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Nassauische

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Samstag den 28. Oktober

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Die Raff. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 2 fiv ir den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großbarroatbums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgraf, chaft Hessen-Homburg und der freien Stadt mnksurt S fl. 30 kr., in ven übrigen Ländern desMWLThurn- und Tariâschen Verwaltungsgebietes S fl. 40 kr. Inserate werden die dreispaltige etitjeile ober bereit Raum mit 3 fr. berechnet, beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, anâ-

irtS bei den nächst gelegenen Postämtern zu mach

Uebersicht.

>er deutsche Michel in Straßburg.

!er Schullehrcrkougrest.

leutschland. Frankfurt (Reichstag). Von der westlichen Schweizergränze (Die Schweiz und die Flüchtlinge). O Ilm ütz (Zwei Proklamationen des Kaisers). Wien (Windisch-Grätz. Dro­hender Mangel an Lebensmitteln. Die Deputation des Gemeinderaths an Windisch-Grätz gewiesen. Die Start im Belagerungsstand. Beginn des Kampfes).

rankreich, Straßburg (Das Fest zum Andenken an den westphâli- schen Frieden).

kprechsaal für Stadt und Land.

* Der deutsche Michel in Straßburg

Wir leben zwar in einer Zeit, wo die dummen Streichle Än nicht selten sind, aber eine so widerwärtig einfältige komödie, wie, die, welche man am 22. Oktober (S. den Art. llrasburg.) in Strasburg aufgeführt hat, sucht ^voch wohl krgeblich ihres Gleichen. / Die Elsässer haben das dreihundert- hrige Gedächtniß ihrer Einverleibung in Frankreich gefeiert, : haben den Grundstein eines Denkmals auf den wèstphäli- hen Frieden gelegt, sie haben jubilirt, sie haben gezeigt, daß mn auch jeglicher Funke deutschen Wesens von ihnen gewichen, ch der Bodensatz desselben ihnen verblieben ist, nämlich eigentlicheMichelhaftigkeit," jene Bornirtheit des deutschen Üchels, der das Fremde bewundert und sich des Ureigenen, Mischen schämt./ ' .

Obgleich die Elsässer noch immer so deutsch sind, daß sie m drei Worte französisch rein und richtig aussprechen kön- ®i haben sie doch gerufen:' Vive la France! yive la répu- ssue ! Wollen sie freilich deutsch reden, so bringen sie's auch chl mehr rein und richtig fertig. Das ist der Gewinn, den «n der westphälische Friede gebracht, daß sie Mischlinge ge- Men sind, ein Zwittervolk, nicht deutsch und nicht französisch, «d diese Schmach der Halbheit feiert man jetzt, wo die Na­salität so hoch im Preise steht!

Bis zu den Mârztagen konnten uns die Elsässer doch noch Am Trumpf bieten, wenn man ihnen vorwarf, daß ihre Wpathien für das alte Stammlanv so lau seyen; sie sonn# bis dahin sagen, daß sie um eines größeren Maßes von leih eit willen, als ihnen in dem polizeistaatlichen Deutsch- zusallen konnte, die Nationalität zum Opfer brächten, «in selbst dieser Grund hat sich jetzt zum Gegentheil ver- W. Wo herrscht jetzt wohl die größere Freiheit? In dem Eikanischen Frankreich oder in dem monarchischen Deutsch- Frankreich hat durch seine Revolution einen soldatischen 'ltator gewonnrn, einen Steuerausschlag von 45 Prozent, ein 300 Millionen Franken .erhöhtes Budget, ein Proletariat, Elches durch Kanonen von der Herrschaft abgehalten werden 7' und im Uebrigen Unordnung in allen Ecken. Und als atz für unermeßliche Verluste nichts weiter als das schöne, ârnde^WortRepublik!" 'Man muß gestehen, es gehört a gutmüthige Genügsamkeit dazu, wenn man, angesichts des Wen solideren Aufbaues der Freiheit in Deutschland, bar# jubelt, daß man für solchen Preis das Theuerste, das "er land hingegeben hat!

