Die Schwäche der Herzogin d'A..., die unsere Leser bereits erkannt haben werden, ward mit jedem Augenblicke größer, und nur mit der größten Anstrengung gelang eS ihr, die Thüre des Betzimmers zu erreichen...
Aber als sie diese Thüre erreichte, die ihr eine so grausame Erinnerung zurückrief, wankten ihre Knie, sie fiel auf den Boden ... und ihre Lippen auf die kaum verwischten Blutspuren ihres Geliebten heftend zerfloß fie in Thränen und fiel in Ohnmacht...
Eine Stunde darauf war das einsame Betzimmer voll Leute... Eine edle und gute Fürstin hielt ihre Gesellschafterin, ihre Freundin, die Marschallin d'A., kalt und leblos in den Armen; das schöne Haupt der Herzogin ruhte an dem Busen der Königin von Holland, die ihre Stirn mit-Küssen bedeckte, und in ihrem ungemessenen Schmerze derjenigen, deren Leben zu erlöschen in Begriff stand, etwas von ihrem eigenen Leben einzuhauchen suchte...
Postal, der in aller Hast gerufen war, untersuchte sorgfältig in einem Winkel des Betzimmers ein kleines leeres Fläschchen, das einen starken Opiumgeruch verbreitete...
Die Leute der Herzogin, die der Königin, die an den Thüren gruppenweis knieten, mischten ihre Thränen und ihr Schluchzen mit denen der Fürstin.
Plötzlich erschallte draußen ein heftiges Geräusch. . . eine barsche Stimme rief wüthend den Namen der Herzogin. . .
Der, welcher sich so ankündigte, und alle die, welche ihm in den Weg traten, brutal zurückstieß, drang in das Betzimmer und that einige Schritte gegen die Marschallin hin, die er in den Armen der Königin sah. .. Aber Hortense warf dem Herzog einen Blick voll Schmerz und Majestät entgegen und sagte: „Sie werden vielleicht jetzt ihre Ruhe achten, Herr- Herzog! . . . Sie ist todt !! . . .
Der Marschall war wie vom Blitze getroffen durch diese Worte, verbarg sein Gesicht in seine Hände und ging hinaus.
„Es ist also aus mit ihr?..." sagte die Königin zu Portal, der eben seine Hand auf das Herz der Herzogin legte.
„Vielleicht!..." antwortete dieser.
XX.
Zwei Mütter.
Durch die Ereignisse unserer Erzählung hingerissen, haben wir einige Augenblicke mehrere Personen dieser Geschichte verlassen müssen, zu denen jetzt zurückzukehren wir uns beeilen.
Nichts kommt der Unruhe und dem Schrecken gleich, die Blanche ergriffen, als sie am Vorabend des Tages, wo die vorher beschriebenen Szenen sich ereigneten, den Blick ihrer Mutter sich beleben sah und ihre Überraschung und ihren Unwillen bemerkte, als sie ihr trauriges Geständniß dem Marschall d'A... machte; als jenes Gehör, das sie allem Geräusche des Lebens verschlossen glaubte, plötzlich den Ton ausfing, um den Beweis einer Schande und Entehrung zu vernehmen.
Zitternd, bestürzt, vernichtet von dem Fluche ihrer Mutter war Blanche zu ihren Füßen hingesunken, sterbend vor Schrecken und Verzweiflung.
Der Herzog und Woronzoff entfernten sich.
Kaum waren sie hinaus, als die Thüre des Schlafzimmers sich wieder öffnete, die Marschallin erschien wieder..."
„Ach, Madame," rief Blanche, sie sehend, „meine Mutter, meine arme Mutter! . . . Um Sie zu retten, habe ich jene getödtet!..."
Die Marquise von Montaran erhob langsam ihr Haupt; ihr edles Antlitz war von Thränen bedeckt; sie betrachtete die Marschallin durch ihre Thränen hindurch... und ihre Hand zurückziehend, deren sich Blanche zu bemächtigen suchte, stieß; sie dieselbe von sich und stand auf, um hinaus zu gehen... aber ihre Schwäche und ihre Erregtheit waren so, daß sie aus ihren Stuhl zurücksank, und mit gebrochener Stimme sagte:
„Lassen Sie mich wenigstens allein weinen!..." (Fortsetzung folgt.)
Denkmal für Erzherzog Karl v. Oesterreich.
Der im vorigen Jahre erfolgte Tod des Erzherzogs Karl,; erfüllte alle deutsche Herzen, die es fühlten, was er einst dem Vaterlande war, mit tiefer Trauer, und rief lebhaft die Erinnerungen an seine Thaten und Vorzüge wieder in's Leben. Auch heute noch muß uns der geschichtliche Boden, die Erin-? nerung an große Männer des deutschen Gesammtvaterlandesi heilig und ehrwürdig seyn. In dem Nekrolog, den die preu-' ßische allgemeine Zeitung gab, hieß es von ihm, dem deutschen Feldherrn: „Er hat mehr gethan, als Schlachten geschlagen und Siege erfochten, er hat nicht allein die Kriegsfahne er- griffen und Heermassen gegen den Feind geführt, er hielt auch z ein geistiges Banner, und stand da als Fahnenträger deutscher j Ehre und Unabhängigkeit in einer Zeit, wo diese fast zu Schanden geworden wären."
Von der Wahrheit dieser Worte waren besonders die Einwohner der Stadt Wetzlar ergriffen, vor deren Thoren der unsterbliche Feldherr eine seiner schönsten Waffenthaten verrichtete, und die er dadurch von den Schrecken des Krieges befreite. Im Jahre 1796 eröffneten nämlich die französischen, Heere, unter Bonaparte in Italien, unter Moreau am Ober-- rhein und unter Jourdan am Unterrhein, den Feldzug. Dem- Letzteren, der die Sambre- und Maas-Armee kommandirte, stand Erzherzog Karl als Befehlshaber gegenüber. Jourdan drang mit überlegener Infanterie an die Lahn vor, und sein- linker Flügel, unter den Generalen Lefevre und Collaud, be-, : setzte bald die nördlichen Höhen von Wetzlar, während Gene- ? ral Soult schon bis Herborn an der Dill vorgedrungen war. i Die österreichischen Truppen, welche den rechten Flügel des i Heeres bildeten, lehnten sich an Wetzlar und vertheidigten die^ ?