’ Nassauische
Allgemeine Zeitung.
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Sonntag den 29 Oktober
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^ Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaveu 8 ft., ir den Umfang des Herzogtums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrasschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt rankfurt S fl. 30 ft., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes « fl. 40 kr. —Inserate werden die dreispaltige ititzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auS- Ü! irts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
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Uebersicht.
m# teilest e Nassauische Kammer-Kuriositäten II.
'M jur Warnung!
>e-Deutschland. Wiesbaden (Besoldungs-Verringerung der Beamten).
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— Vom Taunus (Die Aburtheilung der im Juli Verhafteten). —
Vom Rhein (Stehende Heere verschiedener Art). — Frankfurt (Der Abgeordnete Rheinwald. Spaltung im Reichsministerium. Plakatenliteratur. Deputation aus Nassau. Rußland und die Zentralgewalt).
— Mannheim (Die Soldaten). — Wien (Vorpostengefecht bei Nußdorf.
Der Kaiser beruft den Reichstag von Wien. Die Truppen dringen in die Leopoldsvorstadt. Erklärung der Wiener). — Ollmütz (Der Ein-
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,^zug des Kaisers). ^prechsaal für Stadt und Land.
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*1* Neueste Nassauische Kammer- Kuriositäten.
II.
Bekanntlich haben unsere Abgeordndten sämmtliche ?!udgets des Staatshaushaltes, vorbehaltlich einzelner Ab- 1 ri^e, verwilligt, d. h. sie haben die gesetzlicheBegründet- ' eit und Nothwendigkeit der für die Staatsverwaltung des Prüfenden Jahres in Aussicht genommenen Ausgaben aner- ' annt und ihre Zustimmung ertheilt, daß diese Ausgaben ub ben, ihrem bei Weitem größten Theile nach urch direkte Steuern aufge-brachten Staatögel- ' ern bezahlt werden.
( Die Abgeordneten haben ferner theils in Folge gemachter Regierungsvorlagen, theils auf Gesuche einzelner Gemeinden,
Chausseen- und Brückenkorrekturen und Neubauten sehr 'Beutende Summen, und namentlich noch in einer der letzten Mungen über 100,000 fl. zu einem solchen Zweck verwilligt;
sollen einzelne Abgeordneten der Linken , weil sie für ihren ^Mhlbezirk solche bedeutende Lokalvortheile aufLandeskosten durch- ‘Wt haben, deßhalb mit Adressen und Zweckessen bekomplimen- worden seyn. Also, wie bemerkt, unsere Abgeordneten und Deutlich die der Linken, waren mit Verwilligungen und Weisungen auf den „großen Beutel" keineswegs knauserig; "ch ließen sie es der den bloßen Verwilligungen nicht bewen- vä, interpellirten vielmehr vielfach die Regierung darüber, l^'die beschlossenen Arbeiten auch bereits in Angriff genommen Men, damit hierdurch den ärmeren Klassen Gelegenheit zum Mienst gegeben werde.
Als jedoch — wenn wir nicht irren, unmittelbar chch der Sitzung, in welcher die oben erwähnten 100,000 fl. Mwilligt worden sind — die Anforderung eines weiteren irtmersimpels zur Verhandlung kam und dessen unabweis- itUe Nothwendigkeit zur Deckung der verwilligten Staats- «^gaben durch den Kommissionsbericht unwiderleglich darge- MN, auch von Niemand bestritten wurde; was thaten da die Mnner von der Linken? sie gaben sich alle erdenkliche Mühe, Kammer zu einer Verweigerung des angeforderten Steuer- pHels zu bewegen, und stimmten wirklich in geschlossenem Pyland gegen dasselbe. Sie erkannten also die Gesetzlichkeit M Nothwendigkeit des Zweckes an, wollen aber derRegie- W die zu dessen Erreichung nothwendigen Mittel entziehen; r wen den ihnen für durchgesetzte Partikular- und Privat- Aeile gestreuten Weihrauch entgegen genommen, drängen p die Regierung darauf, daß sie das Geld unter den ar
men und nothleidenden Klassen in Zirkulation setze; wenn aber nun die Regierung sagt: Gebt uns das hierzu nothwendige Geld! dann antworten unsere Linke: Gott bewahre!
