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waren ganz andern Bestimmungen gewidmet, hatten in ihrer Jugend eine Bildung erhalten, die durchaus nicht geeignet schien, sie zu Demjenigen zu machen, was sie später geworden sind: Thaer hatte Arzneiwissenschaft, Schwerz Theologie stu- dirt und Dombasle sich der Chemie gewidmet.

Trotz der Vortheile, welche eine klassische Bildung gewäh­ren kann, wird sich ein Landwirth dennoch hauptsächlich die Kenntnisse zu erwerben suchen, welche unmittelbar auf seinen Stand Bezug und Einfluß haben. Zu diesen gehören, außer der Landwirthschaftslehre selbst, einige Zweige der Naturkunde, namentlich die Botanik oder Kenntniß der Pflanzen, ferner die Elemente der Feldmeßkunst und die Rechenkunst. Von der Thierarzneikunst soll jeder Landwirth so viel verstehen, daß er bei vorkommenden Krankheiten zu unterscheiden weiß, ob die Zuziehung eines Thierarztes nothwendig ist, daß er diesem die Zeichen der Krankheit angebe-n und die vorgeschriebenen Medi­kamente gehörig geben kann, daß er endlich kleinere, öfter vor­kommende Unfälle selbst zu kuriren im Stande sey. Diese und andere Kenntnisse kann sich ein junger Landwirth leicht aus den bestehenden landwirthschaftlichen Unterrichtsanstalten erwerben. | Allein der Besuch einer solchen Schule ist mit bedeutenden Un­kosten verknüpft und nicht jeder Landwirth steht in Verhältnis­sen, welche ihm eine längere Abwesenheit von zu Hause er­lauben. Diesen kann das Lesen landwirthschaftlicher Lehrbücher und landwirthschaftlicher Zeitschriften den Abgang von Unter­richt einigermaßen zu ersetzen.

Die Landwirthe zeigen im Allgemeinen eine Abneigung gegen Bücher und Zeitschriften, die von landwirthschaftlichen Gegenständen handeln. Sie vergessen, daß in Büchern und Zeitschriften blos Ansichten und Meinungen anderer Landwirthe enthalten sind, die nicht immer richtig seyn können, sondern die ein denkender Landwirth sorgfältig zu prüfen wissen wird, und die manchmal nur dadurch lehrreich werden, baß sie den Leser auf die Seite eines Gegenstandes aufmerksam machen, die er bis daher ganz übersehen hatte; oder Thatsachen und Eigenheiten der Kultur in andern Ländern und Verhältnissen, aus denen sich manchmal sehr nützliche Erfahrungen für den eigenen Betrieb sammeln lassen. Die Landwirthschaft ist bis jetzt noch eine Erfahrungswissenschaft, sie verlangt Erfahrung, Beobachtung und Vergleichung; es wäre daher zu wünschen, daß jeder junge Mann, der sich der Landwirlhschast widmet, einige Zeit auf Reisen gehen und den Ackerbau anderer Län­der und Völker studiren könnte. Es gibt wohl keinen Hand­werkslehrling, der nicht eine Wanderschaft zu seiner Ausbil­dung für nöthig erachtete; allein da der Ackersmann nicht so leicht seinen Pflug, als der Handwerker feine Werkstätte ver­lassen kann, so soll er wenigstens durch das Lesen landwirth­schaftlicher Schriften sich jene Kenntnisse, so weit es gehew. kann, anzueignen suchen, als heut zu Tage alles durch den Druck veröffentlicht wird, und alle Heimlichhaltung von wich-

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riebt.

tigen Verbesserungen und Erfindungen verschwunden ist. In unserer Zeit ist es zur Mode geworden, politische Zeitungen zu halten und an dem allgemeinen Fortgange der Bildung oder der Zivilisation regen Antheil zu nehmen; wie sollte darum nicht auch der Landwirth darauf bedacht seyn, sich von den Fortschritten und Begebenheiten auf dem Gebiete seines Stan­des Kenntniß zu verschaffen, wozu durch die vervielfältigten landwirthschaftlichen Blätter hinlänglich Gelegenheit gege­ben ist!

Kenntnisse, Vermögen und mechanische Fertigkeiten reichen jedoch noch nicht hin, einen vollkommenen und tüchtigen Land­wirth zu bilden; cs sind dazu noch einige Eigenschaften noth­wendig, die in jedem Stande und bei jedem Gewerbe als Bürge des Fortschrittes und des Gedeihens angesehen werden. Zu diesen gehört besonders die Ordnungsliebe, welche nicht blos darin besteht, daß jede Arbeit zur gehörigen Zeit und mit der erforderlichen Sorgfalt verrichtet wird, sondern auch darin, daß Alles nach einem vorher wohl überlegten Plane geschieht, und daß von dem einmal angenommenen Plane nicht bei jedem Hindernisse abgewichen wird. Unzertrennlich von der Ordnungsliebe sind Thätigkeit, Geduld und Beständigkeit oder Beharrlichkeit. Ein guter Hausvater wird jederzeit et­was zu thun finden, und wer von der Wahrheit überzeugt ist, daß Zeit Geld ist, wird sicher keinen Augenblick unbenützt vorüber gehen lassen. Geduld und Beharrlichkeit sind Eigen­schaften, die man nicht überall antrifft; allein da, wo sie zu Hause sind, bringen sie segensreiche Früchte hervor. Es gibt viele Landwirthe, die sich für eine neue vollkommnere Methode begeistern lassen, aber wenn es gilt, dieselbe in's Leben zu füh­ren, die Beharrlichkeit nicht besitzen, solche bis an's Ende zu bringen. Der Ackerbau bringt keine schnellen Wirkungen her­vor ; Verbesserungen, die heute eingeführt werden, tragen erst nach langen Jahren Früchte oder kommen vielleicht erst dem Nachfolger zu gut. (Schluß folgt.)

Miszellen.

Seitdem das Reichs-Ministerium beginnt, eine durchgreifende Thä­tigkeit zu entwickeln, nennt Ruge's Organ den Erzherzog Johann den Re ichs- Ge nSd' a r men. Wir empfehlen den Ausdruck als Abwechselung den geistreichen Pinseln, die noch immer an dem kläglichen Witz vom Reichs- Vermoderer Vergnügen sinnen.

Man glaubt endlich Nachricht von dem so lange vermißten Sir John Franklin, zu dessen Aufsuchung streben Sir I. Roß' Expedition in den Polargegenden angekommen ist, zu haben. Die Admiralität hat einen Brief von einem Oberfaktor der Hudsonsbaigesellschaft, Makpherson, vom 1. März erhalten nach welchem Eskimos die Nachricht gebracht haben, sie hätten zwei große Boote mit Weißen östlich vom Mackeuzieffuffe gesehen. Sie zeigten auch Messer und Feilen vor, welche sie von diesen Weißen geschenkt erhalten. Es kann dies kaum Jemand Anders als Sir I. Franklin sein.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.