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§8. 2 und 3ohne weitern Zusatz", von Kaiser über seine beiden Anträge, von Berger über sämmtliche Anträge die namentliche Abstimmung beantragt und hinreichend unterstützt. Bei Feststellung der Reihenfolge ber Abstimmung nahm Kaiser einen seiner beiden Anträge zurück. Auch die Anträge von Gagern, Sommaruga, Uhl and, Clemens wurden zu­rückgenommen (die beiden ersteren bis zur zweiten Berathung), mehrere andere nicht unterstützt, so daß außer den Ausschuß­anträgen im Ganzen 9 Anträge zur Abstimmung übrig blieben. Zuerst wurde über den Antrag von Graf Keller und Konsor­ten abgestimmt, und dieser Antrag, dahin lautend:Die Na­tionalversammlung erklärt, vor Beschlußnahme über die 88. 2 und 3 des Verfassungsentwurfs in Betreff Oesterreichs vorzu­behalten, daß es innerhalb einer noch festzustellenden Frist ent­weder in den deutschen Bundesstaat nach Maßgabe der zu be­schließenden Verfassung eintreten oder in dem staatenbundlichen Verhältniß zu dem übrigen im Bundesstaat vereinigten Deutsch­land bleiben könne, in welchem letzteren Falle die organischen Bestimmungen, welche die veränderten Umstände nöthig machen, durch eine besondere Bundesakte zu begründen wären", ver­worfen. In Bezug auf die Zulässigkeit des Wichmann'- schen Antrags auf namentliche Abstimmung über die 88. 2 und 3ohne weitern" Zusatz erhob sich eine formelle Debatte, die mit dem Beschluß endigte, daß im Falle die §§. 2 und 3 nach dem Vorschlag des Verfassungsausschusses angenommen wer­den, auch über die zu derselben vorgeschlagenen Zusätze und Verbesserungsanträge abgestimmt werden soll. Sodann wurde §. 2, lautend:Kein Theil des deutschen Reiches darf mit nicht-deutschen Ländern zu einem Reiche vereinigt seyn", zur namentlichen Abstimmung gebracht und mit 340 gegen 76 Stimmen angenommen. Der Minoritätszusatz:Inso­fern die eigenthümlichen Verhältnisse Oesterreichs die Ausfüh­rung dieses Paragraphen 2 und der daraus abzuleitenden Pa­ragraphen hinsichtlich desselben nicht zulassen, soll die angestrebte Einheit und Macht Deutschlands im größtmöglichen Maße durch den innigsten Anschluß Oesterreichs an Deutschland im Wege des völkerrechtlichen Bündnisses zwischen der Reichsge­walt und der österreichischen Regierung erzielt werden", wird durch namentliche Abstimmung mit 375 gegen 38 Stimmen verw orfen.

Frankfurt. Wir lesen in der Bremer Zeitung: Die Stel- lung und das Verhalten Rußlands zu der deutschen Bewegung und insbesondere zu der in Frankfurt gestifteten neuenReichs­gewalt" ist längst schon ein Gegenstand der politischen Frage gewesen. Seitdem der bekannte russische Diplomat Herr v. Struve dorthin gesendet war, um privatim die deutschen und sie Frankfurter Dinge in der Nähe zu betrachten, und darüber nach Petersburg zu berichten, verlautete lange nichts vonden : Willensmeinungen und Ansichten des Kabinetts an der Newa. Jetzt aber kann ich Ihnen aus sehr guter Quelle die Nachricht mittheilen, daß man in Petersburg vollkommen von der Noth- : Wendigkeit durchdrungen ist, die Zentralgewalt auf alle thun- liche Weise zu unterstützen, sowie auch, daß man dort bereits , die Form der Anerkennung für dieselbe gefunden hat. Nach J diesen Andeutungen also werden wir vielleicht bald einen rus- t fischen Abgesandten bei der Reichsgewalt akkrcditirt sehen.

Mannheim, 26. Okt. (M. I.) Seit 23 Tagen kom- : men beständig Truppen aus dem Oberlande durch Heidelberg, I r Bataillone Hessen - Darmstädter und 1 Bataillon Nassauer sind bereits durchpassirt. Es scheint demnach, daß die Trup- i dmausstellungen daselbst nicht so bedeutend sind, als man an- I ßnglich glaubte. Endlich ist eine Gleichstellung der Feld- - julag en für das Militär aller Länder ausgesprochen worden, c Sei den im Felde gestandenen Truppen werden für die Offi- t ziere je eine Monatsgage hinzu gegeben und eine Zulage : str Tag von 1 fl. 10 kr., 1 fl. 34 kr., 2 fl. 15 kr. rc. ver- j willigt.

Karlsruhe, 25. Okt. Vorgestern hat die elfte Kammer I^ach mehrmonatlicher Unterbrechung ihre Sitzungen wieder ausgenommen. Der Präsident derselben, Markgraf Wilhelm ton Baden, begrüßte die Versammlung mit passenden Worten tob zeigte den Tod zweier Mitglieder an: des Frhrn. von Troche und des Geheimerath Vogel.

Eisenach, 19. Okt. (Rh. Volksh.) Die unglückliche Her» login von Orleans wird nun auch den Winter über hier ver- * weilen, während sie noch vor einigen Wochen den Entschluß gefaßt hatte, Eisenach zu verlassen, wegen der hiesigen Aufre- iung und öfteren Unordnungen. Uebrigens lebt die hohe Frau , N .in größter Zurückgezogenheit und widmet ihre Zeit Haupt- .Mich der Erziehung ihrer Kinder, an deren Unterricht sie sich k!°gar persönlich betheiligt.

