Nassauische
Allgemeine Zeitung.
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Freitag den 27. Oktober
1848.
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Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 2 fl., MW ir den Umfang des HerzvgthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt iqei rankfurt S fl. 30 kr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltuttgsgebietes S fl. 40 fr. — Jnsera te werden die dreispaltige iktitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auS- ârtz bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
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Uebersicht.
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ste Zivilliste in Baden.
Deutschland. Wiesbaden (Die Parteien). — Darmstadt (Zuschrift
des konstitutionellen Vereins an das preußische Volk). — Altenburg (Rückkehr des Herzogs. Landtag). — Schleiz (Vereinigung der reußi- schen Länder jüngerer Linie). — Schleswig (Rücktritt der provisorischen Regierung). — Wien (Die Adresse der vereinigten Linken zu Frankfurt und deren Deputation. Die Ungarn. Forderungen des Gemeinde- raths und Nationalgarde von Wien. Neuestes Manifest des Kaisers).
Die Zivilliste in Baden
Von der Murg, 19. Okt. Das Bestreben unserer Zeit, Ite Staatsausgaben wo immer thunlich zu vermindern und »durch dem Volke Erleichterung zu gewähren, liegt bei den (gemeinen Klagen über mangelnden Verdienst und allmälige erarmung sehr nahe. Der Ruf nach einer wohlfeileren Re- trung ertönt in Tagesblättern und Ständeversammlungen d der große Haufe stimmt um so mehr damit überein, als selten in der Lage ist, die Sache näher zu prüfen und von ler bekannten Seite keine Mittel unversucht bleiben, gewisse nsgaben in ein möglichst gehässiges Licht zu stellen.
Dahin gehören vor Allem auch die Zivillisten, deren oft
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"Mr scheinbare Größe die Massen blendet und von denen eine \mb die andere in der That auch das gebührende Maß über# ~ ireiten mögen. Wir haben uns darum gar nicht gewundert, " 3 auch in der Paulskirche das angebliche Uebermaß der ti ■—■ - - - - - "' ■-
villist'en dazu benutzt wurde, sich einerseits den wohlfeilen chm eines wahren Volköfreundes zu erwerben und anderer-
18 die Stellung der Regenten gegenüber dem bedrängten ' >lke recht glänzend darzustellen und dadurch die Abneigung 111 8 letzteren gegen die Monarchie überhaupt zu begründen. Ust d es nun dieselbe Taktik, die man in verschiedener Weise die Staatsdiener überhaupt anwendet, warum nicht ch gegen den „ersten Diener des Staates?"
Vor dem Regierungsantritt unseres gegenwärtigen Regen- n kam die Zivilliste nur als eine Position des Budgets zur >rache; es wurde eine Geldsumme bewilligt und alle weite- » damit im engeren Zusammenhang stehenden Verhältnisse eben unbestimmt. Ueber die Hofausstattung, die Gebäude, tundstücke und Rechte, welche zur ausschließlichen Benützung i Hofes gewidmet seyn sollten, war niemals eine Festsetzung gesetzlichen Wege eingetreten. Der Wille des Regenten ‘ d das Herkommen vertraten die Stelle der mangelnden ge- Ilichen Regel. Diesem sichtbaren Mangel abzuhelfen, ließ jetzige Großherzog der ersten unter seiner Regierung zu, mentretenden Ständeversammlung einen Gesetzentwurf vor- m, durch den nicht allein die Gelddotation festgesetzt, sonst auch alle Gebäude, Grundstücke und Rechte, welche fortan Hofhaltung gehören sollten, namentlich bezeichnet wurden, sollte dadurch der Zweck der Zivilliste, den Aufwand für 1 Regenten und seine Familie von dem Staatsaufwande rein trennen, vollständig erreicht werden.
