit sie seine Kandidatur für die Präsidentenstelle der Republik gehörig aus­posaunen.

_ Kriegsminister Lamoriciere legte der gestrigen National­versammlung den Entwurf zur Deportation der Juni - Einge­schifften nach Algerien vor. Aus dem Vortrage des Ministers entnehmen wir folgende Statistik: Im Ganzen wurden arre- tirt: 11,057 Personen, die man in drei Klassen theilte, a) Ur­heber, b) Befehlshaber, c) bloße Theilnehmer der,Insurrektion.

Die Erste wurde vor Kriegsgerichte gestellt, die Zweite von den Militärausschüssen gerichtet und die Dritte der De­portation provisorisch zugetheilt. 6000 davon wurden freige- lassen, 4348 eingeschifft. Von diesen sind 991 dem Wohlwollen der Regierung ganz besonders empfehlenswert!) und "esDvären demnach nut^ 3357 nach Algerien überzuschiffen. Diese 3357 sollen zehn Jahre lang unter militärischer Diktatur und mit Entziehung aller Bürgerrechte wie Ackerzuchtsträflinge arbeiten.

Man sprach gestern Abend von einem Duell zwischen den Bürgern Clement Thomas und dem Bürger Jerome Bonaparte aus Veranlassung einiger heftigen Unterbrechungen in gestriger Sitzung. Allein die Katzbalgerei ist beigelegt.

Paris, 27. Oktober. Der Eintritt der Russen in österreichisch Galizien wird demnächst zu Interpellationen in der Nationalversammlung Veranlassung geben.

Der Präsident der Republik wird also, dem gestrigen Be­schlusse der Nationalversammlung gemäß, am 10. Dezember gewählt. Als Kandidaten werden allgemein die Namen Ca- vaignae, Ledru Rollin, Louis Bonaparte bezeichnet. Wir glau­ben, daß weder Cavaignac noch irgend einer der Kandidaten die erforderliche Stimmenzahl (über zwei Millionen) erreiche und auf diese Weise doch die Nationalversammlung die Prä­sidentenwahl vorzunehmen gezwungen seyn werde.

Heute deliberirt der Pariser Stadtrath über eine Frage, die wohl noch in keinem Staate der zivilisirten Welt aufge­worfen wurde, nämlich über die Anlage einer Arbeiter­börse, eines kolossalen Palastes, in welchem die Arbeiter, statt müßig auf den Quais zu lagern, Schutz gegen Wind und Wetter und auch wohl Belehrungsstunden finden dürften. Auch würden dort die Arbeitsgeber ihre Taglöhner holen ic.

Wir zweifeln, daß der gegenwärtige Stadtrath die nöthi­gen Fonds zum Beginn dieses Baues heute schon votiren wird.

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Sprechsaal für Stadt und Land.

Der Verfasser des im Sprechsaal der Beilage zu Nr. 178 der Nass. Allg. Zeitung enthaltenen ArtikelsVon der Aar" erklärt hiermit, daß keiner der Herren, denen man, nach der Korrespondenznachricht aus Langenschwalbach in Nr. 222 der Freien Zeitung, die Autorschaft unterschiebt, bei dem Entwurf oder der Veröffentlichung desselben irgendwie betheiligt ist. Dies im Interesse der angegriffenen Personen. Die eigeiw Ehre glaubt der Verfasser des Artikels von der Aar durch Ausdrücke, wie sie der angezogene Aufsatz der Freien Zeitung enthält, nicht im geringsten verletzt.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Sch ellenberg'schen Hof-dichhandluna in Wiesbaden.