Beiblütter
zur Uaffauischeu Allgemeinen Leitung
für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.
M 194. Freitag -en 27. Oktober 1848.
△ Ein Geheimniß.
(Fortsetzung.)
Frau von Montaran schien zuerst ihre Gedanken zu amMln ... bann blieben ihre Augen auf dem Ritter haften mb ihm ihre Tochter zeigend sagte sie ^u ihm:
„Man hat Ihnen ohne Zweifel ihr grausames Opfer »er# Milicht, denn ich weiß, daß die Ehre Ihnen kostbarer ist, is das Leben, und Sie hätten sie niemals die Unserige verrufen lassen!
Diese Worte durchbohrten das Herz des Ritters wie ein surfes Eisen, èr errötete und erblaßte wechselsweise.
„Ich habe allein gehandelt, Mutter, beeilte sich Blanche s antworten, indem sie ihrem alten Freunde mit einer edel- üthigen Lüge zu Hülfe kam.
„Es sey, sagte die Marquise, ihre ganze frühere Energie 1 dem Gefühle des Unwillens wiederfindend, das sie beseelte. 4ott hatte mir das Gehör entzogen, um mich zu hindern, ie Schande meines Kindes zu vernehmen; das Gesicht, um e nicht ihre Schande am Fuße das Altars beschwören zu chm; aber jetzt, da er mir Alles wiedergegeben hat, will ich tiber, noch darf ich die Mitschuldige eines solchen Handels P!..."
„Meine Tochter, setzte sie hinzu, erhob sich mit Majestät!-' ii)tt Langsamkeit, und nahm das kostbare Bildniß des Mar- M von Montaran von der Wand, ich beschwöre Dich, mir »Gegenwart dieses verehrten Bildes zu sagen, ob Du ohne »rothen einen Titel trag en und ein Vermögen genießen kannst, 16 so theuer erkauft ist.
Blanche senkte das Haupt, denn sie kannte den unbeug- >«m Sinn ihrer Mutter, die, bis zum Uebermaß gut in h Gefühlen des Lebens, eine unerbittliche Strenge zeigte, tun es sich um die Ehre handelte ... und die junge Frau Yriff, daß, wenn sie auch ihre Vergebung in der Liebe finden tote, ihre Mutter doch niemals verzeihen würde!...
Die Ideen der Marquise stimmten zu sehr mit denen des ^ters überein, als daß er sie nicht mit heimlicher Freude 4 so ausdrücken hörte.
„Es kommt mir nicht zu, sagte der Ritter, als er sah daß Blanche auf die heftigen Worte ihrer Mutter schwieg, meine Meinung in dieser schwierigen Sache zu sagen; aber wenn die Prinzessin in ihrem Entschluß, den sie ergreifen muß, nur durch edelmüthige Rücksichten auf ihren Gatten zurückgehalten wird, so würde es mir leicht seyn, sie davon zu entbinden, indem ich ihr einen Umstand enthüllte, der sie um so viel mehr von jedeüi Verfahren gegen den Prinzen dispensiren muß, als ihr Glück mit ihm niemals möglich wäre!"
Blanche sah den Ritter voll Erstaunen an, dort einen Feind zu sehen, wo sie einen Bundesgenossen zu finden erwartete. —
„Der Prinz, fuhr dieser fort, hat der wirklichen Mutter seiner Kinder geschworen, niemals bei seiner Frau zu leben, so lange die Herzogin d'A . . . leben würde."
„Schrecklich! . . ." sagte die Marquise.
Blanche füllte sich dem Tode nahe. Denn diese schreckliche Idee hatte bis dahin in ihrem Innern nicht aufkommen können; ihr empörtes Herz hatte sie bisher immer zurückgewiesen. —
„Meine Tochter," sagte die Marquise, sie an ihre Brust ziehend, „selbst die Liebe würde einem solchen Unrechte nicht widerstehen. Titel und Gold können doch nicht ein Gemüth wie das deinige anlocken. Lasse also deiner Mutter die Sorge, dich für soviel Schmerzen zu trösten."
Der Muttername, den ich anrufe, die Rechte deines tugendhaften Vaters, die ich auf dich vererbe, erlauben mir nicht, mein' Kind länger sich unter das schimpfliche Joch beugen zu lassen, das man ihr auferlegt hat! Aber wenn es möglich wäre, daß die Tochter des Marquis v. Montaran noch länger es ertragen wollte, so mag deine alte Mutter nicht Zeuge dieser Schmach seyn, und will lieber fern von dir allein sterben!
Wähle also zwischen dem Urheber aller deiner Leiden und mir, die ich dir stets aus Liebe und Zuneigung bewiesen habe»
Blanche warf sich statt aller Antwort ihrer Mutter in die Arme, und diese ging hinaus, von Herrn Saint-Laurent beglei-