Auszug aus einem Brief aus OllmüH, vom 16, Oktbr.: Vorgestern Nachmittag 4 Uhr kam Ler Kaiser an. Er war in einem düstern garstigen Wagen mit der Kaiserin, hinterdrein Franz Karl mit der Erzherzogin Sophie, die jungen Prinzen voran, alle zu Pferde. Der Zug ging Schritt vor Schritt. Daß er von so viel Militär (2 Bataillone Mazucchelli und einer Division Mengen-Kuirassiere) eskortirt war, machte unwillkürlich einen traurigen Eindruck. Dafür wurde man aber getröstet durch den Anblick der Bauern. Gleich beim Theresienthor spannten diese dem Kaiser die Pferde aus, und zogen ihn herein. Eine Unzahl Hannaken begleitete ihn zu Pferde. Ich war so nahe, daß ich^mich nicht enthalten konnte, jeden Bauern, den ich erwischen konnte, bei der Hand zu schütteln, und ihn laut zuzurufen: ihr sevd brav, ihr guten Leute! Es war aber auch eine allgemeine Rührung, sogar'Männer weinten. Im erzbischöflichen Palast angelangt, erschien der Kaiser mit der Kaiserin auf dem Balkon, und da wurde das Volkslied gespielt, von endlosen Vivats begleitet. Die ganze Reise des Kaisers, wie er einmal über Krems hinaus war, glich einem Triumphzuge. Immerwährend strömten 'ihm die Bauern zu, stets mit gelben Fahnen; sie wollen ihm Geld geben und Rekruten stellen, so viel er wolle, um für ihn zu fechten. Auf Ler Strecke von Selowitz bis hier ist der Kaiser sieben Mal ausgestiegen: er sprach mit den Bauern böhmisch, bat sie, sich ja nicht irre führen zu lassen, an ihm nicht zu zweifeln, erwerbe sein gegebenes Wort halten. '
Die Nachrichten aus Tirol gewinnen an Bedeutung. Der Mangel einer Regierung am Zentralsitze des Kaiserstaats und die Gefahr eines neuen Kriegs in Italien, auf den Wälsch- tirol offen sein Abfallgelüste baut, vermehren Lie dortigen Stimmen: daß Tirol im Fall der Noth durch einen von Frankfurt zu entsendenden Reichskommissär, im Einvernehmen mit einem Ständeausschuß verwaltet werde. Die Innsbrucker Zeitung und der Tiroler Bote sprechen diesen Wunsch aus.
Sprechsaal für Stadt und Land.
Parturiunt montes. . .
Kirberg , 26. Okt. Der Artikel in der „Freien Zeitung" P. P. Kirberg 6. Okt., sowie die zwei Artikel der Nass. Allg. Ztg., Wiesbaden 21. Okt., unv von der Lahn 21. Okt., dann die Entgegnung der Redaktion der „Freien Zeitung" vom 24. Okt. veranlassen die unterzeichneten Wahlmänner von Kirberg, zur Umgehung von Mißverständnissen, zu der Erklärung:
1) daß sie, die Gesinnungen des Herrn C. Zollmann vor der Wahl kennend, denselben zum Abgeordneten nicht gewählt Bcibcn) ,
2) daß der Herr Abgeordnete C. Zollmann unvorsichtiger Weise die Aufmerksamkeit der Kirberger Jugend vorzugsweise dadurch bei seinem öfteren Durchpassiren mit dem Eilwagen auf sich lenkte, daß er, aus demselben ausgestiegen, die Vor- gängnisse in der nassauischen Kammer und der neuesten Politik derselben, von der Treppe des Postbüreau's herab, in einer Art mittheilte, welche seine Gesinnungen an den Tag legte und eine Mißstimmung der Kirberger wißbegierigen Jugend hervorrief ;
3) daß die zwei Eingangs erwähnten Artikel der „Nass. Allg. Ztg." größtentheits aller Wahrheit entbehren. In Kirberg war nicht bekannt, ob der Abgeordnete, Herr C. Zollmann, ein Ausschußmitglied sey, was man eher hätte vermuthen können; dann, daß man dort nicht wissen konnte, ob der Herr Abg. C. Zollmann von Wiesbaden aus sich des Eilwagens zu seiner Reise in die Heimath bedienen würde. Die Thüre des Eilwagens wurde weder geöffnet, noch waren die Jungen mit Prügeln bewaffnet; auch wurde nicht nach dem Herrn Abg. Zollmann gefragt. Der wahre Hergang der Sache war der, daß ein Passagier im Eilwagen sich den Spaß machte, die den Eilwagen umstehenden Jungen zu fragen, wen sie suchten, ob vielleicht den Zollmann? worauf einer, auf den Witz eingehend, sagte: „Ja, den Zollmann!" Der Passagier entgegnete sodann: „O, der ist noch nicht fett genug! den laßt noch gehen!"
4) daß es noch lange nicht erwiesen ist, ob die 2—3 kleinen Steine, welche vor dem Orte Kirberg nach dem Eilwagen geworfen wurden, aus den Händen der Kirberger Jugend kamen oder aus der eines Betrunkenen, und daß dieses Bombardement weder eine Scheibe des Eilwagens zertrümmerte, noch ein Pferd verletzte, also weder diese, noch die Passagiere in die kleinste Lebensgefahr versetzte, was in dem Artikel der „Nass. Allg. Ztg." behauptet wird.
