Md mehr Gulden auflegt, welche an bedrängte Familien im "Lande durch die betreffenden Aemter besorgt werden; fragt endlich, wie manche sogenannte verschämte Arme, Einzelne und Familien, aus der freigebigen Hand deö Regenten bis zu 60 Gulden Unterstützung, theils vorübergehend, theils in wiederholten Gaben empfangen haben und empfangen. Zeuge davon sind nicht immer die Zeitungen, aber die dankbaren Herzen, welche alltäglich des Himmels Segen erflehen für den „besten Mann deS Landes", wie die Volksstimme den Besitzer der Zivilliste stets nannte und noch nennt. Aber das ist es, was man gerade nicht will; den Fürsten soll die Möglichkeit entzogen werden, Wohlthaten zu üben, man will ihnen die Quelle verstopfen, durch die sie sich dankbare Herzen erwerben könnten.
Glaubt Ihr denn, Ihr Herrn von der Linken, es werde, wenn es Euch gelingen sollte, Alles gleich zu machen, keine Arme mehr geben, die um Hülfe rufen? Glaubt Ihr, es werde die Noth nimmer mehr nach Unterstützung verlangen? Aber es müssen Ersparnisse eintreten! Gut! Wir wissen ein anderes Mittel, das nachhaltiger hilft. Verwechselt nicht die Ursache mit der Wirkung; denn nicht in den zu hohen Abgaben und folgeweise in den zu hohen Zivillisten liegt die Noth, sondern in der Verdienst- und Arbeitlosigkeit. Sorgt daher vor Allem, daß ein gesetzlicher Zustand wieder eintrete, daß Ruhe und Ordnung und damit das Vertrauen wiederkehre. Sucht dann Mittel zur Belebung des Verkehrs, der Gewerbe und Industrie und es wird dadurch der Landmann , der Ge- werbtreibende, der Arbeiter wieder Verdienst und dadurch Mittel finden, seine Familie zu ernähren. Dann werden auch Mittel sich finden, dem Unglücklichen in der Noth hülfreich beizustehen. Auf dem Vertrauen in die öffentlichen Zustände, auf dem lebendigen Verkehr, auf der geregelten Thätigkeit beruht der allgemeine Wohlstand. (O.-P.-Ä.-Z.)
D e u t s ch l a n d
Wiesbaden, den 25. Oktbr. Es scheint beinahe, wir -erleben das große Wunder, daß ein Volk von 45 Millionen in's Geheime sich von seiner frei und offen gewählten und lange ersehnten Nationalversammlung lossagt und sich einer kleinen Zahl Unberufener in die Arme wirst, oder das noch größere, daß ein insgeheim und selbstgemachtes Parlament sich eine Nation hervorzaubert. Diese Nation wird hinter Barrikaden fechten, schlafen, wohnen, und den Wissenschaften obliegen und der Erste und Angesehenste wird seyn, wer eine Barrikade hoch wie der Thurm von Babel erbaut. Das Programm dieses Parlaments lesen wir in Frankfurt, wo die Blutflecken an den Häusern noch kleben, und finden es in Wien am Laternenpfähle aufgehängt, .und damit die allgemeine Verbreitung uns nicht allzusehr überrasche, so bereiten uns die Leitungsorgane dieser Partei sanft darauf vor. Ihre Feldjäger und Geschäftsreisende durchziehen das deutsche Land, sie fliegen allezeit auf der Linken, über das Eigenthum wird einstweilen auf dem Papier verfügt und ein Vehmgericht über Personen ist schon im Gange.
Wenn nach Jahren unsere Nachkommen sich darüber wundern, baß wir 33 Jahre lang gebuldig in einem trostlosen Zustande politischer Unmündigkeit bei all unserem Wissen verblie den, so werden sie nicht weniger erstaunen, baß wir durch ein solches Treiben, wie das gegenwärtige, uns nur auf kurze Zeit unsere neuerkämpfte Freiheit haben vorenthalten lassen. Es scheint beinahe, unter dem Jubeln und Zechen und Tanzen um den frisch gepflanzten Freiheitsbaum verdorren dessen Wurzeln, denn wir haben statt dieser nur unsere Kehlen begossen. Wie der Feldherr, welcher eine Festung nach langer Belagerung durch Sturm erobert, sich zu denen verhält, welche darin plündern und morden, so ist auch verschieden der Standpunkt der Männer, welche nach beharrlichem Kampfe gegen den Absolutismus denselben zum Fallen gebracht, denen gegenüber, welche jetzt in unserm Vaterlanve die Bewegung aufs äußerste treiben und sich in die Beute theilen wollen.
Anerkennen müssen wir die große Charakterstärke der Vorkämpfer unserer Freiheit, welche bei der Voraussicht der Uebel, welche allenthalben Uebergangszustände mit sich führen, sich dennoch nicht abschrecken ließen, so Großes zu erstreben, als jetzt unsere Nation im Begriffe steht. Daß aber diese Mißstände in einem so furchtbaren Grade bei uns wuchern und das Gewonnene zu verschlingen drohen, ist nicht diesen Männern, sondern unserer Schlaffheit zuzuschreiben.