! Weiter verlangte der Regent, daß die Gelddotation von F Kommissär der Regierung mit der Kommission der Kam- r in reife Berathung gezogen und eine Vereinbarung erzielt welche den verschiedenen dabei zu beachtenden Interessen 'stchmâßjg entspreche. In Folge dieser Berathungen wurde ! jährliche Zivilliste für die Dauer der Regierung des jetzigen
Großherzogs auf die Summe von 650,000 fl.*) in Geld und die Benutzung einer Anzahl zur Hofausstattung gehörigen Gebäude und Rechte festgestellt. Ungerechnet der Vortheile, welche die Staatskasse durch die Trennung des Jagdwesens vom Staatshaushalte gewann, beträgt die jetzige Zivilliste 26,000 fl. weniger, als die vorige, und auf die Gesammtbe- völkerung ausgeschlagen, trifft davon den Kopf kaum 12 fr. Ist aber diese Summe weder an und für sich, noch mit Rücksicht auf die Kräfte des Landes eine große, so ist (te, wenn man sieht, was damit bestritten wirb, in der Thai gering und nur die bekannte Einfachheit des Hofes und die musterhaft geordnete Haushaltung machen es möglich, daß dieselbe zu den bestimmten Ausgaben reicht. Denn mit dieser Summe werden die Schatullgelber des Großherzogs und der Großherzogin , die Unterstützung und Erziehung der großherzoglichen Kinder, die Gehalte aller Hofbeamten und Diener, sowie die denselben und ihren Wittwen und Kindern von dem Regenten zu bewilligenden Pensionen und Gnadengehalte, der gejammte Aufwand für die Hofhaltung, den Marstall, die Hofjagd, so wie für die Unterhaltung der Bibliothek, der Münz-, Naturalien-, Gemälde- und Kupferstichkabinete des Hofes, des Theaters der Residenz, die Unterhaltung sämmtlicher zur Hofhaltung gehörigen Gebäude, Gärten, der Fasanerie, des Parks und der übrigen Anlagen; endlich alle nicht erwähnten ordentlichen und außerordentlichen Hofausgaben, zu deren besonderen Bezahlung aus der Staatskasse keine Ermächtigung in dem Staatsbudget liegt, bestritten.
Vergleicht man diese Summe mit den bedeutenden Lasten, welche auf der Zivilllste ruhen, und erwägt man ferner, daß die Würde des Thrones manche Ausgaben unabweisbar fordert, daß der Regent für Akte persönlicher Wohlthat und Gro ß mut h, für die zahllosen Anforderungen der Armen und Unglücklichen, deren letzte Zuflucht immer der Regent ist, zumal in konstitutionellen Staaten, wo die Regierung, durch Gesetze beengt, nicht helfen kann und darf, nur auf diese Zivilliste angewiesen ist, so erscheint in der ^hat die Summe mehr als mäßig. Und dennoch spendet der Bejt- tzer der Zivilliste Unterstützungen mit freigebiger Hand.
Für alle wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecke, für Wissenschaft und Kunst, für Gewerbe und Industrie, für den Ackerbau und alle öffentlichen Unternehmungen ist er zu reichen Beiträgen stets bereit. Wollt Ihr wissen, wie die Zivu- liste in Baden verwendet wird, so bemüht Euch jeden Mittwoch ins Schloß zu Karlsruhe, und Ihr werdet jene Hunderte von Armen sehen, welche jeweils eine kkuterstutzung empfangen. Im dem Theurungsjahr von 1846 auf 1847 »at# tet Ihr sogar sehen können, daß die Zahl derselben nicht gelten Tausend überstieg. Wollt Ihr erfahren, in welcher ^eije die durch Vereinbarung zwischen Regierung unb Kammern für den Regenten und seine Familie bestimmten Gelder nutzbringend angelegt werden, so laßt Euch erzählen, wie die znhlrei- chett Familien des Landes, welche durch Brandungluck, Ueber- schwemmung, Hagelschlag oder auf andere Weise verarmt.sind, den Besitzer der Zivilliste segnen, aus dessen Prlvatmitteln die erste und reichlichste Hülfe floß; laßt Euch erzählen, wie fast allwöchentlich ein Mann im blauen Ueberrock — er gleicht einem Diener des fürstlichen Kabinetts — in Karlsruhe zur Post geht und eine Anzahl kleiner Geldpakete von 8 bis 22
*) Und davon hat der Großherzog für dieses Jahr 100,000 fl. freiwillig nachgelassen.