Der Volksschullehrer - Kongreß.
Frankfurt a. M., 19. Oktbr. Der deutsche Nolks- schu l lehrcrkongreß hat heute feine Berathungen geschlossen. Es waren im Ganzen mehr als 7000 Volksschuttehrer durch gewählte Abgeordnete und Gäste vertreten, und die Beschlüsse würden schön deßhalb als treuer Ausdruck der deutschen Lehrerwelt gelten und grundlegende Gedanken für die Schulgesetzgebung bieten, wenn sie auch nicht sich in ganz Deutschland wiederholten. Ziel der Volksschule, sagte man, sey allgemeine Menschen- und Bürgerbildung. Dieser Zweck der Bolkserziehung werde nur erreicht in Beziehung auf die in religiös-sittlicher Bildung, durch einen allgemeinen Religionsunterricht. Die intellektuelle Bildung muß aus einem den Mcnschengeist nach allen Richtungen entwickelnden Unterrichte, vor Allem in der Muttersprache, den Realien, der Zahl- und Raumlehre und den nöthigen Fertigkeiten hervorgehen. Eine größere Berücksichtigung des poetisch-nationalen Elements in Lied, Sage und Mährchen und in den Schätzen der deutschen Literatur, sowie des Volksgesangs beim Jugcndunterrichte würde das volksthümliche Gemüthsleben bilden; Leibes- und Turnübungen aber, verbunden mit den nöthigen Vorübungen für den Waffenunlerricht der körperlichen Ausbildung und Gesundheitspflege dienen. Man wollte namentlich auch der deutschen Geschichte, der Lehre von den Rechten und Pflichten eines Staatsbürgers, der Gewerbs-, Natur- und Menschenkunde eine weit größere Berücksichtigung gewährt wissen.
Man sprach sich aber einstimmig dafür aus, daß die niedere Volksschule diese Zwecke nicht allein erreichen könne, sondern daß öffentliche Fortbildungsschulen in Stadt und Land, zu deren Besuch die Jugend vom 14. bis zum 17. Jahre zu verpflichten sey , errichtet, Kindergärten (Kleinkinderschulen), Vorschulen für noch nicht schulpflichtige Kinder überall da begründet werden müßten, wo das Bedürfniß vorhanden sey. Nicht minder einstimmig war man darüber, daß die künftige Volksschule als Staatsanstalt nicht mehr Konfessionsschule bleiben, sondern überall Kommunalschule werden müsse. Ein zweiter Hauptpunkt betraf die Lehrerbildung. Man stellte zwar den Satz aus den Grundrechten an die Spitze, daß jeder Lehrer sich für seinen Beruf verbilden könne, wie und wo er wolle, verlangte aber von dem Staate, daß er in weit umfassenderer Weise dem Lehrer Gelegenheit zu tüchtiger Durchbildung gebe. Es sollen deßhalb künftig die Real-, polytechnischen- oder Gymnasialschulen so eingerichtet werden, daß der Lehrer auf einer derselben seine Vorbildung für die höhere Ausbildung erhalten könne; diese Ausbildung selbst aber solle nicht wie zeither auf Seminarien, sondern auf Universitäten geschehen, auf jeder Landesuniversität ein Lehrstuhl der Pädagogik eröffnet und Musterschulen aller Art (natürlich unter Leitung der tüchtigsten praktischen Lehrer) damit verbunden werden. Auch müsse sich an der Universität ein Kindergarten mit einer Anstalt zur Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen kleiner Kinder befinden. Die Lehrer als Staatsdiener sollen künftig im Verhältnisse zu den übrigen Staatsdienerbcsoldun- gen ein dem Dienstalter, der Leistung (Fähigkeit und Berufs- treue) und der Ocrtlichkeil angemessenes Gehalt beziehen. In derselben Eigenschaft hat der Lehrer alle dem Staatsdiener zu- kommenden Pflichten und Rechte. In Beziehung auf die Beaufsichtigung der Lehrer konkurrirt die Ortsgemeinde durch den Volksschulrach, den (die Lehrer ausgenommen, welche in angemessener Anzahl ständige Mitglieder sind) die Gemeinde wählt; über diesen stehen die Bezirksschulräche (und in größern Ländern Kreisschulräche), sowie die Landesschulräche, welche dem Ministerium der öffentlichen Volkserziehung beigeordnet sind.
Dies waren die hauptsächlichsten grundlegenden Beschlüsse des Kongresses. Die Nothwendigkeit des festen Aneinanderschlusses aller deutschen Lehrer ward allgemein anerkannt, und anch der hier vertretene Theil Deutschlands wird sofort dem zu Eisenach für dieses Jahr erwählten Vororte Dresden sich anschließen und die künftiges Jahr stattfinbende zweite allgemeine deutsche Lehrerversammlung zu Nürnberg zahlreich beschicken. Höchst Nachahmungswerth erschien besonders die Rührigkeit und Organisation der badischen Lehrer, an welcher der Redakteur des badischen Volksschulblattes, Vizepräsident Stay, sowie der badische Lehrerausschuß, großen Antheil haben. Sie haben bereits eine bedeutende Lehrerzentralkasse und stehen im Begriff, ein politisches Blatt für Lehrer zu gründen. Wie viel übrigens diese Lehrerversammlungen selbst zur Verbrüderung und Begeisterung des Lehrerstandes und zur Verbreitung richtiger Grundsätze der-Bolkserziehung beitragen,
dafür war auch wieder dieser frankfurter Volksschullehrer ein lebender, allen Theilnehmern unvergeßlicher Beweis.
