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Unsere Vorposten hatten sich mit Kanonen- und Flintenschüssen am Belvedere und der Gumpendorfer Linie das Müthchen ge­kühlt. Ihre Ungeduld, auf Jellachich loszugehen, den sie alle als den Helden der Reaktion hassen, wird immer größer. Freilich berechnen sic nicht die Schwierigkeiten und die augen­scheinliche Unmöglichkeit eines günstigen Erfolges im offenen Felde. Der Nationalgardestab äußert sich selbst dahin, daß man zwar die Stadt halten könne, daß jedoch von einem offenen Kampfe nichts zu hoffen wäre. Ich besichtigte gestern ein wenig die Linien und die Linienwälle, welche wirklich sehr gut in Ver­theidigungsstand gesetzt sind. Kanonen beherrschen die Umgebun­gen, und die Wälle sind von Bewaffneten Tag und Nacht besetzt, welche sich mit unglaublicher Ausdauer dem ungewohnten Dienste unterziehen. Alles erwartet die ungarische Armee; sie ist jetzt der Messias, auf den sich die Augen der Kampflu­stigen Wiens wenden. Doch weiß man noch nichts näheres über ihre Stellung, die einen wollen wissen, sie stehe bereits bei Fischament, andere behaupten wieder, sie habe die Gränze noch nicht überschritten. Der permanente Ausschuß des Reichs­tags wußte bis heute noch nichts näheres über sie, obwohl es allgemein verlautete, daß heute ein Angriff statthaben werde. Man versichert mich aus ziemlich authentischer Quelle daß sich die Zahl der um Wien konzentrirten kaiserlichen Trup­pen bereits auf 80,000 Mann belaufe.

Wien, 15. Okt. 2 Uhr. Nachm. Man hört deutlich Ka­nonenschüsse gegen Süden, aber man weiß nichts Genaueres. Vom Observatorium des Stephanslhurmes meldet man, daß im feindlichen Lager alles ruhig sey. Wir haben hier Alle bestimmte Allarmplätze; die bewaffnete Macht der Stadt orga- nisirt sich immer mehr, und an General Bem, denselben, der von Ostrolenka aus rühmlichst bekannt ist, haben wir einen tüchtigen Offizier erhalten. Das medizinische Korps der aka­demischen Legion bezieht heute ein Lager beim Belvedere, die mobile Garde ist in drei Korps eingetheilt; bei allen Thoren stehen Kanonen in und außerhalb der Stadt, und ich kann Ihnen hiebei die merkwürdige Inschrift nicht verhalten, welche ich auf einer derselben las:Ultima ratio reg um. Zwölf Stück, noch in den vierziger Jahren gegossen, wurden mit dieser Inschrift aus dem Zeughause genommen. Die akademische Legion muß jetzt den Mentor spielen; sie allein kann noch den Ungestüm zügeln, mit welchem das Volk hinaus will, um an­zugreifen. Die moralische Macht der Legion ist aber wahrhaft wunderbar. Vorgestern und gestern, um Ihnen ein kleines Beispiel zu erzählen, kamen hier große Ladungen von Havanah- Zigarren für Rechnung des Staates an. Das Volk stürzte sich begierig nach diesen Schätzen und wollte sie nicht aus den Händen lassen. Da beorderte das Ministerium Einige von der akademischen Legion. Diese lassen die Zigarren auf die Uni­versität führen, und so liegen diese guten seinen Havanah- Zigarren in Verwahrung der Studenten! Manch sehnsüchtiges Auge mag aus diese verschlossenen Schätze fallen, aber vor dem Volke sind sie auf der Universität sicher. Ein Student steht Schildwache davor.

Wien. Das Gerücht, Erzherzog Johann komme hierher, hat freudige Sensation erregt. Bei dem gegenwärti­gen Ministerium in Frankfurt a. M. fürchten wir jedoch, der Reichsverweser dürfte in seiner Umgebung auf Hindernisse stoßen, wenn ihn auch sein eigner guter Genius zu jenem Entschlusse führen sollte, der allerdings in seinen Pflichten ge­gen alle Theile Deutschlands wohlbegründet ist.

Wien, 16. Oktober. (Journal d. Oesterreichischen Lloyd.) So eben kommen uns auf 'Privatwege wichtige Nachrichten aus^ Galizien zu. Die ganze dort liegende Mi­litärmacht rückt gegen Süden, gegen Ungarn und Wien. Die deutschen Truppen rückten von zwei verschie­denen Wegen über Jablonka und über Ducla in das Kaschauer und Trentschiner Komitat ein; die p olnisch en Truppen, so wie einige czechische Abtheilungen über Krakau gegen Wien. Die Kassen und das ärarische Eigenthum wurden von dem theil­weise aufgebotenen Landstürme, von Sensenmännern, bewacht. Allgemein fürchtet man in Galizien eineBesetzung durch die Russen, weil das ganze Land von Truppen entblößt ist. Der Adel ist natürlich in der gräßlichsten Bestürzung, weil er eben so sehr die Sensenmänner als die Russen zu fürchten hat. Es bilden sich deßhalb unter Leitung der Edel­leute allenthalben Freikorps (ihre Anzahl wird schon auf 14,000 Mann angegeben), welche nach Ungarn den Magyaren zu Hülfe ziehen wollen, theils aus politischen Rücksichten, cheils um ihr Leben sicher zu stellen. So verwirren sich von Tag zu Tag alle Verhältnisse mehr, und auf eine so grauen­

volle Weise, daß wir nur mit düsterer Ahnung in die nächste Zukunft sehen.