Welches Gaudium, welche Libationen würbe es abgesetzt haben, wenn ihre edle Absicht durchgegangen wäre; was kümmert es sie, wenn unser Kredit den Todesstoß erhalten hätte (was natürlich eine ganz unausbleibliche Folge der Steueroer- weigerung gewesen wäre) wenn unsere Landeskreditkassenscheine sowie unsere Staatsschuldscheine sofort zu einem völlig werthlosen Papiere herabgesunken, und dadurch nothwendig Tausende von Staatsangehörigen ruinirt worden wären, wenn der, wie Jedermann bekannt, gar nicht zu vermeidende Abschluß eines Anlehens entweder unmöglich gemacht worden, oder doch nur mit den ungeheuersten Opfern für die Staatskasse zu ermöglichen gewesen wäre! Solche kleinliche engherzige Rücksichten der Bourgeois und Büreau- kraten fechten Leute, die aus so erhabenem politischen Standpunkte, wie unsere Linke, stehen, nicht an!
Wir aber fragen jeden, dem Patriotismus und Gefühl für das Wohl und Wehe seiner Mitbürger nicht bloße Schlagwörter sind, um Pöbelgunst damit zu erkaufen, welche Ausdrücke hat die deutsche Sprache, um ein Verfahren, wie das von uns eben geschilderte, zu bezeichnen?
Doch Halt — wir thun unserer guten Linken Unrecht! hat sie nicht gleich nach jener versuchten Steuerverweigerung Alles wieder gut gemacht? hat sie nicht in rapider Schnelligkeit das Gesetz über die Einkommensteuer nicht etwa nur dem Prinzipe nach in unser Steuersystem ausgenommen, sondern auch mit ihrer bekannten lobenswerthen Konsequenz beschlossen, daß dieselbe schon für bas laufenbe Vierteljahr erhoben werden solle! Also zuerst macht man einen ernstlichen Versuch zur Steuerverweigerung, gleich darauf aber drängt man der Regierung eine Steuereinnahme beinahe auf!
Aber freilich die progressive Einkommensteuer — dieses Universalheilmittel für alle Schäden der Zeit, dieser moderne Ballancier aller Ungerechtigkeiten der hinter uns liegenden Jahrhunderte — die kann man nicht schnell genug in unser nunmehr glücklich gewordenes Land einführen!
Was kümmert es uns, daß Hasenfüße glauben, wir würden durch dieses gehässige Eindrängen in die delikatesten Privatverhältnisse die Kapitalisten aus dem Lande hinaustreiben, deßhalb also erstens aus dieser und der gleichzeitig und eben so unbedenklich angenommenen Kapitalrent nsteuer so gut wie keine reine Einnahme für die Staatskasse erzielen, und zweitens dem Gewerbestand die zu seiner Existenz unentbehrlichen Mittel entziehen (der Kurorte und namentlich der Stadt Wiesbaden gar nicht zu gedenken); was kümmert es uns ferner, daß sogar die republikanischen Franzosen sich für dieses von ihren kommunistischen Romanschreibern und sonstigen Weltbeglückern zugedachte Geschenk der progressiven Einkommensteuer schönstens bedankt haben! Wir wollen einmal den Versuch damit bei uns machen! Die in Volksversammlungen, namentlich bei denen „auf der Weil" — wo bekanntlich kein geringer Schatz von national-ökonomistischer Weisheit zu finden ist — genugsam laut gewordene Volksstimme will es einmal so!
Zur Warnung.
Von der altenburgischen Grenze, 24. Okt. (D.Z.) Die Besetzung Altenburgs durch Reichstruppen ist ein Beweis, daß