Man hört von nichts weiter sprechen, als von der äußersten Linken und der Reaktion, als wenn beide Ertreme die
Nation wären. Die Nation, um welche es sich handelt, hat erstarrt und stumm vom Kampfplatze sich zurückgezogen, und dennoch kann sie allein den Ausschlag geben durch das Verwerfen des Unerreichbaren und das vollkommene Beseitigen des Abgenutzten, und wird sich dahin am Ende wenden, von wo man offen und mit Vertrauen entgegen kommt und feste Garantie für die Freiheit bietet.
Hätte das deutsche Volk wirklich so viel Sinn für Wunderbares und so wenig Nachdenken wie andere Nationen, so würde es sich schon lange der äußersten Linken in die Arme geworfen haben, und wenn es endlich dennoch geschehen sollte, so kann dieses nur durch künstlich gefteigertes Mißtrauen oder im Unmuth über getäuschte Hoffnungen bewirkt werden.
Bevor ein solcher Schritt mit all den schrecklichen Folgen gethan werden kann, müssen wir hoffen, daß sich die nationale Partei erstarke, welche belehrt durch die Fehler beider Ertreme und durchdrungen von der richtigen Idee bürgerlicher Freiheit und nationaler Größe mit Herz und Hand kräftig das Steuerruder ergreift, um das sich jetzt unhaltbare Elemente bekämpfen.
Daß diese Partei gegenwärtig so schwach, ängstlich und zögernd sich verhält, liegt einzig in dem Mangel an Zutrauen zu der ungestörten Entwickelung der nationalen Bewegung. Der Wiener Kongreß, die Karlsbader Beschlüsse, der Geist der Büreaukratie und alljährlich gesteigerte Ansprüche zu Gunsten einer besonderen Klasse haben eine so tiefe Verstimmung wurzeln lassen, daß das Volk, selbst jetzt noch nach Hinwegräuinnng aller dieser Mißstände und Parteifehler in der Erinnerung an dieselben einen Stachel zu fortwährender Aufregung findet, und sortfährt, sich Sorge zu machen über seine Freiheit, die Niemand mehr mit Erfolg anfeinden kann.
Wir stehen jetzt im umgekehrten Verhältniß zum früheren Freiheitskampfe mit Frankreich. Wie damals in großartiger Erhebung und Hingebung das ganze deutsche Volk freiwillig sich seinem Vaterlande und den Fürsten opferte, so verlangt nun dasselbe Volk Die gleiche Aufrichtigkeit von seinen Fürsten im Kampfe gegen den Feind im Innern und möchte gern Hand in Hand mit ihnen gehen.
Wir haben durchaus keinen haltbaren Grund, an dieser zu zweifeln, wenn wir nicht den jetzigen Machthabern zugleich damit die Kenntniß der Zeitbedürfnisse absprechen wollen, aber wir werden diese Ausrichtigkeit zu beiderseitigem Verderben zernichten, wenn man von so vielen Richtungen her fortfüstre, sich fernerhin in kindischem Uebermuthe zu gefallen.
Eine nationale Partei, welche wirkliche Rechte achtet, die Wunden der Vergangenheit heilt und eine sichere würdevolle Zukunft begründet, wird deshalb täglich mehr eine Nothwendigkeit.
Wie mancher verfehlte Versuch und unheilbringende Verkehrtheit auch bis dahin noch zu Tage kommen werden, diese Partei wird zuletzt zur Herrschaft gelangen, und gewiß ist auch, daß nur der ihr Führer seyn kann, welcher mit ganzer Seele den Geist der Zeit auffaßt und darnach handelt.
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Darmstadt, 21. Okt. Der hiesige konstitutionelle Verein hat heute folgende Ansprache an das preußische Volk erlassen: Eine Partei, deren Zweck auf die Sprengung btt verfassunggebenden Nationalversammlung gerichtet ist, hat zur M Erreichung dieses Zwecks eine Versammlung ihrer Anhänger !t| in Eurer Hauptstadt zusammenberufen , in der Absicht sich M !«
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die Vertreter des deutschen Volks auszugeben.
Wie wir früher veranlaßt waren, unsere Liebe, Myer Vertrauen, unsere Anerkennung gegen Euch auszusprechen, als Preußen, sein König und seine Regierung von derselben eben so kleinen als kecken Partei, deren Stimme selbst in der Paulskirche nur zu oft erschallte, auf das Niederträchtigste $ schmäht wurde, ebenso ergreifen wir diese Gelegenheit wahre Freunde deutscher Einheit ein offenes Wort an Eua $ zu richten, in der Ueberzeugung, daß es wie früher die heM ^ lichste Erwiderung in Wort und That finden, daß es wie stuytt den Einklang deutscher Gemüther auf das Erfreulichste b«W ren und befestigen wird.
Wir vertrauen, Brüder in Preußen, daß Ihr fe|t^^ n werdet an dem Bunde des deutschen Volks, das in allen fern' Stämmen vertreten ist in der verfassunggebenden Reichs«^, sammlung in Frankfurt a. M. Dieser hohen Versammlu'M wird es' gelingen, die Freiheit, die Einheit und die dauernd zu begründen.
Jenes Unternehmen, gerichtet gegen den Träger be Volkswillens, zeugt von dèr gänzlichen Verwirrung des grifft der Freiheit, und es ist hier gegründet auf alle Sch"" einer Pöbelherrschaft, nachdem seine Anhänger die Sympaty
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