Aber wenn auch das Höchste gewonnen worden wäre schon um der Art willen, wie der Elsaß, wie namentlich spä­ter Straßburg in diplomatischen Kniffen und Ränken an Frank­reich verschach ert wurde, sollten die Elsäßer so viel Ehr­gefühl haben, daß sie ihr dreihundertjähriges Jubiläum so still wie möglich feierten. Es macht einem Volke nie Ehre, daß seine Nationalität in der diplomatischen Trödelbude verhandelt worden ist, möge der Tausch nun schließlich zum Guten oder zum Schlimmen geführt haben.

Sehen wir auch ganz ab von der augenblicklichen Wels- lage, ist es denn überhaupt ein so großer Gewinn, daß die freie deutsche Reichsstadt Straßburg, dem Zentralisationsmit­telpunkte Paris die Schleppe tragen muß?

Der westfälische Frieden hätte dem protestantischen Elsaß Einen Gewinn bringen können, den er allerdings einem großen Theile Deutschlands gebracht hat die versöhnliche Ausglei­chung des Religionsst.reites. Aber gerade dieser Errungenschaft ist der Elsaß, durch den Anschluß an Frankreich verlustig ge­gangen, und ganz speziell die gute Stadt Straßburg hat als mittelbare Folge des westfälischen Friedens die Dragonaden und Jesuitenumtriebe hinnehmen müssen!

Wenn man in Paris den Friedensschluß von Münster und Osnabrück feierte, dann hätte man einigen Grund dazu, denn er hat die Integrität des deutschen Reiches gebrochen, er hat jenen Zankapfel in die europäische Politik gebracht, von welchem Frankreich seit Jahrhunderten so großen Vortheil zu ziehen wußte, und der ihm jetzt immer noch die Mittel an die Hand gibt, uns Schach zu bieten: daß nämlich nichtdeutschen Fürsten die verfassungsmäßige Einmischung in die Angelegen­heiten des deutschen Reiches zusteht. Frankreich darf jubeln; die schleswig-holstein'sche Schmach, die österreichischen Wirren sind Früchte des westfälischen Friedens ! Er hat auch statt einer kräftigen Reichsgewalt. H r e i h u n d e r t größtentheils ohnmäch­tige Souveränitäten geschaffen, und Frankreich hat lange genug seinen Nutzen aus dieser Zerstückelung gezogen, bis diese un­sinnige Zahl auf dreißig herabsank, die aus der Noth eine Tugend machen und in leidlicher Eintracht zusammenhalten. Der westfälische Friede hat die Schweiz und Niederland aus dem Reichsverbanve gerissen, er hat dem Rheinhandel solcher­gestalt die Füße und das Haupt gefesselt, er hat es möglich gemacht, daß überhaupt das Gelüste nach dem linken Rhein­ufer an der Seine auftauchen und zu politischen Intriguen aus­gebeutet werden konnte.

Und über eine solche Schmach der Stammesgenossen ju­beln die Elsässer! !Es ist dieser Jubel nicht blos ein bitterer Hohn, er ist in jetziger Zeit zugleich eine drohende Her­ausforderung; denn Deutschland beginnt eben jetzt jene schweren Flüche des westfälischen Friedens abzuschütteln.

Dieser Hohn, diese Herausforderung stimmt schlecht zu den französischen Phrasen von der allgemeinen Völkerverbrüde­rung, denn eine solche beginnt man doch wohl schwerlich da­mit, daß man die Erniedrigung und Schande seines Nachbars und Blutsfreundes mit Jubel feiert!

Am 22. Oktober wurde der Grundstein zu dem Denkmal des westfälischen Friedens in Straßburg gelegt; wer weiß, was geschehen seyn wird, bis das Denkmal ausgebaut ist, wer weiß, ob es nicht in Kurzem schon als ein Denkstein der bittersten Ironie auf seine Erbauer erscheint!