Wien, 23. Oktober. (A. Z.) An der Nußdorfer Linie fand heute ein Vorpostengefecht statt. Die Veranlassung soll der Uebergang einiger Soldaten gewesen seyn, auf welche die Vorposten Auerspergs feuerten. Da der Kanonendonner einen Angriff fürchten ließ, wurden in den Vorstädten die Sturm­glocken geläutet, und Tausende von Proletariern erschienen im Augenblick an dem bedrängten Pünkt in Waffen. Ich war zufällig in der Vorstadt Thury, welche zunächst bedroht war. Die Szene, die der wildtobende bewaffnete Pöbel, der Mehr­zahl nach höchst schmutzig und zerlumpt, dort aufführte, bleibt mir unvergeßlich. Die Branntweinbuden waren im Augenblicke der Gefahr wie belagert; die abenteuerlichen Gesellen, die sich dort Muth eintranken, zeigten eine Wildheit, einen Trotz selbst gegen die Nationalgardisten, der das Traurigste für die Zu­kunft weissagt, wenn einmal diese schrecklichen Sturmvögel über das Schicksal der Stadt Wien gebieten werden, was unfehlbar kommen dürfte, wenn der überstürzenden Revolution nicht bal­digst Einhalt geschieht. Ob Fürst Windisch-Grätz der rechte Mann ist? Er hat wohl den eisernen Willen, aber schwerlich Weisheit genug den kommenden Ereignissen die Stirne zu bie­ten. Noch bemerke ich, daß einzelne Kanonenkugeln in die Vorstadt Thury gefallen sinv, dort ziemlichen Schaden ange­richtet haben. Ein Theil der Bewohner war darüber in pa­nischem Schrecken. Dagegen sah ich alte Männer, die von Steinen herab den Bewaffneten Muth einredeten und den toll­sten Kommunismus predigten.

Frankfurt, 28. Oktbr. So eben geht uns nachstehende Proklamation Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich zu: Wir Ferdinand der. Erste, konstitutioneller Kaiser von Oester­reich, König von Ungarn rc. rc.

Die unserm Herzen so schmerzlichen Ereignisse in bet Hauptstadt der Monarchie, und vie Fortdauer des anarchischen Zustanves daselbst, haben uns zur Wahrung des Thrones und des Glückes unserer Völker in die traurige Nothwendigkeit ver­setzt, die offene Empörung durch die Gewalt der Waffen zu unterdrücken, wie wir dieses in unseren Manifesten vom 16. und 19. Oktober l. I. unseren Völkern verkündiget haben.

Bei dem gestörten Zustande der gesetzlichen Ordnung in der Hauptstadt/ und bei dem bevorstehenden Eintritte militari# scher Maßregeln ist für den Reichstag unmöglich ge­worden, daselbst seine Berathungen fort zu setzen. Wir finden uns daher bewogen anzuordnen, daß der Reichstag seine Sitzungen in Wien alsobald unterbreche, und wir berufen denselben auf den 15. Nov l. I. nach der Stadt Krem sier, wo er in der Lage seyn wird, sich ungestört und ununterbrochen seiner großen Aufgabe , der Ausarbeitung einer den Interessen unse­rer Staaten entsprechenden Verfassung, ausschließlich widmen zu können.

Es werden demnach alle zum konstituirenven Reichstage erwählten Volksvertreter aufgefordert, sich bis zum 15. Nov. in der Stadt Kremsier zuverlässig einzufinden rc., die Verfas­sung fortzusetzen und solche mit Begleitung aller Nebenrück­sichten in Bälde einem gedeihlichen Ende zuzuführen.

Wir versehen uns, daß alle zum konstituirenden Reichs­tage gewählten Vertreter des Volks, ihrer Pflichten gegen das Vaterland eingedenk, sich angelegen seyn lassen werden, pünkt­lich zur oben bestimmten Zeit an dem bezeichneten zeitweiligen Sitze des Reichstages zu erscheinen, um sich daselbst unge­säumt mit der baldigen Lösung der ihm gewordenen großen Aufgabe ernstlich zu beschäftigen.

Ollmütz, den 22. Okt. 1848.

Ferdinand.

(L. S.) Wessenberg.

Frankfurt, 28. Okt. (F. I.) Einer aus Wien in Ollmütz eingetroffenen telegraphischen Nachricht vom 2 4. d. M. zufolge, haben die kaiserlichen Truppen nach einer kurzen Kanonade die Tabor, brücke genommen und sind in die Leopoldstadj vorg erückt. Man erwartet ehestens weitere Nach, richten

Der General Fürst Windisch-Grätz, welcher in Florids­dorf sich befindet, hat den Wienern anzeigen lassen, daß wenn sie nicht bis zum 24. Oktober, Nachmittags um 2 Uhr, die Waffen streckten, er die Stadt bombardiren werde. Die Wie­ner wollen aber dennoch nicht nachgeben und ha­ben erklärt, daß sie auf den ersten Kanonenschuß mit der Hinrichtung der beiden noch in Wien be­findlichen kaiserlichen Generale und der Plünde, rung der Bank antworten werden. Die Ungarn waren noch nicht erschienen, man glaubt wegen Man­gels an Reiterei.