Wien, 16. Okt. Windischgrâtz kommt aus Böhmen I mit 18,000 M. heran. Auersperg hat auch 15,000 Mann. 1 Fürst Reuß kommt aus Mähren mit 19,000 Mann. Jet- ' lachich hat 35,000 Mann und zwar wohlorganisirte Trup­pen; denn 21,000 Mann wahrer Mordbanden hat er nach Un­garn geschickt. Sie sollen den ungarischen Landsturm zerstreut und Oedenburg verheert haben. Die Stadt wurde von ihnen geplündert und an gezündet. Man preßte in Wien selbst Ausländer zum Waffendienste; dieß veranlaßte Be­schwerde; eine Kollcktivnote aller Gesandten, mit Ausnahme des preußischen und des dänischen, legte beidem kaiserlichen Ministerium des Auswärtigen" Protest dagegen ein; die Nicht- Oesterreicher erhielten darauf Sicherheitskarten.

Für die bedürftigen Abgebrannten zu Caub sind bis jetzt an mich abgeben worden:

Von Fr. R. 2 fl. 42 kr.; von Frl. v. I. 1 fl. 45; von Frl. E. 30 fr.; von einem Ungenannten 2 fl. 42 kr. nebst i einem Pack mit Kleidungsstücken; von Fr. R. ein Pack mit i Kleidungsstücken; von Hrn. S. 1 fl.; von Fr. F. 2 fl. nebst I Kleidungsstücken; von Fr. L. Kleidungsstücke.

Wiesbaden, den 19. Oktober 1848. Büsgen. :

Frankfurt a. M, den 20. Oktober.

Mittags 1 Uhr. ]

Oesterreich. 5 "/« MetalliqueS.....

» 2% % "

3 Bankactien o. D.....

500 fl. Loose........

250 fl. Loose........

Preußen, 50 Thaler Prämienscheine . . . .

37i % Staatsschuldscheine â 105 kr. .

Bayern, 371% Obligationen....... Verba cher-Eisenbahn-Actien..... Würte m berg, 37i % Obligationen.....

47i % neue Obligationen . . .

B ad en, 372 % Obligationen von 1842 .... Lvttcrie-Anl. â 50 fl. bei G. u. S. . .

35 fl. Loose vom Jahr 1845 . ... .

Darmstadt, 3% % Obligationen..... 4 »/, - . . . .

50 fl. Loose........

25 fl. Loose.........

Kur Hessen, Friedrich-Wilhelms- Nordbahn-Actien 40 Thlr. Loose bei Rothschild. . .

Nassau, 37i% Obligationen bei Rothschild . .

25 fl. Loose..........

Frankfurt, 3 % Obligationen.......

37i% von 1839 . . .

3 7i . von 1846 . . .

T au nn s - Ei s e n bah n - A e t i en â 250 ff. . . . Holla nv, 271 % Integralen....... Spanien, 3 % Innere Schuld.......

5 Ardoin incl. 15 Coup.....

Polen, 300 fl. Lotterie-Loose.......

500 fl. . ......

Sardinien, 36 Frcs. Loose bei Gebr. Berhmann D isconto..............

Papier.

64'/, 54

33%

1090 109

7271

74'/.

7671 654 74% 91% 717* 44 71 24% 74

827* 60

20% 407s 24% 7971 2071 77 9071 86

272 4471 17%

6671

Geld. , 1 "Wil

337- ß 1075

1084

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73% ' i 75% 1 65% j 74% 1 90% 1 __ 1

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268 1

44 J

92

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l

Gerste I Hasil

Fruchtpreife.

Namen der Städte.

Da tu m der Pr eise.

Waizen pr. Malter

9)f6|fl.|fv.

Korn pr. Malier Wff.lfv.

Bingen ....

18. Okt.

260

9

24

266

6

12

Diez.....

13. Okt.

310

14

43

290

10

8

Dillenburg . . .

14. Okt.

300

15

10

300

11

30

Friedberg . . .

20. Okt.

215

9

12

196

5

50

Hadamar....

20. Okt.

17

10

Herborn ....

14. Okt.

320

16

360

11

20

Mainz.....

20. Okt.

200

9

21

200

6

17

Wiesbaden . . .

19. Okt.

170

8

30

160

5

16

147

260

260

75

260

200

144

vr. Malter

WI ff. Ist-

vr.MW

5 10 742

9 20

43

4

8

9

5

4

20

40

25

129

190

136

200

200

96

3

5

6

3

4

5

5

3

151

10

20

24

30

30

52

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441] Zur Besprechung über die Gründung eines katholischen SScrCltt ^ im Interesse kirchlicher Freiheit, werden die hiesigen katholischen Pfarrg^ : meindeglieder auf Sonntag, den 22. d. M., Nachmittags 3 Uhr zu Versammlung in der katholischen Kirche eingeladen. , ,.c ., Mr

Wiesbaden, den 19 Oktober 1848. ' Mehrere Katholiken^ s

446] In einer schönen Lage der Stadt sind 4 möblirte Zimmer zusanninu oder einzeln monatlich zuvermiethen. Wo? sagt die Revaktion. ___________ 445] Une jeune Demoiselle de Paris, dune bonne famille, qui estM fait de tous les ouvrages de femme, désire se placer dans une w- | tute ou dans une famille, comme Demoisselle de Compagnie ou con surveillante des enfants. J

On prie de s adresser franco sous A. J. â la Redaction de cejouu >

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schelleuberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.