Die durch den Herrn Abg. C. Zollmann veranlaßte amt» liche Untersuchung wird unsere Angabe hier bewahrheiten und erwarten wir von der Redaktion der „Nass. Allg. Zeitung", daß sie zur Steuer der Wahrheit diesem Artikel eben so gut ihre Spalten öffnen wird, als den zwei Eingangs erwähnten. Bender, Schultheisereiverwalter. W. Seeb old , Vorsteher. Fr. Hesse, Vorsteher. Neis. W. Preußer. Rosmanith.
Frankfurt a. M., den 27. Oktober. Mittags 1 Uhr.
Papier.
Geld.
Oesterreich, 5°/, MetalliqueS.....
" %........
„ 3 % Bankactien o. D.....
„ 500 fl. Loose ........
„ 250 fl. Loose ........
Preußen, 50 Thaler Prämienscheine . . . .
„ 3 7, % Staatsschuldscheine â 105 kr. .
Bayern, 37, % Obligationen.......
Berba cher-Eisenbahn-Actien..... Würtemberg, 37, % Obligationen . . . .
„ 4 7a °/o neue Obligationen . . .
Baden, 37, % Obligationen von 1842 .... „ Lotterie-Aul. â 50 fl. bei G. u. S. . .
„ 35 fl. Loose vom Jahr 1845 ....
Darmstadt, 3'/, % Obligationen.....
„ 50 ff. Loose ........
„ 25 fl. Loose ........
Kurhessen, Friedrich-Wilhelms-Nordbahn-Actien „ 40 Thlr. Loose bei Rothschild. . .
Nassau, 3'/2 % Obligationen bei Rothschild . .
„ 25 fl. Loose ..........
Frankfurt, 3 % Obligationen....... „ 3%% „ von 1839 . . .
„ 3‘/2 „ „ von 1846 . . .
Taunus-Eisenbahn-Actien â 250 fl. . . . Holland, 27, % Integralen....... Spanien, 3 % Innere Schuld....... „ 5 „ Ardoin incl. 15 Coup.....
Polen, 300 fl. Lotterie-Loose .......
„ 500 fl. „ „ .......
Sardinien, 36 Frcs. Loose bei Gebr. Bethmann D isconto ..............
677,
54 351/,
1115 1147.
79
75 75% 687s 74% 927s
71%
45
257.
74
81% 60
20% 417s
25 % 80
207,
78
907, 86%
272
45% 17%
675/s 257*
66% 53 35
1105 1137*
78
91
74 7, 75% 677s 747s 91% 71% 447, 25
73%
597, 207* 41% 25
20
77
90
857s 270
44% 17%
92
67 % 247*
2
Frachtpreise.
Namen der Städte.
Datum der
Pr eise.
Walzen pe. Malter
Ptdiflstkr.
Korn pr. Malter Wol 6.1 fr.
—
Gerste pr. Malter
Wol fl. ist.
Hafer pr. Malter
Psdl fl. Ike.
Bingen ....
25. Okt.
260
9
22
266
6
18
147
5
—
129
3
8
Diez .....
20. Okt.
310
13
56
290
9
12
260
7
20
—
4
30
Dillenburg . . .
21. Okt.
300
15
10
300
11
20
260
9
40
190
6
40
Friedberg . . .
27. Okt.
215
9
4
196
5
48
75
4
48
136
3
25
Haramar....
20. Okt.
17
—
10
—
8
20
4
30
Hrrborn ....
21. Okt.
320
16
20
360
11
30
260
9
—
200
5
30
Mainz.....
27. Okt.
200
9
10
200
6
20
200
5
38
200
6
4
Wiesbaden . . .
26. Okt.
170
8
30
160
5
—
144
4
20
96
2
50
468] Einladung.
Zur .Berathung und Feststellung der Statuten für den katholischen Verein Wiesbadens, werden die Mitglieder des Vereins, wie Alle, die sich noch an demselben beteiligen wollen, zu einer weiteren Versammlung in der katholischen Kirche auf Sonntag, den 29. d. M., Morgens 11 Uhr, höflichst eingeladen.
Der Provisor. Vorstand des Vereins.
Sibyllinische Weissagungen der Seherin Lenormand über die Zukunft der Jahre ISIS bis 1880 Preis nur O kr.
Diese Schrift der berühmten Lenormand, welche Napoleons Größe und Fall, sowie den Sturz des Julithrones vorhergesagt, erregte in Frankreich das größte Aufsehen. Nach allen Erlebnissen des Jahres 1848 scheinen obige Weissagungen genau in Erfüllung gehen zu wollen.
Vorräthig in der Buchhandlung von Chr. Wilh. Kreidel in Wiesbaden, Langgasse Nro. 25. \ 4761
467] Der Polizeibeamte, welcher die auf gestern festgesetzte VerlvvsUUg der von dem hiesigen Kunstverein angekaufteii Bilder leitete, hat dieselbe einstellen müssen, weil ein Versehen in der Kontrole der spielenden Nummern der Subskriptionsliste gegenüber ermittelt wurde, welches ein richtiges Resultat der Verloosung in Frage gestellt haben würde.
Der Vorsitzende des unterzeichneten Ausschusses, den dieserhalb zunächst ein Vorwurf trifft, bittet um Entschuldigung und erlaubt sich anzuzeigen, daß Dienstag, den 31. l. M., Abends 6 Uhr, im Hotel Düringer der fragliche Akt von Neuem öffentlich vorgenommen werden wird.
Wiesbaden, am 28. Oktober 1848.
Der für die Leitung der Ausstellung bestellte Ausschuß des Kunstvereins.
469] Neuer Hochheimer pr. Schoppen 6 kr. bei August Müller, Webergasse Nro. 6.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandluna in Wiesbaden.