Die von Eisenach abgesendete Deputation, welche früh die von der dortigen Lehrerversammlung abgefaßten Be, schlüsse dem Präsidenten der Nationalversammlung v. Gagerr übergab, hat die besten Hoffnungen für die Berücksichtiguna der Anträge zurückgebracht. Uebrigens besuchte auch eine Aw zahl Abgeordneter der Nationalversammlung den Lehrerkongref und betheiligte sich zum Theil se^r lebhaft an der Debatte.
D e u t f d) l st ii d
Frankfurt, 26. Oktbr. (Reichstagsverhandlungen vom 26. Oktober. Fortsetzung.)
Beda Weber stimmt mit den Wünschen des Dichters überein, dessen Lieder seine Jugend entzückten. Allein nicht mit dessen Mitteln Die Aeußerung des Redners über Giskra, der gesproch in dieser Frage wie ein Minister der Zukunft, ruft erspruch der Linken hervor, dann fährt Weber for st Oesterreich nicht verloren. Selbst in Italien halt auern fest an dem Kaiserstaate. Die Liebe Eisenmanns Ungarn sey eine romantische, die um so lebhafter sey, je weniger Grund sie habe. (Allgemeine Heiterkeit.) Denn auch in Ungarn sey Oesterreich längst beschäftigt, die Bauern und die Bürger zu emanzipiren. Aber die ungarische Adelsherrschaft habe dergleichen freisinnige Einrichtungen bis jetzt zu hindern gewußt. Giskra habe Throne und Kronen gestürzt. Sie könnten fallen, aber ein siegreicher Feldherr werde sie aufheben. (Bravo!) Auch er stehe auf dem Boden des Anschlusses an Deutschland, aber auf breiter Basis, nicht auf dem schmalen Streifen, auf den sich Giskra gestellt. Was die Sympathien für den Kaiser und die Gesammimonarchie anlangt, so solle man sie in der Paulskirche nicht zu niedrig anschlagen, denn die oberflächliche Rechnung könnte sich rächen. Schon habe ein Theil des Hauses zu viel Theil genommen an der Wiener Bewegung. Auch das Wort Kamarilla habe eine andere Bedeutung in Oesterreich als hier. Lieber die Kamarilla^ als den Aufruhr wollten die Bauern. Für die Ge- sammtmonarchie würden Alle für Einen stehen. Oesterreich habe Mittel genug, sich auf dem kürzesten Wege zur Einheit zu gestalten und er sey nicht von der blinden ^urcyt vor dem slawischen Elemente. Selbst der größte jetzt lebende Slawist vereinige, mit der glühendsten Liebe für feinen Stamm, die treueste Dankbarkeit für das Deutschland, dem er seine Bildung verdanke. Weber ist für alle Amendements, welche die Frage verschieben. Der Theorie haben wir genug hier gehabt, in der Politik muß man aber nur das Mögliche erstreben. Handeln Sie nicht für Rußland, treiben Sie die Slawen nicht selbst zu ungesetzlichen Handlungen. (Beifall von der Rechten, Zischen von der Linken.)
Stremayr aus Grätz vertheidigt wiederum die entgegengesetzte Ansicht. Das Volk in Oesterreich habe instinktmäßig geahnt, daß die Gesammtmonarchie nur durch die Mittel des Absolutismus fortbestehen könne. Daher die vielleicht unbegründete Beschuldigung „Reaktion" wider alle Diejenigen, die sich Oesterreichs lebhafter als Deutschlands angenommen., Selbst die Tyroler wollten, wie eine neueste Urkunde der Lau-, desvertreter beweise, nur die uralte Verbindung der öfters reichischen Völker „durch die Person des Monarchen." Die, österreichische Frage in der Schwebe halten, heiße Oesterreichs zu Grunde richten. Keine Vertagung! Wir müssen die eignisse leiten, nicht uns von den Ereignissen leiten lassen. Es werde eine Ausnahmestellung für Oesterreich beanspruchst Aber welche? Kein einziger Antragsteller dieser Gruppe habe das völkerrechtliche Bindemittel genauer zu bezeichnen vermocht, welches er meine. Sprechen Sie den Anschluß, ich beschwör^ Sie, klar aus. Sind Modifikationen nöthig, so mag,Oesters reich solche zum Vorschlag bringen. Die Nachwelt würde staunen, wenn Sie, die Sie berufen sind, die Einheit Deut!^ lands zu gründen, mit einer Theilung begönnen. (Forts. fJ
Nach einem Schreiben der N. Freib. Z. von der westliche» Schweizergränze, 18. Okt., soll Seitens der Schweiz W vom Vorort gegebene Erklärung, wonach diejenigen linge, welche das Asylrecht mißbrauchten, aus der Schwel! verwiesen, die Uebrigen aber nach dem Innern gewiesen wuH den, bisher nur in sehr geringem Umfang in Erfüllung M gangen seyn. Zum Beweis« wird erzählt, daß Flüchtling schon wieder ihre Zusammenkünfte in dem, dem BezirksaM mann Engelberger angehörenden und von ihm betriebenen; Gasthause zum Adler in Großlaufenburg abgehalten habeM jvon wo aus auch der letzte bewaffnete Ueberfall nach dey!