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WaS es mit den Ungarn für ein Bewenden hat, 'wissen wir heute noch nicht. Der Kommandant des mobilen Korps bei Floridsdorf ist von den kaiserlichen Vorposten gefangen genom­men worden. Minister Hornbostl lebt in größter Zurückgezo­genheit in Oberösterreich. Das diplomatische Korps ist einge­laden worden, fich von Wien zu entfernen und sich in die Nachbarschaft zu begeben, während der Dauer der Gefahr, welche bevorstehen könnte. Die kaiserliche Armee ist bereits 100,000 Mann stark, und wird sich in kurzem auf 120,000 belaufen. Ihre Aufgabe ist zugleich Ungarn zupazifiziren."

Der Gemeinderath, der sich um Alles kümmert, vergißt ganz, daß die Hungersnoth an unsere Thore klopft. Die Patres patriae horchen mit Andacht auf die Orakelsprüche des redseligen, den halben Tag Adressen und Proklamationen schreibenden Oberkommandanten Hrn. Wenzel Messenhauser, und glauben, daß unter seinem Schutze die Stadt Wien gegen jeden Angriff von außen und innen sicher sey, haben es aber noch nicht der Mühe werth gehalten, zu erwägen, ob wir auch genug Nahrungsmittel besitzen, um die dringenpsten Anforde- derungen^des Magens zu besriedigen. Die Zufuhren sind auf einigen Zeiten völlig abgeschnitten, und werden es auch auf den andern zwischen heute und morgen seyn. Der Mangel an Milch ist schon jetzt sehr fühlbar, und wer da weiß, daß das Kaffeegetränk einen Hauptbestandtheil der Nahrung der niedrigsten Schichten der Bevölkernng bildet, wird begreifen, welchen Mißmuth die Entbehrung der Milch bereits erzeugen muß. Mehl soll zwar noch auf acht Tage vorhanden seyn, aber Müller und Bäcker halten mit ihren Vorräthen zurück, und das Brod wird in dem Verhältnisse kleiner, als der Preis steigt. Wir können nicht ohne Schaudern an den Moment denken, in welchem wirklicher Mangel an allen Lebensmitteln eintreten und das Volk nach Brod schreien wird. Der Ge­meinderath scheint hieran gar nicht gedacht zu haben. Die Stimmung ist fortwährend sehr gedrückt, und Alles sehnt sich nach einer baldigen Erlösung aus dem wie ein Alp drückenden Zustande. Es scheint sich Alles gegen uns verschworen zu ha­ben. In der Stabt herrscht Muthlosigkeit; die Posten kommen theils sehr verspätet, theils gar nicht an, und von manchen Seiten ist man geschäftig, beunruhigende Gerüchte zu ver­breiten.

Am 23. Oktober muß, nach der ausdrücklichen Forderung von Windischgrätz, das Wort der Entscheidung gesprochen seyn; es muß die bestimmte Erklärung gegeben werden, ob man ohne Vorbehalt alle seine Bedingungen erfüllen oder ge­wärtigen wolle, daß er ihre Erfüllung mit eiserner Hand erzwinge.

Wien, 23. Oktbr. Eine Erklärung des kommandirenden Generals Fürsten Windisch-Gratz ist gestern Nachmittags erschienen. Durch ein Plakat wurde von ihm die Stadt Wien in Belagerungszustand erklärt und das Standrecht publizirt.

Heute Vormittags kam es bei der Nußdorfer Linie zu einem blutigen Gefechte. Militär verfolgte eine Truppe Aus­reißer desselben, die von der Nationalgarde glücklich in Em­pfang genommen wurden.

Windisch-Grätz nimmt von dem Beschlusse des Reichstages, wonach die Belagerung Wiens ungesetzlich ist, keine Notiz. Der blutige Kampf wird also wahrscheinlich beginnen, wenn die Eilboten von Wesienberg nicht günstigere Nachrichten bringen.

Frankreich.

Straßburg, 23. Okt. (O.-P.-A.-Z.) Die Festlichkeiten zur Erinnerung der Vereinigung des Elsasses mit Frankreich haben begonnen. Die Vorfeier am 21. b. M. wurde zwar durch starken anhaltenden Regen gestört, der gestrige Tag aber war, selbst in Hinsicht der Witterung, befriedigender. Nach 6 Uhr Morgens fuhr der amtliche, aus 33 Wagen bestehende Zug auf der Eisenbahn nach Kolmar, wo er um 874 Uhr ein- tras, nachdem kurz vorher der Zug mit der Deputation von Muhlhausen in ersterer Stadt bereits eingetroffen war. Sämmtliche Theilnehmer des Festes setzten sich nun in Bewe­gung nach dem Gemeindehause, wo nach dem offiziellen Pro­grammeder Grundstein des Denkmals gelegt werden sollte, das bestimmt ist, die Erinnerung des Anschlusses des Elsasses an Frankreich sorkzupflanzen." Ueberall, wo der Zug vorüber- ter Langstraße, der Schlüssel-, Klebergasse und an der Allee des Marsfeldes waren die Häuser mit Fahnen und Blumengewinden geschmückt; eine beträchtliche Menschenmenge drängte sich in den Straßen und an allen Fenstern. Beson­ders die ^chlustelgaste bot den Theilnehmern des Zuges einen

