Beiblätter
zur Nassauischen Allgemeinen Leitung
ür Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.
M 195» Samstag den 28. Oktober isas»
△ CLn Geheimniß.
(Fortsetzung.)
„Der Prinz," fuhr Woronzof fort, „geht in einigen Stun- tn nach Rußland zurück, in Folge des Krieges, der mit Frankeich ausgebrochen ist; es würde ihm schwer fallen, die Prin- â und ihre Kinder mitzunehmen, da er selbst gezwungen 1, diese weite Reise sehr schnell zurückzulegen, aber ich werde ie Ehre haben, der Prinzessin als Führer zu dienen . . . und >enn der Herr Ritter Lust hätte, uns zu begleiten? . .
„Zu viel Güte!" sagte der Ritter, „ich habe nicht Lust, ei den Feinden meines Vaterlandes zu wohnen... besonders i Kriegszeiten!..."
Ich werde dann allein mit der Prinzessin abreisen," sagte ioronzof. .
„Ich glaube nicht, daß dieselbe Sie auf dieser Reise be- 'eitet," versetzte der Ritter.
„Wer sollte sich denn dem widersetzen?" erwiderte der Graf.
„Ein sehr mächtiger Grund, mein Herr!..." antwortete er Ritter, aufstehend und Woronzof mit dem Blicke eines delmanns betrachtend,... die Weigerung der edlen jungen MU, die Sie zu lange zum Spielball Ihrer Interessen gemacht «den, und die, endlich dieser demüthigenden Lage müde, mich muftragt hat, Ihnen dreierlei anzukündigen ... und ich werde iii«," fuhr er ihn tröstend fort, "meinerseits meine Mission Pillen!" ...
„Und was ist denn dieses?" sagte der Graf tief ergriffen, „Zuerst," erwiderte der Ritter, „erklärt Blanche von Mon- iran, daß sie nicht mehr den Namen eines Gatten tragen ill, der nicht der ihrige ist!"...
„Zweitens gibt sie Sr Erzellenz alles zurück, was sie von « erhalten hat, und wird sich nur mit dem begnügen, was «von Seiten ihres Vaters zugekommen ist."
„Drittens endlich hat sie sich mit ihrer Mutter an einen «durchbringlichen Ort begeben, wo all Ihr Gold und alle ^Geschicklichkeit nicht hinreichen würde, sie zu entdecken."
„Das wollen wir sehen!"... sagte Woronzof außer sich.
„Sie werden es sehen, mein Herr," erwiderte der Ritter....
„Und was ihre Kinder anlangt, die Kinder der Prinzessin, verstehen Sie, denn Sie haben ihr dieselben auf legitime Weise zuerkennen lassen, so nimmt sie dieselben mit sich, als das einzige'Andenken, das sie vom Prinzen Metzerski hat behalten wollen!"
„Ohne Frau! ohne Kinder!" rief Woronzof mit lebhaftem Schmerze, „was wird ihm dann übrig bleiben?"
„Die Reue!" erwiderte der Ritter von Saint-Laurent.
XXL
Das Haus d e r Rosen.
Das Haus der Rosen war eine artige Wohnung, einige Meilen von Saverne, in dem lieblichen Thale von Marmoutier.
Dieses Haus verdankte seinen Namen den vielen Rosen, welche seine weißen Wände zierten.
Unter fast hundertjährigen Bäumen versteckt, mitten im Laube wie das Veilchen verborgen, gegen Stürme und die neugierigen Blicke der Reisenden durch hohe Gebirge geschützt, schien es sich verschämt den Augen Unberufener zu entziehen und sich nur seltenen Freunden zu zeigen.
Diese bescheidene und heimliche Wohnung hatten die Marquise von Montaran, ihre Tochter und der Ritter von Saint- Laurent dem prächtigen Hotel auf dem Platze Bauvau vor^ gezogen.
Zwei andere Bewohner hatten sich ihnen zugesellt, Edgar und Mery, die von einem Emissär der Königin von Holland nach dem Hotel Montaran gebracht waren.
Die Herzogin hatte sterbend ihre königliche Freundin gebeten, sie Blanche anzuvertrauen, als sie jenen von ihr in den letzten Augenblicken geschriebenen Brief an sie absandte . . . jenes traurige und rührende Testament ihres Herzens.
Blanche widerstand, ungeachtet der tiefen Wunde, welche ihrem Selbstgefühle sowohl als ihrer Seele durch den Schwur des Prinzen geschlagen worden, nicht dem heiligen Wunsche der Sterbenden... aber in der Furcht, der Ritter möchte sie der Schwachheit zeihen, verhehlte sie ihm den Tod der Marschallin und die hohe Mission, um welche sie ihre unglückliche Rivalin gebeten hatte.