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Vorschlag des Versaffungsentwurfs, der Oesterreich auseinan- derreißen und eS aus tausend Wunden bluten machen würde. Auch ist er der Meinung, daß Deutschland kein Recht zu solcher Trennung der österreichischen Lande habe, deren Verband durch die pragmatische Sanktion verbürgt sey und durch die Verträge von 1815. Nach ihm verbieten die politischen Rücksichten eben­falls die Annahme des Verfassungsvorschlags. Denn nur durch Gewalt würde die Umgestaltung durchzusetzen und für Deutsch­land selbst vom größten Nachtheile seyn, inb em es damit die großen Nebenländer des Ostens von sich stoße.

(Schluß folgt.)

München, 18. Okt., Nachmittags 3 Uhr. (O.-P.-A.-Z.) Die heute früh bald nach 8 Uhr wieder begonnenen Erzesse sind bis jetzt ohne Unterbrechung fortgesetzt worden und haben einen fürchterlichen Grad erreicht. Nachdem die meisten Brauer zu der Erklärung gezwungen waren, ihr Bier um 4 Kr. per Maß zu schenken,' welche Erklärung auf die zertrümmerten Fensterläden geschrieben wurde, die dann in den Straßen um­bergetragen worden sind, ging man weiter und verlangte das Bier für heute umsonst. Die Brauer und Wirthe fügten sich angesichts der drohenden Lebensgefahr. In den Wirths- stuben, auf den Straßen, vor den Schenklokalen begann nun ein kannibalisches Saufgelagei Als die Masse durch den Uebergenuß unzurechnungsfähig geworden war, begann sie von Neuem das Werk der Zerstörung. Wenige, vielleicht keines der Brauhäuser hat noch ein ganzes Fenster, eine ganze Thüre, einen ganzen Tisch, Stuhl ic. Von da drangen die Tumultuanten in die Bäckerläden und verübten dort gleiche Erzesse. Als in den Schenk- und Bäckerlokalen nichts mehr zu zertrümmern war, erbrach man bei mehreren der als wohl­habend bekannten Bäcker die Thüren zu ihren Privatwoh­nungen. Was sich vorfand , wanderte durchs Fenster auf die Straße: Spiegel, Kästen, Betten, Alles, was nicht niet- und nagelfest war, zersplitterte auf dem Pflaster. Kassen wurden erbrochen, deren Inhalt theils gestohlen, theils durchs Fenster geworfen. Auf den Straßen warteten andere Haufen des liederlichsten Gesindels; was nicht ganz durch den Sturz zer­schellte, wurde unter Geschrei noch ganz zu Trümmer geschla­gen; Wasch- und Leinengeräth theils in hundert Fetzen zer­rissen, theils gestohlen, die Federn aus den Betten herausge- riffen und in den Wind zerstreut. Wer sich von Hausbewoh­nern widersetzte, wurde mißhandelt; wir hören, daß in einem Bräuhause der Besitzer mit seinen Knechten den Räubern den Eingang wehrte und zwei derselben, zwei Soldaten, erschlug; in den meisten Häusern fügte man sich ohne Widerstreben. Auch in andere Läden wurde eingedrungen, und namentlich sind es Tabak und Zigarren, die geraubt werden. Die Läden, sowie überhaupt fast alle Lokalitäten zu ebener Erde, sind ge­schlossen. Kann man dem Unfuge nicht wehren, die­sen Szenen des Vandalismus kein Ende machen? Man hat es bis zu dieser Stunde nicht versucht. Einzelne Soldatenabtheilungen durchziehen die Straßen, stellen sich auch wohl an eben der Zerstörung und Plünderung preisgegebenen Häusern gegenüber auf und sehen zu! An keinem Orte ist bis.jetzt eingeschritten worden. Es ist unglaublich, aber buch­stäblich, wie ich Ihnen schreibe. Mildern Sie keinen einzigen Ausdruck in meinem Berichte; ich schreibe Ihnen die volle Wahrheit, wenn ich sage, daß unsere Beh örden 6 S tun- den lang dem wüsten Treiben zugesehen haben, ohne ernstlich einzuschreiten , während ihnen außer der Bürger­wehr und den Freikorps ungefähr 6000 Mann Truppen zu Gebot stehen. Halb 3 Uhr. Ich muß schließen, die Post drängt. Soeben höre ich den ersten Signalruf für die Bürgerwehr, von Liniensoldaten sehe ich, so well mein Blick vom Fenster aus reicht, nichts.

F r a n k r e i ch.

Paris . 18. Okt. Die Stimmung des Kleinbürgers und Arbeiters wird täglich gereizter. Der Moniteur erscheint deßhalb heute mit folgender Anzeige auf seiner ersten Spalte:

Gewisse Journale verbreiten Gerüchte, die angeblich in dem Vorsaale der Nationalversammlung liefen und laut derer das Volk eine feindliche Demonstration gegen die Regierung beabsichtige. Diese Gerüchte, wenn sie ihren Ursprung wirklich in den Pas Perdus hatten, sind durchaus falsch und erlogen. Es ist ein derartiges Vorhaben weder signalisirt, prämeditirt, noch operirt worden. Uebrigens ist die Regierung, durch die Gesetze gegen die Volkszusammenrottungen auf den Straßen und öffentlichen Plätzen bewaffnet, fest entschlossen, jeder auf­rührerischen Bewegung mit aller gesetzlichen Strenge entgegen zu treten, von welcher Partei sie auch immer ausgehe. "