bewundernswerthen Anblick dar, welche in ihrer ganzen Länge unter einem grünen Laubdache wandelten; ein wahrer Blu­menregen fiel alsdann von schönen Händen aus den Fenstern und Balkönen auf den Zug hernieder und namentlich auf die Straßburger Nationalgardisten, welche sämmtlich mit Blumen bekränzten Flinten auf dem Marsfelde ankamen. Bei seinem Eintritte in das MarSfeld ging der Zug unter einem Triumph­bogen von Laubwerk hindurch, der mit den Wappen der vor­züglichsten Städte des Elsasses geziert war und die Inschrift trug:1648 1848. Das Elsaß vereinigt mit Frankreich." Auf die Rufe:es lebe Frankreich!" die von allen Anwesen­den wiederholt wurden, antwortete der General Rilliet und alle gegenwärtigen Militärs mit dem Rufe:Es lebe das Elsaß!" Hierauf ward der Grundstein gelegt und Jedermann gab seinen Hammerschlag. Nach Beendigung dieser Feierlich­keit defilirten die Schulen, der Gewerbzug und die Detasche- ments der Nationalgarden vor den Behörden mit den tausend­fachen Rufen:Es lebe die Republik! es lebe Frankreich!" Der Zug kehrte in der nämlichen Ordnung in die Stadt zu­rück. Mittags fanden acht Bankette in verschiedenen Lokalen statt. (Des andern Tages wurde die Einweihung des Denk­mals vorgenommen.)

Sprechsaal für Stadt und Land.

*t* Wiesbaden, 26. Okt. Obgleich unsere Abgeordneten- Kammer in ihrer letzten öffentlichen Sitzung auf den Antrag von Zollmann beschlossen hat, daß die in' den Ausschuß für die Verwaltungsorganisation gewählten Abgeordneten, welche nicht zugleich Mitglieder eines der beiden andern hier zurück­gebliebenen Ausschüsse sind, drei an der Zahl eben so wie alle übrigen Abgeordneten beurlaubt werden sollen, weil sie eben nicht das Allermindeste hier zu thun haben; sehen wir diese drei Herren gleichwohl fortwährend noch innerhalb unsern Mauern. Wir erlauben uns daher im öffentlichen Interesse die bescheidene Anfrage:

1. Ob diese drei Herren auch für die Zeit ihres Hierseyns ror der Mittheilung des Verwaltungsorganisationsentwurfes an den Kammerpräsidenten und dessen hierauf zu erlassende Einberufung derselben Diäten beziehen?

2. Weßhalb die beiden Abgeordneten fraglichen Ausschus­ses, welche im Staatsdienste stehen, nicht sofort an ihre Sta­tionen zurückgereist sind, um sich ihren Dienstgeschäften, wofür sie sie doch Besoldungen beziehen, wieder zu widmen?

Die betreffenden Abgeordneten, welche selbst so oft und gewiß mit Recht sich zu dem Grundsätze der höchsten Spar­samkeit im Staatshaushalte und der Abschaffung von Sineku- ren bekannt haben, werden uns diese Bitte um Belehrung nich

verargen.

BeEarrntmerOungesr.

462] In meinem Baubureau auf Schloß Sayn können zwei im architektonischen Linial- und Perspektiv-Zeichnen bewanderte Architekten, ein für Architekturformen geübter Modelleur, ein Kolorist und ein in der französischen Schriftführung gewandter Sekretär augenblicklich für längere Zeit Beschäftigung erhalten.

Darauf Reflektirende haben sich schriftlich franco an mich oder auch an die königl. preußische Bürgermeisterei Benndorf zu wenden.

Fürstlich Sayn-Wittgenstein'sche Bau-Direktion auf Schloß Sayn.

Jahn.

46G] Struwwel-Peter, Handbüchlein für Wühler, oder kurzge­faßte Anleitung in wenigen Tagen ein Volks mann zu werden. 3te Austage. Preis 27 kr.

Vorräthig in der Buchhandlung von Chr. Wilh. Kreidel in Wiesbaden, Langgaffe Nro. 25.

463] Es wird eine Parthie schöner und gutgehaltener Möbel für den gewöhnlichen Hausgebrauch billig zu kaufen gesucht, nämlich: 2 mäßig große Tische und 6 Stuhle. Bei der Expedition dieses Blattes zu erfragen

464] Bei Posamentier Moritz Schäffer sind Roßhaar-Büsche f^ Wehrmänner zu haben.

Wiesbaden, den 26. Oktober 1848.

465] Ein Mädchen von gebildeten Eltern oder ein Gymnasiast kann i" einer hiesigen Familie gegen billige Vergütung Kost und Logis erhalten^ Wo? sagt die Redaktion dieses Blattes. ' __]

459] Neuer Wein pr. Schoppen 6 kr. (in und außer dem Haus) ist 3* haben bei Freinsheim im Ritter.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck-und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Büchhandlung in Wiesbaden.

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