Gestern Nachmittag hat also das erste demokratisch- soziale Bankett unter Pierre Lerour, Proudhon Cabet, Greppo, Alton Shee it an der Barriere Pois- sonniere unserer Anzeige gemäß, stckttgefunden. Die Zahl der Gäste betrug etwa 2300 â 1 Frks. Die halbe Linke, nament­lich Ledru-Rollin, LamennaiS rc. hatten ihren Besuch zugesagt ; allein Cavaignac hat sie beschworen, demselben nicht veszuwohnen, weil er sonst für den öffentlichen Frieden nicht länger stehen könne rc. Proudhon, Lerour, Cabet, Madier de Monjau und Alton Shee haben gesprochen und dabei vorzüg- j lieh der Wiener gedacht. In den Debats' und der Gazette des Tribunaur befinden sich diesen Morgen einige Notizen über die gefallenen Trinksprüche und Sieben. Hier die Hauptsache, nämlich die verlesene und genehmigte

Proklamation an das Volk!

Brüder! Wir sind weit entfernt von dem Tage, an wel- | chem sich nach heldenmüthigen Kämpfen die Republik siegreich und glänzend, wie die aufgehende Sonne am Weltmorgen, J emporhob, jenem Bilde gleich, das das heiligste* Symbol aller Hoffnungen der Zukunft: Freiheit, Gleichheit, Verbrüderung in lebendiger Weise darstellt. Von einem Ende Europas zum : andern jauchzten ihr die Nationen Beifall zu, und vom neuen Geiste, vom Hauche der Regeneration durchdrungen, zerbrachen | auch sie ihre alten Fesseln im Namen jenes Rechts, das Frank- ;

reich feierlich verkündet hatte. Es erntete hievon sofort selbst die Früchte: in der politischen Ordnung fielen alle Privilegien und das allgemeine Stimmrecht wurde eingeführt. In der ge- I ssellschaftlichen Ordnung wurde, die Selbstständigkeit des Arbei­ters als Grundbedingung zu einer Aenderung der Form bet'; Arbeit selbst anerkannt, damit eine gleichmäßigere Vertheilung der Produkte erzielt und Jedem sein Leben in der solidarisch O verpflichteten Gesellschaft garantirt werde. Bald darauf sam­melten und organisirten sich die im Februar besiegten Parteien wieder. Ueberall, wohin ihre Hände reichten, bestrebten sie sich, L durch Verläumdung und Ränke der Republik Feinde und der f Regierung Hindernisse zu schaffen. Sich nach und nach wieder r in die Staatsverwaltung einschleichend, flößten sie derselben ; ihre Grundsätze, ihre Leidenschaften wieder ein und gebrauchten die revolutionäre Macht, die sie sich anzueignen gewußt, als Waffe gegen die Revolution selbst. Man wich zurück bis zu den Thüren der Monarchie.

Hier stehen wir in diesem Augenblick. Den Männern der Monarchie sind die Schicksale der Republik anvertraut! Wir begreifen die Befürchtungen des Volkes und seine nur wahrlich allzusehr gerechtfertigte Entrüstung. Doch möge es sich nicht V über alles Maaß allarmiren und sich vorzüglich gegen tückische Herausforderungen hüten. Was man daher auch immer auf- '" bieten möge, um es zu verheerenden Unvorsichtigkeiten zu sto­ßen, möge es doch ruhig und fest Herr über sich selbst bleiben, um auch der Herr der Zukunft zu werden.

Auf diese Weise wird es seine Stärke beweisen und sie voll und durch Einigkeit unbesiegbar wieder äußern) wenn es noch einmal nothwendig werden solltej, daß sie dem Recht zu Hülse eilte. Was uns betrifft, die wir mit dem Titel seiner Vertreter beehrt sind, so wissen wir, wozu uns dieser Titel verpflichtet; wir kennen unsere Pflichten und werden sie er­füllen. Hervorgegangen aus dem Volk und vereinigt mit dem Volke, werden wir mit ihm kämpfen und, es ist unser Glaube,

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ihm siegen.

Paris , 17. Oktbr. 1848. Pl

(Folgen die sämmtlichen Unterschriften der äußersten Linken oder des bekannten Berges der National- 8is

Versammlung.)

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Obstehende Proklamation ist zum Druck befördert worden und wird bereits in den volkreichsten Stadtvierteln maffenW ausgetheilt. An der Börse, die so eben (Mittags 1% Mr) eröffnet, verursacht sie einigen Schrecken und die Fonds machen Ni Miene zu weichen. Offenbar stehen wir am Beginne einer m der Weltgeschichte beispiellosen Krisis, und doch sagen die Leute in den Kaffee's: Tant mieux! Paris lebt bekanntlich nur in Klubbs und Kaffee's, und je sinsterer die Wolken am Himmel sich häufen, desto heiterer werden oft seine Züge. Der Pariser lacht selbst noch im Elende! ,

Im Fauburg St. Antoine ist man eben im Begriffe,

zialistische Kramläden zu errichten. ,

Marie, Justizminister, soll heute einen DekretSentwuri vorlegen, der neue Strenge gegen die Zeitungspreffe »no Klub'bs fordert. .

Gegen diese Zugeständnisse wird der BelagerungsMw aufgehoben.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenberg scheu Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.

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